Versuch & Irrtum

…unter diesem Motto stand unser gestriges Training.

Durch einen glücklichen Zufall machte meine Freundin Susi vor kurzem einen Jagdpächter ausfindig, der uns einen Teil seines Reviers zum trainieren zur Verfügung stellt. Das beste daran: es handelt sich um 3 (!!!) Seen – mitten im Wald! Ein 6er im Lotto – unglaublich, aber wahr!

Wir trafen uns morgens um 10 Uhr zum ersten mal in „unserem“ neuen Trainingsgelände und konnten unser Glück kaum fassen. Der Jäger ließ es sich nicht nehmen, auf ein Schwätzchen vorbeizuschauen und erklärte uns bereitwillig, in welchen Teilen des Waldes wir gefahrlos (für Hund, Mensch und Wild) wir trainieren könnten.

Hier ein kleiner Auszug der Umgebung:

Während Esther und ich die Trainingsmöglichkeiten für Biscuit & Max erörterten, entschwand mein Mufflon mit Susi zu einem ausgiebigen Waldspaziergang. Muffin ist leider beim arbeiten am Wasser sehr unbeherrscht und wäre für Biscuit & Max kein gutes Vorbild gewesen. Um den beiden „Youngsters“ einen solchen Werdegang zu ersparen, war schnell klar: es gibt keine Wasserapporte, sondern wir arbeiten am Wasser entlang – mit Verleitung.

Zuerst schickten wir die beiden mehrmals an einem der kleineren Seen entlang voran und bauten einen Vertrauenspunkt auf. Danach ging es an die eigentliche Aufgabe: der Hundeführer legte ein Dummy am Vertrauenspunkt aus; das Team drehte sich um 90° nach links, wo der Helfer die Verleitmarkierung in den See warf; wieder zurückdrehen und auf das ausgelegte Dummy voranschicken.

Mögliche Fehler: Hund springt beim Werfen der Verleitung ein oder verwechselt „voran“ mit „scharf links abbiegen“. Für diese beiden Fälle war das Dummy durch eine Schleppleine gesichert und konnte vom Helfer rechtzeitig herausgezogen werden, d.h. der Hund würde nicht zum Erfolg kommen.

Zusätzlich rief ich mir nochmals das Seminar bei Angelika Evans in Erinnerung. Bisher haben wir beim Training im Falle eines Fehlers den Hund zurückgepfiffen und neu angesetzt oder die Übung einfacher gestaltet. Der Hund kann jedoch bei dieser Vorgehensweise seinen Fehler nicht erkennen und keine Lösung des Problems erarbeiten. Angelika Evans verfährt daher anders: zuerst erfolgt ein Abbruch des Fehlverhaltens („nein“), anschließend wird der Hund freundlich wieder herangerufen („beim Hundeführer ist die Welt absolut in Ordnung“). Der Hund wird erneut geschickt und das Prozedere solange wiederholt, bis es klappt. Nur im absoluten Notfall wird die Übung vereinfacht. Soweit die Theorie, doch wie würde Biscuit solche Korrekturen annehmen? Würde sie auf mein „Nein“ überhaupt stoppen?

Bevor ich es testen konnte, kämpften wir erst eine Weile mit den Basics – Fußarbeit! Keksi ließ sich zwar problemlos zur Wassermarkierung hin- aber nicht mehr wegdrehen. Das ist dringend verbesserungswürdig! Nachdem sie endlich richtig saß, ging es los…

Anke: „Voran!“
Biscuit täuschte geradeauslaufen an und bog aprupt links ab…
Anke: „NEIN!“
Biscuit bremste sofort (jubel), kam zurück und parkte wieder ein…
Anke: „Voran!“
Biscuit bog diesmal sofort links ab…
Anke: „NEIN!“
Biscuit brach ab, kam zurück und parkte ein…
Anke: „Voran!“
Biscuit: „alsoooooo guuuuuuuut, ich hab´s verstanden: voran = geradeaus“
TSCHAKKA!

Wir angelten das Dummy aus dem See und begannen die Übung nochmal von vorn. Diesmal gab es keine Ausflüge in Richtung Wasser, braver Keks! Die Wassermarkierung durfte sie danach trotzdem nicht arbeiten. Oberstes Ziel ist es derzeit, die Erwartungshaltung am Wasser massiv herunterzuschrauben. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Trainingsergebnis: Biscuit ist nicht eingesprungen und hat meine Korrekturen sehr gut angenommen – Tagesziel erreicht!

Hier ein Videozusammenschnitt der Aufgabe – sehr interessant finde ich, dass Biscuit jedesmal vollkommen konzentriert nach vorne sieht – um dann unvermittelt links abzubiegen:

Anschließend waren Esther & Max an der Reihe und zeigten uns, wie man es auf Anhieb richtig macht:

Kurz darauf kam Muffin mit Susi von der Waldrunde zurück und ich konnte mir einen Mufflon-Versuch einfach nicht verkneifen. Eigentlich war ich sicher, dass Muffin bei der Verleitung einspringen und/oder beim voranschicken abbiegen würde. Mir war klar, dass ich ihrem Dickkopf mit einem einfachen „Nein!“ nichts entgegenzusetzen hätte… aber Muffin wäre nicht Muffin, wenn sie nicht für eine Überraschung gut wäre.

Verleitung fällt *platsch* Muffin beginnt zu jodeln…
Anke: „Fuß!“
Muffin: „aberaberaber, da liegt ein Dummy im Seeeeeeeeeee!“
Anke: „Fuuuuuuhuuuuuuß!“
Muffin: „aberaberaber….“
Anke: „Himmel*piep*undZwirn!“
Muffin: „hmpf, wenn´s denn sein muss“
Anke nimmt die Hand nach vorne…
Muffin: „Jaja, voran, ich weiß schon“ und weg war sie!
Ich war so erstaunt, dass ich nur freundlich hinterherwinken konnte.
Beim voranschicken einspringen – das hat sie ja noch nie gemacht!

Zur Belohnung für ihre Kreativität und weil sie eben einfach ist wie sie ist, durfte sie anschließend noch eine Wassermarkierung holen:

~ the end ~

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Kategorien: Training, Videos | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Versuch & Irrtum

  1. Esther

    Wieder ein toller Bericht von dir. Das war ein tolles Training.

  2. Auch hier nochmal… das schreit nach einem Working Mudpaws Wasserseminar bei euch 🙂
    Geiles Gelände, toller Bericht!

  3. Hallo Anke,

    durch Ivonne habe ich deinen Blog gefunden, gefällt mir richtig gut.

    Super Gelände in dem ihr da Trainieren könnt!!! Da würde ich auch gerne mal trainieren.

    Eure Übungseinheit ist auch super, ich freue mich das euer Training mit Bisquit so toll klappt 😉 na und das Mufflon wäre nicht Mufflon wenn siw nicht für Überraschungen gut wäre.

    Ich werde jetzt ganz sicher häufiger hier vorbei schauen.

    Liebe Grüße
    Heike

  4. Hofmann Karola

    Wo bitte geht´s zum Anmeldeformular für´s nächste Training ? Ich bring auch Kuchen mit ;-))))
    Toll wie immer, aber das ist ja nix neues, macht weiter so ……Grüßle Karola mit Naima, die ich nicht in ebay setz !!!!

  5. Toller Bericht. Das Zuschauen beim Seminar hat sich doch schon mehr als gelohnt, oder? Wenn man das Gelände so sieht, könnte man direkt neidisch werden. Müssen da unbedingt mal ein Training machen.

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