Hula-Hoop mit Dieter Schorn

Samstag noch Helfer bei der Dummy A, Sonntag schon wieder im Auftrag der eigenen „Fortbildung“ unterwegs: die BZG Franken hatte Dieter Schorn zu einem Trainingstag eingeladen.

Den Samstag haben wir ganz gemütlich bei Karola zuhause ausklingen lassen und nach einer heißen Dusche ein gemütliches Bett vorgefunden. Esther und mir blieb damit die lange Heimfahrt und am Sonntag die lange Anfahrt nach Nürnberg erspart. Einigermaßen ausgeschlafen trudelten wir gegen 10 Uhr am Treffpunkt ein und ich freute mich über ein erneutes Wiedersehen mit Biscuits Züchterin Christine.

Ich hatte mich am Tag zuvor schon mit Christine unterhalten und ein wenig von unseren derzeitigen Problemchen berichtet. Sie appellierte an meine Geduld – ich soll Biscuit die Zeit geben, die sie braucht und uns nicht unter Druck setzen „Wenn du die Dummy A dieses Jahr nicht machst, dann eben nächstes Jahr oder auch gar nicht. Deine Züchterin erwartet das nicht!“ Uff… das tat gut! Danke für die klaren Worte!

Biscuit war übrigens völlig aus dem Häuschen, als sie Christine (nach ca. einem Jahr) wiedersah. KleinKeks krabbelte an ihr hoch und versuchte vergeblich durch kleine Hüpfer und Propellerantrieb einen fetten Schmatz in Züchter-Mamas Gesicht zu platzieren. Hach, da ging mir richtig das Herz auf…

Nach kurzer allgemeiner Begrüßung und Vorstellungsrunde legte Dieter Schorn einen Hula-Hoop-Reifen ins Gras und zauberte damit allen Teilnehmern ein grooooßes Fragezeichen ins Gesicht *wassndasnu?*! Tatsächlich sollte dieser Reifen Dreh- und Angelpunkt des Tages werden. Jede Aufgabe startete im Reifen und auch die Abgabe sollte im Reifen stattfinden.

Zunächst sollte jedes Team eine Einzelmarkierung arbeiten, damit sich Dieter ein Bild von uns allen machen konnte. Es sollte alles wie im Training gehandhabt werden. Da Biscuit derzeit ein klitzeklitzeklitzekleines *hust* bisschen zum Einspringen neigt, wurde das Dummy vom Helfer abgesichert. Doch sie blieb brav auf ihren vier Buchstaben sitzen, bis ich sie schickte. Alles wie im Training – also gab ich im heiligen Moment des „braune-Schnüt-auf-grünes-Säcklein-trifft“ sofort den Hier-Pfiff und präsentierte zeitgleich den heiligen Gral (in Fachkreisen auch als Tennisball bekannt). Ich tauschte Dummy gegen einen geworfenen Tennisball, den sie mir sonst immerimmerimmer sofort freiwillig zurückbringt – nur da nicht, das Frollein brauchte eine Extraeinladung *älläbääääätsch*.

Nachdem alle durch waren, hatte Dieter einiges zu erzählen. Er legt sehr viel Wert auf die Basics (z.B. Fußarbeit) und ist ein Fan des ruhigen, sachlichen Führens. Das klingt gut, ist aber – wie wir alle wissen – gar nicht so einfach. Hier ein paar Punkte, die er in diesem Zusammenhang angesprochen hat:

1. Er trennt strikt zwischen Triebarbeit und Gehorsamsarbeit und der Hund sollte das Dummy immer freiwillig bringen! Das bedeutet, dass man nicht sofort den Hier-Pfiff (= Gehorsam) geben, sondern den Hund lieber zum kommen ermuntern soll. Das Dummy nicht sofort abnehmen, sondern die Bewegung des Hundes mitnehmen – hierzu ein Beispiel, wobei evtl. auch die Bedeutung des Reifens deutlicher wird:

Hund ist mit dem Dummy auf dem Rückweg, der Hufü verlässt den Reifen und bewegt sich aufmunternd klatschend/lobend vom Hund weg. Sobald der Hund beim Hufü angekommen ist, wechselt der Hufü die Richtung und geht (weiterhin lobend) zum Reifen zurück. Der Hund wird hierbei automatisch im Fuß mit dem Hufü zurück in den Reifen gehen, wo man dem Hund schließlich das Dummy abnimmt.

2. Zwischendurch mal mit dem Dummy spielen, um den Trieb zu fördern

3. Zur Belohnung nicht immer etwas werfen, da der Hund sonst evtl. irgendwann anfängt es einzufordern. Stattdessen lieber variieren: mal werfen, mal gar nix, mal den Ball nur vor die Pfoten fallen lassen.

Nach diesen allgemeinen Punkten widmeten wir uns der Fußarbeit. Das wohl wichtigste hierbei: der Hund soll sich nach dem Hufü richten und nicht andersrum. Das ausrichten am Bein soll automatisch passieren, ohne dass man dabei ständig den Hund im Auge haben muss. Schauplatz der Übung war wieder der Hula-Hoop-Reifen.

Sitzt der Hund nicht korrekt – so wie hier…

…geht man ein paar Schritte rückwärts, bis dem Hund auffällt *mein rechter-rechter Platz ist leer, da wünsch ich mir mein Frauchen her“. In der Regel wird Hundi den Rückwärtsgang einlegen und sobald er sich wieder links neben einem einsortiert hat, geht man gerade nach vorne – bleibt stehen – Hundi setzt sich und sitzt im Idealfall automatisch gerade. Tut er das nicht, beginnt das Spiel von vorne, bis es klappt. Wichtig: den Hund nicht ansehen, sondern nur aus dem Augenwinkel beobachten. Natürlich sollte man das erstmal zuhause ohne Ablenkung trainieren. Endziel ist es, dass ein kleiner Schritt nach hinten ausreicht, um den Hund ohne großen Blickkontakt ausrichten zu können. Macht Sinn, wenn man bedenkt, dass man als Hufü auch aufpassen muss und wissen sollte, wo die Markierung gelandet ist.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich am Sonntag noch reichlich skeptisch war, ob das für Keksi und mich wirklich was ist. Biscuit zeigte mir nach einer Weile sehr deutlich, dass ihr dieses ständige nach hinten laufen zu doof ist *gelangweilt mitlatsch…*. Da ich die Grundidee aber mit ein paar Tagen Abstand gar nicht so schlecht finde (habe das „Endprodukt“ auch schon bestaunen dürfen), werde ich der Sache eine Chance geben – vorerst abends zuhause im Wohnzimmer.

Diese Übung zur Fußarbeit wurde gleich anschließend anhand einer Doppelmarkierung vertieft. Die Markierungen fielen mit Schuss im 90°Winkel und Dieter betonte, dass man sich bei einem korrekt ausgerichteten Hund das Handzeichen bei einer Doppelmarkierung sparen kann. Zuerst fiel die linke Markierung, dann ging man rückwärts raus aus dem Reifen und gerade auf die neue Richtung wieder rein, wo die rechte Markierung fiel. Links sollte zuerst geholt werden, also wieder das Reifentänzchen bis man sich nach links ausgerichtet hatte.

Biscuit machte einen langen Hals in die falsche Richtung und ich wartete artig ab, bis sie sich nach vorne auf das richtige Dummy konzentrierte. Ich schickte sie zum Apport und staunte nicht schlecht, als sie direkt vor meinen Füßen scharf rechts abbog *zzzzössssssssch* und zum falschen Dummy flitzte. Tarnen und Täuschen! Sie war so fix, dass der Helfer seine liebe Mühe hatte, um vor ihr am Dummy zu sein und es zu sichern. Am Ende bekam ich die Dummies doch noch in der gewünschten Reihenfolge. Gut Ding will Weile haben, gell?

*aufpassen und lernen*

Die nächste Aufgabe bestand aus einer Markierung und einem ausgelegten Dummy zum voranschicken. Zuerst fiel links die Markierung, dann wurde im 90°Winkel rechts davon ein Dummy ausgelegt. Hier wieder zum ausrichten das altbekannte Spiel: rückwärts raus aus dem Reifen und in gerader Linie zum jeweiligen Dummy wieder rein in den Reifen. Zuerst sollte man Voranschicken, danach die Markierung arbeiten. Zum einen trainiert man hierdruch die Merkleistung des Hundes und zum anderen bringt man den Hund in einen Konflikt – und erst wenn der Hund im Konflikt ist, beginnt er zu lernen.

Das Voran hat Keksi gut gemeistert, die Markierung hatte sie jedoch nicht mehr auf dem Schirm. In dem Fall kann man den Hund sitzen lassen und allein ein paar Schritte in die richtige Richtung gehen, oder nochmal zum Dummy gehen und ein Geräusch machen/nochmal aufheben und zeigen. Spätestens bei dieser Aufgabe zeichnete sich ab, dass dieses Hereinlocken durch Wegrennen bei Biscuit eher kontraproduktiv ist. Sie dreht dabei viel zu hoch und verfällt in wildes Gehoppse.

Als nächstes stand eine Markierung auf dem Programm, die mittels Dummylauncher geschossen wurde, was soviel heißt wie: verdammt hoch und verflucht weit! Die Aufsätze des Launchers waren relativ klein und es war sogar für den Menschen (der ja wußte von wo das Ding abgefeuert wurde) schwierig, die Flugbahn zu verfolgen. Aaaaaaaber – die Hundis markieren ja nicht nur mit dem Augen, sondern auch mit dem Gehör. Die Hunde hatten wirklich keine Chance die Flugbahn nachzuvollziehen, doch sofort nach Landung des Dummies ruckten die Köpfe in die richtige Richtung.

Biscuit hatte hervorragend markiert (ihre Lauscherchen sind schließlich groß genug – hihi) und trat mit Dummy den sofortigen Rückweg an. Diesmal rannte ich jedoch nicht weg, sondern ging in die Hocke – das kennt sie, damit krieg ich sie mindestens genauso schnell rein wie beim wegrennen – nur eben konzentrierter. Zur Belohnung durfte sie die Beute zu unserem Platz zurücktragen. Von Dieter gab´s ein dickes Lob und einen Tipp: das Hinhocken fand er sehr gut; ich solle jedoch mal versuchen, mich wieder aufzurichten und ein paar Schritte rückwärts zu gehen, wenn Biscuit noch ca. 2m von mit entfernt ist. Gute Idee, das testen wir gleich mal…

…beim Walk-Up, der letzten Aufgabe des Tages. Wir standen mit zwei weiteren Teams in der Line und erhielten die Anweisung, bei jedem Schuss ein paar Schritte rückwärts zu gehen, bis die Hunde sich wieder neben uns einsortiert hatten. Diese Fußübung diente in diesem Fall auch als Anti-Einspring-Training. Ich und eine weitere Teilnehmerin hatten dennoch Sorge, dass unsere Hunde einspringen, wenn ein anderer Hund arbeitet. Dieter hatte dafür eine perfekte Lösung parat und zeigte uns, wie man aus einer normalen Moxon auf die Schnelle einen Kurzführer bastelt. Eine Videoanleitung reiche ich euch in den nächsten Tagen noch nach.

Wir walkten los und es fielen zunächst zum Aufwärmen drei Schüsse, ohne dass ein Dummy geworfen wurde. Das Rückwärtsgehen war noch etwas holprig, da Biscuit bei jedem Schuss ein Weilchen brauchte, bis sie auf mich reagierte und wieder neben mir einparkte. Beim vierten und fünften Schuss fiel jeweils ein Dummy, was von Dieter selbst wieder eingesammelt wurde. Zwischen den Schüssen kam Dieter mit dem Dummy zu uns und jeder Hund durfte das Dummy kurz halten.

Biscuit hatte zu dem Zeitpunkt scheinbar schon abgehakt, dass sie heute nochmal dran sein könnte. Ich schob zwar zur Sicherheit einen Finger in die Kurzführer-Handschlaufe, aber sie zuckte nichtmal wenn die anderen beiden Hunde geschickt wurden. Als sie endlich an der Reihe war, ging sie auf mein erstes „Apport“ gar nicht erst raus, sondern saß wie versteinert neben mir. Sie sah mich an, als ob ich den Verstand verloren hätte *hä? wie jetzt? echt jetzt? darf ich? bist du dir sicher?*. Nochmal „Apport“ und diesmal ging sie. Man merkte ihr deutlich an, dass sie mit ihrer Konzentration am Ende war.

Frauchen auch, aber die kann sich eh nix merken, sondern muss alles mitschreiben…

Insgesamt war es ein interessanter Tag mit neuen Ideen, mit denen ich mich nun erstmal auseinandersetzen muss.

Kein Bericht ohne Danksagungen *smile*, deshalb Danke an Karola für die Übernachtung und Verpflegung, an Doris für die Organisation des Trainings, an Dieter für die vielen Tipps und Anregungen und meine Mitstreiter für den schönen unterhaltsamen Tag.

Und natürlich Danke an Christine für diesen tollen kleinen Keks, der mir einfach nur Freude macht!

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Kategorien: Seminare | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Hula-Hoop mit Dieter Schorn

  1. Du bist wirklich eine super Berichterstatterin, Anke!!

  2. Pingback: umwerfende Momente eines Dummyseminars mit Dieter Schorn « Mufflon & Killerkeks

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