„Schäufele-Cup“

Zwei echt fränkische Spezialitäten: das „Schäufele“ und der danach benannte Trainingsworkingtest der BZG Franken!

Egal wie sehr ich mich auf solche Tage auch freue – wenn morgens um 5.15 Uhr der Wecker klingelt, tendiert die Motivation gen Null. Öchz! Die Mädels wirkten auch nicht viel fitter als ich, was sich jedoch schlagartig änderte, als Jens aus dem Gästezimmer kam *Yeah cool, Besuch is wach!* Muffin prostituierte sich schamlos *streichel mich, streichel mich, streichel mich* und war sehr enttäuscht darüber, dass sie Jens nicht behalten durfte…

Wir machten uns auf den Weg nach Hirschaid, sammelten Esther ein und gönnten uns ein schnelles Frühstück. Überpünktlich standen wir schon um halb 8 in Allersberg im Gelände, wo sich unsere Wege nach der offiziellen Begrüßung trennten: meinereiner entschwand zur ersten Schnupper-Aufgabe, Jens und Esther traten ihre Helferjobs an.

Aufgabe 1 – Wolfgang Köhler

Die Aufgabe bestand aus drei Teilen:
– Hund absetzen, zusammen mit dem Richter ein Stück weitergehen, dann den Hund abrufen
– von dort 90° nach links drehen, dort lag zwischen drei engstehenden Bäumen ein Dummy versteckt
– wieder 90° nach rechts fiel eine Markierung
Entfernung jeweils ca. 20 Meter (ich bin sooo schlecht im Entfernungen schätzen)

Den ganzen Morgen war ich vollkommen ruhig gewesen, von Aufregung keine Spur. Doch kaum beim Richter angekommen, ging´s mir richtig-richtig mies. So aufgeregt war ich nichtmal bei unserem ersten Schnupper-WT letztes Jahr. Meine Knie fühlten sich an wie Wackelpudding und ich dachte noch „Na toll, Biscuit springt bestimmt ein, weil meine Knie so heftig schlottern“.

Absetzen, weitergehen, ranrufen war kein Problem. Biscuits Lustlosigkeit des Vortags war wie weggeblasen. Ich richtete uns anschließend nach links aus, wo das ausgelegte Dummy wartete. Die Helferin machte die Stelle mit einem Schuss und ein paar Geräuschen nochmal interessant, während ich kurz überlegte wie ich Biscuit nun schicken sollte. Geflogen war nix, also schied „apport“ aus. Eine Suche war es auch nicht, blieb nur das voranschicken. Damit endete mein geistiger Höhenflug im Bezug auf das Handling leider.

Ich schickte Biscuit voran und als sie zwischen den Bäumen ankam … tat ich einfach nichts. Nach dem Training vom Vortag war ich der Meinung, sie hätte den Suchenpfiff eh nicht begriffen, also könnt ich´s auch gleich sein lassen. Ergebnis: Biscuit fand auf Anhieb nix und kam zurück. Möööp!

Richter: „Ok, nun schickst du sie nochmal, diesmal mit Suchenpfiff!“
Gesagt, getan – und diesmal nahm Biscuit auf meinen Suchenpfiff tatsächlich die Nase runter und suchte die Stelle gründlich ab. Sie buddelte das Dummy unter einem Haufen Äste hervor und als ich einen Zipfel grünen Stoff blitzen sah, gab ich den Hier-Pfiff. Ergebnis: Biscuit befolgte meinen Befehl sofort und kam ohne Dummy zurück – das hatte sie nämlich noch gar nicht richtig freilegen können. Mööööp-mööööp!

Richter: „Neeeeein, schnell – schick sie wieder zurück und lass ihr diesmal die Zeit, das Dummy richtig auszugraben!“ Gesagt, getan – ich ließ Biscuit ihren Job zuende bringen und nahm das Dummy nach dem dritten Anlauf endlich in Empfang.

Wir drehten uns wieder 90° nach rechts, wo die Markierung fiel. Das lief problemlos. Raus, rein, Abgabe, freuen!

Richter-Fazit: Natürlich soll man beim jungen Hund mit dem Hier-Pfiff arbeiten, aaaaaber man sollte es auch wieder abbauen. Zumal es in meinem Fall bei dieser Aufgabe ganz mieses Timing war. Hund war super, die Fehler lagen ausschließlich bei mir.

Für mein grottiges Handling gab es glücklicherweise nur 3 Punkte Abzug = 17 Punkte.

*let´s fetz!*

*Anke schämt sich*

Wartezone

Ich schleifte meinen Kram zur Wartezone der nächsten Aufgabe und richtete mich häuslich ein. Biscuit lag neben mir und kaute auf einem Stöckchen, während ich Stichpunkte zur ersten Aufgabe in mein Handy tippte. Plötzlich schoss sie hoch, würgte, kräuselte die Nase und rieb mit der Pfote hektisch über die Schnauze. Zuerst dachte ich, sie hätte etwas im Hals stecken. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass „nur“ ein Stück Holz zwischen die oberen Backenzähne geklemmt war. Meine Nerven! Stöckchen schreddern ist ab sofort gestrichen…

Erleichtert sank ich in meinen Campingstuhl zurück und widmete mich wieder meinen Aufzeichnungen. In einer kurzen schöpferischen Pause wollte ich Biscuit etwas Wasser geben. Ich hob mit der rechten Hand den Napf vom Boden und wollte ihn zu Biscuit stellen, die links von mir lag. Da ich in der linken Hand das Handy hielt, mußte ich mich ordentlich rüberbeugen, um den Napf mit rechts auf den Boden zu bekommen. Dummerweise saß ich leicht abschüssig und da mich die Schwerkraft bekanntermaßen eh nicht leiden kann, folgte unweigerlich eine Slapstickeinlage… ich kippte um. Biscuit konnte sich eben noch rechtzeitig aus meiner Einflugschneise retten, was man von meinem Handy und dem Wassernapf nicht behaupten kann.

Wie heißt es so schön? Aufstehen, Krone richten, weitergehen! In meinem Fall – aufstehen, Stuhl richten, wieder hinsetzen und das Handy trockenlegen. Ich weiß schon, warum ich mich für ein Outdoor-Handy entschieden habe. Kenn mich ja nun doch schon seit über 30 Jahren…

Kurz darauf kam Biscuits Züchterin Christine vorbei (sie hatte das Elend bei Aufgabe 1 hautnah miterlebt) und gab mir ebenfalls nochmal den Tipp, den Hier-Pfiff ab sofort dosierter einzusetzen „Biscuit kommt so schnell und freudig rein, den Pfiff kannst du dir sparen. Beobachte sie lieber genau und pfeife nur wenn es nötig ist!“ Mit diesen Worten im Ohr ging es weiter…

Aufgabe 2 – Karin Kraus

Zuerst mit dem Hund frei bei Fuß ca. 10 Meter geradeaus, dann um 90° nach links drehen, wo in ca. 20 (?) Metern hangabwärts eine Markierung fiel. Der Hang war recht steil und das Dummy fiel in hohes sumpfiges Gras.

Die Fußarbeit war anfangs trotz querliegendem Baumstamm sehr schön, aber dann folgte das leidige Thema „am Bein drehen“. Ich drehte mich nach links und Biscuit saß leicht schräg vor mir. Es folgte genau das, was man nicht machen sollte:
„Fuuuuuuß!“ – Biscuit korrigierte sich um einen cm
Augenkontakt + Kopfschütteln – Biscuit rutschte einen weiteren cm
„Richtig!“ – Biscuit setze sich endlich in die korrekte Position

Schuss, Markierung, Freigabe – „apport“. Biscuit hatte punktgenau markiert und ich wartete artig mit der Pfeife im Mund darauf, was nun folgen würde. Sie nahm das Dummy auf und erblickte den Helfer: Jens! Öha, das war mein Einsatz: *tüt-tüt*!!! Keksi tat wie befohlen und kämpfte sich den Hang wieder nach oben. Das Dummy hing in heftiger Schräglage im Maul und ich ahnte schon, dass sie es unterwegs verlieren würde. Ich behielt recht, sie ließ das Dummy kurz vor mir fallen und benötigte nochmal eine Aufforderung zur ordnungsgemäßen Abgabe.

Richter-Fazit: Die Markierung war super gearbeitet, aber: das Ausrichten dauerte zu lang, ich sei dabei zu unentschlossen gewesen. Lieber 1x richtig korrigieren, als 3x ein bisschen. Dafür und für´s Ausspucken gab es insgesamt 5 Punkte Abzug = 15 Punkte.

Aufgabe 3 – Daniel Reichel

Die Aufgabe bestand aus zwei Markierungen, von denen wir jedoch nur die erste absolvierten. Die Markierung fiel in ca. 15m (?) Entfernung hinter einem Waldweg auf einer kleinen Lichtung. Der Helfer stand links hinter einem Baum, die Flugbahn des Dummies war kurz zu sehen, die Fallstelle befand sich nicht sichtig rechts hinter einem Wäldchen. Der Schütze stand nicht beim Werfer, sondern ein paar Meter schräg vor uns und zielte beim Schuss in Richtung Flugbahn.

Biscuit ging nach Freigabe zielstrebig über den Weg durch den Wald in Richtung Fallstelle, kam aber nicht durch und wählte dann doch den Weg außenrum. Sie kam auf der Lichtung wieder in mein Blickfeld und ich konnte nicht richtig deuten, was sie im Sinn hatte. Zur Sicherheit gab ich den Hier-Pfiff und leitete damit unsere Nullrunde ein. KleinKeks nahm sofort an Tempo auf, verlor jedoch beim überqueren einer Stelle Totholz das Dummy. Anstatt es wieder aufzunehmen hatte sie nur eins im Sinn: Zurückkommen! Sofort! Ahhh…

Ich bremste sie aus, indem ich ihr ein „Apport!“ zurief und sie drehte wie befohlen wieder um. Leider hatte sie nicht mehr im Kopf, wo sie das Dummy fallengelassen hatte und suchte planlos im Wäldchen umher. „Scheiß drauf“ dachte ich mir „ist schließlich ein Trainings-WT und sie ist eh schon total platt“ und stiefelte in Richtung Dummy, um ihr zu helfen. Sie reagierte sofort, fand das Dummy und lieferte es bei mir ab. Gemeinsam gingen wir zurück zum Ausgangspunkt.

Richter-Fazit: Sehr schade, denn Biscuit war der erste Hund bis dato, der es auf direktem Weg durch den Wald versucht hatte. Leider blieb aufgrund meines massiven Eingreifens nur eine Null übrig und die Aufgabe war damit für uns beendet = 0 Punkte.

*vor der Null…*

Aufgabe 4 – Rainer Kern

Man stand in einer mit Wassergräben durchzogenen Schlucht (allein der Weg zum Richter war schon seeeehr abenteuerlich) mit Blickrichtung auf einen Hang, wo im oberen Bereich ein umgestürzter Baum querlag. Die Markierung wurde hinter die Baumkrone geworfen. Rainer Kern betonte, dass er bei dieser Aufgabe vor allem sehen wollte, ob und wie gut die Hunde das Gelände annehmen. „Hoffentlich besser als ich beim runterlaufen“ dachte ich mir.

Woher Biscuit zu dem Zeitpunkt noch die Energie nahm, ist mir ein Rätsel. Sie bretterte zielstrebig zur Baumkrone, wurde von dem Hindernis allerdings jäh ausgebremst und versuchte erst von links ans Dummy zu kommen. Da lag aber der Baumstamm, und so nahm sie den entgegengesetzten Weg und suchte sich recht um die Baumkrone herum ans Dummy. Auf dem Rückweg legte sie das Dummy kurz ab, um ihren Griff zu korrigieren, kam aber sofort mit Dummy zurück.

Richter-Fazit: Obwohl es zuerst danach aussah, dass Biscuit direkt durch die Baumkrone gehen würde, ließ sie sich doch verunsichern. Wir sollen deshalb verstärkt solche Hindernisse trainieren. Ansonsten war es super, sie ging schnell raus und kam schnell rein. Für das herumsuchen gab es 5 Punkte Abzug = 15 Punkte.

Aufgabe 5 – Karsten Lemke:

Wasseraufgabe *schluck* Ich war heilfroh, dass diese Aufgabe für uns erst ganz zum Schluss kam. Das Wasser gab Biscuit nochmal einen Energieschub und gleichzeitig war sie schon so fertig, dass ich mir weniger Sorgen um einen Startlaut machen mußte.

Man stand mit Blickrichtung auf den See, wo zuerst Schuss + Markierung fielen. Anschließend sollte der Hund dort sitzenbleiben und der Hundeführer ging mit dem Richter etwa 10-15m den Weg am See entlang. Der Hund sollte zuerst abgerufen und dann von der neuen Position aus ins Wasser geschickt werden. Karsten Lemke wollte sehen, dass die Hunde am Wasser gehorsam sind und das Wasser annehmen. Zumindest der letzte Punkt sollte kein Problem darstellen…

Während die Markierung fiel, saß Biscuit unter Vollspannung neben mir und alle Müdigkeit war verflogen. Ein deutliches „Sitz!“ und ich entfernte mich unter kleinen Stoßgebeten von meinem Hündchen. Biscuit saß immer noch mit Blick auf´s Wasser und im nachhinein weiß ich – beim nächsten mal dreh ich sie erst vom Wasser weg in meine Laufrichtung. Der Weg kam mir kilometerlang vor, doch Keksi blieb sitzen. Yes! Dann der heikle Moment: *tüt-tüt*!

Was dann kam, übertraf meine Erwartungen bei weitem! Biscuit reagierte auf den Pfiff sofort und kam ohne das kleinste Anzeichen von Widerwillen im Vollspeed zu mir gesaust. Ich ließ sie einparken, richtete sie auf die Markierung aus und schickte sie los. Sie hatte das Dummy millimetergenau auf dem Schirm, platschte ohne Kommentar ins Wasser und rettete das arme grüne Säckchen vor dem Ertrinken. Einzig die Abgabe war wieder vom schütteln geprägt, aber das war mir sowas von schnuppe…

Richter-Fazit: Natürlich haben wir mit dem Schütteln noch eine Baustelle, aber die Dinge auf die es ihm ankam waren absolut top! Für das schütteln bekamen wir deshalb nur ein Pünktchen Abzug = 19 Punkte.

Insgesamt haben wir mit 66 von 100 Punkten den 6. Platz bei den Schnuppis belegt.

Unabhängig davon bin ich einfach nur hochzufrieden und megastolz auf meinen Keks! Sie hat trotz hormoneller Nachwehen eine solide Leistung und tollen Gehorsam gezeigt. Ich habe wiedermal eine Menge verbockt, aber hoffentlich daraus gelernt.

Alles in allem ein schöner Tag und vor allem eine geniale Veranstaltung! Vielen Dank an die Organisatoren, Richter, Helfer und an meine netten Mitstreiter! Man sieht sich 😉

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „„Schäufele-Cup“

  1. Absolute herrlicher Bericht, Glückwunsch zum 6. Platz! Jamie ist übrigens auch so komplett würdelos, wenn es um Besuchskraulen geht 🙂

  2. Wie immer toll geschrieben liebe Anke und ich habe (sorry) herzlich gelacht über dein „Verhältnis mit der Schwerkraft“. Ich freue mich mit euch und hoffe, dass wir irgendwann mal zusammen im Team starten … als „Drama-Duo“ … das wird dann Chaos hoch 4 🙂

  3. Pingback: Ein Lernwochenende… «

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