Grenzgänger…

…waren die Mädels und ich gestern in zweierlei Hinsicht. Wir haben die Grenze nach Hessen übertreten, um gemeinsam mit Ivonne und Jens zu trainieren. Im Laufe dieses Trainings hat Ivonne es geschafft, Biscuit und mich an unsere Grenzen zu treiben – und darüber hinaus!

Dabei fing alles ganz harmlos an. Wir hatten uns vorher schon warmgelaufen und den Stopp-Piff direkt am Bein belohnt, bevor wir mit der eigentlichen Übung starteten. Ivonne warf eine Markierung an einen Baum (aus dem später unser „Blind-Baum“ werden sollte). Nachdem die Markierung gefallen war, drehte ich Biscuit in die entgegengesetzte Richtung. Ivonne entfernte hinter unserem Rücken das Dummy und ging seitlich weg. Ich sollte Biscuit zurückdrehen, auf die Nicht-mehr-da-Markierung schicken und dort ins Sitz pfeifen. Ivonne würde dann ein Geräusch machen, sichtig ein Dummy auslegen und ich Biscuit zur Seite schicken.

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Doch soweit kam´s erstmal gar nicht. Wegdrehen, hindrehen, schicken – alles kein Problem. Doch unterwegs entdeckte Biscuit plötzlich etwas fürchterliches, grauenerregendes, abgrundtief böses und gemeingefährliches. Das Monster stand rechts vom Baum und leuchtete mit all seiner Boshaftigkeit über die Wiese. Es handelte sich um eine große gelbe Netto-Tüte, in der Ivonne die Dummies transportierte *Kopf klatsch*. Nachdem wir Biscuit mit der Tüte bekannt gemacht hatten, sah sie fast ein bisschen verschämt aus. So viel Lärm um nix. Kommt davon, wenn man nur blaue Ikea-Tüten kennt.

Neuer Versuch, nächstes Problem. Biscuit hatte nur Augen für Ivonne und rannte zu ihr, statt zum Baum. Ivonne ging nochmal zur Fallstelle und beklatschte und bebrrrte die Stelle, was sie für Biscuit nur noch interessanter machte. Das war der Punkt an dem ich mir dachte „Na das kann ja heute heiter werden…“. Als Biscuit endlich an der richtigen Stelle war, ignorierte sie zuerst meinen Pfiff und nachdem sie endlich saß, ließ sie sich nicht weiterschicken. Holla die Waldfee, was ein Start!

Ivonne kam zu mir und klärte mich auf „Du denkst, du stehst hier mit einer dunklen Jacke auf einer weißen, schneebedeckten Wiese und bist gut erkennbar, oder?“ „Öhm, ja, schon…“ „Na dann dreh dich mal um und sieh dir den Hintergrund an“. Ich tat wie befohlen und blickte auf einen dunklen Waldrand. Ääääääähhhhhhm. Blöd. Ich bekam neue Instruktionen und weiße Armstulpen. Ivonne bezog wieder Position und übte sich in Pantomime. Die Autobahn war zwar weit weg, aber laut genug um jede Verständigung auf 30m unmöglich zu machen. Ich sah und übersetzte:

Pfeife zum Mund und reinblasen = Stopp-Pfiff
deuten auf Biscuit und Kopfschütteln = Biscuit reagiert nicht
Hände an den Mund und sprechen = verbales Sitzkommando
wieder kopfschüttelnd auf Biscuit deuten = sie reagiert immer noch nicht
auf mich deuten, auf der Stelle joggen, etwas greifen, joggen, Hand heben, in die Pfeife pusten = Beine in die Hand nehmen, Biscuit einsammeln, an die Stelle des Pfiffs zurückbringen, Sitzpfiff

Für die Vorstellung hätte Ivonne einen Oscar verdient! Zu geil!

Mit dieser grandiosen Vorbereitung konnte gar nichts mehr schiefgehen. Beim ersten mal musste ich dem Keks zwar noch ein „Sitz“ hinterherschmeißen, aber danach war alles tutti. Ich schickte sie einmal nach links, beim nächsten mal nach rechts und beim dritten mal durfte sie tatsächlich die Markierung arbeiten. Danach war ich wieder etwas zuversichtlicher und hatte kurz Pause, während Jens mit Gizmo in die Stopp-Pfiff-Schlacht zog.

Was dann kam, hat mich heute beim Grafiken basteln fast in den Wahnsinn getrieben. An unserem „Blind-Baum“ legte Ivonne heimlich Dummies aus, danach gingen wir alle zusammen mit den Hunden an zwei weiteren Stellen auslegen. Beide Stellen lagen entlang einer deutlichen Geländekante, hoben sich jedoch optisch nicht von der Umgebung ab. Ivonne hatte als Anhaltspunkt für uns kleine gelbe Schnüre an die Äste gebunden. Einen Vertrauensweg für die Hunde gab es nicht:

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Wir stellten uns auf und Ivonne fragte uns, ob wir beim schicken die jeweilige Position beibehalten oder wechseln wollten? Einstimmig wurde beschlossen, die Position beizubehalten. Hunde angeleint oder unangeleint? Unangeleint! Es gab einige Erläuterungen und Tipps, die Ivonne vor kurzem bei einem Teamtraining mitgenommen hatte. Zum Schluss überprüften wir den Wind und los ging´s!

Anmerkung: Biscuit und ich standen rechts außen, daher die Grafiken überwiegend aus „unserer“ Sicht.

Wir arbeiteten immer abwechselnd, bis jeder Hund je einmal bei D1, D2 und D3 gewesen war:

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D1 und D2 waren für Biscuit überhaupt kein Problem. Raus, rein, fertig. D3 (der Blind-Baum) hatte sie nicht mehr richtig auf dem Schirm und driftete zu weit nach rechts. Ich wartete, bis sie an der Geländekante auf Höhe des Baums angekommen war: Stopp-Pfiff – Keks sitzt – Rüber! – Keks geht. Suchenpfiff – Dummy zuhause. So einfach kann es sein… Ich staune immer noch Bauklötze!

Anschließend gingen wir 10 Schritte nach hinten und arbeiteten von der neuen Position aus:

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Danach das gleiche Spiel nochmal 15 Schritte nach hinten versetzt:

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Wie ich immer scherzhaft zu sagen pflege: Wenn Biscuit eins kann, dann ist es sinnbefreit geradeaus laufen. Sie hat alle Richtungen anstandslos angenommen und ich musste sie nicht ein einziges mal zurückholen und neu ansetzen. Es lief wie am Schnürchen: ausrichten, voran, Suchenpfiff, reinkommen. A Traum!

Es ging nahtlos weiter. Wir drehten uns aus der letzten Position nach hinten und Ivonne warf drei Dummies als Markierung auf´s freie Feld:

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Wir drehten uns zurück und gingen im Walk Up in Richung unserer Voranpunkte. Auf Ivonnes Kommando „behind“ drehten wir uns um und ein Hund wurde zur Markierung geschickt. Weitergehen, behind, nächster Hund. Weitergehen, behind, letzter Hund. Unsere Fußarbeit war gut, auch das umdrehen geht schon schneller. Kann man aber noch dran arbeiten. Markiert hatte Biscuit tadellos. Feines Mädchen!

Am Ende waren wir wieder bei unserer ersten Ausgangsposition angekommen und bekamen von Ivonne den Auftrag, die Hunde ein Weilchen abzulenken. Währenddessen legte Ivonne etwa auf halbem Weg zu D1 und D2 drei Blinds aus:

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Nun sollte abwechselnd jeder Hund erst ein B1 und dann ein B2 holen. Für Biscuit und mich eine völlig neue Situation, hatten wir bisher noch nicht trainiert. Sollte aber theoretisch kein Problem sein?!? Wie sich herausstellte, hatte ich Biscuits Reaktionszeit inkl. Bremsweg hervorragend berechnet. Biscuit nahm auf meinen Suchenpfiff die Nase runter und stolperte genau in diesem Moment über das Dummy *schnuff-stolper-rumwirbel*. Die Lacher hatte sie damit auf ihrer Seite.

Nachdem die Blinds abgearbeitet waren, sollten die Hunde über die alten Fallstellen auf D1/D2 durchgeschickt werden:

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Ich muss zugeben, auch das war unser „erstes Mal“. Während ich nur annahm, dass Biscuit einfach über die alten Fallstellen drüberrauschen würde, war sich Ivonne dessen sogar sicher – und behielt recht. Auf Höhe der alten Stellen nahm Biscuit zwar mal kurz den Kopf nach unten, semmelte aber direkt durch. Super!

Doch Ivonne setzte noch einen drauf. Die nächste Aufgabe wurde im 2er-Team gearbeitet. Zwischen D1 und D2 fiel nun eine Markierung, die jedoch als letztes geholt werden sollte. Die vorgegebene Reihenfolge war:

– Team links: D1
– Team rechts: D2
– Team links: D3
– Team rechts: Mark
– Platztausch der Teams, alles nochmal

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Ähm. Ja. Ich frag mich grad, ob ich wirklich dabei war, oder ob ich es nur geträumt habe. Zuerst war Ivonne der Werfer und Team-Keks stand gemeinsam mit Team-Molch am Start. Biscuit und ich starteten von der rechten Position.

Nachdem Gizmo D1 geholt hatte, richtete ich Biscuit auf D2 aus. Wer hätte es gedacht – sie wich deutlich in Richtung Markierung ab. Ich brach mit „nein“ ab und holte sie zurück. Nochmal konzentrieren – voran! Diesmal zog die Markierung erst auf den letzten Metern, aber dann gewaltig! Schwupps – Biscuit im Gebüsch zwischen Mark und D2 verschwunden. Anke außer Rand und Band: „NEIN!!! *TÜT-TÜT* BISCUIT HIEEEEEER“ und siehe da: Keksi kam wieder aus dem Gebüsch. Schnell einen Stopp-Pfiff getrötet. Keksi sitzt. Kurz loben, konzentrieren, Arm raus: Rüber! Biscuit tat wie befohlen, sammelte bei D2 ein Dummy ein und kam zurück. Jubeltrubelheiterkeit! Nicht perfekt, aaaaaaaaaaaaaaber: Ziel erreicht.

Gizmo sammelte D3 ein und Biscuit sollte nun das Mark holen. Das war richtig, richtig, richtig mies! Biscuit stolperte mehr oder weniger herum, bis das Dummy endlich bei mir war. Allerdings war die Zeit zwischendrin wirklich sehr lang und wir haben das Mark/Memory-Training in letzter Zeit sträflich vernachlässigt. Jens und ich tauschten Plätze und Biscuit arbeitete diesmal D1 und D3 anstandslos.

Das Gelände in „Original-Ansicht“:

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Der „Blind-Baum“, welcher auf dem oberen Bild rechts stehen würde:

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Danach durften wir die Aufgabe gleich nochmal machen, diesmal mit Ivonne und Fiene. Gleich zu Beginn schnappte sich Ivonne meinen Ärmel und zog daran „Komm mal näher… noch näher…“ bis wir dicht nebeneinander standen. Prompt sprang Biscuit ein, als Fiene auf D1 geschickt wurde. D2 war diesmal besser. Biscuit driftete zwar wieder etwas ab, doch diesmal konnte ich sie noch vor dem Grabengestrüpp stoppen und nach rechts schicken. Fiene wurde direkt vor Biscuits Nase auf D3 geschickt, die diesmal brav auf ihrem braunen Pöppes sitzen blieb. Dafür war das Mark noch grottiger als beim ersten mal. Allerdings bemängelte Ivonne vollkommen zurecht, dass ich Biscuit nicht die nötige Zeit gelassen hatte, um sich zu erinnern.

Im zweiten Durchgang mit Ivonne gab es keinen Platztausch, sondern wir wechselten nur die Aufgaben. Im Klartext: Biscuit und ich standen weiterhin auf der rechten Position und ich musste sie direkt an Fiene vorbei auf D1 schicken. Doch Biscuit ging nicht. Erst als ich den Abstand zu Fiene etwas vergrößerte, ließ sie sich schicken. Auch auf dem Rückweg machte sie einen leichten Bogen, um nicht direkt auf Fiene zuzulaufen. D3 war kein Thema.

Fazit: In einem gewissen Abstand zum Teampartner ist alles im grünen Bereich; wird es jedoch enger, ist das Fundament wackelig. Ivonne meinte dazu sehr treffend „Du musst euren `Sicherheitsbereich´ nun verlassen und diese Sicherheit auch in engen Situationen aufbauen.“

Nach dieser Kombi-Aufgabe gingen wir gemeinsam quer über´s Feld zu einem völlig neuen Punkt, ab dem Jens ganz am Anfang des Trainings sechs Dummies ausgelegt hatte:

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Ivonne schickte zunächst Fiene 2x auf diese Stelle, damit Biscuit raffte „aha, da is was!“. Anschließend wurde Keksi geschickt und sammelte brav ein Dummy ein. Dabei blieb es allerdings auch. Als ich sie nochmal dorthin schicken wollte, blockierte sie komplett. Sie war ganz eindeutig am Ende ihrer Konzentrationsfähigkeit. Wir setzten Biscuit und Fiene ab und holten die restlichen Dummies selbst.

Auf dem Rückweg schickte ich Biscuit nochmal auf D3, was wiederum anstandslos funktionuckelte. Danach war Schluss!

Mein lieber Herr Gesangsverein, was für ein Training! Fast drei Stunden lang saß Biscuit konzentriert bei Fuß, ist unzählige Kilometer gerannt und hat um die 20 Dummies reingeholt. Sie hat sich stoppen und seitlich schicken lassen und das alleroberhammermäßigste: sie hat nicht einmal auch nur ansatzweise tauschen wollen. Ich bin sprachlos. Wow!

Liebe Ivonne – danke für dieses geniale Training und deine Wagenladung an Tipps! *dickes Bussi*

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Kategorien: Working Mudpaws | Hinterlasse einen Kommentar

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