Mission A-Keks

Es war eine schlimme Woche! Mit jedem Tag den die Dummyprüfung näher rückte, wurde meine Aufregung größer. Mein Verstand sagte „Das schaffen wir problemlos, wir KÖNNEN das alles!“, doch dann meldete sich diese kleine paraniode Stimme zu Wort „Es kann soviel passieren, irgendwas geht bestimmt schief“. Am Ende dachte ich nur noch „hoffentlich versau ICH es nicht!“. Eigentlich leide ich im „normalen Leben“ nicht unter übermäßiger Prüfungsangst, aber im Hinblick auf die Dummy A war es wirklich schlimm. Wahrscheinlich weil es schon so viele Jahre mein Traum war, einmal einen Hund auf Prüfungen und Workingtests zu führen.

Da die Prüfung in 170km Entfernung stattfand, reisten Esther (meine gute Seele) und ich bereits Freitag abend an und quartierten uns bei Trainingskollegin Karola ein. Uns erwartete nicht nur ein leckeres Abendessen, sondern auch eine supersüße Tischdeko. Was sollte damit noch schiefgehen?

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht kämpfte ich mich Samstag morgen um halb 6 an den Frühstückstisch und war noch viel zu müde um nervös zu sein. Trotzdem war ich froh, dass Karola die Sonderleiterin der Prüfung war und sich auskannte. Verfahren auf dem Weg zum Prüfungsgelände impossible *erleichtert guck*.

Im Gelände angekommen folgte die Begrüßung durch Richter Jörg Mente und einige Erläuterungen zum Ablauf. Suche, Appell und Landmarkierung wurden an einem Stück abgeprüft, zum Wasser würden wir später alle gemeinsam in ein anderes Gelände umsetzen. Biscuit und ich waren Starter Nr. 6, damit blieb mir noch einige Zeit um wach und wieder nervös zu werden. Einatmen, ausatmen, alles wird gut… Als ich mich schließlich auf den Weg zum Richter machte, muss ich laut Helfern einen äußerst angespannten Eindruck gemacht haben. Glaub ich sofort!

Die Prüfung begann mit der Suche:

(1) In einem Gelände mit geringer Deckung werden für Führer und Hund nicht sichtbar 10 Dummies ausgeworfen.
(2) Auf Anweisung des Richters wird der Hund zur Verlorensuche in das bezeichnete Suchengebiet geschickt.
(3) Der Führer kann sich entlang der Grundlinie des Suchengebietes bewegen.
(4) Der Hundeführer kann seinem Hund Kommandos geben, um ihn in dem bezeichneten Suchengebiet zu halten.
(5) Die Aufgabe wird durch den Richter beendet.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Herr Mente erklärte mir nochmal den Ablauf und wo die Grenzen des Suchengebiets lagen. Der Bewuchs war genau richtig – im vorderen Bereich Laub und etwas Totholz, im hinteren Bereich dichter mit einigen Brombeeren. Das Wetter sehr angenehm: 10°C, bewölkt, leichter Seitenwind. Biscuit brezelte sofort in den hinteren Teil und ackerte vor meinen ungläubigen Augen das erste Dummy aus einem Brombeergebüsch.

Es hätte so geil sein können, wenn… ja – wenn sie nicht auf dem Rückweg das Dummy 2m vor mir auf den Boden gespuckt und am Wegrand geschnüffelt hätte. Ich war vollkommen fassungslos und reagierte verbal sehr knurrig, womit ich bei Biscuit zunächst ein „bevor ich jetzt wieder was falsch mache, mach ich lieber gar nix mehr“ auslöste. Zum Glück besann ich mich recht schnell und auf mein geflötetes „Apport“ bekam ich das Dummy doch noch. „Das war´s jetzt, beim ersten Apport durchgefallen“ dachte ich. Trotzdem forderte mich der Richter zum weitermachen auf. Biscuit holte noch vier weitere Dummies und es war wirklich eine Freude, ihr beim suchen zuzusehen.

(sieht abenteuerlich aus, doch sie hat es erstaunlicherweise nicht verloren)

Ergebnis: 10 Punkte

Biscuit hat laut Richter sehr schön mit dem Wind gearbeitet und eine tolle Leistung gezeigt, die sich von Dummy zu Dummy steigerte. Aufgrund des Desasters beim ersten Dummy könne er uns jedoch nur die halbe Punktzahl geben. Nur? In Anbetracht der Geschehnisse war ich erstmal nur froh, dass wir nicht durchgerasselt waren.

Es ging direkt weiter zum Appell:

(1) Hund und Hundeführer gehen gemeinsam mit dem Richter. Der Hund ist dabei unangeleint. Der Werfer geht in einiger Entfernung vor der Gruppe her. Die Position des Schützen wird durch den Richter bestimmt.
(2) Es werden insgesamt 2 Schüsse abgegeben sowie ein Dummy geworfen.
(3) Nach erfolgtem 1. Schuss und Wurf des Dummys bleiben Hund und Hundeführer stehen.
(4) Hund und Hundeführer gehen gemeinsam mit dem Richter weiter.
(5) Nach erfolgtem 2. Schuss (es wird kein Dummy geworfen) bleiben Hund und Hundeführer stehen.
(6) Auf Anweisung des Richters schickt der Hundeführer den Hund zum geworfenen Stück.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Wie sagte Herr Mente so schön? „Sie laufen bei mir Fuß und Ihr Hund läuft bei Ihnen Fuß; wenn wir stehenbleiben, soll der Hund sitzen.“ Wir gingen ein paar Schritte und blieben stehen. Biscuit leider auch. „Sagen Sie Ihr ruhig, dass sie sich setzen soll.“ „Biscuit sitz!“. Kleinkeks setzte sich. „Prima, weiter geht´s“ Wir liefen weiter. Nach drei Schritten blieben wir wieder stehen und der Richter grinste mich an. „Sie müssen ihr schon sagen, dass sie mitkommen darf!“ Hä? *verständnislos guck* Ich hatte beim loslaufen kein Fußkommando gegeben, also saß Biscuit immer noch wie befohlen an Ort und Stelle. Keksi brav, Anke doof!

Wir gingen wieder ein Stück und sollten dann eine Kehrtwende laufen – einige Schritte vom Richter weg, linksrum drehen und wieder zum Richter zurück. Biscuit lief einen Ticken zu weit vorne, korrigierte sich aber schnell und wir kamen ohne Zwischenfälle mit einer ordentlichen Fußarbeit wieder bei Herrn Mente an. Später erklärte er, dass er dabei sehen wollte, dass die Hunde links vom Hundeführer bleiben und bei einer Kehrtwende nicht hinter einem herumgehen. Mir kam es sehr gelegen, denn da Biscuit solche Einlagen aus dem Training kennt, dämpfte es ihre Erwartungshaltung *is bestimmt nur so ne doofe Steadinessübung*. Es folgte der restliche Appell, das Dummy fiel rechts von uns in den Acker:

Nach Freigabe und Kommando flitzte Biscuit los…

…und hatte super markiert:

Auf dem Rückweg machte sie den Eindruck, als wollte sie den Helfern (Esther und André) kurz Hallo sagen, weshalb ich lieber gepfiffen habe. Leider ließ Biscuit das Dummy auf dem Rückweg fallen. Sie nahm es zwar sofort wieder auf, aber das kostete natürlich unnötig Punkte.

Ergebnis: 16 Punkte

Vom Appell aus bogen wir um die Ecke, wo auf einem Stoppelacker die Landmarkierung fallen sollte:

(1) Nach Abgabe eines Schusses wird ein Dummy, für Führer und Hund deutlich sichtbar (Flugbahn und Fallbereich), geworfen. Der Wurf des Dummys sollte stets in den Wind erfolgen.
(2) Der Hundeführer darf den Hund erst auf Anweisung des Richters zum Stück schicken.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Hier gab es einen kurzen Schreckmoment. Herr Mente erteilte mir die Freigabe durch leichtes Antippen an der Schulter. Obwohl seine Bewegung sehr bedächtig war und er rechts von mir stand, hatte Biscuit die Bewegung wohl doch wahrgenommen. Sie zuckte ganz kurz *Anke kurz vor dem Herzkasper*, fing sich aber sofort wieder *aufschnauf*. Braves Mädel! Uff! Sie wartete artig auf mein Kommando und hatte auf den Millimeter genau markiert. Geil! Nach der Aufnahme des Dummies hob sie allerdings die Nase in den Wind und ich pfiff zur Sicherheit. Irgendwas veranlasste mich auch noch dazu, bei der Abgabe in die Hocke zu gehen.

Ergebnis: 18 Punkte

Der Richter hatte den kleinen Bogen mit Nase im Wind ebenfalls gesehen und lobte mich für meine Reaktion. Trotzdem natürlich 2 Punkte Abzug. Später erfuhr ich, dass bei der Aufgabe einige Teams ganz schön Punkte gelassen hatten. Auf dem Weg zum Dummy waren zwei Streifen mit altem Mist, die nicht nur geruchlich eine Ablenkung waren, sondern für die Hunde genaugenommen auch zwei Geländeübergänge darstellten und leicht bremsten. In Anbetracht der alten Misthaufen sind mir diese 18 Punkte unglaublich viel wert, denn noch vor ein paar Monaten hätte Biscuit sich auf dem Rückweg erstmal einen kleinen Snack gegönnt. Soviel Ehrlichkeit muss sein *smile*.

Nach diesen drei Fächern hieß es erstmal runterkommen und verarbeiten. Mir ist bis jetzt noch nicht klar, welchen Teufel Biscuit in der Suche geritten hatte. Man sagte mir zwar, dass dort wohl vorher ein Rüde hingepinkelt hatte, aber seit wann interessiert sich Keksi für Pinkelstellen? Es kann natürlich gut sein, dass ich und meine grandiose Weltuntergangs-Ausstrahlung ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen haben *Frauchen is heut seltsam*. Manchmal würd ich meinen Mädels wirklich gern in den Kopf gucken!

Nachdem alle Teams durchgeprüft waren, fuhren wir gemeinsam zum letzten Fach in ein anderes Gebiet:

(1) Nach Abgabe eines Schusses wird ein Dummy, für Führer und Hund deutlich sichtbar, in ein tiefes Gewässer, in dem der Hund schwimmen muss, geworfen.
(2) Der Ansetzpunkt muss von der Wasserkante entfernt liegen.
(3) Der Hundeführer darf den Hund erst auf Anweisung des Richters zum Dummy schicken.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Am Wasser zeigten sich deutlich unsere Trainingserfolge der letzten Wochen. Ich leinte Biscuit ab und betete ihr gedanklich vor „du bleibst sitzen, du springst nicht ein, du bleibst sitzen, du springst nicht ein…“ Tatsächlich saß meine Süße wie angeklebt auf ihrem Hintern und zuckte auch nicht, als Herr Mente mir die Freigabe erteilte. Sie rechnete sicher damit, dass sie vorher eh erst wieder was anderes machen müsse.

„Apport“ und ab der Keks! Leider ging sie nicht direkt ins Wasser, sondern nahm ein paar Meter Landweg bis sie auf der Höhe des Dummies war. Den Einstieg konnte ich von meinem Standpunkt aus nicht sehen (zuviel Schilf), aber ich hätte mir denken können, wie er aussah:

*Yeeehaaaw!*

*meins!*

*schnell zurück*

Dann tat sie etwas, von dem ich guten Gewissens sagen kann „DAS hat sie ja noch nie gemacht!“. Sie schüttelte sich MIT Dummy im Fang! Dabei wurde sie vorrübergehend langsamer, nickte kurz mit dem Kopf, schüttelte den Hintern und kniff dabei das ganze Gesicht zusammen. Sah aus wie *ich darf das Dummy nicht verlieren, ich darf das Dummy nicht verlieren*. Einfach zu süß! Abgabe, anleinen, Freudentaumel!

Ergebnis: 17 Punkte

Den Punktabzug gab es wahrscheinlich dafür, dass sie nicht den direkten Weg zum Dummy genommen hatte. In meiner grenzenlosen Freude hatte ich nicht weiter nachgefragt. BESTANDEN!

Im Suchenlokal hielt Herr Mente noch eine nette Ansprache. Er wies darauf hin, dass die Dummy A letztendlich nur die Eintrittskarte in die Workingtestszene sei und es deshalb keinen Sinn machen würde, wenn man zu „lasch“ richtet. Denn wie allgemein bekannt ist, werden bei der Dummy A lediglich die Basics abgefragt, während das Niveau bei WTs ganz anders aussieht. Zusätzlich gab er noch einige Tipps zu Problemen wegen denen ein paar Teams leider durchgefallen waren. Anschließend wurden die Urkunden verteilt, lecker gegessen und nett gequatscht.

Endergebnis: 61 von 80 Punkten = gut

Damit haben wir uns nicht gerade mit Ruhm bekleckert…
…aber: scheiß drauf!

Vielen Dank an Richter, Sonderleitung, Helfer und die anderen Teams für die tolle Organisation, die gute Stimmung und den schönen Tag! Spezieller Dank an Karola für die Übernachtungsmöglichkeit und das leckere Essen und an Esther für die lustige Gesellschaft und das sichere nach Hause bringen – Mädels, ihr seid spitze, ohne euch hätte es nur halb so viel Spaß gemacht! Danke natürlich auch an alle die mit uns gefiebert und Daumen gedrückt haben!

Nicht zuletzt wieder mal ein Danke an Christine für diesen tollen Keks, der mir soviel Freude macht!

Biscuit ist mein „6er im Labbi-Lotto“ und manchmal denke ich, sie hätte einen talentierteren Hundeführer verdient. Aber: da muss der Keks durch, ich geb sie nicht mehr her

:wolke:

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Mission A-Keks

  1. Herzlichen Glückwunsch 😃 Ich wusste ihr schafft das und die Punkte jucken später keinen mehr …. Wie bei der Gesellenprüfung Nun steht euch die WT Welt offen …. Du startest doch mal mit mir im Team ….. Büddddeeeee

  2. Herzlichen Glückwunsch, schöner Bericht – und jetzt freue ich mich ganz besonders auf die Berichte von Euren Teamstarts 🙂 !!!

  3. Quatschkopf! Meinste, dein Keksi tät DICH wieder hergeben??
    Mach dich nicht so klein (reicht, wenn ich das tue *g*).

  4. Birgit

    Ich finde den letzten Absatz Deines wieder -wie immer- tollen Berichts klasse, denn ich habe genau die gleichen Gedanken bei meinem Mädel auch schon gehabt, vor allem der Punkt, dass sie eine talentierte Hundeführerin als mich verdient hätte,,,
    Aber jetzt gibt es kein zurück mehr, Frauchen muss weiter lernen und Mädel muss es aushalten.

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