Die Geister, die ich rief…

…oder auch: Sei vorsichtig mit deinen Wünschen!!!

Wir hatten heute einen recht chaotischen Spaziergang, was sich schon beim Einladen der Ladies ins Auto abzeichnete. Bisher ging das recht gesittet von statten: zuerst öffne ich die rechte Box und lasse Muffin einsteigen, danach die linke Box auf und hebe Biscuit rein. Heute sind mir beide gleichzeitig in eine Box gesprungen und ich mußte die Kröten erstmal auseinandersortieren.

Nachdem beide verstaut waren, suchte ich im Geiste nach einer netten Gassi-Runde. Leider ist das nicht so einfach, wie es sich anhört. Die „Schwierigkeiten“ fangen damit an, dass ich mit beiden meistens getrennt gehe und Biscuit noch nicht so weit laufen darf/soll (laut 5-Minuten-Regel sind wir jetzt bei 25 Minuten).

Im ehemaligen Bundeswehrgelände eigentlich kein Problem, da man dort jede Runde beliebig erweitern kann. Aaaaaber: ich muss komplett unterschiedliche Runden laufen. Tu ich das nicht, ist Nummer 2 ständig damit beschäftigt, den Spuren von Nummer 1 nachzugehen! Völlig egal, welche der beiden Damen ich zuerst auspacke.

Dazu kommen meine persönlichen Vorlieben, denn ich gehe gern eine Schleife! Jawoll! Einfach irgendwo auf einer Strecke umdrehen und denselben Weg zurücklaufen find ich bescheuert… hört sich komisch an, ist aber so. Letzter Punkt: möglichst abwechslungsreich bitte! Jeden Tag dieselbe Strecke zu gehen, wird nicht nur dem Hund langweilig, sondern auch dem Frauchen.

Wenn mir gar nichts passendes einfällt, fahr ich zwischen Spaziergang Nummer 1 und Nummer 2 notfalls in ein anderes Gebiet. Wozu hab ich schließlich einen Diesel?!

Im Übrigen bin ich wahnsinnig glücklich über meinen Caddy, weil nun immer alles griffbereit im Auto liegt. Sobald ich das ausgewählte Gebiet erreicht habe, geht die Sortiererei los. Pfeife umhängen, Schuhwerk wählen, ggf. Regenbekleidung überziehen. Als nächstes die Utensilien zur Hundebespaßung zusammensuchen, die je nach Hund unterschiedlich ausfallen.

In der Regel gehe ich zuerst mit Muffin eine große Runde – so auch heute. Mal hab ich Dummies dabei und wir trainieren unterwegs, mal hab ich einen Ball einstecken und übe damit gezielt den Stopp-Pfiff, oft schlendern wir einfach nur dumm durch die Gegend. Da ich für heute eine schöne Runde ausgesucht hatte, die durch frisch gemähte Wiesen führte, hatte ich die Ballschleuder dabei. Muffin durfte ihrer absoluten Lieblingsbeschäftigung nachgehen: völlig sinnfrei einem Ball hinterherhechten!

Plötzlich sah ich von weitem einen Beagle auf uns zurennen. Weit entfernt sah ich das zugehörige Frauchen, die absichtlich in eine andere Richtung abbog. Tzja… der Beagle entschied sich vorerst für uns. Ich stand recht belämmert in der Gegend herum und überlegte, was ich nun mit unserem neuen Freund anfangen sollte. Als ich mich dazu entschlossen hatte, seinem Frauchen ein wenig unter die Arme zu greifen und ihn zu ihr zurückzuscheuchen, näherte sich ein Jogger. Naaaa toll! Immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann *grummel*.

Ich legte Muffin schnell am Wegesrand ab und konzentrierte mich auf Mr. Beagle, der sich auf mein Handzeichen hin sofort setzte. Sehr schön, denn ich wollte mich auf gar keinen Fall wegen eines fremden Hundes vor einem Jogger blamieren!

Der Beagle blieb brav sitzen während der Jogger uns passierte und ich fühlte mich genötigt, dem sportlichen Mann ein freundliches „Hallo“ mit auf den Weg zu geben. Mein Gruß wurde leider nicht erwidert, daher war ich umso erleichterter, dass der Beagle ihm nicht hinterhergerannt war. Die Ausrede „das ist nicht mein Hund“ hätte sicher nicht gefruchtet, da außer mir weit und breit niemand zu sehen war.

Ich erlöste beide Vierbeiner aus ihren Kommandos und spähte nach dem entschwundenen Frauchen. Dem Beagle schien ebenfalls zu dämmern, dass er was verloren hatte und er scannte die Gegend. Wir sichteten beide einen winzigen Punkt am Horizont und der Beagle machte sich auf den Weg. Muffin und ich blieben vorsorglich stehen, bis Beagle und Frauchen wieder vereint waren und setzten unsere Runde anschließend ohne weitere Zwischenfälle fort.

Eine Stunde später räumte ich das glückliche Mufflon ins Auto und suchte Biscuits Ausrüstung zusammen: Tupperschüssel & Leckerchen für´s Voranschicken, ein Dummyball für Steadiness-Übungen, zwei Bälle an der Schnur für Beutespielchen, eine Tube Leberwurst zum Festigen des Hier-Pfiffs. Manchmal komm ich mir vor wie ein Packesel!

Biscuit ist immer noch sehr nasengesteuert und von reinen Spaziergängen sind wir noch weeeeeit entfernt. Sie ist inzwischen so flink, dass man sie keine Millisekunde aus den Augen lassen darf. Ihr Radius ist zwar noch recht klein, aber trotzdem rutscht einem das Herz in die Hose, wenn sie plötzlich verschwunden ist – um kurz darauf hinter oder neben einem wieder aufzutauchen.

Obwohl ihre Nase im Dauereinsatz ist, achtet sie mittlerweile sehr schön auf mich und es gelingt mir immer seltener, mich zu verstecken oder unbemerkt die Richtung zu wechseln. Mühsam ernährt sich das Eich-Änkchen…

Nach der Hälfte unserer Runde sinnierte ich darüber, dass es ganz schön wäre, wenn jetzt zur Ablenkung ein Jogger oder ein paar Walker des Weges kämen – oder irgendwas in der Richtung… von flüchtendem Wild war jedoch NIE die Rede!!!

Ich hatte meinen wunsch kaum zuende gedacht, raschelte es neben uns im Gebüsch und ein Hase preschte direkt vor uns über den Weg. Biscuit nahm umgehend die Verfolgung auf und vor meinem inneren Auge prangte eine große Leuchtreklame mit der Aufschrift „SHIT!“

Wie durch ein Wunder öffnete sich mein Mund trotz der Schockstarre und ich rief reflexartig „Muffin (?) HIEEEER!“. Im selben Moment stöhnte ich innerlich, weil ich die Namen der beiden Ladies zur Zeit ständig durcheinanderwerfe. Biscuit nahm mir den Fehler allerdings nicht übel und drehte mit quietschenden Reifen zu mir um. Puuuuh! Mir fiel ein Gebirge vom Herzen…

Fazit für heute: Ich bin sehr stolz auf den kleinen Keks und die Schleppleine darf vorerst im Schrank bleiben!

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Kategorien: das Leben und der andere Kram... | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Die Geister, die ich rief…

  1. COOL!!! So konsequentes Training MUSS sich auch einfach lohnen :-))) Weiter so – bin stolz auf Euch 🙂

  2. ric

    den hasen kenn ich. den jagt die laika auch ständig. ich habe die vermutung der ist pervers drauf und das gefällt ihm.

  3. Hey, das war ja suuuuuper…. und da war doch sicher der „100000-Tuben-Leberwurst-Jackpot“ fällig, oder???

  4. Adelheid Dostler

    ich finde es toll, Deine Einträge zu lesen.Sie fesseln mich und zaubern ein Lächeln in mein Gesicht. Willst Du sie nicht mal zusammenfassen und evtl. in ein Buch bannen? Ich wünsche Dir noch viele tolle Erlebnisse mit Deinen beiden Vierpfoten an denen Du uns teilhaben läßt und freue mich auf die nächsten Episoden

  5. Klingt vielleicht (nur ein gaaanz klein wenig) umständlich wie du die Gassisache gestaltest…aber wirklich perfekt geplant. Alle Achtung! Ich staune und muss lachen. Auch über deine Beaglebegegnung. Könnte (fast) Lissa gewesen sein…

    LG, Klarissa

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