Der grüne Sack ein rotes Tuch?

Eigentlich sollte dieser Artikel ein Bericht über unseren gestrigen Trainingstag werden, aber ich fürchte ich muss weiter ausholen.

Ich hatte in meinem letzten Artikel schon angedeutet, dass ich mit dem Dummytraining in letzter Zeit auf Kriegsfuß stehe. Im Hinblick auf den Spaß vom letzten Jahr eine seltsame Wendung!?! Jein. Wir beendeten die Saison letztes Jahr mit einer deutlichen Baustelle: tauschen.

Der Winter verging ohne nennenswertes Training und motiviert startete ich nach unserer verpatzten Begleithundeprüfung wieder in die Dummy“saison“. Im Hinterkopf schwirrte der Gedanke/Vorsatz evtl. im Frühjahr die Dummy A anzutreten. Doch es lief nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte und ich war frustriert. Biscuit spürte meinen Frust und arbeitete noch schlechter. Mein Frust wurde größer und ich wurde unfair.

Beispiel gefällig? Muffin baut irgendwelchen Mist, überhört einen Pfiff, hat eigene Ideen – und ich muss lachen. Bei Biscuit dagegen baut sich sofort Frust auf und ich motze. Dabei habe ich eine ganz einfache Tatsache übersehen: mit Muffin mußte ich mir vieles hart erarbeiten und freute mich über jeden noch so kleinen Fortschritt – kleine Rückschläge waren normal. Biscuit hat es mir schon immer viel zu leicht gemacht und ich ärgerte mich über jeden Rückschritt, nahm vieles als selbstverständlich.

Eine seltendämliche Sackgasse, die man nicht erkennt, wenn man mittendrin steckt. Wie gut, dass ich in meinem kleinen Universum nicht alleine bin… Unser erstes Training bei Carolin war ein kleines Desaster und ich schüttete ihr anschließend mein Herz aus. Drei Tassen Kaffee und ein Päckchen Tempo später (jaja, ich Heulsuse ich) schickte Carolin mich mit folgenden Worten nach hause:

„Du solltest dir darüber klar werden, WARUM du das tust.
Welche Ziele hast du?
Wie weit willst du kommen und was bist du bereit dafür an Zeit zu investieren?“

Die Erkenntnis kam postwendend. Auf die Frage nach dem WARUM gibt es nur eine Antwort: weil ich Spaß an der gemeinsamen Arbeit mit meinem Hund haben möchte! Mit Muffin wollte ich so gern Prüfungen und Workingtests laufen und konnte es nicht. Nun könnte ich es mit Biscuit und kam nicht weiter, weil ich uns selbst unter Druck setzte. Na herzlichen Glückwunsch!

Die Sache mit den Zielen ist schwieriger. Natürlich möchte ich die Dummy A machen und auf Workingtests starten – wie weit ich dabei komme, hängt allerdings auch davon ab, wie lange es Spaß macht. Ehrgeiz ist nicht immer ein guter Begleiter (jedenfalls für mich ganz sicher nicht). Bleibt der Zeitfaktor – ich kann nur soviel Zeit investieren, wie ich Lust habe.

Mit dieser neugewonnenen Erkenntnis traf ich mich mit meiner Freundin Esther zum gemeinsamen Training. Durch den Frust der letzten Wochen hatte sich eine weitere Baustelle aufgetan: Biscuit blödelt mit dem Dummy auf dem Rückweg oder kommt nur in einem großen Bogen zurück. Das geht auf meine Kappe und ist ein noch größeres Problem, als das Tauschen.

Meine angedachte Lösung für beide Probleme ist klein, gelb und rund: ein Tennisball!

Viele Leute vertreten die Meinung, dass das Tauschen im Grunde ein „Hier-Problem“ ist. Der Hund hat noch nicht begriffen, dass er sofort zurückkommen soll, wenn er ein Dummy aufgenommen hat. Da wir nun passenderweise tatsächlich ein Hier-Problem mit dem Dummy haben, könnte man das auch gemeinsam angehen.

Ich hatte in den Tagen zuvor schon begonnen, den Hier-Pfiff im Freilauf mit dem Tennisball zu belohnen und besprach meinen Plan mit Esther. Wir legten mehrere Dummies im Suchengebiet aus und achteten darauf, dass diese weit auseinanderlagen und Biscuit auf dem Rückweg nicht über ein anderes stolpern konnte. Na dann los!

Sofort nachdem Biscuit das erste Dummy aufgenommen hatte, gab ich den Hier-Pfiff und begann mit einer Hand den Tennisball vor mir in die Luft zu werfen. Doch Biscuit schaute erst gar nicht, sondern war schon im Begriff weiterzujagen. Blitzschnell rief ich „schau mal“ und sie schaute tatsächlich überrascht in meine Richtung. Nochmal Hier-Pfiff + Ball hochwerfen und sie kam aus dem Suchengebiet gerast. Leider ließ sie auf der Hälfte der Strecke das Dummy fallen (wahrscheinlich blieb ihr angesichts des unerwarteten Tennisballs der Mund offen stehen…grins), doch ich warf ihr den Ball trotzdem.

Damit platzte der Knoten. Sie brachte mir insgesamt drei Dummies aus der Suche und bekam jedesmal zur Belohnung den Ball geworfen. Mit jedem Dummy wurde sie schneller beim reinkommen und verschwendete keinen Gedanken mehr ans Tauschen. Natürlich ist es damit nicht getan, vor uns liegt noch viel „Arbeit“ um meine Fehler wieder auszubügeln. Aber: wir hatten endlich wieder Spaß!!!

Der weitere Weg ist klar: Ich muss den Stock aus meinem Hintern nehmen und viel unverkrampfter an die Sache herangehen. Außerdem muss ich meine Erwartungshaltung nach unten schrauben und darf mich nicht durch „äußere Einflüsse“ unter Druck setzen lassen.

Gestern hatte ich die erste Gelegenheit, um all das umzusetzen: auf einem Vorbereitungsseminar für die Dummy A. Den Bericht dazu werde ich gleich im Anschluss tippen, aber soviel kann ich euch schon verraten: es ist mir gelungen 😉

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Kategorien: Training | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Der grüne Sack ein rotes Tuch?

  1. Hofmann Karola

    Du bist nicht allein im großen Land der Baustellen und Grumpfelmumpfel – Verfassung.
    Solange mehr Schei… als Suchendummys im Wald rumliegt kommt auch bei mir keine Freude auf.

  2. Mensch Anke, was für ein blöder Teufelskreis! Aber du wärst ja nicht du, wenn ihn nicht aufgelöst hättest :). Es ist nun mal unmöglich, das eigene Verhalten objektiv zu reflektieren und da ist ein „unbeteiligter“ Anderer, egal ob Trainer oder Trainingspartner etc. Gold wert. Problem erkannt, jetzt könnt ihr (mit Spaß!) dran arbeiten. Und wenn ihr doch nicht die „ultimative Dummykarriere“ zustande bringen solltet, dann fällt dir doch (im Gegensatz zu manch anderem) kein Zacken aus der Krone. Also, hab Spaß mit deinen süßen Wöffels und schau, ob mehr draus werden kann :).

  3. Wer weiß besser als du, daß diese Situation normal ist??? Mit Brino gings mir ja nicht anders 🙂 Aber wenn mal selbst drinnsteckt ist es schon echt die Hölle 😦 *drückdich*

  4. Oh Anke, ich weiß die Erkenntnis trifft einen wie ein Schlag ins Gesicht. *Drück Dich ganz fest* Ich kenne Deine Situation genau. Genau wie du habe ich einen „Maser of Desaster“ und eine „Charming Queen“ zu Hause. Und genau wie dir geht es mir mit Fiene sehr leicht von der Hand. Zwischendurch wurden meine Trainingsschritte etwas „zu schnell“ denn ich nahm mir ein Beispiel an den anderen „Discoverys“ die doch schon in ihrer Ausbildung ein Stück weiter bzw. gefestigter sind als Fiene. Als sie anfing zu fragen…. war ich erst sauer und dann böse und dann …. wütende auf mich selbst! Ich ging Schritte zurück und jetzt klappts.

    Wir arbeiten derzeit auch am Rückruft… Es ist ein Teufelskreis. Fiene soll gut Markieren…. fängt aber schnell an zu jagen …. dann rufe ich sie zurück. Sie kommt mit hängendem Kopf zurück weil sie kein Dummy hat 😦
    Also, genau wie bei euch, kommt der Tennisball wieder zum Einsatz. Rückruf muss immer positiv besetzt sein.

    Glaub mir, das Trainingsweg ist keine gerade Linie bis zum Ziel … Es ist eher wie ein Wasserlauf der mal hier hin und mal dort hin mäandert.

    LG von jemandem der genau weiß wovon du schreibst…
    Ivonne

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