„Schnuppern im Forst“

Der gestrige Tag stand zunächst unter keinem guten Stern. Als ich den Wecker ausschaltete und auf die Uhr sah, rumpelte ich sofort panisch aus dem Bett. 6 Uhr?!? Um die Uhrzeit sollte ich eigentlich bereits am 40km entfernten Treffpunkt sein, den ich mit Esther vereinbart hatte. Sch…!!! Eine ganze Stunde verschlafen, weil Anke zu blöd ist, den Wecker richtig zu stellen. Trotzdem schafften wir es überpünktlich um kurz vor 8 zum Treffpunkt in Sulzbach-Rosenberg, wo der Schnupper-WT stattfinden sollte. Biscuit & ich hatten dort bereits letztes Jahr unser WT-Debüt gegeben: klick.

Nach der Begrüßung durch die Sonderleitung und die Richter Petra & Achim Beringer ging es gemeinsam ins Gelände. Petra Beringer wies vor der ersten Aufgabe in einer kurzen Ansprache darauf hin, dass es bei diesem Schnupper-WT keine Punkte geben würde, sondern nur Prädikate (vorzüglich, sehr gut, gut…). Konkurrenzdenken sei deshalb unnötig und unerwünscht. Der WT sei dazu gedacht Erfahrungen zu sammeln, neue Trainingsansätze mitzunehmen und Spaß zu haben. Dafür gab es natürlich lauten Applaus. Der WT konnte beginnen…

Aufgabe 1 – Petra Beringer

Man stand ca. 3m von einem Feldweg entfernt im Wald, der Waldboden sehr dicht mit etwa 30cm hohen Blaubeeren bewachsen. Zuerst warf der Hundeführer selbst ein Dummy in den Wald, wobei Entfernung und Fallstelle frei gewählt werden durften. Danach drehte man sich und den Hund um 180° und blickte in Richtung Feldweg. Dahinter kam eine große Wiese, die in der Prallen Sonne lag. Auf diese Wiese fiel eine beschossene Markierung, die nach Freigabe zuerst gearbeitet werden sollte. Danach wurde der Hund auf die selbst geworfene Markierung geschickt.

Netterweise hatte sich Anna Auerbach wieder bereit erklärt, während des WTs zu fotografieren und ließ sich während der ersten Aufgabe in der Sonne braten. Biscuit fand das äußerst doof und bellte bereits auf dem Weg zur Aufgabe die in der Wiese liegende Anna an. Mir schwante böses… Im Wald war Anna zunächst wieder vergessen, Biscuit saß trotz Blaubeerteppich schön bei Fuß und ich warf „meine“ Markierung nur ein paar Meter weiter an einen Baum den ich mir merken konnte. Wir drehten uns, Schuß + Markierung fielen, nach Freigabe schickte ich Biscuit zum Apport.

Biscuit fetzte begeistert los und ich hegte die Hoffnung, dass sie sich von der Fotografin nicht mehr irritieren lassen würde. Möööp! Auf halben Weg zum Dummy bremste sie, begann alibimäßig zu suchen und trat den Rückweg an. Auf Höhe des Feldwegs rief ich nochmals „Apport“ in Verbindung mit dem Handzeichen für „back“, was sie sehr schön annahm. Doch kurz vor dem Dummy wieder dasselbe Spiel *Ich will da nicht hin, die Frau ist mir nicht geheuer*. Nun trat Petra Beringer in Aktion, joggte zu Biscuit auf die Wiese und ermunterte sie klatschend weiterzugehen. Biscuit kam der Aufforderung nach und holte das Dummy ohne weiteres zögern rein. Das von mir geworfene Dummy war reine Formsache.

Richter-Fazit: Biscuit wußte die ganze Zeit über haargenau, wo das Dummy lag und hatte sich nur wegen der Fotografin so geziert. Man darf solche Spinnereien auf gar keinen Fall durchgehen lassen, was aber nicht heißt, dass man mit Druck reagieren muss. Lieber losrennen und den Hund ermuntern! Der Rest war super. Insgesamt „sehr gut“.

Aufgabe 2 – Achim Beringer

Man schlängelte sich mit dem Hund frei bei Fuß durch den Wald. Schlängeln deshalb, weil man den Weg frei wählen durfte und einiges an Bäumen, Baumstümpfen und Totholz im Weg war. Achim Beringer lief hinter dem Team und auf sein „Achtung“ fiel eine beschossene Markierung, d.h. man hatte Zeit den Hund in die entsprechende Richtung zu drehen. Danach ging es weiter bis zu einem markierten Punkt, von dem aus der Hund ohne weitere Freigabe auf die Markierung geschickt werden durfte.

Fuß, stehenbleiben & markieren, weitergehen und ausrichten – kein Problem. Ich konnte das Dummy von meinem Standpunkt aus sogar sehen. Obwohl ich der Meinung war, ich hätte Biscuit richtig ausgerichtet, semmelte sie am Dummy vorbei und mußte sich deshalb mühsam von hinten wieder ans Dummy heransuchen. Während ich das Dummy in Empfang nahm grübelte ich darüber, was da gerade schief gelaufen war. Achim Beringer brachte Licht ins Hundeführer-Dunkel:

„Sie konnten das Dummy doch sehen, oder?“
„Ja…“
„Und wieso schicken Sie ihren Hund dann dran vorbei?“
„Ähm, wie jetzt…?“
„Hätten Sie sich korrekt ausgerichtet, wär das Dummy in 5 Sekunden drin gewesen, denn der Hund hat ihre Richtung zu 100% angenommen!“
*betroffenes Schweigen*

Richter-Fazit: Hund super, Frauchen hat´s verbockt. Ich soll für mich selbst das ausrichten üben und mit Biscuit bei Markierungen vermehrt Stellungswechsel trainieren, damit sie in solchen Situationen ebenfalls sicherer wird. Für ihre Nasenleistung gab es ein „vorzüglich“, insgesamt wegen meines Fehlers (und der eher dürftigen Fußarbeit) noch ein „sehr gut“.

Aufgabe 3 – Petra Beringer:

Man stand im Wald auf einem kleinen Wall, davor kam ein schmaler Wassergraben, danach ging es bergauf wo in ca. 30m Entfernung eine beschossene Markierung fiel. Der Schütze stand nur wenige Meter entfernt schräg rechts vor uns, der Werfer hangaufwärts links von uns hinter den Bäumen. Die Markierung fiel gut sichtbar auf eine Moosfläche. Nachdem die Markierung lag, drehte man sich um 180° und sollte den Hund in eine 2×2 m große dicht bewachsene Stelle schicken. Die Entfernung zu diesem Gebiet betrug nur ca. 2m. Dort lagen zwei Dummies, die beide geholt werden sollten. Erst danach wurde die Markierung gearbeitet.

Ich hatte die Aufgabenstellung vorab von anderen Teilnehmern aufgeschnappt und grübelte in der Wartezone darüber, wie ich Biscuit in diese Suche schicken sollte. „Such“ war keine gute Idee, da sie sonst möglicherweise sofort in eine großräumige Suche verfallen würde. Ich entschied mich dafür, sie voranzuschicken und sofort den Suchenpfiff zu geben.

Das wegdrehen von der Markierung klappte prima, obwohl Biscuit ganz deutlich nach dem gefallenen Dummy geierte. Mein Gedanke „wehe du haust mir jetzt nach hinten ab, wenn ich dich voranschicke“ schien telepathisch bei Keksi angekommen zu sein, denn sie ging schnurstracks voran. Nur leider zu schnell für mich und meine Pfeife, denn sie war schon zu weit über das Gebiet raus, als mein Suchenpfiff kam. Meinen ersten Hier-Pfiff überhörte sie, erst beim zweiten mal kam sie zurück. Als sie auf dem Rückweg kurz vor dem Gebiet war, trällerte ich wieder den Suchenpfiff und diesmal war das Timing perfekt und ich nahm das erste Dummy in Empfang. Biscuit stand nach der Abgabe vor mir und gierte an meinen Beinen vorbei in Richtung Markierung. Einparken? Wieso denn? *Daaaaaaaaa vorne liegt das Dummy, Frauchen stellt sich heute wieder blöd an!*

Da ich keine Lust auf diese Diskussion hatte, stellte ich auf Handbetrieb um. Ich schob den rechten Arm unter Biscuits Brust, den linken unter ihren Bauch und hievte den Keks um mich herum in die richtige Position. Zeitgleich sagte ich zur Richterin „Ich weiß, dass man den Hund während der Aufgabe nicht anfassen darf, aber das mußte sein…“ und sie erwiderte schmunzelnd „Passt schon, schnuppern ist ja eigentlich Training.“

Ich schickte Biscuit wieder mit Voran, war diesmal aber wesentlich schneller mit meinem Suchenpfiff und hielt sie auf Anhieb gut im Gebiet. Es dauerte ziemlich lange und Biscuit mußte wirklich jeden Halm umdrehen, bis sie endlich beim Dummy angekommen war. Danach drehten wir uns zurück zur Markierung, die sie nach Freigabe nun eeeeeeeeeendlich holen durfte. Fullspeed raus, aufgenommen, Fullspeed rein, perfekt!

Im Nachhinein denke ich, dass ich Biscuit auf die kleine Suche besser mit einer kleinen kreisenden Handbewegung und einem „suchsuchsuch“ losgeschickt hätte, um dann gleich den Suchenpfiff zu machen. Muss ich mal beim Training austesten, irgendwie hatten wir „sowas“ noch nie.

Richter-Fazit: Die kleine Suche war wirklich sehr schwer, denn es ging dort im Bewuchs nichtmal ein winziges Lüftchen – das hat Biscuit hervorragend gemeistert. Ich muss an meinem Timing arbeiten (is ja mal was ganz neues, haha). Markierung war perfekt! Insgesamt „sehr gut“.

Aufgabe 4 – Achim Beringer:

Herr Beringer empfing uns mit den Worten „Zwei Stücke sind bereits dort im Wald gefallen, das Gebiet ist ungefähr bekannt. Wir werden sehen, was sonst noch passiert“. Daraufhin ging man mit dem Richter in den Wald, wo auf den ersten paar Metern von zwei Helfern ein kleines Treiben links von uns simuliert und eine Markierung vor uns geworfen wurde. Man ging noch ein Stück auf die Markierung zu. Hinter der Markierung lag das Suchengebiet, in dem die beiden anderen Dummies lagen. Die Markierung sollte vom HF selbst geholt werden, danach der Hund die beiden Dummies aus dem Suchengebiet.

Nachdem die Markierung gefallen war und wir am Endpunkt angekommen waren, meinte Achim Beringer „Mal sehen, wie gut Frauchen markiert hat“. Ich ließ Biscuit sitzen und stiefelte in die Richtung los, in der ich das Dummy vermutete. Meine Nasenleistung war nicht so toll, denn ich sah das Dummy erst als ich drauftrat. Aber: gefunden, tschakka!

Ich schickte Biscuit jeweils mit „voran“ in die Baumgruppe und gab dort den Suchenpfiff. Das erste Dummy bekamen wir problemlos rein, beim zweiten dauerte es etwas länger. Erst schoss Biscuit weit über das Ziel hinaus und brauchte zwei Aufforderungen um wieder ins Suchengebiet zurückzukommen. Dann steckte sie ihre Nase in einen Blaubeerbüschel und tauchte ohne Dummy wieder auf um mich ratlos anzusehen. Auf mein verbales „such!“ nahm sie den Nüschel wieder runter und pflückte das Dummy vom Boden. Wußt ich´s doch… kleine Kröte. Da sie den Rückweg in Zeitlupe antrat, wollte ich sie ein bisschen animieren und rannte klatschend nach hinten weg. Na, wer ahnt es? Mein rechter Fuß stieß gegen einen großen Baumstumpf, auf dem sich prompt mein Hintern unfreiwillig niederließ *plumps*. Immerhin war der Stumpf sehr bemoost (ehrlich gesagt richtig bequem) und ich mußte mich nicht bücken, um Biscuit das Dummy abzunehmen. Abgabe-Deluxe!

Richter-Fazit: Standruhe, Arbeitsfreude und Nase waren vorzüglich, allerdings hatte die Apportierfreudigkeit und die Ausdauer im Laufe des Tages sehr gelitten, deshalb insgesamt nur „sehr gut“.

Aufgrund der tropischen Temperaturen und der fortgeschrittenen Uhrzeit wurde die 5. Aufgabe gecancelt, worüber weder Teilnehmer noch Hunde besonders traurig waren. Wir fuhren gemeinsam in den Biergarten, wo es Urkunden gab und die drei besten Hunde besonders geehrt wurden.

Wie bereits letztes Jahr war es wieder ein superschöner Schnupper-WT mit netten Richtern und interessanten Aufgaben. Die Stimmung unter den Teilnehmern war klasse und neben liebgewonnenen Bekannten gab es wieder nette neue Leute kennenzulernen. Vielen Dank an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben!

Biscuit und ich haben das Gesamtprädikat „sehr gut“ bekommen und ich bin damit mehr als zufrieden. Eigentlich hatte ich mir unsere Leistung sogar schlimmer vorgestellt, denn Biscuit war so platt, dass sie nach der ersten Aufgabe sofort weggepennt ist. Ihr steckten die Anstrengungen vom Vortag noch deutlich in den Knochen, was man vor allem in der letzten Aufgabe extrem merkte. Gesundheitlich ging es ihr prima, sie war einfach nur seeeehr müde. Kein Wunder bei den Temperaturen…

Bin stolz auf dich, mein süßes Müdchen!

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „„Schnuppern im Forst“

  1. Conny Türk-Molitor

    Wir waren auch am Start. Vielen Dank für Deine Zusammenfassung und die schönen Skizzen.

  2. Mareile

    Hallo Anke,
    danke für den tollen ausführlichen Bericht. (Bewundernswert, wie Du die Bilder gemacht hast!!)
    Wir waren auch dabei und es hat uns auch sehr gut gefallen.
    Mit Deinem Bericht haben wir jetzt eine schöne Erinnerung mehr.
    Viele Grüße, Mareile mit Freyja

    • Startnummer 18, gell? Hab im Heft gespickt 😉 Schön, dass du hierhergefunden hast. War ein supernetter Tag mit euch!

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