Rituale & Gewohnheiten

Der menschliche Alltag steckt voller Rituale – meine beziehen sich in erster Linie auf die Hunde. Klar, die beiden Fellnasen sind schließlich 24/7 um mich herum. Interessant ist, dass auch die Mädels im Laufe der Zeit ihre ganz eigenen Gewohnheiten entwickelt haben.

Der Tag beginnt in der Regel mit Frühsport. Während die Zweibeiner um Fassung ringen und das eigene Spiegelbild bekämpfen, sind die Vierbeiner schon im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte. Da wird gekabbelt, geknabbert, geschubbst, gekugelt und gegenseitig die Löffel langgezogen – irgendwie muss Hund sich schließlich die Zeit vertreiben, solange der Krieg im Bad andauert.

*stabile Rückenlage*

*fliegender Wechsel*

Tagsüber hat Frauchen einiges an Sprüchen parat, jedesmal derselbe Wortlaut. Müssen die beiden z.B. alleine bleiben, lautet mein Mantra: „Tschüß mein Schatz, bis später, sei schön brav, stell nix an!“ einen Kinnkrauler gibt´s gratis dazu. Während Biscuit mein Gelaber stoisch erträgt und sich denkt *geh doch einfach*, bricht bei Muffin das schauspielerische Talent aus:

„Tschüß  mein Schatz“ – Muffin setzt sich (*ich…*)
„bis später“ – Muffin rutscht in sich zusammen (*…armer…*)
„sei schön brav“ – Muffin legt sich flach auf die Seite (*…vernachlässigter…*)
„stell nix an“ – Muffin hebt ein Hinterbeinchen, um den Bauch in Szene zu setzen (*…Hund! keiner hat mich lieb!*)

Müssen die beiden unterwegs im Kofferraum warten, ertönt der Singsang „Ihr bleibt da (was sollen sie auch sonst tun), ich komm gleich wieder (gleich ist relativ)“. Soweit ich bisher erkennen konnte, spart sich Muffin die Rolle des gequälten Hascherls – lohnt sich ohne Publikum schließlich nicht.

Blöd ist, wenn die Mädels gar nicht dabei sind und der regelmäßige Kontrollblick nur eine leere Box zeigt. Oder wenn die Abschiedsworte ungehört verhallen. Oder man im Autopilot den Kofferraum öffnet, aber niemand drin sitzt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, richtig?

Während man von Muffin tagsüber nicht viel sieht, stolpert man ständig über Biscuit. Keksi liegt am liebsten strategisch günstig im Flur. Das tut sie allerdings nicht, um nichts zu verpassen (Biscuit kann man problemlos wegtragen, wenn sie schläft…), sondern um sich geschickt in Szene zu setzen. Läuft man an ihr vorbei in ein anderes Zimmer, zuckt sie nichtmal mit der Wimper. Kommt man jedoch wieder heraus, bietet sich folgendes Bild:

*bin das Baby – mußt mich lieb haben!*
Wegzoll: 1x Bauchkraulen…

Wer kann da schon widerstehen…?

Pünktlich um 19 Uhr bezieht das Mufflon ihre Stellung in der Küche. Sie darf schließlich auf gar keinen Fall das Abendessen verpassen! Schwer seufzend rollt sie sich in der Ecke neben dem Napf zusammen und wartet… manchmal eine Stunde, manchmal zwei Stunden – je nachdem wie lange es dauert, bis Frauchen endlich das Abendmahl kredenzt.

Spätabends gibt es noch eine letzte Pinkelrunde, die zu 99 % mein Mann übernimmt. Auch er hat ein Ritual eingeführt: das Gute-Nacht-Leckerchen! Immer nach dem heimkommen erhalten beide Mädels noch an der Wohnungstür ein Leckerchen. Als ich dies tatsächlich mal vergessen hatte, ist Muffin in den Sitzstreik getreten. Sie ist einfach im Flur an der Wohnungstür sitzengeblieben und hat mich aus der Dunkelheit heraus angestarrt… solange, bis es mir wieder einfiel. Wie konnte ich nur? Man rufe den Tierschutz!

Nach diesem letzten Pinkelausflug ist für Muffin der Tag beendet und sie marschiert geradewegs ins Schlafzimmer und geht ins Bett. Alleine. Da hat man wenigstens für ein paar Stunden seine Ruhe. Unbequem wird´s, wenn die Schlafzimmertür geschlossen ist. Anstatt sich irgendwo auf´s Sofa zu lümmeln, legt sie sich direkt vor der Tür auf die Fliesen. Warten auf die Hofdiener, die ihr das Tor zum Himmelreich öffnen. Es kam aber auch schon vor, dass sie trotz offener Tür auf den Fliesen liegenblieb und mir damit einige Fragezeichen ins Gesicht zauberte. Ein prüfender Blick offenbarte, dass ich morgens das Bett nicht gemacht hatte. Sie wird doch nicht deswegen…??? Doch! Erst nachdem ich die Decken ordentlich aufgeschüttelt hatte, ließ sich die Diva im Wasserbett nieder. Wo bleiben die Leute vom Tierschutz!?!?

Biscuit hingegen dreht abends nochmal auf und vergenusswurzelt ihre Spielsachen, indem sie alles greifbare anschleppt, wegschleppt, rumschleppt. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn sie sich grunzend auf dem Rücken schubbert und dabei wild mit den Beinen strampelt. Aufmerksamkeitsdefizit? Keine Ahnung… aber in Verbindung mit der richtigen Hintergrundmusik ein echt irrer Auftritt!

Metallica rockt am Ring – Biscuit rockt den Teppich!

Na? Welche Rituale/Gewohnheiten habt ihr so? Und sagt mir jetzt bitte nicht, dass wir mit unserem Irrsinn alleine dastehen…

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Kategorien: Bilder, das Leben und der andere Kram... | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Rituale & Gewohnheiten

  1. marsprinzessin

    Toller Artikel 🙂 musste die ganze zeit lachen 🙂

    Würde mich freuen wenn du auch mal auf meinem Blog vorbeischauen würdest 🙂

    http://hunde-in-augsburg.blogspot.de/?m=1

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