Essen auf Rädern

Unsere Nachbarin – die Oma unseres Vermieters – bekommt mittags Essen auf Rädern geliefert. Ab und zu kommt es vor, dass sie außer Haus ist und das Essen deshalb auf den zwei Stufen vor der Hauseingangstür abgestellt wird.

Normalerweise kann da gar nix passieren. Das Essen ist gut in einer Plastikschale verpackt, da kommt auch kein Mufflon ran. Da kann sie noch so schnuffeln – keine Chance. Auch mit fixieren und Telepathie kommt sie nicht weiter. Doch eines Tages bestand der Nachtisch aus einer schönen großen leuchtenden Orange und diese Orange lag AUF der Essensschale.

Wir betraten die Eingangshalle und ich setzte mich wie immer auf meine Schuhkommode um die verdreckten Gassi-Treter loszuwerden. Muffin hatte derweil das Essen gesichtet und erklomm neugierig die beiden Stufen zur Haustür.

Es ertönte ein „Nein“ meinerseits, die ich gerade meinen ersten Schuh losgeworden war und entsetzt die hilflose Orange entdeckt hatte. Muffin sah mich mit Engelsblick an, dachte sich „aber man wird ja wohl mal schnuffeln dürfen????“ und ging mit dem Zinken sogleich auf Tuch- oder besser gesagt Orangenfühlung.

„Neeeeiheeeen!“ ertönte es wieder von meinem billigen Zuschauerplatz.

Was macht Mufflon? Sie hob den Kopf ein klitzekleines bisschen um noch ein aaaaallerletztes mal hinzuschnuffeln… man konnte förmlich ihre Gedanken lesen „Das sieht aus wie ein Ball… so einen hab ich ja noch nie gesehen, riecht so fruchtig“. Der letzte Schnuff war zuviel. Die Orange geriet aus dem Gleichgewicht und kippte zur Seite. Sie rollte von der Schale und *hoppshopps* die beiden Stufen hinab um in der Eingangshalle eine kleine Ehrenrunde zu drehen *kuller*.

Für Muffin war somit bewiesen – ES IST EIN BALL!!!! FREUUUU!

Eigentlich kann man ihr keinen Vorwurf machen… wenn das Apportieren in den Genen steckt… verbunden mit einer gewissen Sucht nach allem was rund ist und rollt… was willste machen??? Über meinen kläglichen Versuch mit nur einem Schuh schneller an der Orange zu sein als mein Monster schweige ich an dieser Stelle lieber!

Ich ließ mir die Orange bringen und Muffin lieferte sie auch brav bei mir ab. Leider entwischte sie ihr unterwegs einmal und wurde recht unsanft wieder ins Maul befördert, was man gut an den kleinen Löchern in der Orangenschale erkennen konnte. Eine gelöcherte und vollgesabberte Orange wollte ich der Nachbarin nicht zumuten und so wurde die nette Frau an diesem Tag leider um ihren Nachtisch betrogen.

Die Beichte war der Brüller… Ömchen hat überhaupt nicht begriffen, was ich ihr sagen wollte. Sie hatte während des Gesprächs nur Augen für´s Mufflon und meinte „Jajaaa, das Essen hab ich später mit nach oben genommen, da müsst ihr euch nicht darum kümmern! Ach so ein braver Hund, gell, du bist eine ganz brave….“ *täschteltätschel*

Ich hab ihr letztendlich den Glauben an das brave Hundilein gelassen – man gönnt sich ja sonst nichts!

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Kategorien: Geschichten aus der Gruft ...äh... Vergangenheit! | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Essen auf Rädern

  1. eigenwillig

    Hömma, solange wie datt Muffelchen bloß fremde Orangen lochen tut anstatt Dummies willze dir doch wohl nich beklagen, woll?? *rofl*

  2. Ingrid Rosanna

    Konrad und Paul, die beiden „Fruchtzwerge“ schmeissen sich wech für Weintrauben, dafür wird sogar auf dem Tisch gesteppt. Die beiden big ones dagegen haben heuer alle Himbeeren „geerntet“.Fazit: Früchte rollen nicht nur gut, sie schmecken auch!

  3. Bei uns ist gerade Apfelerntezeit, Kiwierntezeit – Auch rund (naja nicht immer). Beagles haben allerdings das APPORTIER GEN nicht…Dafür allerdings das FRESS GEN…Und ja, auch einem Beagle kann übel werden wenn er zuviel Fallobst erwischt…
    LG,
    Klarissa

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