Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2011)

Ein tolles und lehrreiches Wochenende liegt hinter uns und es wird langsam Zeit, dass ich euch auch davon berichte 😉

Ich hatte Biscuit und mich für ein Dummy-Anfänger-Seminar bei Petra Ritzerfeld angemeldet und war wirklich gespannt – und ich muss es zugeben – ein klitzekleines bisschen aufgeregt. Mein Training mit Biscuit drehte sich bisher fast ausschließlich um Grundgehorsam, eine ordentliche Grundstellung und Fußarbeit (auch im Hinblick auf die Begleithundeprüfung). Das einzige, was ich wirklich immer wieder trainiert hatte, war das Voranschicken… und selbst hier waren selten Dummies im Spiel, sondern meistens Futterschüsseln. Doch wie sagt Carolin immer? Das apportieren mußt du nicht trainieren – das kann sie! Stimmt…! 🙂

Meine Nervosität war sofort wie weggeblasen, als ich Petra Ritzerfeld am Samstag kennenlernte. Sie strahlt soviel positive Energie aus, dass man sich nur wohlfühlen kann. Petra befragte jeden einzeln über Trainingsstand und woran man gerne arbeiten möchte, bevor wir loszogen und uns im Gelände ein lauschiges Plätzchen für die Wartezone aussuchten.

Zuerst sollten alle Hunde einzeln gearbeitet werden, damit sich Petra selbst ein Bild über den Leistungsstand der Teams machen konnte. Wir pflanzten uns ins hohe Gras und sofort begann Biscuit damit, das Gras einen Kopf kürzer zu machen *mampf-mümmel-mampf*. Über die Grasfresserei in solchen Situationen hatte ich mir schon oft Gedanken gemacht und prompt ging Petra auf genau dieses Thema ein… Das Grasfressen dient dem Stressabbau und sofern nichts dagegen spricht (z.B. anschließendes kotzen oder Durchfall) soll man die Hunde ruhig machen lassen. Unter diesem Aspekt konnte ich auch gut beobachten, dass Biscuit immer entspannter wurde und letztendlich mit dem grasen auch recht schnell wieder aufhörte.

Unsere erste Aufgabe war eine Markierung. Wir standen am Waldrand und hangabwärts wurde eine Markierung in niedriges Gras (zwischen die beiden Bäume vor dem Haus) geworfen.

Petra erklärt die Aufgabe…

„Apport!“

Biscuit, die von Carolin auch schon „Pershing-Keks“ genannt wurde, flitze los…

Zu meinem Erstaunen hatte sie gut markiert, leider jedoch nicht genug Ausdauer. Sie kam in der Nähe der Fallstelle an, sah sich kurz um – und kam sofort zu mir zurückgesemmelt „Mama, das war falscher Alarm, da is nix!“

Ok, das war wohl nix… aber stolz war ich trotzdem. Sie hätte schließlich alles mögliche tun können: schnüffeln gehen, sinnlos umherrennen, die anderen Teams in der Wartezone überfallen – doch sie tat nichts dergleichen, nein… sie hatte nur eins im Kopf – auf schnellstem Weg zurück zu mir! *hach*

Um ihr ein wenig zu helfen, wurden die Dummies in weiße Socken gekleidet und siehe da – die nächsten beiden Markierungen waren ein Volltreffer. Während Biscuit auf dem Rückweg der zweiten Markierung war, wurde vom Helfer erneut ein Dummy auf dieselbe Fallstelle gelegt. Nun sollte ich Biscuit voranschicken…

*voran!*

Nachdem das so gut geklappt hatte, stand als nächstes ein weiteres Voran auf dem Programm. Wir drehten uns hangaufärts und an einem weißen Markierstab wurde mit Geräusch ein Dummy ausgelegt.

*voran!*

Meine kleine Maus meisterte auch das sehr gut und damit waren wir für´s erste entlassen.

Im zweiten Durchgang stand Teamarbeit auf dem Programm. Die fortgeschritteneren Anfänger arbeiteten Doppelmarkierungen (teilweise beide Hunde gleichzeitig) inkl. Voranschicken auf einen Markierstab. Für uns fiel die Aufgabe natürlich leichter aus. Aus der Doppelmarkierung wurde eine Einzelmarkierung und die Hunde arbeiteten nicht zeitgleich, sondern nacheinander und waren während des wartens angeleint.

Biscuit kam beim ersten Versuch wieder mit leeren Händen bzw. leerer Schnauze zurück *Mama, da lag schon wieder nix!“

Diesmal bekam ich von Petra die Anweisung, sie sofort zu schicken, nachdem das Dummy gefallen war…

*Pershing im Anflug*

…und TSCHAKKA!

*war ich gut oder war ich gut?*

Nach den Markierungen stand wieder ein Voran auf den Plan und Petra legte ein Dummy am Markierstab aus:

Zuerst durfte das andere Team arbeiten:

…dann waren wir an der Reihe „voran!“

„Suuuuuuuuuper!“

Petra lobte mich dafür, dass ich bei der Abgabe noch in die Hocke gehe. Das wichtigste ist, dass Biscuit freudig und schnell zurückkommt, die korrekte Abgabe kann man dabei erstmal getrost vergessen.

Nach der Mittagspause erklärte uns Petra den Aufbau des Suchenpfiffs. Ich setzte Biscuit hierzu auf dem Weg neben einem Grünstreifen ab und Petra kruschte mit einem Pocketdummy neben ihr im Gras, um den Pocketdummy dann dort zu verstauen. Ich gab den Suchenpfiff und machte eine kreisende Handbewegung Richtung Boden, woraufhin Biscuit sofort zu suchen begann und schließlich auch fand. Meine Hausaufgabe ist es nun, den Suchenpfiff verstärkt zu üben – Biscuit wird dadurch lernen, ausdauernder an einer Stelle zu suchen (und nicht gleich wieder zurückzukommen).

Der nächste Durchgang fand am Wasser statt *schluck*. Für Biscuit war jedoch erstmal warten angesagt, da zuerst die drei fortgeschritteneren Teams arbeiteten. Leider hab ich von diesen drei Teams nicht viel mitbekommen, weil meine volle Aufmerksamkeit bei Biscuit lag. Mit jedem *platsch* wenn etwas ins Wasser flog, ging ein leichter Stromschlag durch Biscuits Körper *brizzel*. Wahrscheinlich hätte ich sie mehr ablenken sollen, aber da sie vollkommen leise war, verlegte ich mich auf´s beobachten.

*platsch* – *brizzel*
*platsch* – *brizzel*
*platsch* – *brizzel*

Nach gefühlten Ewigkeiten waren die verbleibenden fünf Teams an der Reihe – und damit auch wir. Wir nahmen Aufstellung vor dem Wassereinstieg – in erster Reihe drei Teams, dahinter die anderen beiden Teams – zu denen auch Biscuit und ich gehörten.

Hier der Einstieg:

Man sieht uns beiden die Anspannung  deutlich an 😉

Es folgte für jeden Hund eine einfache Wassermarkierung inkl. Tipps, wie man das schütteln vor der Abgabe vermeiden kann.

Möglichkeit 1 – direkt am Ausstieg stehen oder wegrennen und Party machen, wenn der Hund aus dem Wasser kommt, um ihn mitzuziehen und er das schütteln vergisst.

Möglichkeit 2 – mit dem Hund zusammen ins Wasser gehen und Halteübungen machen.

Möglichkeit 3 – separate Halteübungen mit dem Ziel, dass der Hund das Dummy sogar festhält, wenn man ihm ein Leckerchen auf die Nase legt.

Vor allem bei jungen Hunden sollte man zuerst Möglichkeit 1 ausprobieren, da 2 und vor allem 3 mit großem Stress und Druck für den Hund verbunden ist.

Mein kleiner Keks schlug sich wirklich tapfer… bis zu einem bestimmten Punkt. Team 1 startete: *platsch – brizzel* – Team 2: *platsch – brizzel* – bei Team 3 war´s dann scheinbar zuviel *platsch – brizzel – WÖFF!* Himmel, bin ich erschrocken! Doch nach dieser kurzen Explosion war es auch wieder gut und bei Team 4 (*platsch -brizzel*) gab es keine weiteren Zwischenfälle – bestimmt auch dank dem „Leberwurst-Schnuller“ 😉

Mit dem Worten „den Wasserapport hat sie sich jetzt aber redlich verdient“ bat Petra uns nach vorne.

Den Einstieg meisterte sie überlegt aber problemlos. Ich bin wirklich froh darüber, dass Biscuit nicht so eine Kamikaze-Springerin wie Muffin ist – eine Sorge weniger!

*anfeuer*

naja… hat fast geklappt (wie sagt man so schön: kurz vor´m Scheißhaus zamgebrochen) 😉

Geschafft! *uff*

Wir wanderten weiter ins Gelände, wo Petra auf einer großen Wiese bereits Vorbereitungen für die nächste Aufgabe getroffen hatte. Alle Hunde durften nacheinander eine Markierung arbeiten, die mitten in einen Schwarm Locktauben geworfen wurde. Biscuit waren die Plastikvögeln nur einen kurzen Seitenblick wert und somit können wir vorerst auch dieses Thema abhaken. Braves Mädchen!

Die letzte Aufgabe des Tages hatte es in sich. O-Ton Petra: „Nun schicken wir Biscuit von der Grundschule gleich zum Abitur“.

Jeweils vier Teams standen in der Line:
– links von uns wurde unter einer Baumgruppe eine Markierung mit Schuss geworfen (die Locktauben waren ebenfalls wieder im Einsatz)
– vor uns fand im Wald ein Treiben (ebenfalls mit Schuss) statt; hier sollte der Hund zuerst mit „voran“ zum Wald und anschließend in die Suche geschickt werden
– rechts von uns wurde an einem Markierstab ein Dummy ausgelegt, auf das der Hund vorangeschickt werden sollte

Die Entfernung zum Wald war schon recht ordentlich (geschätzte 70-80 Meter). Das Gelände war halsbrecherisch, weil sich dort auf der Wiese wohl ein paar Wildschweine durchgeackert hatten. Ich hab leider vergessen, Bilder vom Gelände zu machen *seufz*.

Da einige von uns (auch Biscuit und ich) noch nie mit Schuss gearbeitet hatten, bekamen wir von Petra Anweisungen: sobald der erste Schuss fiel, sollten wir den Hunden entweder etwas zum tragen oder ein Leckerchen geben. Die Hunde sollten dabei möglichst stehen, damit wir die gesamte Körperhaltung sehen konnten. Es zeigte jedoch keiner der Hunde Unsicherheiten und so konnten wir loslegen.

Pro Durchgang arbeitete ein Team die Markierung, das nächste die Suche und wieder das nächste das Voran; der vierte Hund hatte Leerlauf. Es sollten jedoch alle Hunde am Bein ebenfalls zur entsprechenden Aufgabe gedreht werden. Hier muss ich Biscuit wirklich mal über den Klee loben! Trotz der Schüsse, der Ablenkung durch die anderen Hunde und die extremen Löcher im Boden, hat sie sich anstandslos und punktgenau am Bein drehen lassen. Auch von Petra gab es im Laufe des Tages ein dickes Lob dafür, wie schön Biscuit am Bein sitzt 😀

Die Markierung war überhaupt kein Problem: Biscuit ist rausgeflitzt, hat gut markiert, kurz gesucht, die Tauben links liegen lassen, gefunden und kam sofort zurückgeflogen.

Dann der Wald… Das Treiben war zu dem Zeitpunkt schon eine ganze Weile her und kurz vorher wurde von einem anderen Team die Markierung gearbeitet. Petra fragte mich, ob ich nochmal ein Geräusch im Wald haben möchte, bevor ich sie schicke? Ich überlegte kurz und verneinte. Ich war der Meinung, sie schafft das – denn 1. haben wir das Voran bereits viel trainiert und 2. hatte sie die anderen Hunde dort auch schon hinrennen sehen.

Ich ging ein paar Schritte Richtung Wald, richtete Biscuit aus – kurzes fokussieren – und „Voran!“ Ich traute meinen Augen kaum… dieser kleine Hund ging sowas von schnurgerade raus und brezelte so zielstrebig zum Wald, dass ich jetzt noch Gänsehaut kriege! Am Wald angekommen rief ich „such“ und sie tat, wie ihr befohlen. Leider hat sie noch nicht viel Erfahrung in der Suche und wollte sich auch vom Helfer nicht helfen lassen. Sie ignorierte den netten Mann einfach – da könnt ja schließlich jeder kommen! *schmunzel* Sie suchte für ihre Verhältnisse recht lange, kam letztendlich jedoch nicht zum Erfolg. Sie brach die Suche ab und kam zu mir zurück – mit altbekanntem Blick *sorry, aber da war nix!*. DAS war natürlich sehr ärgerlich, wo sie doch so viel Vertrauen in mich gesetzt hatte, ließ sich aber nicht ändern. Petra nahm die Sache nun selbst in die Hand und postierte sich im Wald. Ich schickte Biscuit erneut und diesmal klappte es – dank Petra – auch. Muss ich noch erwähnen, dass ich danach gefühlte 3 Meter größer war? 😀

Das Voran auf den Markierstab lief dann wieder wie am Schnürchen. Petra stellte sich hilfsweise als zusätzlichen „Fixpunkt“ an den Stab, allerdings ohne Geräusch oder sonstige Handlungen – das Dummy lag schon vorher.

Damit war es geschafft!

Petras Fazit: Biscuit ist sehr gehorsam, sehr triebig und völlig hemmungslos! Wir sollen nun verstärkt am selbständigen Arbeiten (Suchenpfiff) arbeiten und ansonsten – einfach weitermachen!

Mein persönliches Fazit: Es war ein genialer Tag und ich kann ein Seminar bei Petra Ritzerfeld nur empfehlen! An dieser Stelle auch ein dickes Danke an die Organisatoren!

Zu Biscuit fällt mir nur eins ein: es macht sooooo viel Spaß, mit ihr zu arbeiten! Dieser kleine braune Hund ist einfach ein Schatz – MEIN Schatz 😉

Am Sonntag war ich spontan als Helfer für die Fortgeschrittenen vor Ort und bekam zusätzlich die Gelegenheit, mit Biscuit nochmal ans Wasser zu gehen – als Zuschauer! Biscuit war am Samstag bis auf den einen kurzen Beller absolut still gewesen aber ich dachte mir, ein bisschen warten schadet nicht. Man merkte sofort, dass Biscuit angespannter war als noch am Tag zuvor – schließlich wußte sie jetzt, worum es ging. Deshalb übte ich mit ihr abwechselnd das Ablegen, Blickkontakt und ein bisschen Fußlaufen, um ihr die Anspannung zu nehmen. Sie wurde zunehmend ruhiger und war gegen Ende relativ entspannt. Ich bin froh, dass ich diese Chance nutzen konnte um ihre Erwartungshaltung am Wasser wieder nach unten zu schrauben.

Wenn´s nach mir ginge, könnten wir jedes Wochenende so ein tolles Seminar machen 😉

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Kategorien: Seminare | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2011)

  1. ;)))) superschön, dein Bericht, wie immer!!!!! Und Biscuit hat das wirklich klasse gemeistert! Ich glaub, sie war die Jüngste, oder? Und ich sag’s ja immer wieder: Basics, basics, basics…. apportieren kann die! 😉 tihi 😉

    • Ja, soweit ich weiß, war sie mit ihren 13 Monaten die Jüngste – das Küken 😉

  2. Ein tooooooller Seminarbericht: Danke, Anke! 🙂 Ich bin natürlich sehr traurig, dass Frieda und ich nicht dabei sein konnten, aber ich freue mich total, dass es Euch so gut gefallen hat. Von Sabine habe ich auch nur Gutes gehört, dass nächste Mal klappt es hoffentlich.

  3. Vielen Dank für den ausführlichen und interessanten Seminarbericht! Liest sich klasse! Hattest scheinbar viel Spaß mit dem Pershing-Keks! 😉

  4. Andrea

    Spät aber doch. Hab endlich mal den Bericht gelesen und überhaupt mal wieder so gestöbert. Toller Bericht und sooooo amüsant geschrieben.
    Ihr seid echt ein tolles Team, der Keks und Du.

  5. Pingback: Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2012) « Mufflon & Killerkeks

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