Dummytraining mit Souffleur

Unverhofft kommt oft! Facebook sei Dank wurde ich Anfang dieser Woche eingeladen, am Wochenende bei einem Gruppentraining mit André teilzunehmen. Treffpunkt: High Noon irgendwo hinter Nürnberg auf einem Waldparkplatz. Mir schwante bereits, dass das Training es in sich haben würde und ich sollte recht behalten.

Die erste Aufgabe wurde im 2er-Team gearbeitet und bestand aus drei Teilen. Zuerst legte André hangaufwärts im Wald zwei Dummies aus und gab zwei Schüsse ab. Anschließend warf er zwei Markierungen: je zwei Dummies links von uns ÜBER einen Bach und je zwei Dummies rechts von uns IN den Bach.

Anke guckte, schluckte und staunte. Im Gegensatz zu letzer Woche drehte sich Biscuit diesmal sehr gut am Bein… mühsam ernährt sich das Eich-Änkchen.

Während zuerst unsere Teampartnerin mit Lab-Hündin Lolle die erste Teilaufgabe abarbeitete, spürte ich ein leichtes vibrieren am linken Bein. Biscuit ist eigentlich ein sehr ausgeglichenes Hündchen, doch wenn sie aufgeregt ist, zittert ihr Hintern als ob sie mindestens 5 Duracell intus hätte *brrrr…brrrr….brrrr*. Ich war froh darüber, dass der nicht arbeitende Hund angeleint war.

Gleich zu Beginn schnappte ich von André einen Satz auf, den ich mir mehrmals täglich ins Gehirn dreschen sollte:

Emotionen gehören NICHT an den Hund!

Mit diesen Worten im Ohr traten wir unsere erste Teilaufgabe an – Voran auf die ausgelegten Dummies im Wald (der rote Pfeil soll in etwa die Stelle markieren, an der die Dummies lagen):

Ich richtete Biscuit aus und schickte sie „voran“. In gerader Linie hochgesemmelt, Dummy sofort gefunden – Ende der Geschichte. Okäääääääy, schön wär´s gewesen… Statt mit dem Dummy zurückzukommen, jagte sie mit Dummy weiter und bis ich reagierte, hatte sie das Dummy an einer anderen Stelle fallenlassen und war schon wieder in eine andere Richtung unterwegs. Andrés Kommentar: „Schnell isse!“ Jo, nur leider völlig planlos (bzw. ich einfach zu lahmarschig – hmpf). Ich holte sie zurück, und schickte sie auf die Stelle voran, an der sie es fallen gelassen hatte. Raus, aufnehmen, rein. Warum nicht gleich so? *Augenroll*

Weiter ging es mit der Markierung, die André über den Bach hinter eine Baum-/Gebüschinsel geworfen hatte:

Das war nun schon ein Weilchen her und Biscuit hatte es sich scheinbar nicht gemerkt. Sie ging zwar in den Bach, driftete aber schnell nach rechts in Richtung der anderen Markierung ab. „Hol sie zurück!“ (das sollte mal wieder DER Satz des Tages werden…) Gesagt – getan. „Kannst du sie voranschicken?“ „Denke schon…“ „Dann mach mal!“ Klar, die Anke machte mal… ich ging auf Andrés Anweisung ein Stück näher ran, richtete sie aus und schickte sie. Was soll ich sagen? Sie ging!!!!!

Rein in den Bach – rüber – raus aus dem Bach – hinter das Grünzeug aus dem Blickfeld… das bange warten begann (in solchen Momenten habe ich immer die Jeopardymusik im Ohr). Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte sie wieder auf – olé – sie hatte das Dummy und – nochmal olé – kam zurück. Freu!

Es folgte die rechte Markierung IM Bach:

Auch diesmal klappte es im ersten Anlauf nicht so richtig und ich mußte sie nochmal reinholen und uns neu sortieren. Ordentlich ausgerichtet nahm sie diesmal die Richtung gut an und kämpfte sich durch. Scheinbar muss ich kurzzeitig etwas verzweifelt ausgesehen haben, denn André wies mich an: „Lass sie! Es ist wichtig, dass sie sich das jetzt selbst erarbeitet!“ Kurz darauf war sie schon mit dem Dummy auf dem Heimweg *jubel*.

Mein Fazit: Tolles Gelände in dem sich Biscuit so richtig ausgetobt konnte! Da Teampartnerin Lolle die Aufgaben immer vor uns gearbeitet hat, bestand wenigstens keine Tauschgefahr. Keksis Aufregung legte sich während des Wartens schnell, war von entspannt aber noch weit entfernt. Wir sollten nun doch öfter das Gruppentraining suchen! Schade, dass wir bei jedem Apport einen zweiten Anlauf gebraucht haben. Andererseits lernt man ja auch durch Fehler und evtl. bleibt ja vom Handling ein bisschen was bei mir hängen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

Nachdem alle die Aufgaben durchgearbeitet hatten, gingen wir ein Stück weiter in den Wald zur nächsten Aufgabe – diesmal einzeln gearbeitet. Da man von unserer Wartezone keinen Einblick in die Aufgabe hatte, kämpfte ich mich ohne jegliche Vorstellung zum Startpunkt im Wald. André warf einen Tennisball weit einen Hang hinunter (meine Tennisbälle kommen ohne Ballschleuder nichtmal 10m weit). Was ich nicht wußte: schräg links hinter uns war ein Dummy für den zweiten Teil der Aufgabe ausgelegt.

Der Ball landete am Fuß den Hangs bei einer kleinen Tanne, aber Biscuit semmelte volles Brett über´s Ziel hinaus. Sie verfiel sehr schnell in eine groooooooooßräumige Suche und der meistgehörte Satz des Tages ertönte: „Hol sie zurück – schnell!“ Leider hatte sie zu dem Zeitpunkt schon das ausgelegte Dummy aufgestöbert *örghs*, ließ es aber wieder fallen *doppel-örghs* und kam zurück.

Wir widmeten uns wieder der Mission Tennisball und André versuchte sich als Souffleur:
Ich schickte erneut. Biscuit raste wieder drüber.
„Hol sie zurück!“ … *tüt-tüt*
Neu angesetzt – auf Höhe des Tennisballs die Anweisung „Suchenpfiff!“
Anke fummelt nach der Pfeife (ich lern das NIE!), Biscuit ist derweil schon 30m weiter.
„Ach Mensch, Frauchen!!! *Kopfschütteln* Hol sie zurück!“ … *tüt-tüt*
Neu angesetzt, wieder nix.
„Hol sie zurück!“ … *tüt-tüt*
usw…

Ich habe es ums verrecken nicht geschafft, sie an diesen dääääääämlichen Tennisball zu kriegen. Keine Ahnung, wie oft ich sie wieder zurückgeholt habe. Letztendlich ging ich nach unten, zeigte den Ball und ging wieder zurück um erneut zu schicken. Diesmal peilte sie die richtige Richtung an, der Souffleur befahl „Suchenpfiff!“ und – es geschehen noch Wunder! – ich hatte die Pfeife parat und tütete – geschafft! Tschakka! Das war eine verflucht schwere Geburt… doch André konnte dem sogar noch etwas positives abgewinnen: „Wichtig ist, dass der Hund Spaß hat und immer wieder rausgeht – den Rest kann man trainieren.“ Ja, da ist schon was dran. Ich war selbst erstaunt, dass sie immer und immer wieder mit Speed rausgegangen ist. Mangelnde Motivation ist nicht unser Problem.

Wir wendeten uns dem ausgelegten (und längst vergessenen) Dummy zu. Direkt vor uns lagen einige Äste, die Biscuit erstmal ausbremsten. Sie ging zwar drüber, fing aber nach den Ästen sofort das suchen an. „Hol sie zurück!“  nochmal von vorne. Wieder das gleiche Spiel. „Hol sie zurück! Geh mal über die Äste ein Stück nach vorn“. Dann platzte der Knoten und sie ging schnurstraks zum Dummy, nahm auf, kam zurück. Klasse!

Vorwurfsvoll gucken können wir auch:

Für den Rückweg zum Auto hatte sich André etwas nettes einfallen lassen. Alle Teilnehmer gingen mit den Hunden frei bei Fuß in der Line quer durch den Wald. André gab zwischendurch immer mal einen Schuss ab.

Die ersten paar Meter gingen recht gut, aber je weiter es bergauf ging, desto dichter und hügeliger wurde der Wald. Ich befand mich ganz rechts außen und hatte als Orientierung für die Line irgendwann nur noch meine Nebenfrau im Blickfeld. Bei einem der Schüsse machte Biscuit schließlich zwei kleine Hoppser vorwärts (dabei fiel mir auf, dass sie zum ersten mal an diesem Tag eingesprungen war), ich konnte sie aber sofort wieder ins Fuß holen. Etwas länger dauerte die Verständigung nach links ans andere Ende der Line, ob ich meinen Hund wiederhätte und wir weitergehen könnten? Das Gelände war der Hammer – das Fußlaufen hatte was von einem Überlebenskampf (fall nicht hin, brech dir nix, spieß dir nicht die Äste in Auge/Nase/Herz…)

Andrés Fazit: Wir babbeln alle vielzuviel (da fällt mir grad wieder der folgende Spruch ein: ein Mann – ein Wort; eine Frau – ein Wörterbuch)! Wir sollen vermehrt das Fußlaufen in schwierigem Gelände trainieren und die Klappe halten. Es gibt EINmal das Kommando „Fuß“ beim loslaufen und danach nicht mehr, stattdessen Korrekturen über Körpersprache.

Wieder am Auto war ich heilfroh, dass ich den Fußmarsch unfallfrei hinter mich gebracht hatte. Wir luden die Hunde ein und ich wollte den Kofferraum schließen. Verwundert nahm ich ein *tock* zur Kenntnis – die Kofferraumklappe war auf Widerstand gestoßen. Bei genauerer Betrachtung handelte es sich um den Kopf einer lieben Trainingskollegin. Uuuuuuuuups! Liebe Karola, an dieser Stelle nochmal SORRY!

Ich sollte mir ein neues T-Shirt zulegen. Aufdruck: 2m Rangierabstand halten! Tüdeldü…

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Kategorien: Training | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Dummytraining mit Souffleur

  1. Doris Feulenr

    Das ist der Wahnsinn – wie du schreibst. Ich lache schon den ganzen Morgen über deine Erzählung. Das Fußlaufen war wirklich Abenteuer pur!!!!
    Ich hoffe du bist das nächste Mal wieder dabei. LG Doris

  2. Hofmann Karola

    Dein Keks liebt die Bewegung und geht öfter raus auf ein Dummy!
    Naima ist da pragmatischer “ ich bring gleich beide Dummys mit, muss sich mein Trainingsfreund(in) die Pfoten nicht einnässen!!!!!
    Wie wird das eigentlich beim WT bewertet ;-((((( ? Pluspunkte ?????

  3. Toller Bericht…. und das Training hatte es wirklich in sich. Ach ja, und das kommunizieren mit dem Hund…. da kann ich ja auch ein Lied von singen 😉
    Aber „What Shells“ … dafür machen wir ja Training, wäre doch sonst auch wirklich langweilig.

  4. Ich könnte dauernd weiterlesen *Lachtränen wegwisch!
    Super!!!

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