Biscuit & der Wesenstest

Gestern morgen gegen 7 Uhr verließen Biscuit, mein Mann und ich das schöne Frankenland und wagten uns in die Oberpfalz – zum Wesenstest mit Richter Klaus Karrenberg. In einem Anflug von Größenwahn verzichteten wir auf das Navi und haben uns natürlich prompt verfranst *Überraschung!*. Dank ausreichendem Zeitpuffer kamen wir jedoch rechtzeitig an und ich holte mir meinen nächsten Schock ab – 9 Hunde – und wir waren die letzten *uffz*. Meine Gefühlsachterbahn hatte daher noch jede Menge Zeit für Ehrenrunden: Freude, Aufregung, Neugier, Zweifel… von allem ein bisschen was!

Wir durften die unterschiedlichsten Hunde und Charaktere bestaunen. Ein Chessie, zwei Flats, zwei Golden, drei Labs – und ein Richter, der viel erklärt, Tipps gibt und das alles auch noch nett und witzig verpackt. Leider hat eine Hündin nicht bestanden, was meine Aufregung wieder ins Unermessliche steigerte.

Entsprechend angespannt war ich, als wir endlich an der Reihe waren und ich hoffte inständig, Biscuit damit nicht anzustecken. Wir betraten den Raum, wo der Hund zuerst durch den Richter identifiziert wurde (Chip lesen) und die Befragung zur Vorgeschichte stattfand. Biscuit fand das nicht weiter tragisch, was uns im Testbogen folgende Kreuzchen einbrachte:

– entspannt
– Fokus auf Besitzer

Der Test startete mit einem „Spaziergang“ über das eingezäunte Gelände. Leine los und „vrrrrrrrrrooooooooooommmm“ – Biscuit war erstmal weg – wer hätte es gedacht *grins*. Nase einschalten und ab die Post: links, rechts, Frauchen? Ah da biste ja – vorbeizisch, kurz anstups, wieder weg… schnüffel, rüssel, galoppel.

Kreuzchen im Bogen:
– Hund stürmt los / entfernt sich weit
– reagiert auf Richtungsänderungen meist
– hält gut Kontakt zum Führer
– interessiert sich stark für Umweltreize (Witterung)

Bewegungsverhalten:
– ständig in Bewegung
– überschießende Bewegungen, verspielt

Sonstige, spontane Verhaltensweisen:
– fordert Führer zum Spiel auf

Hund wirkt in diesem Testabschnitt:
– frei
– dennoch leicht gehemmt (was ich vor allem auf meine Aufregung zurückführe)

Es folgte die „Fußgängerzone“, d.h. alle Teilnehmer bewegten sich in der Gruppe durcheinander. Biscuit fand das nicht wirklich spannend, ging aber doch in die Menge und checkte die komischen Leutchen ab.

Verhalten in der Menschenmenge:
– nähert sich spontan den Menschen

Die Gruppe war entlassen, es durfte gespielt werden.  Zuerst ich – ohne Gegenstand, dann Ball werfen, dann Zerrspiel. Kein Thema!

Führer spielt mit Hund ohne Gegenstand:
– geht begeistert darauf ein
– freudig
– zutraulich

Spiel mit Gegenstand (Ball):
– Beuteverhalten ausgeprägt
– trägt ausdauernd
– trägt freudig zu

Zerrspiel:
– mit Führer: freudig erregt
– mit Richter: ignoriert / sicher

Karrenberg hatte das mit dem Zerrspiel schon vorhergesehen. Er sagte zu mir „eigentlich brauch ich es gar nicht probieren“ und als er ihr das Handtuch hinhielt sprach Biscuits Blick Bände: „wie jetzt? biste jeck? mit dir? nö!“

Die Seitenlage verlief problemlos. Ich legte Biscuit ins Platz, streichelte sie sanft auf die Seite und übergab an den Richter. Karrenberg hielt Biscuit an der Schulter fest, während ich mich entfernte und ein paar Sekunden später war sie auch schon wieder entlassen.

Seitenlage:
– sich unterordnend
– spielerisch widerstrebend

Der nächste Teil war der Kontakt zu Fremdpersonen. Es sollte zuerst eine Frau, dann ein Mann mit Biscuit spielen. Hier war ich mir nicht sicher, ob Biscuit darauf eingehen würde. Biscuit ist bei Fremdpersonen zwar freundlich, aber eher vornehm zurückhaltend, was ICH für mich im Alltag als seeeehr angenehm empfinde – auch wenn es nicht dem typischen Labrador-Verhalten entspricht. Dennoch ging sie im Test auf die Spielaufforderungen teilweise ein.

Spiel mit Fremdpersonen:
– freudig, je nach Art der Spielaufforderung

Berührung durch einzelne Fremde:
– zutraulich
– sicher

Es folgte die Kreisprobe, d.h. alle Teilnehmer bildeten zunächste eine Gasse. Ich lief mit Biscuit in die Gasse hinein und in diesem Moment wurde die Gasse vorne und hinten zu einem engen Kreis geschlossen. In einem geeigneten Moment schummelte ich mich aus dem Kreis und Biscuit blieb allein zurück.

Kreis mit und ohne Führer:
– sicher
– zutraulich
– behält Führer im Blick

Weiter ging es mit dem Schuss: nachdem der erste gefallen war, stürmte Biscuit sofort in Richtung Schütze, auf halben Weg der zweite Schuss – Biscuit nahm nochmal an Speed auf, kurz vor dem Schützen der dritte Schuss. Obwohl wir bisher nur einmal mit Schuss gearbeitet hatten (beim Ritzerfeld-Semi) machte Biscuit nach dem letzten Schuss den Hans-guck-in-die-Luft (wo isses hingefallen?) und fing sogar das suchen an *staun*.

Schuss:
– sicher
– aufmerksam/neugierig
– sucht ausdauernd

Es folgte der Parcours mit optischen und akustischen Reizen – mein persönliches „Angstfach“, weil Biscuit seit ein paar Wochen eine leichte Gruselphase hat. Und die schlug auch gestern beim Test durch. An der ersten Station ging es über eine Plane durch Flatterbänder, sofort danach folgte der Krach einer Ratsche. Kein Problem – da war Biscuit völlig sicher. Es ging weiter – vorbei an einem Regenschirm, der auf- und zugemacht wurde. Biscuit machte einen kleinen überraschten Satz zur Seite, fing sich aber sofort wieder (ach soooo, ein Regenschirm!). Ebenso an dem mit Dosen befüllten Müllsack *klapper-schepper*.

Aber dann! Das Gespenst! In unserem Fall ein überdimensionaler blauer Plüsch-Hund, der überraschend um die Ecke kam, als wir kurz davor standen. Biscuit sprang wie von der Tarantel gestochen zurück und bellte den blauen Alien an *rrrrrrrööööff-knuuurrrrrrröööööff!* Ich näherte mich der „Gefahr“ und als ich begann, mich mit dem Plüschi zu unterhalten und an seinen Ohren zu wackeln, kam auch Biscuit und beruhigte sich wieder. Uffz!!!

Optische Reize:
– nähert sich interessiert
– untersucht selbständig
– freudige Erregung
aber:
– leichtes Misstrauen

Akustische Reize:
– nähert sich interessiert
– untersucht selbständig
– sicher

Geschafft – bestanden!!!!

Wir gingen zurück ins Haus, wo mir Herr Karrenberg das Verhalten meines Kekschens erläuterte. Was das leichte Misstrauen bei optischen Reizen angeht meinte er, dass dies ja nicht nur schlecht sei, da es den Hund auch vor Gefahren bewahrt. Trotzdem empfahl er mir (wie schon einigen Teilnehmern vorher), mit Biscuit in nächster Zeit öfter mal in die Stadt zu fahren und sie so vielen Reizen wie möglich auszusetzen. Durch die Reizüberflutung tritt auch eine Gewöhnung ein und der Hund lernt, unbekannte Dinge schneller einzusortierten.

O-Ton Karrenberg: „Sie haben da einen ganz tollen Hund mit sehr viel Potenzial am Strick – versauen sie es nicht, indem sie ihr Reize vorenthalten!“

Kooperation mit dem Hundeführer: gut!
Unterordnunsbereitschaft: hoch!
Bewegungsverhalten: ausgeprägt!
Ausdauer bei der Verfolgung von Zielen: sehr ausgeprägt!
Hat der Hund Vertrauen zu seinem Führer: ja!

Zusammenfassung (++ = sehr ausgeprägt, + = ausgeprägt, +/- = mehr oder weniger) der erwünschten Eigenschaften:
Temperament ++
Bewegungsverhalten ++
Spielverhalten ++
Ausdauer ++
Unerschrockenheit +
Aufmerksamkeit ++
Beuteverhalten ++
Tragen +
Zutragen +
Spürverhalten +
Unterordnungsbereitschaft ++
Bindung ++
Sicherheit geg. Menschen +/-
Schussfestigkeit ++
Sicherheit geg. optischen Reizen +
Sicherheit geg. akustischen Reizen ++

Keine unerwünschten Eigenschaften vorhanden!

Zusammenfassende Wesensbeurteilung: „Die 15mon. alte Hündin zeigte ein großes Bewegungsverhalten. Sie ist ausdauernd und aufmerksam. Das Spielverhalten ist in ausgeprägter Form vorhanden. Sie ist temperamentvoll. Das Beuteverhalten ist in ausgeprägter Form vorhanden. Sie trägt und trägt zu. Sie hat eine gute Unterordnungsbereitschaft und Bindung. Im Umgang mit Fremdpersonen verhielt sie sich freundlich. Bei der Seitenlage und Gasse ist sie belastbar. Sie ist Schussfest. Im optischen und akustischen Bereich belastbar.“

AMEN! 😉

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Biscuit & der Wesenstest

  1. Ganz ganz herzlichen Glückwunsch zum Wesen! Ich hatte auch gar nichts anderes von euch erwartet :o))))

    Dicker Knutscher von uns!!

  2. Herzlichen Glückwunsch an euch zwei 🙂 Dass sie ein Beutegeier ist wussten wir ja schon 😉 Suchen kann sie auch 🙂 Die Geräusche—> Na, dann habe ich ja doch mal eine Chance dich mit zum Bahnhof- oder Stadttraining zu bewegen *freu*
    Freue mich tierisch für euch!!! Habt ihr euch verdient 🙂
    HG Bianca

  3. AHA!!! Na dann 🙂

  4. Das hört sich ja super an! Frieda gruselt sich hin und wieder auch vor den merkwürdigsten Dingen (Bierflaschen, die im Wasser schwimmen z. B.), da nehm ich sie doch gleich mal mit in die Stadt. 🙂

    • Die Krux der Landei-Hunde 😉 Karrenberg empfiehlt: in der Fußgängerzone 3-11 Kaffee trinken, je nachdem wie lang es dauert, bis der Hund sich entspannt und einschläft. Werd ich auch sicher mal machen, aber man sollte es auch nicht überbewerten. Ich kenn diese Spooky-Phase noch vom Mufflon – die verschwand von ganz allein wieder 😉

  5. Yiiiipiiiihhh …. super habt ihr das gemacht. Ich freue mich. Damals bei Hannes war ich auch total kirre und jetzt steht es mir nochmal bevor … es wir auch nicht wirklich besser mit der Aufregung…

  6. Klasse Keks, klasse Bericht. Braucht frau mehr? Nöööö :-).

  7. Andrea & Hazel

    Schöner Bericht…..das war doch klar das ihr Beiden das klasse macht….aber ich wäre genau so aufgeregt gewesen.♥

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