Mufflons Einzug

Die Heimfahrt verlief sehr ruhig. Kein Gejammer, kein Gemaule – ein Traum! Zwischendurch immer mal anhalten und Welpi pinkeln lassen….das läuft ja wie geschmiert! Zuhaus angekommen wurde sogleich interessiert die Wohnung erkundet. Viel gab´s nicht zu erkunden…wir hatten uns sehr viel Mühe gegeben, um die Wohnung „Welpensicher“ zu machen. Alle Pflanzen wurden ins Kinderzimmer verbannt und die Tür geschlossen. Nichts lag herum. Alles prima…

…naja, dachte sich Muffin – dann fress ich halt mein Körbchen an!

Und so begann unser erster Tag als Hundeeltern…es war vorrangig folgendes zu hören „Muffin nein, Muffin pfui, Muffin aus, AUA!!!!! scheiß Milchzähne“…. Muffin störte das alles recht wenig. Sie lebte sich ein und fühlte sich pudelwohl.

Das mit der Stubenreinheit gestaltete sich schwierig. Obwohl ich auch hier eigentlich gut vorbereitet war…

Da wir im ersten Stock wohnen und es ja schnell gehen muss, beherzigte ich einen Tipp aus einem der vielen Bücher: ich stellte kurzerhand auf unseren Balkon eine Kiste, die mit Erde und Gras gefüllt wurde – das Welpenklo!

In der Theorie eine feine Sache – in der Praxis sah das anders aus. Muffin dachte gar nicht daran, da rein zu machen….was jedoch sicher sehr zu meiner Fitness beitrug. Ich hätt wirklich mal zählen sollen, wie oft ich die Treppen nach unten gerannt bin – mit meinem Fellknäuel auf dem Arm und wehendem Bademantel – zu jeder Tages und Nachtzeit. Zum Glück haben wir keine direkten Nachbarn *puuuuh*

Hach ja, ich war trotzdem oft vieeeeel zu langsam! Und ich konnte es nicht fassen, wieviel Liter Wasser in so einen kleinen Welpen passen. Man waren das Pfützen! Unser Zewaverbrauch stieg ins Unermessliche…

Irgendwie war wirklich nichts so, wie wir es uns vorgestellt hatten… angeblich schlafen Welpen doch viel….Hmmmm? Unser Monster dachte ja im Traum nicht daran! Schlafen kann man auch noch, wenn man alt ist…

Neben der Stubenreinheit bereitete uns auch die Beißhemmung einiges Kopfzerbrechen… Wie oft muss man eigentlich AUA schreien und das Spiel abbrechen, bis da irgendwann mal der Groschen fällt? Bei Muffin ungefähr eine Million mal.

Als sie ca. 12 Wochen alt war, fing der Ernst des Lebens an – der erste Hundeschulen-Besuch. Auch hier zeichnete sich schnell ab – unser Hund ist irgendwie nicht ganz dicht…. alle anderen Welpen waren etwas schüchtern und doch eher zurückhaltend….unsere nicht….die hoppste und doppste freute sich ein Loch in den Bauch.

Über ein Gitter laufen? Klar, kein Thema!
Eine Wippe? Cooooole Sache!
Über eine Plane laufen? Sicher doch…kann man die auch essen?!
Sitz? Öööööhm…..ja ok, aber nur kurz…ich muss weg…hier gibt´s noch soooo viel zu entdecken!

Naja, was soll ich sagen? Wir kämpften uns so durch. Einerseits stolz, dass unser kleiner Feger so unerschrocken und neugierig und immer gut gelaunt der Welt begegnete – andererseits manchmal ratlos, ob wir wirklich alles richtig machen und ob wir diesem Energiebündel überhaupt jemals gerecht werden können – ich glaube ich hatte manchmal sowas ähnliches wie Wochenbettdepressionen.

Und ich gestehe – ich hatte während des Welpenkurses zweimal wirklich mit den Tränen zu kämpfen. Glücklicherweise hatten wir eine tolle Hundeschule und die Trainerin hat mich zwischendurch auch mal in den Arm genommen und getröstet.

Irgendwann mußte ich dann aber doch mal die Frage aller Fragen stellen: ist dieser Hund eigentlich normal???? Ich erntete ein breites Grinsen und man empfahl mir „Marley und ich“ zu lesen – was ich dann auch tat – mir gings danach erheblich besser!

Im Dezember oder Januar 2007 dann das:

Ich war mit Muffin auf die bei uns angrenzende Wiese gegangen (Thema Stubenreinheit) als plötzlich eine Frau mit zwei Hunden des Weges kam…ich völlig unvorbereitet und überfahren – mein Welpe völlig aus dem Häuschen vor Freude.

Sie flitzte davon, wälzte sich im Schnee um anschließend im angrenzenden Bach (wenigstens war´s nicht gleich der Fluss) zu landen. Uaaaaaahhhh!!!! Schnell das zappelnde und vor überschäumender Engergie vibrierende Fellmonster geschnappt, in die Wohnung getragen und trocken gelegt. Leider hat es nichts genützt. Am nächsten Tag hatte sie Schnupfen, Husten und Fieber. Also ab zum Tierarzt – herzlichen Glückwunsch – Lungenentzündung. Meine Güte, was hatten wir für eine Angst um unser Baby….

Glücklicherweise hat sie sich schnell wieder erholt und wir waren um eine Erfahrung reicher, auf die wir eigentlich auch gut hätten verzichten können..

Der Frühling kam und aus unserem unvernünftigen Welpen wurde ein unvernünftiger Junghund – HURRA!

Wie gesagt – der Frühling…die Blümchen blühten, das Gras wuchs und der erste Schmetterling kreuzte Muffins Weg. Muffin hatte sich soeben eine Stelle für ihr Häufchen ausgesucht und losgelegt – die Denkerstirn in tiefe Falten gelegt – als plötzlich der Schmetterling vorbeiflatterte. UUUUIIIIII – was ist das denn? Hinterheeeer!

Also tapperte unser Monster – noch immer in gebückter Haltung und mitten im „Geschäft“ – völlig begeistert dem Schmetterling nach… und im Schlepptau mein Mann, der kopfschüttelnd mit dem Kotbeutel in der Hand alle paar Meter einen Teil ihrer Hinterlassenschaft einsammelte.

Jaja….man hat eben auch immer was zu lachen…

Es wurde wärmer und Muffins Begeisterung für Wasser nahm Formen an. Wir waren nun öfter am See. Leider ist es bei Muffin so, dass sämtliche noch vorhandenen Sicherungen durchbrennen, sobald sie mit Wasser in Berührung kommt. Und so dauerte es nicht lange, bis sie sich in ihrem Übermut bei einem VÖLLIG unnötigen Sprung über einen Graben den rechten Vorderlauf angebrochen hat.

So….Vorderlauf angebrochen. Suuuuper…. Aussage der TÄ: 6 Wochen schonen und nur an kurzer Leine spazieren gehen. Jaaaauuuu….unsere Freude war grenzenlos.

Da trägt man die Töle immer schön die Treppen rauf und wieder runter und hält sich (meistens) brav an die 5-Minuten-Regel und macht und tut und dann bricht die sich das Bein. Aber naja, jammern hilft nicht. Ich wollt ja eh nen Clicker-Kurs machen. Der zufällig auch genau in diese Zeit fiel. Hossa! Nebenbei durfte Muffin viel Such- und Denkspiele lösen. Ich weiß zwar nicht mehr, wie genau wir diese 6 Wochen rumbekommen haben…aber irgendwann waren sie doch vorbei.

Die folgenden Wochen waren unauffällig. Alles paletti – der Hund wieder glücklich – die Halter umsomehr…
…als plötzlich eines Tages – Muffin nichts mehr fressen wollte und schon wieder humpelte…

Diagnose diesmal: Knochenhautentzündung! Behandlung: schonen, schonen, schonen…
Ja muss die denn eigentlich alles mitnehmen?????

Es folgten wieder viele Wochen in denen wir unseren Junghund irgendwie im Zaum halten mußten. Irgendwann gehen einem die Ideen aus, was man wo noch verstecken und suchen lassen könnte… und kurz bevor man verzweifelt – ist es plötzlich wieder gut.

Aber Muffin wär ja nicht unser Hund, wenn sie sich nicht was neues einfallen lassen würde…

…womit wir beim Thema „ich fresse alles, was nicht bei 3 auf´m Baum ist“ wären. Da wurden Socken angefressen, dem Spieltau die Fäden weggekaut und am allerliebsten: Etiketten!!!! Egal ob von Kleidung, Plüschtieren oder was auch immer. Etiketten muss man töten! Erst abfressen, dann runterschlucken.

Ach ja….und ich hab mir innerhalb von einem Monat drei Paar neue Birkenstock-Schlappen gekauft, weil irgendwie immer plötzlich ein Riemen fehlte.

Glücklicherweise kam alles auf natürlichem Wege wieder raus – wahlweise vorne oder hinten – bis auf den Latex-Handschuh…

…jaaaa, richtig gelesen – ein Latex-Handschuh!

(Fortsetzung folgt)

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Kategorien: Geschichten aus der Gruft ...äh... Vergangenheit! | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Mufflons Einzug

  1. eigenwillig

    Oh Mann… Wochenbettdepression, das beschreibt es verdammt gut, wir hatten auch zweitweise das Gefühl, den Dicken nie in den Griff zu kriegen… *seufz* Krankentechnisch haben wir zum Glück (bisher) nicht so viel zu bieten, ein Zwingerhusten war das Spektakulärste *schnell auf Holz klopf*.

  2. geloe

    jeder Hund hat so seine Vorlieben, deine steht auf Etiketten, bei unserem waren es die Taschentücher. Egal, wo sie waren, er hat sie immer gefunden, sogar, wenn sie gaaaaanz tief in der Hosentasche versteckt waren 😉

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