Auslastung für Zweibeiner?

Egal welche Bücher man wälzt oder welche Foren man besucht, irgendwann stolpert man meist über die Aussage „ein Retriever muss körperlich & geistig ausgelastet werden“. Die beste Möglichkeit beides unter einen Hut zu bekommen, ist der Dummy“sport“. Doch welche Auswirkungen hat diese Art der Beschäftigung für das andere Ende der Leine? Was leistet der Hundeführer eigentlich, während er augenscheinlich den Hund die ganze Arbeit machen lässt?

Lasst uns doch mal ein Training/Seminar aus Sicht des Hundeführers betrachten. Nehmen wir einen Anfänger, der noch dazu von Haus aus etwas verpeilt ist… z. B. mich!

Alles beginnt mit dem bekannten Satz „ich packe meinen Koffer…“:

– Dummies (zwischen 2 und 10 Stück, je nachdem was man vorhat)
– Leine (wie dick, wie lang, mit oder ohne Stopp… welches Schweinderl hättens denn gern?)
– Pfeife (wo hatte ich die eine von den vier vorhandenen nochmal hingelegt?)
– Tennisbälle (zum Suchenpfiff trainieren, als Belohnung – oder in Muffins Fall: Grundvoraussetzung für einen motivierten Hund „den komischen Dummy kannste selber holen, der is weder klein noch gelb noch rund und somit meiner nicht würdig!“)
– Wasser und Faltnapf
– Liste beliebig erweiterbar…

Nachdem alles wichtige zusammengesucht ist, verstaue ich es in meinem großräumigen Sitz-Rucksack und hoffe auf genug verbleibenden Platz für meinen eigenen Kram. Richtig interessant wird es, wenn ich beim Training/Seminar ankomme und die finale „Kleiderfrage“ geklärt werden muss. Zuerst wähle ich zwischen den beiden vorhandenen Dummywesten und entscheide mich dann je nach Gelände für oder gegen das teuerste Paar Schuhe, dass ich jemals bessen habe/besitzen werde: meine Aigle-Gummistiefel. Auf den Rücksitz meines Autos schauen ist ein bisschen so, als wenn man zuhause vor dem Kleiderschrank steht… oder vor der Rumpelkammer. Wo wohnen eigentlich die anderen 10 Hunde, deren Hausstand ich täglich herumkutschiere?

Wenn endlich alles erledigt ist (Dummyweste sitzt, Rucksack thront mit gefühlten 50kg auf den Schultern, der Campingstuhl klemmt unter dem Arm, das/die Hundchen wedeln einen erwartungsvoll an) stellt sich die große Preisfrage: WO zum HENKER hab ich den Autoschlüssel diesmal gelassen??? Argh!!! Suuuuuuuuuuuch den Schlüssel, Anke, suchsuchsuch!

Der Packesel-Marsch ins Gelände sorgt für körperliche Auslastung, die sich während des Trainings oft fortsetzt. Dummies legen sich leider nicht von alleine aus, also marsch-marsch! Hat man einen Hund der zum tauschen neigt, darf man die Strecke auch gern mehrmals gehen. Selbst wenn man einen Helfer hat, der sich um den Dummynachschub kümmert, springt Hundi garantiert ein und man „darf“ als Gegenmaßnahme die Dummies selbst holen. Lustige Sache das…!

Die geistige Auslastung kommt sowieso nie zu kurz. Angefangen bei „wie baue ich die Übung sinnvoll auf“ über „scheiße, schief gelaufen… Gelände unterschätzt und/oder den Wind nicht beachtet“ endend beim Handling „apport, voran, such? wie schicken? wann pfeifen? was tun, wenn Hundi statt links das andere links nimmt?“ Ständige Konzentration auf dem Hund und der eigenen Körpersprache, die dem Grobmotoriker-Image oft mehr als gerecht wird. Tipps & Tricks des Trainers aufsaugen, abspeichern und in den Pausen zu Papier bringen. Hoffen, das man das Geschmiere später noch entziffern kann und das passende für sich und seinen Hund herausfiltern…

Vor allem Trainingstage/Seminare haben es tatsächlich in sich. Doch statt eines Vollegefühls im Hirn macht sich bei mir schon auf der Heimfahrt meist eine angenehme Leere breit. Als hätte ich einen großen flauschigen rosa Wattebausch im Kopf – alles ist bunt und angenehm weich… um Gerüchten vorzubeugen: nein, ich nehme keine Drogen – frische Luft reicht mir vollkommen.

Projekt geistige Auslastung für Anke: ein voller Erfolg!

Kein Wunder, dass unsere Hunde an/nach solchen Tagen mit Vorliebe das tun:

Ich bin gespannt, ob es im Laufe der Zeit mit wachsender Erfahrung irgendwann „besser“ bzw „einfacher“ wird…

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Kategorien: das Leben und der andere Kram... | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Auslastung für Zweibeiner?

  1. Hofmann Karola

    Hallo Anke , woher weißt du wie´s bei mir läuft, wenn ich mich zu einem Training/ Seminar aufmache. Hast du Kameras bei installiert ?

  2. Das ist eine sensationelle Beschreibung dessen, was sich bei und auch in mir abspielt…. Besonders das mit der „Leere“ trifft es! Aber sind wir mal ehrlich es ist fast so wie Yoga nur mir macht es definitiv mehr Spaß 🙂
    Danke für diesen tollen Post !

  3. Jippieh, bei uns läuft das im Wesentlichen ähnlich – mit dem einzigen Unterschied, dass einer meiner 2 Jungs diese grünen Dinger komplett ignoriert (aber Baumstämme bis zur Länge von 3 m freudig bringt…) und der Zweite alles bringt und in die Hand giiiiibt, nurdie Dummies regelmäßig angeekelt vor meine Füße spuckt… 😉 Wir machen inzwischen recht erfolgreich „Zielobjektsuche“ – die Gegenstände sind winzig und der Spaß riesengroß …

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