Die STELZE: der Weg ist das Ziel!

Es gab einmal eine Zeit, in der ich dachte „das wird nie was!“ und damit meinte ich Muffin und mich…

In unserem ersten gemeinsamen Jahr haben wir sehr viel gegeneinander gearbeitet, im zweiten Jahr haben wir uns zusammengerauft und im dritten Jahr sind wir zusammengewachsen – heute sind wir ein Team. Das ist die Kurzversion 🙂

Doch der Weg war lang und von unterschiedlichsten Erfahrungen gepflastert. Muffins Temperament und Sturheit hat mich manchmal fast zum verzweifeln gebracht und ich erinnere mich an Situationen, in denen ich heulend – oder zumindest den Tränen nahe – auf dem Hundeplatz stand. Wir überlebten den Welpen- und Junghundekurs (bei Helgas Hundeteam) trotzdem irgendwie und ich wollte mehr…

Wir clickerten, ich brachte Muffin das öffnen von Tupperdosen und anderen Blödsinn bei und letztendlich landeten wir in einem Obedience-Kurs (der von Bianca Dostler bei Helgas Hundeteam angeboten wurde). Erstaunlicherweise machte der Kurs nicht nur mir, sondern auch meinem Mufflon Spaß… wir näherten uns langsam an und konnten uns tatsächlich sehen lassen! Der Grundstein für unsere weitere Zusammenarbeit war gelegt.

Es folgte eine weitere Station auf unserem Weg – das Mantrailing! Ebenfalls unter der Anleitung von Bianca Dostler, die sich inzwischen auch in der Rettungshundestaffel engagierte. Mantrailing fanden Muffin und ich extrem spannend, leider mußten wir es jedoch aus Zeitmangel an den Nagel hängen (Mantrailing ist eben leider nichts, was man nebenbei mal schnell alleine machen kann).

Zwischenzeitlich hatte ich mich auch für einen Dummykurs angemeldet, der von Andrea Klink (ebenfalls Helgas Hundeteam) geleitet wurde. Und auch wenn sich das nun völlig kitschig liest… ich werde niemals das Leuchten in Muffins Augen vergessen, als sie den ersten Dummy ihres Lebens sah! DAS war es! DAS war UNSER Ding!

Leider hatte ich nach Ende des Kurses keine weiteren Trainingsmöglichkeiten in dieser Richtung (über Carolin stolperte ich erst ein Jahr später…) und so war wieder guter Rat teuer – was tun? Ich lechzte nach mehr – das konnte doch noch nicht alles gewesen sein? Ich wollte unbedingt noch mehr lernen, neues ausprobieren, mich weiterentwickeln…

…und so landete ich durch Bianca in der Hund-mit-Mensch-Schule und endeckte das Gerätetraining für uns. Wie sich herausstellte, war das ein wichtiger Schritt und ich lernte viel über den Hund, den ich da am Strick hatte. Muffin wollte zwar schon immer mit dem Kopf durch die Wand, war aber in Wirklichkeit ein sehr unsicherer Hund. Sie hatte kaum Selbstvertrauen und ging Schwierigkeiten gern aus dem Weg.

Worum geht es beim Gerätetraining? Es geht um Körpersprache und Kommunikation mit dem Hund. Das Ziel ist es nicht, den Hund mit einem Leckerchen vor der Nase schnellstmöglich über das Gerät zu bekommen, sondern der Weg ist das Ziel! Der Hund soll sich bewußt sein, was er tut und sich nicht auf das Futter vor seiner Nase konzentrieren. Der Hund wird dabei an Halsband und Leine geführt. Die Leine ist jedoch NICHT dazu da, den Hund wild umherzuzerren, sondern soll lediglich eins verhindern: den Rückwärtsgang bzw. das Abspringen vom Gerät!

Der Anfang war schwierig… Muffin hatte weder ausreichend Selbstvertrauen, noch genug Vertrauen in mich. Unser erstes „Gerät“ bestand aus ein paar Kisten und Reifen, die aufeinander- und hintereinandergestapelt waren und es kostete mich einiges an Überzeugungsarbeit, Muffin wenigstens mit allen 4 Pfoten auf einen Reifen zu bekommen. Da sie jedoch durch die Leine am Rückwärtsgang gehindert wurde und ich mit Engelsgeduld redete, deutete und sie aufmunterte, machten wir schnell Fortschritte. Muffin lernte dabei zwei wichtige Dinge: „Wow! Ich kann das!“ und „Meinem Zweibeiner kann ich vertrauen!“ Ich behaupte steif und fest: ohne diese Erfahrung wäre Muffin nicht die souveräne Hündin geworden, die sie heute ist.

Interessant war auch die Erfahrung, dass sich meine Begeisterung für die Gerätearbeit sehr schnell auf Muffin übertug. Mit jeder gelösten Aufgabe hatte ich mehr Spaß an der Sache und platzte vor Stolz auf Muffins Leistung. Muffin spürte das natürlich und war plötzlich mit Freude dabei! Inzwischen muss ich sie auf den Geräten eher bremsen, als aufmuntern 🙂

Wir trainieren inzwischen bei Bianca Dostler und hier sind ein paar Bilder von unserer letzten Stunde:

Ein „Gerät“ kann z.B. auch eine Trittleiter sein…

Man achte auf meinen seltendämlichen Gesichtsausdruck (ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Muffin gleich mit allen vieren auf die oberste Stufe will) *lol*

Man kann auch eine Kiste nehmen…

…oder mehrere Kisten!

Hier stoppe ich Muffin auf der ersten Kiste…

…weil ich lieber was anderes basteln will 🙂

Nach diesen „Aufwärmübungen“ dann endlich das Gerät aller Geräte: die STELZE!

*woll mer?* *Na klar!*

Bianca hilft mit, indem sie die Leine hält (wie man auf den folgenden Bildern schön sehen kann, ist die Leine jederzeit LOCKER). Was man auf den Bildern leider nicht so schön sieht: Muffin streckt mir die Pfoten bereitwillig entgegen! Meine Aufgabe ist es lediglich, ihr dabei zu helfen, die Pfoten richtig zu setzen damit sie festen Stand hat!!!

Hier versucht Muffin sogar, die Pfote selbst zu setzen…

Bianca hilft beim setzen der Hinterpfoten…

*Los Schnecke, weiter!*

…und eine Gratisgesichtswäsche nach Mufflon-Art, soviel Zeit muss sein  🙂

Ich hoffe, ich konnte euch unser Steckenpferd „Gerätetraining“ ein wenig näher bringen und einigermaßen verständlich machen, worum es dabei geht. Habe fertig!

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Kategorien: Training | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Die STELZE: der Weg ist das Ziel!

  1. Danke mal wieder für einen wunderschönen Artikel!!! Analogie pur! Du hast vergeßen zu erwähnen das Muffin auch schon selber Pfoten setzt! 🙂 Ihr seid wirklich ein tolles Team! Freue mich schon auf das nächste mal! LG Bianca

  2. Schön geschrieben! *schnief* Ihr seind echt ein tolles Team! Das mit der Stelze scheint echt spannend zu sein… Weiter so ihr Zwei *gg*

  3. Hm, wenn ich das so sehe, müssen wir uns für Euch einen neuen Spitznamen ausdenken. Grobmotoriker trifft ja, wenn ich die Fotos anschau, nicht mehr wirklich zu! 🙂
    Schöner Bericht. Könnte mich echt ärgern, hier so im Niemandsland zu wohnen. Muß mich wohl doch nochmal auf die Suche nach ner guten Hundeschule hier machen.

    • JA! Grobmotoriker trifft wirklich nicht mehr zu! 🙂 Schön, mir glaubt sie das immer net 😉
      PS: Wo ist denn das Niemandsland?
      HG Bianca

      • Im Alltag sind wir nach wie vor grobmotorisch unterwegs – da muss man sich ja auch nicht so konzentrieren 😉

        (Niemandsland = Rothenburg a.d. Fulda)

  4. Hey, das mit den Stelzen, dass sieht echt spannend aus. Richtig cool finde ich das. Danke für den schönen Bericht da habe ich gleich mal was Neues für einen Abenteuer-Spaziergang-Pacour …

    @Gizmolch …. wie weit willst du denn fahren? Brauchst du auch Leute zum Dummy-Training? Habs gerade duch den Routenplaner gejagt von RadF bis zu mir sind es ca. 44 Km Wenn du magst schau mal hier
    http://workingmudpaws.wordpress.com/ oder hier
    http://goldenworkerdiscoverydelphin.wordpress.com/
    Das sind wir die „Mudpaws“ entwickeln sich langsam zu einer richtigen Gruppe nachdem wir zuerst ja immer nur eine „Two Women Show“ waren

  5. Alle Achtung! Diese Stelzenübung sieht wirklich nicht einfach aus, und Muffin macht so voll Vertrauen und bereitwillig mit!
    Echt toll, da könnt ihr stolz drauf sein dass ihr so ein gutes Team seid.

    LG,
    Klarissa

  6. Pingback: Boxenstop « Mufflon & Killerkeks

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