Projekt „Begleitkeks“ – 1. Versuch

Letzten Donnerstag surfte ich abends im Internet und folgte einer spontanen Eingebung: mal auf der DRC-Seite nachsehen, was demnächst an Prüfungen ansteht. Prompt stolperte ich über die Ausschreibung einer Begleithundeprüfung (BHP) im Raum Würzburg, die am 11.02. stattfinden sollte. Letzte Chance für eine Anmeldung wäre am nächsten Tag *hmmmm*?!

Warum eigentlich nicht? Spontan ist immer gut, weil einem dann vorher nicht viel Zeit bleibt, um sich unnötig verrückt zu machen. Explizit trainiert hatten wir in letzter Zeit zwar nicht, aber grundsätzlich üben wir zwischendurch ganz automatisch immer mal wieder Elemente der BHP. „Entweder es geht oder es freckt“ – Anmeldung abgeschickt, Meldegeld überwiesen. Samstag noch schnell beim Training mit Carolin eine kleine Generalprobe absolviert – subba gelaufen! Tschakka!

Tatsächlich schälten wir uns heute morgen um 6 Uhr aus dem Bett, um bei flauschigen -17°C ins 125 km entfernte Neubrunn zu fahren. Bei Prüfungsbeginn um 9 Uhr waren es nur noch -15°C… fast tropisch! Von insgesamt 5 Startern waren wir als vierte dran und starteten mit dem ersten Fach…

man sieht mir die Anspannung kaum an ^^

Leinenführigkeit und Unbefangenheit

Von der Grundstellung aus geht man mit dem angeleinten Hund bei Fuß im gewöhnlichen, langsam und im Laufschritt. Im gewöhnlichen Schritt sind mindestens jeweils eine Rechts-, Links- und Kehrtwendung zu zeigen.
Während der gewöhnlichen Gangart muss der HF min. 2x stehen bleiben und der Hund soll sich automatisch setzen.

Anschließend geht man durch eine Gruppe von mind. 6 Personen. Der HF soll in der Gruppe mind. 1x vor einer Person halten und diese begrüßen, wobei sich der Hund automatisch setzen soll.
Die Gruppe soll sich hierbei möglichst durcheinander zu bewegen.

Ich holte Biscuit aus dem Auto und hatte ein gutes Gefühl – Keksi wirkte sehr konzentriert. Die Richterin erklärte noch kurz und los ging´s. Wir liefen das vorgegebene Schema ab und stotterten kurz bei der Kehrtwende (das ist noch ausbaufähig *g*). Einmal setzte sich Biscuit beim stehen bleiben nicht sofort, sondern stand etwas belämmert neben mir bis es ihr wieder einfiel… In der Gruppe freute sie sich über die vielen netten Leute und bei der Begrüßung mußte sie zuerst die Handschuhe unseres Gegenübers beschnuffeln, bis sie sich setzte.

*hey cool, nach was schnuffelst du denn?*

*Hey Kollege, wohin des Wegs?*

Es folgte das zweite Fach…

Freifolgen

Im Endeffekt dasselbe wie in Fach 1 – nur diesmal eben ohne Leine. Man startet zuerst mit der Gruppe und läuft anschließend das o.g. Schema.

Das altbekannte Phänomen trat zutage – ohne Leine läuft´s irgendwie besser, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar hat auch hier die Kehrtwende nicht 100%ig geklappt, aber über den Rest gab´s nix zu meckern. Auch in der Gruppe war alles paletti.

„Fuß“

Weiter zum dritten Fach…

Hinsetzen und Sitzenbleiben in Verbindung mit Herankommen

Man geht mit dem Hund frei bei Fuß und lässt ihn in der Bewegung absitzen, geht weiter und stellt sich ca. 20m entfernt dem Hund gegenüber. Nach Anweisung des Richters wird der Hund herangerufen und soll vorsitzen oder einparken.

Ok, wenn wir was können, dann DAS *g*

kleiner brauner Zinnsoldat wartet…

hieeeeeeeeeeeeeeeer!

*geschafft*

Das Verhängnis nahm in Fach 4 seinen Lauf…

Ablegen und Liegenbleiben

Zuerst ein Platz aus der Bewegung, wobei vom Richter vorgeschrieben wird, wo der Hund abgelegt werden soll. Der HF geht weiter, dreht sich zum Hund und wartet. Der Hund soll eine Minute liegen bleiben. Auf Anweisung des Richters geht man zum Hund zurück und nimmt den Hund wieder ins Fuß.

Ich hätte im Leben nicht damit gerechnet, dass wir in DIESEM Fach durchfallen. Doch erstens kommt es anders… Ich lief los und gab Biscuit das Kommando, welches – im Vergleich zu sonst – sehr holprig und zögerlich ausgeführt wurde (was mich schon stutzig gemacht hat).

ge“platz“ter Keks

Ich stellte mich ihr gegenüber auf und wartete darauf, dass die Minute vorbeigehen würde. Doch plötzlich…

oh Schreck! :-O

Ich hab keinen blassen Schimmer, was der Auslöser war. Hatte ich eine unbewusste Bewegung gemacht? Mich geräuspert? Saß eine meiner Augenbrauen schief? Ehrlich… ich weiß es nicht! Ich habe Biscuit noch nienienienienie aus dem Platz abgerufen. Mir stockte der Atem und ich war ratlos. Durfte ich nochmal ein Kommando geben? Jetzt weiß ich: ja! Hätte ich mal VOR der Prüfung gefragt ^^ Aber so wußte ich es nicht, die Sekunden verstrichen und Biscuit hing regungslos in geduckter Haltung und wartete auf ein Zeichen. All meine telepathischen Versuche, sie wieder abzulegen scheiterten und es kam wie es kommen mußte: Biscuit stand endgültig auf und rannte zu mir.

Durchgefallen! Prüfung beendet!

Ich leinte Biscuit an und auf die Frage der Richterin „woran lag es?“ entfuhr mir prompt ein „keine Ahnung, das hat sie ja noch nie gemacht“ (da war er wieder, der allseits gefürchtete Satz). Sie begleitete mich vom Platz und versicherte mir, dass Sie das wirklich sehr schade fände, denn Biscuit sei ein richtig toller Hund mit unglaublich viel Potenzial „ihr seid ein gutes Team!“

Für die Leinenführigkeit hätten wir 16 von 20 Punkten bekommen, für die Freifolge 18 von 20, für das Hinsetzen mit Heranrufen 9 von 10 Punkten. Wenn nicht… jaja, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

Was wir verpasst haben:

Fach 5 – Ablegen des Hundes unter Ablenkung

Hund wird abgelegt, HF entfernt sich und wird von einer Menschengruppe inkl. Verleithund abgeholt. Der HF geht mit der Gruppe außer Sicht und nach einer Minute auf Zeichen des Richters wieder zurück zum Hund.

Fach 6 – Bringen eines weichen Gegenstandes

Ein stinknormaler Apport eben 🙂

Fach 7 – Schussfestigkeit

Die Schüsse werden in einer Entfernung von 30 – 50 m vom Hund abgegeben (Kaliber 9 mm). Der Hund ist hierbei unangeleint. Punkte werden nicht vergeben, es soll lediglich festgestellt werden, ob der Hund schussfest ist.

Ablage unter Ablenkung und außer Sicht gehen haben wir geübt, hat bisher immer geklappt, hätte aber trotzdem in die Hose gehen können. Über Apport und Schussfestigkeit brauchen wir nicht reden. Obwohl – heute wieder gelernt – sag niemals nie!

Trotzdem war es ein schöner Tag und wir (vor allem ich) sind wieder um eine Erfahrung reicher. Ein ganz liebes Danke an die nette Richterin (Maria Buckel), meine tollen Mitstreiter (die ganz lieb applaudiert und mich getröstet haben, als ich vom Platz ging) uuuuuuund vor allem – an meine liebe Freundin Esther, die sich heute stundenlang den Hintern abgefroren hat, um mir Gesellschaft zu leisten und mir Mut zuzusprechen *knutscha*!

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht enttäuscht war. Doch jetzt – mit ein paar Stündchen Abstand (und warmen Füßen) – überwiegt eindeutig die Freude darüber, dass Biscuit und ich heute ein gutes Team abgegeben haben. Durch meine rosarote schokobraune Brille ist sie sowieso der beste Keks der Welt.

Frau Buckel meinte, wir sollen die Prüfung im Frühjahr sofort wiederholen.
Schau mer ma, dann seh mer´s scho…

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Projekt „Begleitkeks“ – 1. Versuch

  1. Willkomen im Club der „das hat er/sie ja noch nie gemacht“ :-))) gesagten LOL Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich und seeeehhhhrrrr lehrreich 😉

  2. Sie bleibt der Welt bester Keks und Dich drück ich einfach mal 🙂 *drück*

  3. Ach, ihr habt das doch offensichtlich toll gemacht! Für uns wären schon vorher etliche Stolpersteine und Hürden da gewesen, die der Keks quasi im Schlaf genommen hat. Und: So ein klitzekleines Bisschen symptathisch macht es euch doch auch. 🙂 Wen interessieren schon Prüfungen, bei denen immer alles glatt geht? Mal sehen, wir wollten uns heuer eigentlich auch noch an das „Begleitfriedrich“ wagen. Es könnte lustig werden.

  4. Hofmann Karola

    Nicht traurig sein über den Patzer. Lakritznase und ich üben immer noch basics und ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt so weit gekommen wären. Ganz liebes Trösterchen von Karola & Naima

  5. Pingback: Der grüne Sack ein rotes Tuch? « Mufflon & Killerkeks

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