Bavarian Lions Cup 2013 (A)

Es ist geschafft! Wir haben unseren ersten A-Workingtest überstanden. Nicht zu verwechseln mit „bestanden“, denn das hat leider nicht sein sollen. Trotzdem war es ein tolles Wochenende!

Esther und ich hatten uns bereits für Samstag als Helfer für die F/O gemeldet und einen anstrengenden aber interessanten Tag verbracht. Ich war bei beiden Klassen für das Auslegen der Blinds zuständig. An sich keine besonders aufregende Tätigkeit, aber ein hochinteressanter Blickwinkel! Es ist erstaunlich wie unterschiedlich die Perspektiven sind und was man dadurch als Hundeführer unbewusst für einen Blödsinn verzapft. Interessant war auch das Handling und die „Ausstattung“ der HF. Die meisten hatten weiße Ärmel, aber es gab auch Leute die beim einweisen nur ein Taschentuch oder eine helle Kappe in der Hand hielten. Mein Fazit: weiße Ärmel sind unschlagbar!

(Wir HF sollten uns im Training mal gegenseitig auf Blinds einweisen. Stell ich mir sehr spannend vor und bringt sicher einige Aha-Effekte.)

Durch den langen Tag war ich am Abend so platt, dass ich sofort in komatösen Schlaf gefallen bin. Zum ersten mal seit Tagen blieb mir das allabendliche Kopfkino erspart, welches alle möglichen Aufgabenstellungen und Szenarien beinhaltet hatte. Total bekloppt, aber ich kam nicht dagegen an. Umso erstaunter war ich, dass ich am Sonntag morgen zunächst relativ entspannt war. Damit war allerdings Schluss, sobald mein Auto die heimatlichen Gefilde verlassen hatte. Mit jedem Kilometer wuchs meine Aufregung. Bleifuß sei Dank kamen wir vieeeeeeel zu früh im Gelände an; außer uns noch kein Mensch zu sehen. Scherzkeks Esther kommentierte meinen Blick mit „Nanu, keiner da? Ist das heute vielleicht woanders?“. Kurze Panik in meinem Gesicht, quittiert von schallendem Gelächter. Kröte!!!

Nach und nach trudelte auch der Rest ein, ich meldete uns an und nahm unsere Startnummer in Empfang:

A15

Keksi war supergummigut gelaunt und nach einem Jägermeister (Grüßle an Ina und Steffi!) ging es mir auch wieder besser. Begrüßung, Gruppeneinteilung und los! Meine Gruppe startete bei…

Aufgabe 3 – William Rostron (GB):

Zunächst fiel eine Markierung in eine Waldschneise (Flugbahn kurz und hoch/Fallstelle nicht gut sichtbar); während der Hund auf dem Rückweg war, wurde ein Dummy nachgelegt; anschließend sollte der Hund auf das ausgelegte Dummy vorangeschickt werden.

3a

Gelände aus Hundesicht

3b

Unsere erste Aufgabe und gleich ein Herzkasper-Moment. Nachdem die Markierung gefallen war, erteilte der Richter die Freigabe mit „Ok, send your dog.“ Als ich das „Ok“ hörte, rutschte mir das Herz in die Hosentasche und ich schwor mir zum drölfmillionstenmal, dass ich beim nächsten Hund ganz sicher ein anderes Freigabekommando wählen werde! Biscuit plumpste reflexartig in die Raketenabschuss-Liegestützen-Position, wartete aber doch noch mein „Apport“ ab. Uff, meine Nerven… Raus, rein, Abgabe, einparken lassen. Ausrichten, konzentrieren, „voran“, Suchenpfiff, gepickt, rein, Abgabe, fertig.

→ 20 Punkte

Augabe 4 – Sara Raynor (GB):

Es lagen 6 Dummies in einem relativ kleinen Suchengebiet aus; zwei Dummies sollten geholt werden; wenn man wollte, durfte man mit dem Hund gemeinsam durch das Suchengebiet gehen.

4a

Als ich in der Wartezone von der Aufgabe erfuhr, war mein erster Gedanke „Tauschgefahr!?!?“ Wie ich jedoch von den anderen mitbekam, waren die Dummies gut versteckt. Prompt folgte der nächste Gedanke „Hoffentlich wird das keine Fragestunde…“ Ich überlegte hin und her, ob ich mit ins Suchengebiet gehen sollte. Da ich aber befürchtete, Biscuit damit zu verunsichern, entschied mich zunächst dagegen.

„Such!“ und weg war das Keksi. Vollkommen merkbefreit semmelte sie los und hinten aus dem Suchengebiet raus. Dort entdeckte sie Tamara, die als Helferin bei dieser Aufgabe fungierte. „Hey, dich kenn ich doch! *freu*“ Ich wartete noch kurz, ob sie von selbst wieder einscheren würde, bevor ich letztlich doch einen Hierpfiff absetzte. Nachdem ich sie wieder im Gebiet hatte, blieb sie dort auch, war allerdings immer noch etwas zu hektisch. Bewegungsdrang frisst Hirn. Erst nach ein paar mal hin- und herhechten bekam sie was in die Nase und arbeitete sich endlich ordentlich durch den Bewuchs. Dummy Nr. 1 nach gefühlten Ewigkeiten endlich zuhause.

Mit ihr zusammen reinlaufen hielt ich immer noch für keine gute Idee. Da ich ihr aber ein bisschen den Schwung nehmen wollte, schickte ich sie nur sehr bedächtig und vermied jeglichen Spannungsaufbau. Trotzdem rauschte sie erneut mit wehenden Öhrchen ab durch die Mitte und raus aus dem Suchengebiet. Planänderung. Ich pfiff sie zurück und kam ihr im Suchengebiet entgegen, um mit ihr gemeinsam durchzugehen. So schaffte sie es tatsächlich, das Gebiet zu halten und kleinräumiger zu bleiben. Hinter einem querliegenden Baumstamm grub sie schließlich Dummy Nr. 2 aus. Mir war klar, dass unsere Darbietung in keinster Weise dem entsprochen hatte, was die Richterin sehen wollte

→ 14 Punkte

Diese Aufgabe zeigte wieder einmal deutlich, dass ich die Suche bisher falsch trainiert habe. Biscuit ist es gewöhnt, erstmal Stoff zu geben bis sie etwas in die Nase bekommt. Ein System steckt nicht dahinter. Nach dem Frage-Desaster der letzten Wochen würd ich mir diese 14 Punkte trotzdem am liebsten vergolden, einrahmen und über´s Bett hängen. Ich bin soooo froh, dass wir unsere Such-Blockade scheinbar überwunden haben. Der Rest ist Trainingssache.

Aufgabe 5 – Barbara Kuen (GB)

Man ging auf dem Weg einige Meter frei bei Fuß bis zu einer gekennzeichneten Stelle; dort angekommen fiel eine Markierung über den Weg auf die andere Seite; Fallstelle nicht sichtig.

5a

Da es sich bei Aufgabe 4 leicht staute, war an Aufgabe 5 freie Bahn. Wir kamen etwas gehetzt bei dieser Aufgabe an, bekamen aber 5 Minuten Verschnaufspause. Biscuit hechelte nach dem herumgerenne in der Suche wie eine Dampflok und ich hörte mich wahrscheinlich auch nicht besser an.

Die Fußarbeit war klasse und der Apport reine Formsache. Biscuit hatte immer noch genug Energie, um mir beim durchstarten den halben Waldboden ins Gesicht zu schaufeln. Sie verschwand auf Höhe der Fallstelle und ich rechnete damit, dass sie gleich zurückkommen würde. Stattdessen tauchte sie ein kleines Stück zu weit rechts auf einem Hügelchen auf, hielt kurz die Nase in den Wind und verschwand wieder. Zwei Sekunden später war sie mit Dummy auf dem Rückweg. Die Richterin strahlte über beide Ohren „It´s so nice to see a speedy chocolate Lab. We don´t have such chocolate Labs in England. She´s lovely! Very well done!“ Dafür hätt ich sie glatt knutschen können.

→ 19 Punkte

Aufgabe 1 – Betty Schwieren (D)

Einige Schritte frei bei Fuß, den Hund in Richtung Wasser eindrehen; Wassermarkierung.

1a

1b

Die rote Linie kennzeichnet Biscuits Weg und meine Blödheit. Ich hatte mir im Vorfeld nur Gedanken darüber gemacht, ob sie nach einem halben Jahr ohne Wassertraining den Rückweg noch ohne Schütteln schaffen würde. Darüber hatte ich das offensichtlichste übersehen: den Einstieg. Da ich sie nur lapidar mit „Apport“ geschickt hatte, suchte sie sich den kürzesten Landweg zum Dummy. Was man auf den Bild nicht erkennt – das rechte Ufer war durch einen Bachlauf unterbrochen. Irgendwo auf dem Weg (ich tippe auf den Bachlauf), verlor Biscuit die Orientierung und platschte letztendlich auf Verdacht ins Wasser.

Sie paddelte immer weiter in die Seemitte und es war klar, dass ich etwas unternehmen musste. Ich hatte Biscuit noch nie im Wasser eingewiesen, aber irgendwann ist immer das erste mal und ich war froh, dass ich an die weißen Ärmel gedacht hatte. Stopp-Pfiff … Biscuit sah zu mir … rechter Arm raus „rüber“. Keksi drehte wie befohlen um 90° und paddelte direkt auf das Dummy zu.

1c

Sie nahm den kürzesten Weg zum Ufer, musste erneut durch den Bachlauf und war schon fast bei mir, als sie das Dummy fallen ließ und sich schüttelte. Ich sah den Gaga-Wasser-Blick in ihren Augen, dem normalerweise unweigerlich die irren 5 Minuten folgen, und gab schnell das Apport-Kommando. Biscuit tat wie befohlen, kam einen Meter näher, spuckte aus und schüttelte sich. Danach nahm sie es selbständig wieder auf, kam noch einen Schritt näher und spuckte es mir vor die Füße. Kurz vor´m Scheißhaus zamgebrochen…

Betty nahm sich netterweise die Zeit, die Aufgabe mit mir nochmal durchzusprechen. Sie lobte unsere Fußarbeit „Absolut top!“ meinte aber, dass ich künftig auf Wassermarkierungen ausschließlich voranschicken sollte „Damit würdest du diesem Hund sehr helfen“. Sie hätte das erste und zweite Ausspucken sogar noch durchgehen lassen, aber das dritte war zuviel.

→ 0 Punkte

Die 0 geht für mich völlig in Ordnung, es war sowieso von Anfang an der Wurm drin. Außerdem freute ich mich so sehr darüber, dass mein mini-einweisen funktioniert hatte, dass mir der Rest völlig wurscht war. Ich weiß jetzt, woran wir künftig arbeiten müssen. Aus Fehlern lernt man bekanntlich am besten.

Aufgabe 2 – Rita Kökény (HU)

Doppelmarkierung Land/Wasser; zuerst fiel die Markierung im Wald, danach 90° rechts von uns die Markierung ins Wasser; man durfte selbst entscheiden, welche Markierung zuerst geholt wird.

2a

2b

Schon als ich in der Wartezone zu Aufgabe 4 davon gehört hatte, dachte ich mir „Zuerst Land, an das Wassermark erinnert sie sich danach auf jeden Fall noch“. Unterwegs traf ich Ina, die meinen Plan nochmal bestätigte. Als ich in der Aufgabe stand, gab es sowieso keinen Zweifel mehr. Die Fallstelle im Wasser konnte man eh nicht sehen, also warum das Risiko eingehen, dass Biscuit die Fallstelle im Wald vergisst? An das „platsch“ erinnert sie sich sicher noch wochenlang

Wir standen mit Blickrichtung zum Wald und ich blieb auch so stehen, als das Wassermark fiel. Ich nahm das rechte Bein nach vorne, um Biscuit den Weg zum Wasser zu blockieren und zeigte mit der rechten Hand in Richtung Landmark. „Apport!“ Ich bin ehrlich – es war eine 50/50 Chance, dass Biscuit tatsächlich zum Wald geht und nicht doch lieber ins Wasser entschwindet. Äußerlich war sie voll auf Wald konzentriert – aber wer Biscuit kennt… Meisterin im Tarnen & Täuschen. Doch nicht am Sonntag. Sie brezelte in den Wald, fand auf den Punkt und brezelte wieder zurück. Abgabe, einparken, ausrichten, „Apport“. Sie verschwand hinter dem Wall, ich hörte es platschen und da war sie auch schon wieder. Ich grabschte hektisch nach dem Dummy, damit es nicht auf dem Boden landete. Geschafft. Es entwickelte sich eine sehr nette Unterhaltung mit Rita Kökény, die mit „You have to train the delivery, but she did a great Job!“ endete

→ 20 Punkte

Überglücklich wackelten das Keksi und ich wieder zurück zum Sammelpunkt und gingen zum gemütlichen Teil über. Es wurde viel gequatscht und gelacht. Der perfekte Abschluss eines schönen Tages, für den ich mich hiermit bei der Sonderleitung, den Richtern und Helfern ganz herzlich bedanken möchte! Es war klasse!

Nach der Siegerehrung ergatterte ich schnell die Ergebnisliste:

BLC1BLC2

Zufrieden und stolz war ich vorher schon, aber nachdem ich unsere Punkte sah, entwickelte ich ein grenzdebiles Rundumgrinsen. Wir haben uns richtig gut geschlagen! Erstaunlich fand ich vor allem, wie gut Biscuit am Sonntag markiert hatte. Nix Brille, nix Fielmann.

Natürlich sind noch viele Dinge verbesserungswürdig bzw. tagesformabhängig und die Aufgaben waren (im Vergleich zu dem was man von anderen WTs liest) eher einfach gestrickt, aber für den Moment werden wir uns trotzdem erstmal ein paar Tage auf unseren „Lorbeeren“ ausruhen.

Ich bin soooooo stolz auf mein Keksi

Advertisements
Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 7 Kommentare

Beitragsnavigation

7 Gedanken zu „Bavarian Lions Cup 2013 (A)

  1. Applaus, Applaus, Applaus !!!!!! Ich bin soooooooooo stolz auf euch!!!! Wirst sehen, beim nächsten Mal klappts mit dem bestehen ihr seid so toll zusammen und ich freue mich wie ein Riesenschnitzel für euch
    Stell dir hier einfach den „OMG Smilie vor !!!“
    Viele liebe Grüße
    Ivonne und die Schwarznasen

  2. Respekt! Aber ich habs ja schon gesagt, das Keks und natürlich auch Du haben nen Sprung gemacht. Und beim nächsten Mal klappt dass dann ohne Nullrunde. Bin auf den Livebericht am Do. gespannt.

  3. Ein toller, toller Einstand; auch hier noch einmal herzlichen Glückwunsch! Die Nullrunde ist da doch wirklich Nebensache!!!

  4. Das habt ihr SUUUUPER gemacht! Und das nächste Mal klappt es ganz sicher!!!
    Oh Anke 🙂 Beim Durchlesen hab ich grad Tränen gelacht!

  5. Claudia & Emma

    Vielen lieben Dank für diesen tollen und wieder einzigartigen Bericht! Ist doch super gelaufen für Euch!! Glückwunsch, bis auf das „mini-kleine Missverständis“ ein klasse Ergebnis!!

  6. Mareile&Freyja

    Hallo Anke, nachträglich alles Gute zur bestandenen Dummy A Prüfung!! Und das tolle Ergebnis beim Workingtest!! Danke für den schönen ausführlichen Bericht. Jetzt habe ich fast das Gefühl ich wäre dabei gewesen (wir hatten uns auch angemeldet und dann aus Termingründen wieder abgemeldet). Ich freue mich schon auf Eure nächsten Abenteuer……

  7. Vielen Dank euch allen für die lieben Kommentare 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: