Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2012)

Selten hatte ich mich so auf ein Wochenende gefreut und gleichzeitig soviel Bammel davor. Das Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld stand an und nach dem tollen Seminar im letzten Jahr (hier nachzulesen) freute ich mich wie ein kleines Kind auf die Fortsetzung. Allerdings bereitete mir das Wetter am Samstag einige Sorgen: 32°C im Schatten, keine Wolke am Himmel – für einen gesunden Hund schon nicht einfach. Doch ich war bestens ausgerüstet: ein Kanister Wasser, ein kühles Handtuch und die Einstellung „Notfalls betreiben wir Extrem-Wartezonen-Relaxing und lernen aus der Ferne.“

Petra konnte sich tatsächlich noch an uns erinnern *staun* und empfing mich mit einer herzlichen Umarmung „Schöööööön, ich hatte schon gefragt, ob du auch kommst – ich bin doch so gespannt, was du aus deiner Maus gemacht hast!“ Schluck – da wurde ich doch glatt für einen kurzen Moment nervös…

Wie schon letztes Jahr befragte Petra erst jeden Teilnehmer nach den Hauptproblemen und machte sich Notizen dazu. Ich berichtete ihr zunächst von der Herzdiagnose und das ich Biscuit ggf. gar nicht oder nur sehr wenig arbeiten lassen würde. Im Hinblick auf das Dummytraining ist unsere größte Baustelle, dass Biscuit teilweise zu schnell aufgibt (wobei ich mich inzwischen frage, ob die Herzmuskelschwäche und der dadurch fehlende Sauerstoff nicht auch seinen Teil dazu beigetragen hat).

Bevor es ins Gelände ging, hatte Petra bereits ein paar einleitende Tipps gegen Fiepen und/oder Knautschen parat. Zusätzlich erteilte sie uns eine wichtige Lektion: Gib bei einem fremden Trainer NIEMALS deinen Hund aus der Hand! Bitte stattdessen den Trainer darum, dir die Übung zu erklären und führe sie selbst mit deinem Hund durch. Dafür hätt ich sie glatt knutschen können!

Wir marschierten ins Gelände und suchten uns einen Schattenplatz. KleinKeks ging es wunderbar, das nasse Handtuch schien seine Wirkung nicht zu verfehlen…

Petra wollte zunächst wissen, wer von uns beim Einweisen mit weißen Markierstäben arbeitet *meld*. Sie erläuterte die Vorteile der Markierstäbe und wie man diese Hilfe schnell und effektiv wieder abbauen kann. Mein Fazit: ich brauch mehr von diesen weißen Dingern und muss mein Einweise-Training in einigen Punkten überdenken.

Bei der ersten Aufgabe wollte sich Petra ein Bild von den Teams machen und zuerst die Hunde sehen, die bereits mit Markierstäben gearbeitet hatten. Hierzu wurde auf einem mit hohem Gras bewachsenen Weg ein Markierstab aufgestellt, an dem einige Dummies ausgelegt wurden. Dabei lernte ich gleich zweierlei: 1. man kann auch zwei Stäbe aufeinanderstecken und damit im kniehohen Gras trainieren und 2. man muss/sollte keine Führerfährte legen, wenn man mit Markierstab arbeitet, sondern einen anderen Weg gehen.

Bergauf wurde eine Markierung mit Schuss geworfen, die jedoch nicht sofort gearbeitet wurde…

…stattdessen sollten wir uns um 90° nach rechts drehen und die Hund auf die ausgelegten Dummies voranschicken:

Keksi war hochkonzentriert und hat ihre Sache super gemacht: bei der Markierung steady, das Drehen am Bein problemlos und exakt ausgeführt und *trommelwirbel* ohne den geringsten Zweifel vorangegangen und anschließend die Markierung gearbeitet (wobei sie an der Fallstelle etwas Hilfe benötigte). Petra lobte mich für unsere Fußarbeit und meinte, dass ihr das letztes Jahr schon sehr positiv aufgefallen war *freu*. Das allerbeste: die beiden Apporte hatten Biscuit überhaupt nix ausgemacht – sie hechelte nichtmal!

Nachdem alle durch waren, gab es einige Tipps zur Verbesserung der Fußarbeit und der Grundstellung. Eine Übung dazu ist bspw. die „Uhr“. Man dreht sich dazu jeweils um 90° auf der Stelle und wirft ein Dummy. Nur wenn der Hund auf Anhieb gerade sitzt, darf er zur Belohnung das Dummy apportieren. Nebenbei trainiert man dabei auch Steadiness und kann kleine Einweiseübungen einbauen.

Da einige Hunde (auch Biscuit) Schwächen beim Marking gezeigt hatten, ging es damit weiter im Programm. Petra erklärte uns ausführlich, wie man Markierungen am besten trainiert und führte die Übungen mit den entsprechenden Teams durch. Sie gab sie mir die Anweisung meinen Keks nochmal ordentlich abzukühlen, da Biscuit bei der Aufgabe einige Male rausgehen müsse. Die Markierungen fielen bergab und Petra sagte bereits nach der ersten Markierung zu mir „Auf Biscuit mußt du wirklich gut aufpassen, die arbeitet sich sonst tot“. Nach der dritten Markierung brach ich die Aufgabe ab und wir verzogen uns wieder in den Schatten. Biscuit machte zwar einen fitten Eindruck, aber solange wir nicht beim Kontroll-Ultraschall waren, gehe ich kein unnötiges Risiko ein.

Es folgte ein Walk-Up mit jeweils vier Teams, die am unteren Rand der Wiese starteten. Zuerst legte jeder Hundeführer an einem Markierstab ein Dummy aus und los ging´s um die Kurve den Berg hinauf. Links oben am Waldrand war ein Helfer für Markierungen stationiert, zusätzlich lief ein weiterer Helfer mit uns mit, der ebenfalls Markierungen warf.

Es war inzwischen knalleheiß auf der Wiese und Petra wies uns darauf hin, dass man beim Walk-Up immer Wasser für den Hund mitführen sollte. Da Biscuit auch aus Flaschen trinken kann, stopfte ich mir eine 1L-Flasche Wasser in die Dummyweste und ab die Post!

Ich führte Biscuit unangeleint und war mit der Fußarbeit und ihrer Steadiness wirklich sehr zufrieden. Zuerst warf Petra eine Markierung vor die Line und da Biscuit als einzige aufgepasst hatte, durfte sie auch direkt gehen. Sie hatte zwar die Fallstelle auf dem Schirm, tat sich aber beim suchen richtig schwer im hohen Gras. Petra sorgte dafür, dass Keksi etwas fand *g* und nachdem Biscuit wieder bei mir war, stöberten Petra und der Helfer auch das ursprünglich geworfene Dummy wieder auf.

Wir walkten weiter und es fiel schräg links hinter uns am Waldrand eine Markierung mit Schuss:

Auf Anweisung von Petra sollte ich Biscuit jedoch stattdessen auf die hinter uns ausgelegten Dummies voranschicken:

Biscuit ging zuerst schnurgerade raus, driftete dann aber auf dem letzten Drittel in die Richtung der Markierung ab. Auf mein „Nein!“ stoppte sie sofort und kam auf meinen Doppelpfiff freudig zu mir zurück, was ein dickes Lob zur Folge hatte: ich lobte Biscuit für´s zurückkommen und Petra lobte mich für´s loben *lol*. Ich richtete Biscuit erneut aus und erlebte eine Premiere – KleinKeks ist beim Voranschicken eingesprungen *das hat sie ja noch nie gemacht…*. War mir in dem Moment aber egal, denn sie wußte nun was zu tun ist und behielt die gerade Linie bei. Vom Helfer erfuhr ich später, dass sie keines der offen am Markierstab liegenden Dummies genommen hatte, sondern eines der Ersatzdummies aus dem Gestrüpp hinter dem Stab. Sie hatte auch keine Anstalten zum Tauschen gemacht *tschakka*. Danach durfte sie noch die Markierung holen und eine Weile „mitwalken“. Sie hatte überhaupt kein Problem mit der Line und den anderen Hunden, die direkt vor ihrer Nase geschickt wurden und mit der Beute an ihr vorbeikamen. Ich war megastolz auf meine Maus!

Während des Walk-Up gab ich ihr immer wieder Wasser und wachte mit Argusaugen über ihren körperlichen Zustand. Ich brach schließlich zur Sicherheit wieder vorzeitig ab und erlebte eine freudige Überraschung. Wir waren kaum an unserem Platz angekommen, war bei Biscuit schon wieder alles im Normalbereich. Ein bisschen müde, aber ansonsten: fit wie ein Turnschuh!

Nach dem Walk-Up ließ uns Petra die Wahl: entweder noch eine umfangreiche Aufgabe arbeiten, oder mehrere kleine Übungen im Schatten mit etwas Theorie. Wir wählten einstimmig die kleineren Übungen, denn die Hunde waren allesamt mehr als bedient. Während der nächsten Stunde lernten wir viel über das back/seitlich schicken, den Stopp-Pfiff und wie man prüfen kann, ob der Hund die Kommandos verstanden hat. Biscuit sah noch eine Weile zu und kam dann auf meinen Schoß gekrabbelt, wo sie sich zusammenrollte und einschlief.

Da Petra eng mit Anke Bogaerts zusammenarbeitet, fragte ich sie nach dem Seminar, welchem Charaktertyp sie Biscuit zuordnen würde. Ergebnis: Biscuit ist in erster Linie ein Aktionshund, gepaart mit einem kleinen Anteil Gefühlshund. Dem stimme ich uneingeschränkt zu 🙂

Den Sonntag verbrachte ich als Helfer für die Fortgeschrittenen und durfte dabei nochmal eine Menge lernen (z.B. zum Lining, Handling, wie testet man ob der Hund den Hier-/Suchen-/Stop-Pfiff unterscheiden kann usw.). Die F-Aufgaben waren wirklich knackig und es war eine Freude, den Hunden beim arbeiten zuzusehen. Der Wettergott schien gewusst zu haben, dass es anstrengend werden würde, denn es schüttete den ganzen Sonntag wie aus Kübeln. Ein nettes Kontrastprogramm zum Vortag *tropf*.

Petra hatte für jedes Team die passenden Lösungen parat und erklärte zwischendurch ausführlich, warum manche Übungen für bestimmte Hunde nicht geeignet sind. Schade, dass das Wochenende so schnell vorbeiging. Ich hab jede Minute genossen und dabei auch noch wahnsinnig viel gelernt.

Am meisten freut es mich, dass es Biscuit so gut geht und sie die Hitze am Samstag lockerflockig weggesteckt hat. Die Tabletten schlagen bereits nach zwei Wochen wunderbar an und ich bin zuversichtlich, dass wir noch vielevieleviele Jahre gemeinsam beim Dummytraining schwitzen, frieren und Spaß haben können.

Advertisements
Kategorien: Seminare | 5 Kommentare

Beitragsnavigation

5 Gedanken zu „Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2012)

  1. Das klingt toll. Peter Ritzerfeld steht definitiv auf der Liste von Seminarleiterinnen, bei denen ich gerne mal an einem Seminar teilnehmenwürde! Schön auch, dass es dem Keks dabei so gut geht.

  2. Jaaa, ich das hört sich wirklich super an! Petra hätte ich auch sehr, sehr gerne mal als Trainerin. Super, dass ihr die Hitze so gut verkraftet habt. Ihr musstet euch ja wirklich nicht verstecken! Was mich noch interessiert: Was hat sie denn zum Fiepen so gesagt? 🙂

  3. Andrea & Hazel

    Wow was für ein tolles Seminar und besonders freu ich mich mit dir ,das es dem Keks sooooooo gut geht!

  4. Das hört sich wirklich klasse an! … nächstes Jahr vielleicht Frau Ritzerfeld bei den Mudpaws…. ein Wochenendseminar :)… Das wärs doch!
    Toll, dass es dem Keksi so gut geht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: