Keksi, das Sensibelchen

Der Vorteil an einem privaten Gruppentraining: man kann eine Übung beliebig oft wiederholen und der Helfer wirft eine Markierung zur Not auch mehrmals. So geschehen am Samstag. Ich hatte mich mit Esther, Sarah, Carolin und Katja verabredet.

Wir starteten mit einem langen voran quer durch den Wald, über einen kleinen Graben. Die Hunde haben beim auslegen aus der Ferne zugesehen, ich trampelte einen Vertrauensweg und postierte zusätzlich einen Markierstab. Trotzdem scheint die Perspektive der Hunde eine andere gewesen zu sein. Alle liefen einen kleinen Bogen um einen Baum (hellblaue Linie), was zwar nicht der Ideallinie entsprach (weiße Linie), aber noch im Rahmen war. Der Graben war gar kein Problem.

voran

Nachdem alle durch waren, arbeiteten einige Hunde eine Einzelmarkierung in entgegengesetzter Richtung. Helfer sichtig, Fallstelle leicht verdeckt. War nicht weiter spektakulär, deshalb keine Grafik (hab das fotografieren vergessen).

Danach wurden die Hunde nochmal auf die Stelle von vorher vorangeschickt.

Biscuit arbeitete bis dahin tadellos, ließ sich aber bei der Einzelmarkierung von der Geräuschkulisse aus der Wartezone ablenken. Normalerweise für sie kein Problem, doch am Sonntag scheinbar schon. Das machte sich auch bei der folgenden Doppelmarkierung bemerkbar:

Doppelmark

Zuerst fiel Markierung D1, dann Markierung D2. Es wurde über Kreuz gearbeitet, d.h.  Team 1 holte D1 und Team 2 war anschließend für D2 zuständig. Die Fallstelle von D1 war relativ gut einsehbar, bei D2 standen jede Menge dicker Bäume im Weg.

D1 war zwar von Biscuit nicht perfekt markiert, aber trotzdem schnell drin. Platztausch. D2 war grottig. Biscuit war wieder durch die Geräuschkulisse aus der Wartezone abgelenkt. Nach dem ersten missglückten Versuch einigten Sarah und ich uns darauf, nochmal auf Anfang zu gehen. Zurückspulen, durchatmen, alles nochmal auf Null. Hat dem Keksl und mir leider nicht geholfen…

Frieda wurde von Sarah auf D1 geschickt, da dachte sich Biscuit *super, das andere is für mich, ich geh schonmal*. Eingesprungen. Allerdings ließ sie sich auf meinen Hierpfiff sofort zurückholen *braves Mädchen*. Blöderweise dachte sie danach scheinbar, dass es GAR nicht gewünscht sei, dass sie dorthin geht. Deshalb bog sie beim schicken nach links zur D1-Stelle ab. Zurückgepfiffen. Nochmal deutlich in Richtung D2 gezeigt und geschickt. Nix war´s. Esther warf D2 nochmal. Biscuit ging – allerdings nicht weit genug. Als sie im Begriff war, sich zu mir zurückzusuchen stoppte ich sie und schickte sie zurück. Leider kam sie wieder nicht weit genug und ich mußte sie nochmal stoppen, um ein leeres Zurückkommen zu verhindern. Diesmal ging ich lobend und säuselnd zu ihr, nahm sie ins Fuß und ging gemeinsam mit ihr zum Start zurück. Letzter Versuch – diesmal holte sie das Dummy mit Helferunterstützung rein.

Weil wir D2 so verkackt hatten, wollte ich es nochmal als Einzelmarkierung sauber abschließen. Esther warf, ich schickte, Biscuit machte einen Satz nach vorne, bremste und kam ins Fuß zurück. Häää? Ich wiederholte das Apportkommando, doch Biscuit blieb wie angenagelt neben mir sitzen. Ohje. Nun kenn ich mein Hundchen ja schon ein Weilchen und wußte glücklicherweise wie ich diese Blockade wieder lösen konnte. Esther hob das Dummy wieder auf und ich ging mit Biscuit ein paar Schritte nach vorn, um von der „bösen“ Stelle wegzukommen. Es half! Diesmal kein blockieren, kein fragen, punktgenau markiert, freudig gearbeitet. Uff!

Natürlich hab ich mir danach meine Gedanken gemacht. Grundsätzlich ist es immer so, dass Biscuit nur bei klarer Führung gut und sicher arbeitet. Allerdings befinden wir uns momentan zusätzlich in einer heiklen hormonellen Phase. Jede Hündin ist nach der Läufigkeit ca. 8 Wochen lang scheinträchtig. Die eine mehr, die andere weniger. Manche Hündinnen sind dann lustlos, Biscuit ist stattdessen übersensibel. Sobald es etwas chaotischer wird, macht sie dicht. Korrekturen verträgt sie nur bis zu einem gewissen Maße – und damit meine ich keine „Neins“, sondern jeden noch so neutralen Hier- oder Stopp-Pfiff. In den nächsten Wochen ist deshalb mein Einfühlungsvermögen und ein idiotensicherer Trainingsaufbau ohne Korrekturen gefragt.

Zum Abschluss gab es eine Spaß-Aufgabe, die sich Carolin ausgedacht hatte. Die Hunde wurden auf diesem Baumstumpf abgesetzt…

Baumstamm

…und wurden von dort zum Apport geschickt. Die Markierung fiel in wenigen Metern Entfernung hinter die Tannen. Keksi guckte zwar zuerst ein bisschen doof, hangelte sich aber von ihrem Baumstamm in die Schlacht. Während andere freiweg vom Stumpf hechteten, wählte Biscuit einen bedächtigen Abstieg und gab erst Gummi, als wieder alle viere am Boden waren. Ehrlich – es tut so gut, sowas zu sehen. Ein Kamikazeköter reicht mir völlig! Biscuit ist einfach ein Schatz.

Es war wie immer ein sehr schönes und lustiges Training ohne Stress oder Druck, bei dem ich außerdem wieder einmal viel über meinen Hund und mich lernen konnte. Mädels, danke für eure Geduld!

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Kategorien: Training | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Keksi, das Sensibelchen

  1. In dieser Zeit versuche ich wirklich nur Sachen, die Fiene schon gut kann … Keine Experimente.

  2. Schön geschrieben! Ja, ich war auch beeindruckt, was in diesem Keksköpfchen wohl so alles vor sich geht. Da ist meine Beutekröte dagegen recht einfach zu durchschauen. 😉 Aber ihr zwei kennt euch ja und Du hast prima reagiert!

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