der Hundeführerschein

Im Frühling 2008 beschloss ich, den Hundeführerschein zu machen. Der Kurs wurde von unserer damaligen Hundeschule (die Betreiberin ist Tierärztin) angeboten und das versprach witzig zu werden. Der theoretische Teil fand im Rahmen eines zweitägigen Seminars statt und hat einen rieeesen Spaß gemacht! Wir Teilnehmer wurden ständig mit Häppchen und Getränken versorgt und hatten wirklich viel zu lachen. Da lernt sich´s doch wirklich einfach!

Die schriftliche Prüfung zum Schluss war ein Brüller! Mal ein Beispiel…
Frage: Ihr Welpe beißt ihnen beim Spiel ständig in die Hände, was tun sie?
Eine der möglichen Antworten: Ich ziehe mir beim nächsten Mal Handschuhe an!

Eigentlich kann man gar nicht durchfallen… Stolz nahm ich eine Woche später meine Urkunde in Empfang und wurde zeitgleich gefragt, ob ich den praktischen Teil auch mitmache?!

Öhhhmmm…der ist doch mit dem eigenen Hund, oder? Jaaaa! Hmmm….was muss man denn so machen? Naja, es wird z.B. Futterverweigerung/Abbruchsignal und Leinenführigkeit getestet….

In mir sträubte sich einfach ALLES! Allein die Vorstellung, meinen Hund an einem Schweineohr vorbeilotsen zu müssen, trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn. Irgendwie haben sie es aber doch geschafft, mich zum praktischen Teil zu bewegen. Dieser fand im Sommer 2008 statt.

Geprüft wurde in drei Teilen
– auf dem Hundeplatz
– außerorts
– innerorts

Wir waren 10 Teilnehmer und sammelten uns morgens gegen 10 Uhr auf dem Hundeplatz. Ich hatte schlecht geschlafen und war ein klitzekleines bisschen aufgeregt. Aber ich war gut bewaffnet! Ich hatte Unmengen an Leckerchen dabei, meinen Clicker am Mann – äh… an der Frau, ein Zerrspielzeug und einen Ball! In der Liebe und bei der Hundeführerscheinprüfung ist (fast) alles erlaubt…

Die Prüferin trudelte ebenfalls ein und machte einen sehr sympathischen und lockeren Eindruck *hoff*.

Dann ging´s los – die Reihenfolge wurde ausgelost! Zittrig nahm ich einen Zettel und betete „nicht die 1, nicht die 1, nicht die 1″… und ich hatte Glück – wir waren erst Nummer 2 – einmal spicken war immerhin drin!

Bevor es losging, wurden noch die verschiedensten Utensilien und Rollen verteilt. Jeder durfte mal einen Betrunkenen spielen, mal einen Regenschirm schwenken, einen Hut tragen, an Krücken gehen etc.

Es kam wie es kommen mußte – wir waren dran!

Entschlossen betrat ich den Hundeplatz. Zuerst wurde Muffins Chip überprüft, was sie auch mit stoischer Ruhe über sich ergehen lies. Anschließend mußte ich angeben, ob ich Muffin am Geschirr oder am Halsband führen will und ich entschied mich für das Halsband. Nun sollte ich mit Muffin einfach über den Huplatz laufen und das ganze natürlich an lockerer Leine.

Zum Glück hatte ich in letzter Zeit hart an Muffins Leinenführigkeit gearbeitet und wurde nun dafür belohnt. Muffin lief entspannt neben mir her und es wurden die ersten Begegnungen eingeleitet. Der erste Passant betrat die Bühne und spannte im vorbeigehen einen Regenschirm auf. Ich glaube, Muffin hat das noch nichtmal mitbekommen und bei der nochmaligen Begegnung war es auch nur einen kurzen Blick wert.

Der nächste bitte – der Jogger kam auf uns zu und joggte in kurzem Abstand mehrmals an uns vorbei. Auch den Jogger hatte Muffin auf die Ignore-Liste gesetzt. Langsam begann ich mich zu entspannen… Wenn Muffin das alles so gelassen angeht, warum genau mach ich mich dann verrückt? Sie sah mich an, als ob sie mir sagen wollte „Mensch, jetzt mach dir nicht ins Hemd“… Na die hat leicht reden!

Der Jogger ging und es kam ein Hundehalter mit angeleintem Hund. Kein Problem! Schließlich kam ein anderer Hundehalter mit einem unangeleintem Hund – ebenfalls kein Problem.

Ich kam ins Grübeln… ist Muffin vielleicht krank? Ist das mein Hund? Oder wurde sie nachts von Aliens entführt und ausgetauscht? So ruhig und konzentriert – wassn nu los?

Dann kam der Betrunkene. Er sang und schwankte und ruderte wild herum. Er kam auf uns zu und tätschelte Muffins Kopf. Es kam Bewegung in den Hund… der Propeller lief recht schnell auf Hochtouren „Hey – der will ne Party feiern – da mach ich mit!“ Einen kleinen Hüpfer konnte sie sich auch nicht verkneifen. Alles in allem benahm sie sich dann aber doch – für ihre Verhältnisse – noch recht gesittet! Die Begegnungen waren damit auch abgeschlossen. Was nun kam, war die Futterverweigerung – der Teil, vor dem ich mich am meisten fürchtete…

Die Prüferin packte eine Tüte aus und überlegte kurz, was sie nun nehmen soll und entschied sich für den Pansen – SCHIEEEEBUNG!!!!! Mir wurde schwer ums Herz…

Es läuft so ab: die Prüferin bietet dem Hund das Futter an und der Halter muss seinen Hund über ein verbales Abbruchsignal aus der Ferne davon abhalten, es zu nehmen (abrufen ist auch erlaubt)… alles klar? Meiner Meinung nach sollte dieser Prüfungsteil für Labbi-Besitzer gestrichen werden!

Und dann auch noch Pansen… urghs…

Die Prüferin wedelte mit dem Pansen und gab mir die Anweisung, meinen Hund abzuleinen. Seufzend kam ich der Aufforderung nach und machte mich auf das Schlimmste gefasst. Die Prüferin flötete ein „Mufffiiiiiiin, schau maaaahaaaal“ und hielt ihr den Pansen entgegen. Muffin machte sich sofort auf die Socken und lies mich mit einem kurzen Seitenblick „bin gleich wieder da“ einfach stehen… Verräterin!!!!

Kurz bevor das Mufflon richtigen Kontakt mit dem Pansen aufnehmen konnte, ertönte mein ruhiges langezogenes „Neeeeeeiiiiin!!!!“
Das Mufflon hielt kurz inne… *das kann die jetzt aber nicht wirklich ernst meinen*… 10 cm vor ihrer Schnute baumelte der Pansen.
Muffin machte einen leicht entrückten Eindruck, öffnete langsam das Sabbermäulchen und schob selbiges in Richtung Glückseligkeit…

Diesmal etwas schärfer „Nein!!!!!!“

Wieder ein kurzes Innehalten… aber ich wußte, die Sache ist noch nicht ausgestanden. Meine Hände wurden feucht und ich überlegte mir bereits im Geiste die schrecklichsten Strafen für mein verfressenes Fellding.

Man sah Muffin förmlich an, in welchem Zwiespalt sie sich befand…
„Aber Frauchen *mitderPfoteaufstampf* das ist PANSEN!!!!! Und ich hab doch Huuuuuunger….“
Sie warf hektische Blicke hin und her, spitzte die Lippen (die Schnauze unmerklich geöffnet und die Lefzen zu einem runden O geformt) und dockte an den Pansen an.

WAAAAHHHH! Panik machte sich in mir breit. „PFUUUIIIII!“ Sie zuckte kurz zurück … und dockte erneut an.
„Muffin PFUUUUUIIIII!!!!!!“ Sie zuckte wieder zurück und ich ergriff die Gelegenheit… „Muffin HIEEEEER!“ *flöt*

Unruhig wartete ich auf eine Reaktion… *drehdichumdrehdichumdrehdichum*. Muffin sah abwechselnd zu mir und zum Pansen. Die Prüferin amüsierte sich königlich…

Nach gefühlter Ewigkeit drehte sich Muffin um und kam zu mir! Mir fiel ein Stein vom Herzen… Wohlwissend, was da eben Großartiges für mich aufgegeben wurde, feierte ich die Ankuft meines Hundes wie eine Bekloppte.

Die Prüferin hatte wohl ein Einsehen mit mir und packte den Pansen wieder in diese Höllen-Tüte zurück. Ächz! Wir hatten also Teil 1 der Prüfung hinter uns… aber hatten wir bestanden? Oder müssen wir die Futterverweigerung nochmal wiederholen???? *Fingernägelknabber*

Gespannt wartete ich auf ein Urteil. Die Prüferin notierte irgendwas hochwichtiges auf ihrem Zettel und begann dann mit dem Resümee: „Begegnungen: sehr gut! Die Futterverweigerung: unter der Berücksichtigung, dass es sich um einen Labbi handelt… gut! Teil 1 ist bestanden“.

Mit immer noch rasendem Herzklopfen führte ich mein Monster vom Platz. Schnell das Handy gezückt und dem Daheimgebliebenen eine SMS mit der frohen Kunde übermittelt! Teil 1 hätten wir hinter uns… auf zu Teil 2!

Wir packten unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg zum Haus unserer Tierärztin/Huschubetreiberin. Dort wurden wir erstmal mit Häppchen, kalten Getränken sowie Kaffee und Kuchen versorgt. SO lässt sich´s leben! Aber wir waren ja nicht zum Spaß anwesend… seufz… und so ging es auch gleich wieder weiter auf eine naheliegende Wiese zum Teil 2 – außerorts.

Gleich zu Beginn sollte ich Muffin aus mindestens 10 Metern Entfernung abrufen. Witzigerweise war es schwierig, sie überhaupt auf die Entfernung zu bringen. Die Göre klebte mir am Hintern, dass es nicht mehr feierlich war und ich mir nochmal ernsthaft über die Sache mit den Aliens Gedanken machte…

Doch dann ging das Näschen plötzlich in die Höhe… *schnupper*Ich sah mich unruhig um – was hat sie denn jetzt in der Nase? Das Mufflon sah in eine bestimmte Richtung und setzte sich langsam in Bewegung. Ich lies meinen Blick hinterherschweifen und entdeckte Gebüsch und Bäume, die sich so durch die Wiese schlängelten. Hmmmm? Ich stellte die entscheidende Frage: „Ist da ein Fluss?“ und bekam die gefürchtete Antwort: „Jepp!“

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Räusper…. „Kann ich sie jetzt abrufen?“ Ich trampelte unruhig von einem Bein auf´s andere… Wenn sie einmal im Wasser ist, hab ich verloren, dann brauch ich die nächsten 5 Minuten nicht rufen.

Glücklicherweise durfte ich. Na jetzt aber schnell! „Muffin HIEEEEER!“ Der saß gerade noch rechtzeitig. Mein subbidubbioléolé-Hund kam im Schweinsgalopp zu mir zurück. Ich war gewarnt, nun hieß es volle Aufmerksamkeit bei mir halten! Es ging auch gleich weiter und wir hatten nun auf einem engen Feldweg wieder einige spaßige Begegnungen vor uns.

Radfahrer: Pah… was für Anfänger!
Rollstuhlfahrer: Gäääääääähn!
Menschengruppe: Interessant! Aber nicht so interessant wie der Ball in Mamis Hand! Nu wirf doch endlich! Ich hab nicht ewig Zeit!
Passant mit angeleintem Hund begrüßt mich per Hanschlag: Ja servus! Wer bist du denn? Schnüffel… Oh schade, ich muss weiter…
Passant mit unangeleintem Hund: Keine Zeit Kumpel!

Dann waren wir vorerst wieder erlöst. Teil 2 mit wehenden Fahnen bestanden! Geil! Ich setzte also die obligatorische SMS an den Göttergatten ab und freute mich.

Nun kam der Teil innerorts. Alle Mann auf ins Getümmel. Um nichts dem Zufall zu überlassen, wurden drei Autos engagiert. Wir watschelten durchs Kaff und die Autos rauschten an uns vorbei – das erste mit laut aufgedrehter Musik – das zweite hupte wie blöd – aus dem dritten hing der Beifahrer zum Fenster raus und machte ordentlich Krach mit einer Rassel.

Alles kein Problem! Ich glaube Muffin war zu dem Zeitpunkt eh schon alles egal!

Wir kamen zu einer Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, die den letzten Teil abdecken sollte. Und mir wurde wieder leicht schlecht, denn hier wurde nochmals die Futterverweigerung eingebaut *seufz*.

Ich nahm meinen Hund und machte mich auf alles gefasst. Auf ging´s in die Unterführung. Dort am Eingang lag auf dem Boden das Schweineohr *KloßimHals*. Ich holte tief Luft und wartete auf meinen Einsatz – und was macht das Monster? Latscht einfach über das Schweineohr drüber! Ist sie plötzlich riechblind????? Begeistert ging ich schnell weiter. Nicht, dass es ihr doch noch auffällt!

Wir trafen wieder einen Radfahrer, andere Hunde, einen Mann auf Krücken und eine Passantin, die den Hundeführer schneiden sollte. Dann das ganze nochmal zurück. Entspannt schlenderte ich wieder in die Richtung, aus der wir gekommen waren und grinste im Kreis – ich hatte es geschafft!

Kurz bevor ich aus der Unterführung wieder rauskam, wunderte ich mich plötzlich, was Muffin da mit sich rumträgt….
….das SCHWEINEOHR! Shit – das hatte ich ja völlig vergessen!!!

Hat sich die Kröte schnell und ganz unauffällig im Vorbeilaufen bedient und die Prüferin stand keine 2m von uns entfernt. Ich hätt mir in den Hintern beißen können. Entsetzt rief ich „Muffin AUS!“.

Muffin sah mich an, als ob ich den Verstand verloren hätte. Da fallen Schweineohren vom Himmel und ich darfs nicht vor dem Vergammeln retten??? Schwer enttäuscht spuckte sie mir das Schweineohr vor die Füße. Naja, Muffin war zwar beleidigt, aber wir haben bestanden! TSCHAKKA!

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Kategorien: Geschichten aus der Gruft ...äh... Vergangenheit! | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „der Hundeführerschein

  1. Oh, bist du eine mutige Frau …. Ich sterbe fast bei Prüfungen und Hannes hätte nie, und ich betone nie nie niemalsnicht auf den Pansen verzichtet…. Die Prüferin hätte viel Spaß gehabt mit meinem 43 Kg Klotz auf ihrer Brust. Weil er hätte sie auf seine unwiederstehliche Art davon zu überzeugen versucht, dass für so eienen Prachtkerl wie ihn doch sicher noch mehr drin ist als nur ein Stück Pansen ….
    Eine tolle Geschichte!

  2. *kicher* Dagegen sind diese herkömmlichen Unterordnungsprüfungen ja das reine Zuckerschlecken! Abruf direkt vom Pansen?? Ne, DA gäbe es bei uns ganz viel Punkteabzug!!
    Ich habe nicht gewußt wie so eine Prüfung abläuft. Gut erzählt!
    LG,
    Klarissa

  3. Ja, ja, das Schweineohr :-))))
    War eine schöne Zeit…und viel Übung!!!! HAT sie aber echt ausgezahlt! Kansnt stolz sein 🙂

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