kollektiver Wahnsinn

Das gestrige Gruppentraining hatte eine ganz eigene Dynamik. Was eigentlich ein Walk-Up werden sollte, endete in heillosem Chaos. Die Line bestand aus 6 Teams und nach dem ersten „brrt“ von André standen 6 Hundeführer ohne ihre Hunde da. Eingesprungen. Alle. Zweiter Versuch, bessere Quote, nur noch 5 Einspringer. Dritter Versuch, noch 4 Einspringer. Biscuit mittendrin. Nun hatte ich die Wahl, mich entweder maßlos zu ärgern oder königlich zu amüsieren. Ich entschied mich für letzteres. Das Wetter war schön, meine Laune war gut und die Situationskomik war unschlagbar. Sowas kurioses hab ich echt noch nicht gesehen. Ein Haufen bekloppter Retriever, die wie die Geier um André herumkreisten und ein Dummy suchten, das gar nicht vorhanden war.

Die ersten beiden Male pfiff ich Biscuit zurück, beim dritten mal wollte ich sie holen gehen. Bis ich allerdings bei ihr ankam, hatte jemand anders gepfiffen und Biscuit war auf dem Rückweg zu mir. Nur stand ich da nicht mehr. Das verdadderte Gesichtchen setzte dem ganzen die Krone auf und ich versuchte den aufsteigenden Lachkrampf hinter meinem Halstuch zu verbergen *glucks-prust-glucks*. Das war so herrlich, ich muss jetzt noch immer wieder mal kichern…

Konzentration! Nach diesem deutlich missglückten Start wurde aus einem Walk-Up ein Walk-und-der-HuFü-hebt-selbst-auf-Up. Jeder Hundeführer durfte ein Dummy apportieren und siehe da – die Hunde bewiesen Sitzfleisch. Nachdem alle durch waren, wurden die Hunde angeleint und jeweils ein Team trat bei André zur Tennisball-Einzelmarkierung an, die mit der Ballschleuder geworfen wurde. Biscuit markierte punktgenau. Hätte sie nach der Abgabe nicht versucht, dem Herrn Trainer die Ballschleuder zu klauen, wär´s perfekt gewesen. Alberner kleiner Keks. Glucks. Albernes Frauchen. Hab ich schon erwähnt, wie schön das Wetter war?!?

Es folgte eine weitere Steadiness-Übung. Nachdem André eine Markierung geworfen hatte, ging es frei bei Fuß in Schlangenlinien durch die Teams ans andere Ende der Line und von dort durfte der Hund geschickt werden. Biscuit hing beim Fußlaufen etwas hinterher, was ich allerdings darauf schiebe, dass die Teams sehr eng zusammenstanden. Das war ihr nicht wirklich geheuer. Mit der Markierung hatte sie ihre liebe Mühe und ich mußte sie nochmal zurückpfeifen und voranschicken. Markierungen mit Stellungswechsel sind noch nicht so unser Ding *feststell*.

Danach marschierten wir gemeinsam auf die Wiese, auf der auch unser privates Feiertagstraining stattgefunden hatte. Mittels Dummylauncher wurde von einer Wiese über einen Waldstreifen eine Markierung auf die gegenüberliegende Wiese geschossen:

Das Wäldchen aus der Nähe:

Und so sah es im Wäldchen aus – relativ licht, erst am äußeren Rand dichter bewachsen:

Biscuit hatte die Flugbahn genau verfolgt und entgegen meiner Befürchtungen durchquerte sie das Wäldchen problemlos. Leider suchte sie sich am Waldrand fest und kam nicht auf die Idee noch weiter in die Wiese zu gehen. Ich ging gerade in den Wald um sie besser sehen zu können, als sie ebenfalls in den Wald zurückkam und dort suchen wollte. TÜÜÜT! Biscuit befolgte den Stopp-Pfiff sofort. BACK! Biscuit ging gerade nach hinten, bog aber nach wenigen Metern rechts ab. TÜÜÜT! Keks saß. Weiteres Handling sinnlos (war´s vorher schon, wenn ich ehrlich bin). Ich ging zu ihr und belohnte sie. Aus dem Wald heraus beobachteten wir, wie uns André die Markierung nochmals warf. Diesmal war´s kein Thema mehr, Biscuit hatte es genau auf dem Schirm. Was sie nicht auf dem Schirm hatte, waren die Baumstämme. Sie rumpelte beim rausgehen und reinkommen mehrmals gegen ein paar Stämme/Äste *knack-rumms-knack*. Autsch. Muss sich angefühlt haben wie ein Ball im Flipperautomaten. Schien sie aber nicht zu stören.

Fazit: Biscuit muss lernen, dass sie nach einem solchen Geländewechsel weitergehen muss. Laut André sollte das aber schnell behoben sein, wenn sie die Erfahrung ein paar mal gemacht hat. Mich hat´s gefreut, dass sie überhaupt ganz durchgegangen ist und das auch noch sehr zielstrebig. Scheinbar hat mein Baumkronen-Training gefruchtet. Augen zu und durch, in der Beziehung hat sie inzwischen deutlich mehr Selbstbewußtsein. Gefällt mir! Außerdem hat sie meine beiden Stopp-Pfiffe schnell und zuverlässig ausgeführt. Braves Mädchen!

Weiter ging es mit der Überprüfung des Suchen-Pfiffs. André hatte neben einem Erdloch einen Markierstab aufgestellt. Im Loch lagen Tennisbälle und Suchendummies, auf dem Loch lagen einige Äste.

Das hat Kleinkeks wirklich toll gemacht! Sie nahm den Pfiff gut an, blieb schön kleinräumig und buddelte sich zum Ziel.

Dafür hatte die nächste Aufgabe ihre Tücken. Die Hunde sollten am Markierstab S1 vorbei auf einen weiter hinten stehenden Markierstab S2 vorangeschickt werden. Schwierigkeit: der enge Winkel zu S1 und die Schatten der Bäume (Geländeübergänge).

Der erste Versuch sah zunächst sehr vielversprechend aus. Biscuit ging gerade raus, wirbelte aber auf Höhe von S1 herum und bog links ab. „Nein!“ Tüt-tüt! Ihr Verhalten war eindeutig – sie hatte den Markierstab aus dem Augenwinkel gesehen und sich sicher gedacht *Frauchen is mal wieder zu blöd gewesen, mich richtig auszurichten*. Das einmalige „Nein“ reichte Biscuit, denn beim zweiten Versuch ging sie ohne zögern bis zur Baumgruppe und wurde am zweiten Markierstab fündig. Lernziel erreicht.

Fazit: Mein Fehler. Prompt fiel mir wieder ein, was Petra Ritzerfeld beim diesjährigen Seminar über Markierstäbe erzählt hatte. Biscuit muss lernen, dass „da draußen“ nicht nur ein Markierstab lebt und man durchaus auch mal dran vorbeigeschickt wird. Ich bin guter Dinge, dass sie das sehr schnell lernen wird.

Es war wieder mal ein schönes Training. Eine gelungene Mischung aus „Können wir das?“ und „Wie baue ich es richtig auf?“.

Überfliegerin des Tages war Trainingskollegin Karola. Zuerst kam sie fast schwerelos anmutend über die Wiese geschwebt, um anschließend abzuheben und eine Bruchlandung hinzulegen. Das war auf dem Rückweg von der Launcher-Markierung. Fragt sich, ob Karola neuerdings auf einem Superman-Heftchen schläft oder ob sie sich eingebildet hat sie hätte Launcher-Antrieb. Egal. Schadenfreude ist die schönste Freude! Endlich war´s mal NICHT ich, die sich beim Training langgelegt hat.

Mädels, weiter so!

Advertisements
Kategorien: Training | Ein Kommentar

Beitragsnavigation

Ein Gedanke zu „kollektiver Wahnsinn

  1. Hömma, um ein Buch zu veröffentlichen braucht man heutzutage keinen Verlag und kein Papier mehr, ne? Ebook und so… *beantrag* 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: