Kamikaze-Mufflon

Aus gegebenem Anlass ist es an der Zeit, euch ein bisschen was über mein Mufflon zu berichten. Jemand der selbst einen Kamikazeköter hat (oder das Mufflon länger kennt), weiß was man sich unter einem Kamikazeköterchen vorstellen muss. Für diejenigen die es nicht wissen, hier ein kleiner Einblick…

Muffins Kamikazekarriere begann offiziell im Alter von 12 Wochen. Es lag Schnee und wir dümpelten gerade auf unserer „Pinkelwiese“ herum, als eine Frau mit zwei Hunden des Weges kam. Nach kurzem Palaver durften die Hunde Kontakt aufnehmen und Klein-Muffin bekam den totalen Rappel *yeah cool, ihr seid ja geil, los Paaaarty!* Sie bekam ihre wilden 5 Minuten, die mit einem beherzten Sprung ins frostige Nass eines Baches endeten. Ich schnappte mir sofort den nassen Klopps (der ja noch keine Unterwolle hatte) und brachte sie schnell ins 20 m entfernte zuhause. Sie wurde sorgfältig trockengerubbelt und warm eingepackt. Trotzdem kränkelte sie und die Diagnose des TA lautete: Lungenentzündung! Uns ging der Ar… ganz schön auf Grundeis, das kann ich euch sagen! Uff!

Der Frühling kam und Muffin lernte schwimmen. Problem: ein nasses Mufflon tut so, als hätte es nachts auf einem Superman-Heftchen geschlafen. Es kam wie es kommen mußte… nach einem völlig unnötigen Sprung über einen Graben (gefühlte 3 m breit) humpelte sie vorne links. Diagnose: Vorderlauf angebrochen – 6 Wochen schonen und Spaziergänge nur an der kurzen Leine.

Es begann eine Zeit, in der Muffin diverse Dinge lernte, die man ihr besser nicht beigebracht hätte… aber was tut man nicht alles, um das Hundchen geistig auszulasten. Zum Beispiel sowas:

WARNUNG! Es ist NICHT sinnvoll, einer Fressmaschine das Öffnen von Tupperdosen beizubringen!

Nachdem die 6 laaaaangen Wochen Schonfrist vorbei waren und das Röntgenbild einen gut verheilten Knochen zeigte, durfte Muffin wieder flitzen. Und das tat sie! Ausgiebig! Doch ein paar Wochen später humpelte sie wieder. Diagnose diesmal: Knochenhautentzündung! Na bravo, wieder Schonzeit!

Hinsichtlich der geistigen Auslastung gingen mir langsam die Ideen aus und ich begann zu basteln:

Doch auch diese Schonzeit haben wir irgendwie rumbekommen. Die Story von der ersten Läufigkeit, der Scheinträchtigkeit und der Kastration spar ich uns jetzt einfach *seufz*. Muffins erstes Lebensjahr war wirklich wie verhext! Danach ging es jedoch steil bergauf und Muffin genoss das Leben in vollen Zügen – am liebsten so:

Im Oktober 2009 wollten wir zu einem Urlaub an die Ostsee aufbrechen, doch die Abfahrt verzögerte sich um einige Stunden. Es war der schlimmste Moment meines bisherigen Hundehalterdaseins: Muffin rannte vor ein Auto und ich werde wohl nie das Geräusch des Aufpralls vergessen… oder das Bild, als sie von der Motorhaube abprallte und über die Straße geschleudert wurde. Ein wahrgewordener Albtraum!

Mein Mann bewies Nerven aus Stahl und kutschierte uns sicher zum nächsten Tierarzt, wo Muffin auf Herz & Nieren geprüft wurde. Ergebnis: der obere Ballen am Bein hing in Fetzen – und sonst NICHTS! Keine inneren Verletzungen, keine Knochenbrüche. Sie bekam einen schicken Verband und wir traten unseren Urlaub an.

Muffins sehnsüchtige Blicke auf´s Meer (ins Wasser durfte sie leider wegen der offenen Wunde nicht):

Trotz täglichen Verbandwechsels in der örtlichen Tierklinik entzündete sich die Wunde und wieder zuhause mußte Mufflon unters Messer. Die Wunde wurde aufgefrischt und der Ballen wieder angenäht. Zusätzlich bekam Muffin eine Gipsschiene verpasst, um das Bein komplett ruhigzustellen.

Womit wir an einem wichtigen Punkt angelangt wären… was tut ein Kamikazeköter mit Gipsbein? Richtig – auf drei Beinen rennen!

Muffin blendete das Gipsbein einfach aus und bescherte mir einige graue Haare, indem sie mir ein paar mal entwischte und z.B. selbst aus dem Kofferraum sprang oder dreibeinig über einen Graben hüpfte. Gnaaaah! Nach 10 Tagen war der Spuk vorbei und Muffin hatte die Sache schnell vergessen.

Egal ob nun auf drei oder vier Beinen – kein Hindernis ist zu hoch und kein Graben zu breit. Insofern hätte mich die letztes Jahr gestellte Diagnose der Arthrose bei meinem 5-jährigen Hund eigentlich nicht wundern dürfen…

Schmerzen zeigen? Fehlanzeige! Da hält sie beim TA lieber die Luft an, als irgendwelche Reaktionen zu zeigen. Kleinere Verletzungen erkenne ich meist zufällig erst Stunden später, oder wenn ganz offensichtlich etwas nicht stimmt.

Zum Bleistift eine dicke Backe, die mich gegen Ende des Spaziergangs angrinst und ich nur noch raten kann, was DAS wohl gewesen ist. Ich nehme an, sie hat im Streitgespräch mit einer Wespe eine dicke Lippe risikiert…

Liegt irgendwo eine Scherbe, ein Kronkorken oder ähnliches… Muffin trampelt garantiert rein – wortlos. Kein aufjaulen, humpeln… nix. Es sind meist verdächtige Blutflecken auf den heimischen Fliesen, die sie verraten. Es gibt nichts, was ich so oft brauche wie Wasserstoffperoxyd (zum desinfizieren) und Babysocken (als Leckschutz).

Von der Sorte hab ich jede Menge Bilder… Muffin mit Söckchen:

Man gewöhnt sich dran! Ehrlich!

Kommen wir nun zum aktuellen Anlass für diesen Bericht: der gestrige Spaziergang. Ich hatte mich mit Carolin und ihren Mädels getroffen und wir spazierten fröhlich durch überschwemmte Wiesen und Hochwassergebiete. Wieder zurück am Auto packte ich meine beiden klitschnassen Ladies in ihre Bademäntel und machte mich auf den Heimweg. Zuhause rubbelte ich die beiden ordentlich mit dem Handtuch trocken – vor allem Muffin. Wie immer grunzte sie vor Freude, drückte sich fest ins Handtuch und genoss die Massage.

Ich hatte ihr schon mehrmals über den Rücken geschrubbelt, als mir ein verdächtig verklebter Haarbüschel auffiel *Alarm-Alarm!* Der zweite Blick offenbarte eine längliche blutige Stelle, bei der es sich um einen ca 1,5 cm langen Schnitt handelte. Zähneknirschend spülte und desinfizierte ich die Wunde, die glücklicherweise nicht sehr tief ist. Trotzdem sollte man meinen, dass das weh getan haben muss, als ich mit dem Handtuch drübergerubbelt hab?! Hallo – jemand zuhause?!

Aber so ist sie nunmal! Schmerzen sind vergänglich, das Leben spielt hier und heute! Jeder Tag ist ein kostbares Geschenk und sollte mit Freude gelebt werden. Egal wie oft ich bei ihren Kapriolen vor Schreck die Augen zusammenkneife oder die Luft anhalte – sie macht es richtig!

An soviel purer Lebensfreude sollte man sich ein Beispiel nehmen, denn in dieser Beziehung sind uns unsere Hunde wirklich weit voraus…

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Kategorien: das Leben und der andere Kram... | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Kamikaze-Mufflon

  1. *lol*, sie ist schon der Hammer! Die ganzen Kamikazeaktionen so geballt zu lesen ist allerdings starker Tobak ;)))

  2. Schön geschrieben! Aber so ist es halt, das Mufflon. Und Du bist jetzt abgehärtet. Denke, so schnell kann Dich nix mehr schocken! 😉

  3. Da hast du ja echt was mitgemacht :-0
    Das mit dem Unfall stelle ich mir schrecklich vor. Solche Bilder hat man doch ewig im Kopf, oder? Aber Jens hat recht… schocken tut dich nix mehr!
    Wollen wir nur hoffen, dass das Mufflon nicht so weiter macht.

  4. Ja, der Unfall war heftig, das hat mich sehr lange verfolgt.
    Aber so ein Mufflon ist sozusagen fast „unkaputtbar“ 😉

  5. Mensch Anke, die Nummer mit dem Auto kenn ich ja selbst, da denk ich auch nur mit Grauen dran zurück! Shadow hatte ja außer dem Schrecken überhaupt nix abgekriegt, GsD! Mein Nervenkostüm dagegen… *seufz* Aber egal, das Mufflon ist das Mufflon ist das Mufflon. Und einfach rundum klasse :-).

  6. Pingback: kleine Kralle – große Wirkung « Mufflon & Killerkeks

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