Trainingswochenende „Hormonella-Style“

Freitag nachmittag, hektisches Gewusel in Unterfranken. Ich hatte Esther und Max abgeholt, um ins 430 km entfernte Hessisch-Oldendorf bei Susi einzufallen. Doch zunächst mal fiel das Gepäck über meinen Caddy her.

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Wichtigste Fracht: der Kuchen!

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Nachdem alles mehr oder weniger fachgerecht verstaut war, schipperten wir gen Niedersachsen und kamen nach einer reichlich nervigen Fahrt in unserer Ferienwohnung an.

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Samstag morgen um 10 Uhr starteten wir bei strahlendem Sonnenschein mit dem Training:

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Gemeinsam mit Hund gingen wir im Wald je zwei Dummies auswerfen…
(hinter dem Weg verlief ein kleiner Bach)

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…um die Hunde anschließend 1x nach oben voranzuschicken. Biscuit verschwand im Wald und war nicht mehr zu sehen. „Da siehste nix, du musst deinem Hund vertrauen.“ war Susis Reaktion auf meine verzweifelten Versuche einen Blick auf Biscuit zu erhaschen. Vertrauen. Hm. Da waren sie wieder, meine drei Probleme. Doch guck an – Keks kam ordnungsgemäß mit Dummy zurück.

Es wurde ein weiterer Vertrauenspunkt aufgebaut – inkl. Wassergrabenplansching und Heuballenhopping…

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Zuerst legten wir die Dummies auf die Heuballen, später wurden sie dahinter ausgelegt. Ziel der Übung war der direkte Weg durch den Graben über die Heuballen – und natürlich wieder zurück über die Heuballen und durch den Graben. Der Hinweg klappte auf Anhieb sehr gut. Beim Rückweg musste ich Biscuit zweimal auf dem falschen Weg abfangen, bevor sie den direkten Weg nahm.

Nachdem alle Hunde die Heuboller-Wassergymnastik absolviert hatten, wurde aus den beiden Vertrauenspunkten eine Teamaufgabe. Drei Teams standen in der Line. Für Team „Linksaußen“ wurde eine Markierung geworfen:

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Zuerst holte jedoch Team „Mitte“ ein Dummy aus dem Wald, anschließend Team „Rechtsaußen“ ein Dummy bei den Heuballen. Erst danach wurde Hund „Linksaußen“ zur Markierung geschickt. Nach jedem Durchgang wurden die Positionen getauscht, bis jedes Team alle drei Punkte abgearbeitet hatte.

Biscuit sollte mit dem Wald-Voran anfangen. Sie ging auch schnurstracks raus, wurde jedoch durch einen einspringenden Hund jäh unterbrochen. Biscuit stoppte verdutzt auf halbem Weg, also holte ich sie zurück. Nochmal geschickt, diesmal sprang ein anderer Hund ein. Wieder holte ich Biscuit zurück, die schon einen völlig verunsicherten Eindruck machte. Susi fragte mich „Meinst du sie geht nochmal?“, was ich bejahte. In ihrer normalen Tagesform wäre sie auch nochmal gegangen, aber die Hormone… Biscuit blockierte und hechelte sich einen Wolf. Ich brach ab und überließ unseren Platz einem anderen Team. So konnte Biscuit wieder runterkommen und nochmal zusehen, wie die anderen Hunde geschickt wurden.

Neuer Versuch: Wald – kein Problem. Heubollerhopping – kein Problem. Markierung – Fielmann? Alzheimer? Beides? Ok, die Markierung war alles andere als leicht, aber rechtfertigte trotzdem keinen Keks´schen Totalausfall. Die Markierung wurde nochmal geworfen. Biscuit hatte nicht aufgepasst. Nochmal. Wieder nix. Näher ran. Wieder nix. Noch näher ran. Nix. Als wir dem Helfer schon fast auf dem Schoß saßen, klingelte es im Schokohirn endlich *Oh, ein Dummy. Es fliegt. Gucken, merken, holen. Ich erinnere mich…*! Hier dämmerte mir zum ersten mal, dass es ein anstrengendes Wochenende werden würde

Nächster Tagesordnungspunkt war das seitlich schicken über die Heuballen. Aber nicht einfach so von der Wiese aus. Nein-nein. Wir sollten den Hund absetzen und nach hinten weg über einen weiteren zugewachsenen Graben gehen. Lost in Space bzw. Wildnis. Von dort sollten wir schicken.

Da ich leider das fotografieren von unserem Standpunkt vergessen habe, muss zur Verdeutlichung ein anderes Bild herhalten…

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Der Weg über den Graben war abenteuerlich und Aigle sei Dank blieben meine Füße trocken. Der Rest von mir eher nicht. Nachdem ich mich durchgekämpft hatte, reagierte Biscuit auf mein „rüber“ vollkommen verständnislos und hatte nur eins im Kopf: auf schnellstem Weg zu Muddi! Sie ließ sich von den anderen Teilnehmern ums verrecken nicht zum zurückkommen animieren, also blieb nur eins – Anke, do the Grabensliding again… *rutsch-platsch-kraxel*. Ich setzte Biscuit wieder ab, ging weg und vernahm ein „Anke?“. Susi machte mich darauf aufmerksam, dass Biscuit mir hinterhergeschlichen war. Umpf.

„Sitz!“ – umdreh, wegtrampel.
„Anke?“ – umdreh, Keks einsammel, zurück.
„Siiiiiiiiiiiitz!“ – umdreh, wegtrampel, in den Graben rutsch, an einem Büschel Brennessel festhalt
„Rüüüüüüber!“ – keine Reaktion, obwohl sich der Helfer hinter den Heuballen heiser-brrrtete. Biscuit ignorierte dezent jedes Hilfsangebot und machte sich auf den Weg zu mir.

Es half nix, Susi kommandierte mich zurück. Ich sollte Biscuit zunächst von einer Position vor dem Graben schicken. Doch selbst das erwies sich als Mammutaufgabe. Biscuit hatte das seitliche einweisen komplett aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Ebenso wie das Kommando „sitz“. Ich musste sie mehrmals wieder an den Ausgangspunkt zurücksetzen bis irgendwann ein Wunder geschah und sie endlich nach rechts ging. Hallelulja! Gleich nochmal. Wieder eine schwere Geburt, mehrmaliges nachschleichen, tapferes Ignorieren der Helfergeräusche. Endlich Erfolg. Nochmal. Diesmal ganz ok. Also nochmal – diesmal vom Standpunkt hinter dem Graben.

Biscuit blieb sitzen, ich überwand den Graben einigermaßen unversehrt und gerade als ich mich aufrichtete hörte ich das gefürchtete „Anke?“. Och nöööööööö, nicht schooooooon wieeeeeeder. Keksi wedelte mir von der anderen Grabenseite entgegen. Nun hatte ich wirklichwirklichwirklich keinen Bock mehr darauf, nochmal den Graben-Gnom zu spielen und hatte die rettende Idee. Wenn Biscuit sonst zwar nienicht mit „Fremden“ mitgeht → für einen Tennisball verkauft sie mich! Susi gelang es tatsächlich, den Keks mithilfe eines Tennisballs wieder an den Ausgangspunkt zu setzen und nach einiger Animation ging Biscuit diesmal „rüber“. Himmel*piep*undWolkenbruch, was für ein Drama!

Da man bei Susi niemals „leer“ läuft, sollten wir die Hunde als nächstes von unserem neuen Standpunkt hinter dem Graben auf den Vertrauenspunkt im Wald voranschicken. Biscuit ging über den ersten Graben und verlor auf der Wiese dahinter die Orientierung. Für diesen Fall war am nächsten Geländeübergang (Bach) ein Helfer positioniert und zusätzlich auch noch einer oben im Wald. Es wurde bei Bedarf mit Geräuschen geholfen. Blöd nur, wenn der Hund jegliche Hilfe weiterhin ignoriert. Ich krabbelte ein letztes mal durch den Graben, um Biscuit auf der anderen Seite beizustehen. Sie schaffte es in den Wald, fand dort ein Dummy, kam wieder raus – und musste kacken. Leider hatte sie während ihrer „Sitzung“ das Dummy vergessen und kam leer zurück. In einem letzten verzweifelten Versuch ging ich mit ihr Richtung Wald, der Helfer organisierte ein Dummy für uns und ich rannte schnell zum Ausgangspunkt zurück, um das Dummy dort entgegenzunehmen. Anke und Rennen… der aufmerksame Leser ahnt es bereits? Ich erreichte den Bach und rutsch-flutsch-platsch hatte ich einen nassen Hintern. Susi informierte pflichtbewusst die Teilnehmer, die noch hinter dem Graben standen und keine Sicht hatten „Anke liegt!!!“   Mittagspause!

Nach der Pause war es vorbei mit eitel Sonnenschein. Im wahrsten Sinne. Der Himmel öffnete seine Pforten und es begann zu regnen. Auf dem Stundenplan stand nun eine Kombi-Einweise-Übung. Der Hund wurde abgesetzt, HF entfernte sich. Hinter dem Hund (im Wald) waren Dummies ausgelegt. Zur Ablenkung wurde links vom Hund ein Dummy geworfen (in einen Graben) und rechts ebenfalls (in die Brennesseln). Zuerst back, später links/rechts, voran, inkl. stoppen etc.

Biscuit tat erstmal das was sie am besten kann, wenn sie es nicht soll: sitzen bleiben!
„Back!“ – *dumm guck*
„Back!“ – *blinzel*
„Back!“ – *in den Himmel starr*
Mit einigen Tricks und Hilfen bekam ich sie doch noch nach hinten. Anschließend wurde die Übung für uns vereinfacht. Keine Verleitungen, einfacher Aufbau. Kein stoppen. Nichts, was das Schokohirn in einen unlösbaren Konflikt bringen könnte. Es war trotzdem …. sagen wir mal …. insgesamt etwas schwierig

Besonderes Highlight waren die Brennesseln. Als ich sie dorthin eingewiesen hatte, wuselte sie mit Suchenpfiff noch einigermaßen anständig durchs Gestrüpp. Als sie von dort später eine Markierung holten sollte, ging sie zwar in die Brennesseln, aber das war´s auch. Neben „sitzenbleiben“ ist sie in „dumm rumstehen“ momentan ganz große Klasse → Hormonella-Style

Sie reckte den Rüssel in die Luft *schnupper* und sah mich an *ich find´s nicht*. Es folgte ein ständiger Wechsel zwischen *alibi-schnupper* und traurigem Blick *ich seh es nicht*. Wer Biscuit kennt, der weiß wie geprügelt sie gucken kann. Ich war fast versucht, sie aus diesen bösen Brennesseln zu tragen, auf Wolken zu betten und zu versprechen: „Armes Mäuschen, du musst nieeeee wieder sowas furchtbar schlimmes durchmachen!“ Nun gut, irgendwann hatte sie auch dieses Dummy und wir verzogen uns verschämt in die Wartezone.

An der nächsten Station stand eine 2er-Team-Aufgabe an. Es wurden Dummies im Wald ausgelegt, auf die wir die Hunde schräg über den Geländeübergang voranschicken sollten:

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Auf der anderen Wegseite fiel eine Markierung; zwischen uns und dem Helfer eine steile Schlucht; die Markierung wurde nach schräg oben in den Steilhang geworfen:

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Blick nach unten in den Wassergraben:

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Während wir in der Wartezone auf unseren Einsatz warteten, suchte ich nach Vorteilen des „Hormonella-Style“ und fand tatsächlich einen: „Immerhin muss ich mir heute keine Gedanken machen, dass sie einspringt.“ Zustimmendes Kopfnicken meiner Trainingskollegen (ich glaube, sie hatten Mitleid mit mir…). Man klammert sich an solchen Tagen an die dünnsten Strohhalme.

Wir bezogen Stellung. Die Markierung fiel und unser Teampartner sollte zunächst eins von den ausgelegten Dummies holen. Ich blieb mit Biscuit in Blickrichtung der Markierung stehen, um es ihr einfacher zu machen. Schokohirn kann sich momentan ja nix merken. Mein Teampartner drehte sich um, richtete seinen Hund aus und schickte „Voran!“. Schwuuuuuuuupps, weg war der Keks und verschwand im Abhang – begleitet von lautem Gelächter aus der Wartezone. Soviel zu meinem Strohhalm. Tüdeldü. Ich zischte ein überraschtes „Bissssssscuit“ und wenige Sekunden später tauchte mein schuldbewusstes Hündchen wieder bei mir auf.

Als sie (endlich) durchstarten durfte, nahm sie das Gelände tapfer an. Sie musste auf der gegenüberliegenden Hangseite ganz schön kraxeln. Oben angekommen dümpelte sie zunächst kurz beim Helfer herum *huch, wo bin ich hier?*, bis ihr einfiel *ach, der hatte das ja nach oben geworfen*. Sie prüfte ihre Erkenntnis, indem sie mit den Vorderpfoten auf den nächsten Hang stieg und die Nase in die Luft hielt *erstmal schnuffeln, ob es sich lohnt da hoch zu gehen*. Das Ergebnis fiel positiv aus und Keksi hangelte sich zum Dummy. Beim Rückweg kein zögern vor dem Abstieg – ich war tatsächlich stolz auf die Maus!

Lange hielt meine Euphorie nicht an, denn das voranschicken war unter aller Kanone. Voran = geh 3m geradeaus und tu dann was du willst? Ich meine, wir hätten das anders gelernt… kann aber natürlich auch sein, dass ich mich irre

Wir wanderten zur letzten Aufgabe des Tages:

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Trainingsziel hierbei wieder: der direkte Weg. Zuerst wurde eine Markierung geworfen; war der Hund auf dem Rückweg, wurde ein Dummy nachgelegt → voranschicken. Hier hatte Biscuit wohl einen hellen Moment. Sie absolvierte die Aufgabe tadelllos – und sogar noch mehr! Susi verlegte die Aufgabe nach uns kurzerhand ein Stück weiter nach rechts auf drei andere Wassergrabenschlaufen. Nachdem alle anderen die Aufgabe gelöst hatten, gingen wir wieder zurück nach links und sollten die Hunde über alle fünf Gräben voranschicken. Ich hatte mir vorher keine Gedanken darüber gemacht, das Biscuit an der hinteren Stelle ja noch gar nicht gewesen war und nur die beiden vorderen Gräben kannte. Aber → „Voran!“ → Biscuit ging. Suchenpfiff. Ich hörte „sie hat“ und pfiff sie zurück. Leider hatte sie noch nicht gefunden, und kam brav ohne Dummy zurück  Kein Wunder, dass sie mir nicht nochmal vertraute. Sie war absolut nicht dazu zu bewegen, die Strecke nochmal zu gehen. Shit happens. Ich ließ sie auf Susis Anweisung anschließend nochmal ein sichtiges Voran auf einem Weg arbeiten, um den Tag positiv zu beenden

Für den zweiten Tag war laut Wetterbericht „Sprühregen“ angesagt. Die Realität sah anders aus.

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Vom Himmel kam definitiv mehr Wasser, als aus dem Energiesparduschkopf der Ferienwohnung.
Biscuit schien das Wetter zu gefallen, sie machte einen wesentlich wacheren Eindruck als am Vortag.

Wir legten zunächst mit den Hunden je zwei Dummies an einem Baum aus:

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Wie sich herausstellte, war Biscuit ein bisschen zuuuuu wach und hatte ca. ein Kilo bunte Knete im Kopf. Ihr entwich doch tatsächlich auf mein „Voran“ ein Startlaut. Öhm. Kopfkratz. Startlaut beim Voranschicken? Ich hab inzwischen beschlossen, dass ich mir momentan keinen Kopf darüber mache. Wer weiß, welche Fehlschaltungen derzeit in diesem Gehirn vor sich gehen. Ich jedenfalls nicht… Abgesehen vom Startlaut hat sie toll gearbeitet. Das ließ hoffen!

Im zweiten Durchgang fiel zunächst eine Markierung auf halbem Weg in den Wassergraben. Anschließend mussten die Hunde über diese Fallstelle nochmal vorangeschickt werden. Die Markierung war bescheiden. Biscuit hatte schlecht markiert, schoss über die Fallstelle raus und benötigte Hilfe. Hier-Pfiff, Suchen-Pfiff, gefunden. Das anschließende Voran über die alte Fallstelle hat sie perfekt gearbeitet.

Ihre Nase schien wieder zu funktionieren, wie sich bei einer kleinen Suche herausstellte. Susi hatte Suchendummies im nassen Laub versteckt. Die Hunde sollten bei der Suche kleinräumig bleiben und notfalls immer wieder ins Suchengebiet zurückgeholt werden. Biscuit rüsselte auf mein „such-such“ sofort los und blieb von selbst im Gebiet. Hat sie wirklich klasse gemacht!

Wir wechselten das Gebiet und kamen nach einer Lektion „Fußarbeit durch große Pfützen“ hier an:

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In der Baumgruppe (D1) hatten wir Dummies ausgelegt. Richtig → zum voranschicken. Biscuit fetzte in fast gewohnt normalem Tempo raus, fand, kam zurück. Wow, ein Lichtblick. Ich entspannte mich, die Hälfte der Hormone hatte heute scheinbar frei genommen. Nein, hatten sie natürlich nicht… sie kamen nur zu spät zur Arbeit, wie sich bei der folgenden Aufgabe herausstellte

Wir gingen in gerade Linie ein ganzes Stück zurück durch eine weitere Baum-/Gestrüpp-Gruppe:

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Duch dieses Gestrüpp sollten die Hunde erneut auf D1 vorangehen. Im ersten Anlauf schaffte es Biscuit zwar durch das Gestrüpp, blieb aber ratlos an unserer alten Startposition hängen. Ich setzte nochmal neu an. Biscuit blieb im Gestrüpp hängen. Ich ging mit ihr ins Gestrüpp. Nix zu machen. Biscuit nahm die Richtung meiner Hand überhaupt nicht mehr an. Schicken impossible. Wir konnten diese Aufgabe nichtmal ansatzweise lösen.

Oder wie Heidi Klum sagen würde „Ich habe heute leider kein Bild für euch.“

Neue Aufgabe, neues Glück. Ich wurde mit Dummies ausgerüstet und ging diese gemeinsam mit Biscuit von einem neuen Startpunkt aus bei D1 auslegen. Zeitgleich legte jemand anderes Dummies an einem neuen Punkt D2 aus:

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Sackzement, was für ein Winkel… Die beiden Vorans wurden im 2er-Team gearbeitet. Biscuit und ich sahen erstmal zu, damit sie die anderen Hunde beobachten konnte. Als wir an der Reihe waren, schien sie D1 trotzdem schon wieder vergessen zu haben. Hmmmmm. Ich ging fünf Schritte nach vorn – und siehe da – es fiel ihr wieder ein. Zielsicher barg sie ein Dummy bei D1. Blieb noch D2. Beflügelt durch das vorherige Erfolgserlebnis ging sie die Hälfte der Strecke schnurgerade, kam aber dann ins stocken. Stopp-Pfiff → Keks saß. Arm hoch, Konzentration, durchatmen „Back“ → Keks wirbelte herum, brachte den restlichen Weg in einer schönen geraden Linie hinter sich und kam kurz danach mit Dummy wieder. Jubeltrubelheiterkeit! Anke stolz!

Susi schickte uns zum nächsten Punkt und wir legten erneut Dummies aus: auf zwei großen Heuballen (der bunte Fleck in der Nähe der Heuballen ist Tamaras pinke Dummyweste. Ich glaube, das Ding leuchtet auch im Dunkeln…)

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Über die Heuballen machte ich mir erstGedanken, als Biscuit nach dem „voran“ dort ankam. Sie war noch nie auf so nem grooooooßen Ding gewesen und kam kurz ins grübeln, wie sie an das Dummy kommen sollte. Gerade als ich dachte „da geht die nie hoch…“ ging Biscuit ein paar Schritte zurück, nahm Anlauf und *hopps* stand sie oben. Schnell das Dummy eingesammelt *hopps* wieder runter und zurück. Hilfe, wir hatten einen Höhenflug. Die Hormone waren wohl grad zur Kaffeepause…

…und gingen frisch gestärkt bei der letzten Aufgabe ans Werk. Wir setzten die Hunde zwischen D1 und dem Durchgangs-ihr-kriegt-heute-kein-Bild-Gebüsch ab und sollten seitlich einweisen. Biscuit hielt von der Idee nix.
„Rüber!“ – keine Reaktion…
Ich verkleinerte die Distanz zwischen Biscuit und mir.
„Rüber!“ – der Regen tropfte auf ein regungsloses braunes Schnütchen…
Ich ging zu Biscuit, zeigte ihr die Richtung, die sie gehen sollte.
„Rüber!“ – kurzes Zucken, Zweifel, wieder hinsetzen…
Ich ging zu den Dummies, klatschte, machte Geräusche.
„Rüber!“ – kein Anschluss unter dieser Nummer…
Susi postierte sich bei den Dummies und machte Geräusche.
„Rüber!“ – *auf der Suche nach sich selbst und deshalb vorübergehend nicht anzutreffen*…

Ich geb es offen zu – ich bin nur ein Mensch und meine Geduld war am Ende. Besser gesagt – ich wurde langsam aber sicher sauer. Zum ersten mal an diesem Wochenende bekam ich miese Laune. Trotzdem versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. Ich nahm Biscuit an die Leine, ging mit ihr zu den Dummies und zeigte sie ihr. Wieder zurück. „Rüber!“ Nichts zu machen. Biscuit hatte meine negativen Schwingungen empfangen und blockierte endgültig.

Wir räumten das Feld und ich bemühte mich, wieder runterzukommen. Spätestens als Biscuit sich dicht an mein Bein kuschelte und zusammenrollte, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Sie war trotz allem so tapfer gewesen und wirklich am Ende. Mein Baby

Natürlich sollte das Wochenende nicht mit einem solchen Misserfolg enden. Ich setzte Biscuit mit dem Rücken zu D2 ab und schickte sie back. Klappte auf Anhieb. Super! Zum Abschluss sollte ich sie von derselben Position nochmal auf D2 voranschicken. Eigentlich idiotensicher – sie war vorhin schon bei D2 gewesen und gerade eben vor zwei Minuten ebenfalls. Trotzdem ging sie auf mein „voran“ nicht raus. Ich kramte meine letzten Geduldsvorräte zusammen und ging schrittweise näher zu D2, bis wir endlich einen Punkt erreicht hatten, an dem Hormonella sich sicher war. Dieser Punkt lag etwa zwei Meter von den Dummies entfernt. Unglaublich, aber immerhin ein positiver Abschluss.

*Lufthol und tief seufz*

Trotz aller Widrigkeiten war es ein tolles Wochenende! Geiles Gelände, nette Teilnehmer und eine Trainerin mit Engelsgeduld – was will man mehr? Ok, weniger Regen und mehr Sonne. Weniger Hormone und mehr Gehirn. Aber sonst…? Nein, im Ernst: ein ganz liebes und von Herzen kommendes Danke an Susi, Frank, Esther, Tamara, Uli, Burkhard, Ramona und Siegfried für das schöne Trainingswochenende und eure Geduld, wenn Keksi und ich mal wieder den Verkehr aufgehalten haben! Ich kam mir zu keiner Zeit „blöd“ vor und das ist beim Gruppentraining wirklich Gold wert.

Danke!!!

Jetzt dürfen ich und meine treuen Leser uns schon auf das Wasserseminar am kommenden Wochenende freuen. Biscuit und Wasser. Schlimmer geht immer…

Kategorien: Training | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Trainingswochenende „Hormonella-Style“

  1. Ach ja, wie sehr ich dich verstehe ….. Erinnert es mich doch an die letzten beiden WT-Starts und die Trainingswoche Ostsee. In dem einen Moment wiegt man sich in Sicherheit, schöpft Hoffnung, dann ist man verblüfft, beschämt, rat- und hilflos … und zum Schluß verärgert …. dann bestürzt… Danke für den Bericht und die tollen Aufgabenbeschreibungen. Eins steht fest, man lernt auch oder gerade aus solchen Situationen und sind wir mal ehrlich … wenn alles klappt ist doch echt langweilig 😉
    Ich drück dich und sage aus Erfahrung …. bald gehts wieder besser!!!

    • Ich musste auch ständig an euch denken und hab dir im Geiste immer mal einen Knuddler geschickt 😉 Weiber *seufz*

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