des Mufflons neues Hobby

Mein Mufflon hat mir in den letzten Wochen mal wieder Kopfzerbrechen bereitet. Unsere Beziehungskriese haben wir zwar erfolgreich überstanden, dafür tat sich ein anderes „Problem“ auf. Da Biscuit inzwischen schon längere Strecken laufen darf, sind wir seit ein paar Wochen öfter gemeinsam unterwegs. Biscuit ist bei diesen gemeinsamen Spaziergängen ein Ausbund an gutem Benehmen – sie orientiert sich an mir, sucht Kontakt, ist aufmerksam, hört auf jedes Kommando…

…und Muffin? Die hat beschlossen, ihr eigenes Ding zu machen. Kein Blickkontakt, kein Umdrehen, keine Reaktion auf Ansprache. Als würde sie sich denken „du meinst doch eh nicht mich!“. Zusätzlich hat sich ihr Radius extrem vergrößert… Großer Radius in Verbindung mit schlechtem Gehör = extrem nervig!

Gut, nun könnte ich natürlich wieder ausschließlich getrennt spazieren gehen. Damit wäre das Problem jedoch nicht gelöst, sondern nur vertagt. Ich überlegte mir also, warum Muffin bei gemeinsamen Unternehmungen so ignorant ist und mir kam recht schnell ein Verdacht: Langeweile!

Bei unseren Einzelspaziergängen ist es oft so, dass ich einen Ball oder ein Dummy dabei habe und zwischendurch immer mal eine kleine Übung einbaue. Wenn der Keks dabei ist, verkneif ich mir sowas – von gemeinsamen „Arbeiten mit Beute“ sind wir noch weeeit entfernt. Nun ist mein Mufflon zwar stur, aber nicht blöd und hatte das natürlich recht schnell verinnerlicht „passiert ja eh nix, wenn das Kleinteil dabei ist“.

Ich versuchte deshalb, auf den gemeinsamen Spaziergängen mehr Unterordnungsübungen einzubauen. Leider tat sich dabei ein weiteres Problem auf: es fühlen sich IMMER beide angesprochen – egal was ich sage! Setzte ich beide ab und wollte nur eine von beiden abrufen, kam automatisch die zweite auch angewackelt. Hmpf!

In unserem nächsten Training bei Carolin bat ich um Nachhilfe und bekam sie auch… wir gingen zuerst eine kleine Runde spazieren und Carolin beobachtete mich aufmerksam. Schnell hatte sie eine Diagnose parat: Ich bin nicht eindeutig genug! Peinliches Beispiel gefällig? Aber gern:

Ich rief Muffin zu mir – Muffin kam, ich lobte sie und belohnte sie. Keks kam ebenfalls. Was tat ich? Nachdem ich Muffin belohnt hatte, drehte ich mich zum Keks und sprach zu ihr „Du nicht, dich hab ich nicht gerufen…“

Eine Meisterleistung, die mir selbst gar nicht aufgefallen war! Mal ganz abgesehen davon, dass es völlig sinnfrei ist mit seinem Hund in ganzen Sätzen zu sprechen *hust* ist für Biscuit natürlich jede Ansprache auch eine Art von Lob. Ich hatte Biscuit daher in dieser Situation unbewusst gelobt, obwohl ich ja eeeeeeeigentlich Muffin gerufen hatte. Wenn nun ICH das schon nicht gebacken kriege, wie sollen es dann die Mädels lernen…?

Maßnahme 1:

Muffin öfter zu mir rufen und auch mal mit einem Zerrspiel belohnen. Wichtig dabei: Biscuit wird völlig ignoriert und ohne Blickkontakt mit dem Körper abgeblockt. Erstaunlicherweise klappt das sogar ganz gut!

Maßnahme 2:

Biscuit wird abgesetzt und soll bleiben, während ich mit Muffin ein wenig Unterordnung mache. Als Carolin mir das eröffnete, ging mir als erstes durch den Kopf „Ja klar… Muffin – die Königin der Unterordnung, die das so waaaahnsinnig spannend findet. Das kann ja heiter werden!“ Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Die ersten Versuche wurden von Biscuit boykottiert, die es so gar nicht einsehen wollte, dass Muffin mit Frauchen Spaß hat und sie dabei sitzen bleiben soll „Leute, ich kommääää und misch ein bisschen mit!“. Nachdem ich sie das 3. mal an ihren Platz zurückgebracht und wieder abgesetzt hatte, wurde sie angebunden. Es war nicht so, dass sie mit der Situation überfordert war… nee, das kleine Brauntier hat sich einen Spaß draus gemacht „wenn ich aufstehe und hinrenne, dann MUSS sie mich beachten! Cool!“

Während klein Keks an den Baum getacktert mit ihrem Schicksal haderte (und urplötzlich doch auf ihren 4 Buchstaben sitzen bleiben konnte) widmete ich mich wieder meinem Muffelönchen. Fuß laufen, absetzen, weggehen, Muffin ranrufen. Dabei immer im Augenwinkel den Keks beobachtend, um sie im Zweifelsfall wieder hinsetzen zu können.

Wie ich mir schon dachte, sah Muffin anfangs alles andere als glücklich aus „Na suuuuper, WAS für eine HERAUSFORDERUNG!“ Ihre Stimmung schlug jedoch sehr schnell um, als sie merkte, dass der Keks nicht dazwischengehen konnte und sich alles nur um SIE drehte „Haha, das Kleinteil hängt am Baum und Frauchen hat nur Augen für mich! Und ICH kann selbstverständlich das schönste Fuß aller Zeiten laufen – seht alle her!“ Es ging sogar soweit, dass sie beim Abrufen nicht zu mir gelaufen kam, sondern in freudigen Bocksprüngen zu mir hoppste. Mit breitem Grinsen im Gesicht!

So bekamen wir diese beiden Maßnahmen als Hausaufgabe mit und Muffin hat ein neues Hobby: Keks ärgern!

Das „Training“ trägt bereits Früchte – Muffin ist wieder aufmerksamer *los, bind das Kleinteil an den Baum (und vergess sie anschließend dort)* und Biscuit lernt, dass die Welt sich nicht ausschließlich nur um sie dreht *dabei hab ich doch so ein einnehmendes Wesen – schmoll!* und dass auch ein Keks still auf einem Fleckchen Erde warten muss, während andere ihren Spaß haben.

Von Bianca bekam ich zusätzlich den Tipp, auf dem Spaziergang wieder öfter die Richtung zu wechseln und daraus ein freudiges Spiel zu machen! Mich verstecken, davon rennen und dabei SPAß haben! Jede Reaktion zu loben und die Ankunft der beiden zu feiern! Das finden die beiden (allen voran Muffin, die ja im Prinzip für jeden Blödsinn zu haben ist) natürlich endgeil!

Muffin ist und bleibt eben ein dickköpfiger Clown – immer bemüht, einen zum Lachen zu bringen. So stand sie neulich vor meiner Schwester, die es sich auf dem Sofa bequem gemacht hatte und nieste sie einmal herzhaft an *hatschü!* Reaktion meiner Schwester: „Ieeeeh“ und dann scherzhaft drohend „rotz mich noch EINMAL an!“. Muffin legte den Kopf zur Seite, überlegte kurz und tat dann wie ihr befohlen wurde „HATSCHÜÜÜÜ!“ So richtig mit Schmackes! Ihr Blick dabei… und das anschließende Wedeln „bin ich nicht toll?“ Wir hatten Bauchschmerzen vom Lachen…

DAS ist meine Muffin 🙂

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Kategorien: Training | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „des Mufflons neues Hobby

  1. …freut mich, daß es sooo gut läuft!!! :-)))

  2. eigenwillig

    Ach Anke, du hast offensichtlich das große Glück, eine wirklich kompetente Trainerin zu haben, so what? Sich selbst kann man nunmal nicht objektiv betrachten und wärst du perfekt, hätten wir a) nix zu lachen und b) wärt du garantiert unerträglich *schüttel* :-).

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