Freiheit für den Keks!

Angeregt durch das Seminar bei Birgitta wollte ich am Wochenende speziell an Biscuits Selbständigkeit arbeiten. Ich hatte zur Suche und dem Wiederaufbau von Biscuits Eigenständigkeit folgende Tipps bekommen:

1. Mit Tennisbällen trainieren! Allerdings nicht, weil es mit Tennisbällen besonders schwierig wäre – im Gegenteil. Laut Birgitta sind Tennisbälle zwar kleiner als Dummies, nehmen aber viel mehr menschlichen Geruch an  und sind dadurch leichter zu finden. Damit es jedoch nicht allzu einfach wird, sollte man im Suchengebiet möglichst viel eigenen Geruch verteilen. Entweder das Suchengebiet mit den Bällen durchstempeln oder diverse Grasbüschel/Äste anfassen. So wird der Hund durch den vielen Geruch im Gebiet gehalten, muss sich aber trotzdem anstrengen und dranbleiben um die richtige Geruchsquelle ausfindig zu machen.

2. So oft wie möglich die Dummies/Bälle von einer anderen Person auslegen lassen. Wenn man selbst nicht weiß, wo die Dummies liegen, kann man auch nicht unnötig eingreifen. Selbst wenn man die Grenzen des Suchengebiets kennt, sollte man den Hund machen lassen wenn er aus dem Gebiet läuft. Er soll selbst die Erfahrung machen, dass dort nichts ist.

3. Die Dummies/Bälle besser verstecken und nicht nur auslegen.

4. Nicht antworten, wenn der Hund fragt! :mundzu2:

Hoch motiviert bewaffnete ich mich am Samstag mit 10 Bällen und versteckte diese vor den Augen der Mädels in einem Bereich mit viel Totgras. Hätte ich geahnt, welches Drama folgen würde, wär ich daheim auf dem Sofa geblieben. Biscuit brachte einen Ball ohne Probleme, beim zweiten schicken fragte sie bereits. Ich starrte unbeteiligt auf den Boden und nach einer Weile suchte Biscuit weiter, fand und lieferte ab. Jubeltrubelheiterkeit! Such! Keksi hoppelte ins Suchengebiet und man konnte deutlich sehen, dass sie nach wenigen Metern bereits aufgab. Sie drehte noch eine halbherzige Runde, stoppte und sah zu mir. Ich studierte erneut den Boden zu meinen Füßen (Oh guck, ne Ameise…). Biscuit starrte weiter in meine Richtung. Ich gönnte meinen Augen etwas Abwechslung und betrachtete den Himmel (Verdammt ist das kalt, wo ist dieses gelbe runde Ding, wenn man es braucht…). Biscuit setzte sich. Ich zückte mein Handy (Shit, kein Internet…). Nach etwa 15 Minuten hatte ich die Faxen dick und holte Keksi im Suchengebiet ab :blueeyes:

Konkurrenz belebt angeblich das Geschäft. Ich nahm beide Mädels ins Fuß und schickte Muffin. Die kam kurz darauf mit einem Ball wieder. Sehr schön. Nun wieder Biscuit. Kein Erfolg. Fragespielchen siehe oben. Wieder holte ich sie im Suchengebiet ab. Nochmal Muffin – kein Thema. Biscuit – Fehlanzeige. Ich stapfte ins Suchengebiet und füllte wieder auf 10 Bälle auf. Biscuit – erster Versuch ok, zweiter Versuch – nix war´s (Himmelarschundwolkenbruch, das darf doch echt nicht wahr sein). Ich setzte Biscuit neu an. Diesmal ging sie erst gar nicht raus, was mir deutlich zeigte: Anke, du hast es vermasselt! Aber so richtig! Ich schwankte zwischen „Wie doof bin ich eigentlich, dass ich es soweit kommen ließ“ und „Warum tu ich mir den Scheiß überhaupt an, wenn ich stattdessen einfach spazieren gehen könnte“ :schrei:

Dementsprechend vorsichtig war ich mit meinen Erwartungen für das Gruppentraining am Sonntag. André überraschte uns zu Beginn mit einer netten Basic-Übung zum Halten/zur Abgabe. Wir sollten die Hunde mit Dummy im Maul absetzen, uns ein paar Meter entfernen und dann abrufen. Zunächst alleine, dann an den anderen Hunden vorbei. Separat war die Übung kein Problem. Als es jedoch an den anderen Teams vorbeigehen sollte, wollte Biscuit das Dummy partout nicht in der Schnute behalten, wenn ich mich entfernte. Ich nahm sie ins Fuß und wir gingen gemeinsam an den anderen Hunden vorbei. Zur Abgabe gab´s nur einen Kritikpunkt: ich nehme es ihr immer noch zu hektisch ab.

Es folgte eine Kombi-Aufgabe. Startpunkt war bei Nr. 1, wo der Hundeführer zunächst mit dem Hund ein Dummy auslegte. Danach ging es angeleint weiter zu Punkt 2, dort wurde der Hund abgeleint und es fiel eine Markierung. Frei bei Fuß weiter zu Punkt 3, von dort aus wurde auf die Markierung geschickt. Anschließend sollte der Hund von Punkt 3 zu Punkt 1 auf das ausgelegte Dummy vorangeschickt werden.

Mark

Jedes Team absolvierte die Aufgabe 2x. Im ersten Durchgang fiel die Markierung links von uns auf die platte Wiese, im zweiten Durchgang rechts von uns in höheren Bewuchs. Die „geplante“ Schwierigkeit bei dieser Aufgabe war der weiße Markierstab bei Punkt 2, an dem die Hunde vorbeigeschickt werden sollten.

Keksi, 1. Durchgang: Wie erwartet hatte sie die Markierung überhaupt nicht auf dem Schirm; ich holte sie zurück, die Markierung wurde nochmal geworfen, danach sollte ich vor dem schicken ein paar Meter weg- und wieder hingehen; Biscuit rennt los… und hat keinen Plan; zurückgeholt, nochmal geworfen, diesmal direkt gearbeitet. Beim voranschicken fiel mir sofort ein, was ich schon längst hätte trainieren sollen -> das vorbeischicken an weißen Markierstäben; Biscuit strauchelte am Markierstab, ich stoppte sie und schickte sie back. Mööööööp. Biscuit wollte den Markierstab partout nicht sich selbst überlassen. Zurückgeholt, ein Helfer hob das Dummy nochmal auf, voran – klappt!

Keksi, 2. Durchgang: Die Markierung ging beim ersten mal wieder in die Hose. Ich hatte sie zwar diesmal an Punkt 2 länger schauen lassen (21, 22, 23…), stand dann aber bei Punkt 3 sowas von schepps und falsch, dass es eigentlich nur schiefgehen konnte. Biscuit reingeholt, Markierung fiel erneut, Biscuit weggedreht, weggelaufen, zurückgelaufen, „Apport“, Punktlandung! Tschakka! Das voranschicken war tadellos, der Markierstab wurde ignoriert.

Für die Fußarbeit bekamen wir ein dickes Lob. Oléolé, es ist noch nicht alles verloren! :girl299:

Es ging weiter mit Markierungen „mal anders“. Wir waren vier Teams und stellten uns in einem Quadrat auf. André sagte jeweils an, wer werfen und welcher Hund die Markierung arbeiten sollte. Das hat Biscuit richtig klasse gemacht, sie war steady und hatte gut markiert. Am Ende gab es einen kleinen „Einspring-Tumult“, bei dem sie brav sitzen blieb. Darüber hatte ich mich so sehr gefreut, dass ich ihr eine Leberwurstbelohnung gönnte und uns beide aus dem Geschehen ausklinkte. Ich hatte außerdem fest damit gerechnet, dass die Markierung von einem der eingesprungenen Hunde geholt wurde. Doch stattdessen: „Anke!?“ Öhm, huch… Mir war klar, dass ich die Fallstelle erfolgreich durch den Wurstschnuller von Biscuits Festplatte gelöscht hatte. Ich versuchte es mit voranschicken, aber der Leberwurstus-Interruptus war zu heftig gewesen.

Letzte Aufgabe war eine Suche, bei der sich Biscuit einigermaßen gut geschlagen hatte – im Vergleich zum Vortag. Es lagen nur zwei Stücke und eins davon hab ich bekommen. Damit war ich mehr als zufrieden. Eins ist besser als keins! :rechne:

Nach dem Training standen wir noch alle zusammen und ich klagte mein Leid vom Samstag. Inzwischen war mir klar, dass Biscuits letzte Suche bei der Dummy A im September 2012 gewesen war und ich seitdem die Suche nicht mehr trainiert hatte. Traurig, aber wahr. Daraufhin meinte Steffi ganz trocken „Ich trainier das suchen immer beim spazierengehen, wenn ich zu nix anderem Bock habe.“ DING-DING-DING, danke Steffi!!! Damit hast du mir unbewusst den besten Tipp aller Zeiten gegeben! :friends3:

Anstatt einen mega Bohei zu machen, sind wir heute nachmittag spazieren gegangen. Im Gepäck hatte ich 5 Bälle und die Ballschleuder. Wir legten während des Spaziergangs mehrere kleine Zwischenstopps ein, in denen ich entweder die Bälle versteckte oder Markierungen per Ballschleuder warf. Ergebnis: Biscuit hat kein einziges mal gefragt und jede Suche und jede Markierung konzentriert und ausdauernd gearbeitet.

Uff, ich hab es scheinbar doch noch nicht völlig versaut. Ich werde das suchen jetzt vermehrt beim spazieren gehen einbauen, um nicht schon von vornherein allzu großen Druck aufzubauen. Oberstes Ziel ist es nun, Biscuit die Freude und das Selbstvertrauen beim suchen wiederzugeben – ohne ständig unter der Fuchtel ihres unfähigen Frauchens zu stehen.

Freiheit für den Keks! :1dafuer:

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Kategorien: Training | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Freiheit für den Keks!

  1. Manchmal hat man so Tage…. Ich kenn das! Hab mit Fiene mal nen Suchentraining an einem ihrer „Gehirnwäschetage“ gemacht … Da machste nix 😦
    Mit Spaß und Freude klappts am Besten und die „auf dem Spaziergang“ Strategie verwende ich fast täglich. Allerdings sind die Einheiten wirklich so klein, dass es sich fast nicht lohnt darüber zu schreiben bzw. eine Grafik zu basteln…. Wirst sehen, alles wird gut!

  2. Pingback: Drama, Baby, Drama! | Mufflon & Killerkeks

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