Biscuit der Tarn-Keks

„Ich such mir ein anderes Hobby“ und „Solange es regnet steig ich nicht aus dem Auto“. Diese beiden Sätze wiederholte ich am Samstag mehrmals, bevor ich mich letztendlich doch bei 5°C und Nieselregen im Wald wiederfand: Trainingstag mit André.

Zum eingrooven gab es zunächst drei Basic-Übungen:

► Fußarbeit: In 2er-Teams ging es kreuz und quer durch den Wald. Ab und an flog ein Dummy, welches wir HF selbst einsammelten. Hat das Keksi fein gemacht.

► Anti-Tausch-Übung: Mehrere Dummies lagen dicht beieinander; Hundi sollte mit allen (positiven) Mitteln vom tauschen abgehalten und zum sofortigen Zurückkommen animiert werden. Hat das Keksi nicht ganz so fein gemacht. Biscuit hat inzwischen verstanden „wenn ich eins in der Schnute habe, darf ich es nicht gegen ein anderes tauschen“. So weit, so gut. Leider geht sie nun „shoppen“, d.h. sie schnuffelt in Windeseile alle verfügbaren Dummies ab, bevor sie sich für eines entscheidet. Lernziel verfehlt würd ich sagen.

► Halteübung: Hund absetzen, Dummy in die Schnute, weggehen, ranrufen. Nicht gerade unsere Paradedisziplin. Biscuit kann ein Dummy superschön festhalten – solange sie dabei in Bewegung ist. Wenn sie sitzt und ich gebe es ihr… steht sie auf. Sag ich ihr, dass sie sich setzen soll, setzt sie sich… und lässt das Dummy fallen. Irgendwo muss sie einen Schalter im Allerwertesten haben, der bei Bodenkontakt den Schnabel aufklappen lässt. Bisher konnte ich nicht herausfinden, wie man diesen mechanischen Vorgang umgehen könnte – aber ich bleib dran!

Als nächstes standen Verleitungen auf dem Stundenplan. Die Hunde wurden auf gemeinsam ausgelegte Dummies vorangeschickt; im ersten Durchgang fiel die Verleitung wenn der Hund auf dem Rückweg war, im zweiten Durchgang schon auf dem Hinweg. Die Verleitung fiel etwa auf der Hälfte der Voranstrecke im 90°-Winkel wegwärts. Da Biscuit sich sehr gerne verleiten lässt, hatte ich beim ersten Durchgang sofort den Tennisball gezückt – mit Erfolg! Sie registrierte die Verleitung, kam aber straight zurück. Nun nützt der Ball aber nix, wenn die Verleitung auf dem Hinweg fällt. Die Spannung stieg… „voran“ → ab der Keks. „Brrrt“ → Verleitung fiel. Biscuit drosselte das Tempo, sah einige Sekunden nach links. Ich hatte die Pfeife schon im Anschlag um sie ggf. ins Stopp zu pfeifen und back zu schicken, aber… Biscuit nahm wieder an Fahrt auf, ging weiter voran und brachte das gewünschte Dummy. Coole Sache!

Was dann kam, war ein typisches Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Blickwinkel aus Führer- und Helferposition sind. Biscuit durfte die Verleitung holen, rannte allerdings nicht direkt zur Fallstelle, sondern ging erst ein Stück der Voranstrecke und bog dann zur Verleitung ab. Für MICH sah es so aus, als würde sie auf Höhe des Helfers abbiegen. Ich unterstellte ihr, dass sie nicht markiert hatte, sondern sich am Helfer orientierte und nur zufällig eine Punktlandung hinlegte. Das Helferlein und André waren anderer Meinung; laut deren Aussage würdigte Biscuit den Helfer keines Blickes und hatte perfekt markiert. Erst später kam mir der Geistesblitz: Biscuit ist nicht auf Höhe des Helfers abgebogen, sondern an der Stelle, von der sie die Verleitung markiert hatte. Gar nicht doof! Ich gelobe hiermit feierlich, mein Hündchen nie wieder als „Blondie“ zu bezeichnen

Es folgte eine weitere Übung, bei der wir im 2er-Team die Hunde von drei unterschiedlichen Stellen auf einen Punkt voranschickten. Wir bildeten ein Team mit Ina und ihrem Glückskeks Eden. Sozusagen Team „Keks/Glückskeks“. Der 1. Durchgang war – abgesehen von einer kleinen „Shoppingtour“ – kein Thema, weil wir von dort beim auslegen zugesehen hatten. Im 2. Durchgang veränderten wir den Winkel und die Hunde mussten zusätzlich blind über eine Kuppe. Hier hatte Biscuit ihre Problemchen, weshalb zunächst Eden geschickt wurde. Anschließend meisterte auch Biscuit den Blindflug über die Kuppe. Im 3. Durchgang behielten wir den Winkel bei und vergrößerten stattdessen die Entfernung. Das klappte wieder anstandslos.

Die nächste Aufgabe bestand darin, die Hunde über die Fallstellen einer Markierung voranzuschicken. Wieder im 2er-Team sollte zuerst der eine Hund die Markierung arbeiten und anschließend der andere Hund vorangeschickt werden. Die Markierung fiel in die Senke, in die wir vorher bereits vorangeschickt hatten und die ausgelegten Dummies befanden sich am gegenüberliegenden Hang.

aus der Nähe geknipst

1

und so war der HF-Blickwinkel vom Startpunkt aus, d.h. der Werfer war nicht mehr zu sehen

2

Es gab zunächst einen Probewurf. Konnten die Hunde die Flugbahn der Markierung überhaupt sehen? Anke aus voller Überzeugung: „Klar, wenn ich was gesehen habe, dann doch Biscuit erst recht?!“ Manchmal hab ich leider solche Ausfallerscheinungen. André brachte sein Bedauern zum Ausdruck „Tut mir leid, Biscuit, ich geb Frauchen nochmal Nachhilfe.“ Als ob das was nützen würde…

Fakt 1: Die Markierung war überhaupt kein Problem. Fakt 2: Ich hatte mich noch nicht genug blamiert. Nachdem Biscuit auf der gegenüberliegenden Hangseite in der Nähe des ausgelegten Dummies ankam, drehte sie erstmal hohl. Sie zischte in Schlangenlinien durch das Gelände und man sah deutlich, dass sie irgendwas spannendes in der Nase hatte. Mein Stopp-Pfiff wurde ignoriert, also schmiss ich ein „SITZ“ hinterher. Patsch, Keks saß. Geht doch! Ich wandte kurz den Blick ab, um meine weißen Ärmel unter der Jacke auszugraben, sah wieder zurück und… fand sie nicht mehr. „Ööööööh, wo ist mein Hund?“ „Na da hinter dem Baum.“ „Hinter welchem?“  Mit Hilfe von André und Ina fand ich den Tarn-Keks wieder und schickte nach rechts weiter. Die Sitzpause schien dem Kekschen gut getan zu haben, diesmal bekam ich das Dummy ohne weitere Gaga-Ausflüge.

Weiter ging es mit einem Walk-Up. André ging mit jeweils zwei Teams voraus, die restlichen Teams gingen in der Line hinterher. Biscuit markierte fast durchgehend sehr gut. Als wir jedoch an der Reihe waren, um ein Blind zu arbeiten, hab ich es ordentlich verbockt. Mein „voran“ nahm Biscuit perfekt an, leider gab ich viel zu früh den Suchenpfiff und mußte sie zurückholen, weil ich sie nicht weiterhandeln konnte. Zudem hatte ich wieder meine Schwierigkeiten mit Biscuits Tarnkappe. Brauner Hund zwischen vielenvielenvielen braunen Baumstämmen ist nix für mich. Beim nächsten mal bind ich ihr ein Blaulicht auf den Kopf. In unserem letzten Durchgang machte ich meinen Fehler wieder gut. Biscuit hatte die Markierung nicht fallen sehen, also schickte ich sie voran, gab den Suchenpfiff diesmal an der richtigen Stelle – und sie fand! Jubeljubel, das war wichtig!

Zum Abschluss wagten wir uns ans Wasser. Aufgabe war (wie schon beim Bavarian Lions Cup letztes Wochenende) eine Doppelmarkierung Land/Wasser. Winkel etwas mehr als 90°, Landmark fiel aufs offene Feld, Wassermark fiel am gegenüberliegenden Seeufer ins Schilf. Erst Land, dann Wasser. Die Landmarkierung hatte Biscuit sofort. Allerdings hatte sie es eilig, ins Wasser zu kommen. Fast wäre sie mit dem Dummy an mir vorbeigezwitschert und direkt baden gegangen. Da ich ihr das auf dem Rückweg aber schon an der Nasenspitze angesehen hatte, konnte ich rechtzeitig Veto einlegen. Noch den Rat vom vergangenen Wochenende im Ohr, wollte ich Biscuit ins Wasser voranschicken. 3x voran, 3x wieder zurückgeholt, weil Biscuit trotzdem einen anderen Einstieg 2m weiter nehmen wollte. Ich musste einsehen, dass ich in der Situation so nicht weiterkam und ließ sie selbst entscheiden. Das Dummy war schnell aus dem Schilf gesammelt und ich stand bereits mit Tennisball bereit → meine Anti-Schüttel-Geheimwaffe. Keksi tauschte fix nasses Dummy gegen Tennisball und schüttelte sich erst danach. O-Ton André: „Am stolzesten bin ich auf dich und deine Koordination mit Dummy und Ball!“ Ohja, mit Grauen denke ich an letztes Jahr zurück… wie schön, dass auch ich mich weiterentwickelt habe

Last but not least gab es noch eine Einheit zum Stopp-Pfiff im Wasser. André warf eine Wassermarkierung, die Hunde sollten geschickt und auf halbem Weg ins Stopp gepfiffen werden. Biscuit reagierte sofort auf den Pfiff, paddelte herum und bekam ein Belohnungsdummy von mir. Danach sollten wir die Hunde noch zur Markierung durchschicken, aber Biscuit hatte sie nicht mehr auf dem Schirm und André musste mit einem Steinchen nachhelfen.

Mein Fazit des Tages: Wir müssen dringend mehr am Wasser trainieren, vor allem das voranschicken über´s Wasser. Ich werde berichten!

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Kategorien: Training | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Biscuit der Tarn-Keks

  1. Super schöner Trainingsbericht! Wieder auch was für uns dabei *Team Aufgabe Markierung auf dem Voranweg* … das gefällt mir 🙂

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