WT am Rothaarsteig 2013 (A)

Was für ein kurioses Wochenende! Es begann ganz harmlos am Freitag abend. Esther und ich reisten mit Klein-Beutling und Groß-Keks nach Herborn, um am Samstag beim WT am Rothaarsteig zwei Premieren zu feiern: Baggins ersten WT als wartender Zuschauer und Biscuits ersten WT „mit-ohne“ Hormone. Das Hotel war klein und richtig klasse, das Abendessen beim Italiener sehr lecker. Fing prima an!

Samstag morgen um 6 Uhr ein kleiner Panikanfall. Meine Pfeife war verschwunden. Ich wußte noch, ich hatte sie Freitag abend irgendwo hingesteckt. Aber wo? Mein Gepäck inkl. Jacken wurde mehrmals durchwühlt – die Pfeife blieb verschwunden. Zum Glück hatte der „Dogs Sport Shop“ seine Zelte im WT-Gelände aufgeschlagen. Kaufen wir eben eine neue Pfeife. Kann man sowieso nie genug haben, richtig?

Da meine Dienste als Helfer bei F/O nun doch nicht benötigt wurden, tingelte ich vormittags durch die Wartezonen und Aufgaben. Im Gegensatz zu sonst war ich kein bisschen aufgeregt. Eher im Gegenteil. Ich fühlte mich, als ob mich das alles nichts angehen würde. Sehr seltsam. Gegen 12.30 Uhr holte ich Biscuit aus dem Auto und gönnte uns ein Mittagsessen. Anmeldung, Begrüßung, Sachen packen, Abmarsch ins Gelände. Keksi und ich starteten bei Aufgabe 5, die sich hooooooch oben im Wald befand.

Aufgabe 5 – Jürgen Laux:

Man stand an einem Waldhang und blickte nach unten. Dort fiel eine Markierung. Die Flugbahn war hoch und sehr gut zu sehen, der Bewuchs im Fallbereich war unspektakulär. War der Hund auf dem Rückweg, fiel links im Hang eine Verleitung, die der Hund später ebenfalls holen sollte.

Ein Bild vom Bewuchs in der Nähe der Fallstelle:

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Ich schickte Biscuit auf Freigabe los und die semmelte zunächst in gerader Linie nach unten Richtung Fallstelle. Kurz vor der Fallstelle bog sie scharf links ab und rannte zum Helfer. Hier hätte ich sie sofort stoppen müssen, war aber viel zu perplex. In meinem Hirn ratterte es… und ratterte… Biscuit arbeitete sich inzwischen hinter dem Helfer immer tiefer in den Wald. Endlich erwachte ich aus meiner Schockstarre und pfiff Biscuit zurück. Einmal…, zweimal…, aaaah, da isse ja. Stopp-Pfiff, rechter Arm raus, „rüber“. Keksi tat wie befohlen, war aber ein Stück zu weit vorne. Bis ich sie stoppte, war sie außerdem schon zu weit rechts. Wieder Stopp-Pfiff, linker Arm raus, „rüber“. Ich pfiff und wurschtelte, schickte sie nach links, nach rechts, nach hinten, aber ich bekam sie ums verrecken nicht in den Fallbereich. Gerade als ich mich wunderte, warum sich der Richter das Schauspiel überhaupt so lange ansah, setzte Biscuit einen Verzweiflungs-Pinkler ab. Hier war klar „Anke, das wird nix.“ und ich holte sie zurück. Auf halbem Weg musste Biscuit auch noch kacken. Jo, das passte! Damit war die Aufgabe endgültig „verkackt“

→ 0 Punkte

In der Wartezone zur nächsten Aufgabe staute es sich und ich hatte ausreichend Zeit, mich zu wundern. Biscuit hatte scheinbar üüüüüüberhaupt nicht markiert. Es würde mich brennend interessieren, wo sie hingesehen hatte als das Dummy fiel. Während ich überlegte, legte sich Biscuit auf die Seite und war kurz vor´m einschlafen. Ähm. Hallo? Mir dämmerte: mein kleiner brauner Hund – der im Auto sonst immerimmerimmer schläft – hatte während des vormittags im Auto scheinbar kein Auge zugemacht

Aufgabe 1 – Johnny Henriksen:

In einem kleinen (10x10m? bin so schlecht im schätzen…) Gebiet waren 4 Dummies ausgelegt. Ein Helfer gab 3 Schüsse in das Gebiet ab. Der Bewuchs war moderat, nicht allzuhoch/eklig, es lag etwas Totholz herum. Es sollten alle 4 Dummies geholt werden.

Kleine Suche… immer noch mein persönliches „Angstfach“ nach den Fragestunden der vergangenen Monate. Natürlich hatte ich zwischenzeitlich an Biscuits Selbstvertrauen gearbeitet. Aber ob´s für alle vier Dummies reichen würde? Ich schickte Biscuit mit „such“ los und sie brezelte kopflos in den Wald und über das Gebiet raus. Surprise-Surprise! Hier-Piff, Biscuit kam zurück. Und ich? Tat genau das falsche. Suchenpfiff. Örghs. Biscuit nahm (wie befohlen) den Totholzhaufen auseinander, fand aber nix. Da war kein Dummy. Skeptischer Blick zu mir „Such!“. Sie rüsselte weiter und… fand. Ufffff!!!!!!

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Beim zweiten Dummy dasselbe Spiel wieder. Reinschicken, zurückpfeifen, Suchenpfiff. Ich glaub ich lern das in diesem Leben nicht mehr. Diesmal rüffelte mich der Richter, ich solle das Gepfeife lassen. Ich hörte auf, Biscuit sah zu mir „such!“. Kurz darauf kam sie mit Dummy wieder. Doppel-Ufffff!

Das dritte Dummy kam problemlos. Biscuit hatte begriffen, wo das Suchengebiet war und da sich Frauchen diesmal nicht einmischte, konnte sie ihren Job machen.

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Noch ein Dummy übrig. Zeit für einen weiteren Anke-Aussetzer. Statt mit „such!“ schickte ich sie mit „such-such“ und einer wischenden Handbewegung. Biscuit – brav wie sie ist – begann die Brennesseln direkt vor uns abzurüsseln. Irgendwann trifft mich mal der Blitz beim handeln. Ich wartete ab und als Biscuit kurz aufsah, schickte ich sie mit „such!“ nach hinten. Kurz darauf hatte sie auch das vierte Dummy. Nochmal UFF!!!!

→ 15 Punkte

Ehrlich gesagt, ICH hätte mir für den Mist mehr abgezogen. Aber Biscuits Arbeit war tadellos und ohne meine Einmischung waren die Dummies schnell drin. Das wurde wohl honoriert.

Auf dem langen Weg zur nächsten Aufgabe freute ich mich, dass Biscuit – trotz des dämlichen Frauchens hintendran – alle 4 Dummies reingeholt hatte. Sie hatte wirklich schön gesucht, nicht groß gefragt, nicht aufgegeben. Klasse! Ich unterhielt mich darüber mit Gabi, die uns den ganzen Tag begleitete und zugesehen hatte. Ich erklärte, dass ich es einerseits super finde, wie toll Biscuit meine Kommandos annimmt. Und dass es andererseits bei einem Hundeführer wie mir besser wäre, wenn sie etwas eigensinniger wäre.
Gabi: „Stimmt, sie vertraut dir wirklich vollkommen.“
Ich: „Ja. Süß, dass sie das noch nicht aufgegeben hat, oder?“
Mehr muss man dazu wirklich nicht sagen…

Aufgabe 2 – Stefan Bürse-Hanning:

Man stand auf einer leicht abschüssigen Wiese mit Blick auf eine Hecke, die an einer Stelle unterbrochen war. Zunächst wurde ein Dummy 2-3m direkt vor unsere Füße geworfen, danach fiel eine Markierung auf Höhe der freien Stelle vor die Hecke. Zitat Richter: „Zuerst das Hindernis entfernen, danach auf die Markierung schicken.“

Jetzt kam das kuriosteste des gesamten Tages. Ich schickte Biscuit auf das direkt vor uns liegende Dummy. Sie gab ab, ich ließ sie einparken und hörte hinter mir „Stopp!“. Ich sah mich überrascht zum Richter um, der mich fragte „Hast du nicht richtig zugehört?“. „Doch… das Hindernis entfernen.“ „Ja, aber doch nicht der Hund, sondern du!“. „Oh.“ „Hab ich mich so undeutlich ausgedrückt?“ Nach Rücksprache mit dem Helfer sollte ich zurück in die Wartezone gehen und nach dem nächsten Starter wiederkommen. Biscuit und ich durften die Aufgabe wiederholen. „In dubio pro reo.“

Gut, neuer Versuch. Diesmal hob ich das Dummy vor uns selbst auf und Biscuit blieb wie erwartet brav sitzen. Ich schickte sie auf die Markierung. Punktlandung. Auf dem Rückweg sah ich, wie das Dummy von „mittig“ immer weiter nach außen wanderte, bis sie es schlussendlich gerade noch am Zipfel bei mir ablieferte…

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Der Richter lobte „Sehr schöne Arbeit! Was für eine Rennsemmel…“, tadelte aber das zipfeln. Er ging davon aus, dass es spielerisch war. Ich wusste, dass das nicht der Fall war (Biscuit trägt nur unsauber, wenn sie vorher extrem viel gehechelt hat), diskutierte aber nicht. Der Grund ist letztendlich egal und der Punktabzug natürlich gerechtfertigt.

→ 18 Punkte

Durch den Stau bei der kleinen Suche (Aufgabe 1) war an allen Stationen freie Fahrt und es wurde immer hektischer. Wir wurden prompt zur nächsten Aufgabe gerufen und wackelten im Stechschritt wieder bergauf. Ich gab Biscuit schnell etwas Wasser und sofort ging es weiter.

Aufgabe 3 – Herwig Deutinger:

Zwei Einzelmarkierungen. Die Schätzung der Entfernung schwankt (was ich so gelesen habe) zwischen 80 und 100m. Die erste Markierung (weiß) fiel im Acker in die Grasinsel – Flugbahn sehr flach. Das zweite Mark (grün) fiel hinter die Grasinsel in den Acker – Flugbahn hoch.

Gleichzeitig seht ihr auf dem Bild Biscuit in der Position, in die ich sie maximal an die Fallstelle der ersten Markierung bekam, denn…

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…Fräulein hatte wieder nicht markiert. Diesmal wusste ich es sicher, denn ich hatte sie aus dem Augenwinkel beobachtet. Schuss – Biscuit sieht zum Helfer. Dummy fliegt – Biscuit dreht den Kopf weg. Dummy landet – Biscuit betrachtet die Wartezone der anderen Aufgabe. Okeeeee. Ich überlegte kurz, ob ich es gleich bleiben lassen sollte, entschied mich aber dagegen. Ich hegte die Hoffnung, dass Biscuit evtl. doch aus dem Augenwinkel etwas mitbekommen hatte. Pustekuchen. Ich verfiel in wildes Handling (stopp, links, stopp, rechts, stopp, back…), aber nix zu machen. Als Biscuit auf mein „back“ nach rechts ging, holte ich sie wieder zurück.

→ 0 Punkte

Eigentlich kann sie sowas. Uneigentlich nur, wenn sie hinschaut. Was wir definitiv noch nicht können, ist einweisen auf eine so große Distanz. Weder eigentlich noch uneigentlich

Wir hechelten weiter zu unserer letzten Station. Dort hatten wir noch einen Starter vor uns. Kurze Verschnaufpause.

Aufgabe 4 – Eveline Schlösser:

Zuerst fiel eine Markierung in die Wiese vor dem Waldrand.
„Die Wiese ist leicht abschüssig, also genau aufpassen, wo es hinfällt. Wenn die Markierung gefallen ist, drehen wir uns um und dann erkläre ich den Rest der Aufgabe.“

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Diesmal behielt ich Biscuit genau im Blick und konnte sie gerade noch mit dem Finger auf die Fallstelle aufmerksam machen. Ohne meine Richtungsanzeige hätte sie verträumt die Gegend gescannt. Ich zählte innerlich bis 3 und drehte sie von der Markierung weg. Die Richterin erklärte weiter: Vor uns lag ein kleines Suchengebiet, in dem drei Dummies auslagen. Eins davon sollte der Hund bringen. Danach wieder umdrehen und auf das Memory schicken.

Das Suchengebiet ist hier seitlich geknipst. Der Schatten rechts im Bild waren hohe Brennesseln, welche die hintere Begrenzung des Suchengebiets darstellten.

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Ich schickte Biscuit mit „such!“ los und das Drama begann. Schwupps, war sie in den Brennesseln verschwunden. Hier-Pfiff. Biscuit lugte heraus und sah mich fragend an. „Such!“ Biscuit suchte kurz in der Wiese und schwupps – ab in die Brennesseln. Hier-Pfiff. Keksi kam wieder raus, guckte blöd. „Such!“ Aller keks´schen Abgründe sind drei – ab in die Brennesseln. Ich dacht, ich werd nicht mehr. Hier-Pfiff. Biscuit kam raus. Ankes nächste Meisterleistung: Suchenpfiff. Biscuit drehte pflichtbewusst den Grasbüschel vor ihrer Nase auf links und ich bildete mir ein, sie hätte was gefunden. Freute mich. Zu früh. Biscuit tauchte ohne Dummy wieder auf. Wir starrten uns gegenseitig ratlos an. Ein letztes verzweifeltes „Such!“. Sie blieb auf der Wiese und fand endlich. M-e-i-n-e F-r-e-s-s-e.

Wir drehten uns zurück zum Wald, ich konzentrierte sie auf die Fallstelle und „apport“. Biscuit zuckelte in mäßigem Tempo los. Will sagen – ich hätte ausreichend Zeit gehabt, um zu reagieren. Stattdessen sah ich in aller Seelenruhe zu, wie sie Richtung Wald lief. Viel zu spät: Hier-Pfiff. Stopp-Pfiff. Auch zu spät. Die Fallstelle lag nun rechts hinter Biscuit. Also erst „rüber“, Stopp-Pfiff, „back“. Biscuit drehte über die rechte Schulter und war jetzt zu weit rechts. Stopp-Pfiff, „rüber“. Suchenpfiff. Biscuit suchte, hob den Kopf. Wieder Suchenpfiff. Biscuit suchte weiter, Anke der Verzweiflung nahe. Doch dann… ein Wunder!!!

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Die Richterin deutete an, ich solle kurz warten und ging ins Suchengebiet. Sie prüfte, ob Biscuit an der Grasbüschel-Suchenpfiff-Stelle geblinkt hatte. Dies war scheinbar nicht der Fall.

→ 5 Punkte

Es war einfach gruuuuuuuuuuuselig. Irgendwie fühlt es sich sogar „falsch“ an, dass wir für eine derart grottige Vorstellung überhaupt noch Punkte bekommen haben. Trotzdem war ich froh, dass Biscuit dieses letzte Dummy mit meiner Hilfe noch reinbekommen hatte. Wenn man bedenkt, wie oft ich ihr im Laufe des Tages schon dazwischengepfuscht und sie erfolglos eingewiesen hatte…

Wir waren durch! Mit den Aufgaben, mit den Nerven, mit der Kondition, einfach mit allem. Wir gesellten uns zu Esther und Baggins (der seinen ersten WT coole-Socke-like hervorragend gemeistert hat) und gönnten uns eine Pause, bevor wir die völlig platten Vierbeiner ins Auto brachten und auf die Siegerehrung warteten. Irgendwann griff ich in meine Jackentasche und traute meinen Fingern nicht. Unter schallendem Gelächter beförderte ich die verlorene Pfeife zutage, die ganz tausendmioooooonenprozentig bei meiner morgendlichen Suche NICHT da war!!! Ehrlich! Ich schwöre!

Chaostag, letzter Akt: 20 Uhr, endlich Heimfahrt. Wir wollten noch bei Mc Doof in Herborn zwischenlanden, fanden aber die Zufahrt nicht und gaben nach zwei Ehrenrunden auf. Eine knappe Stunde später fanden wir uns in einem Stau wieder. Nix ging mehr. Das sind die Momente, in denen man sich fragt „Warum um alles in der Welt…?“. Um Mitternacht waren wir endlich zuhause.
Ein weiteres Highlight war heute morgen das ausräumen des Autos, als mir zum krönenden Abschluss ein Vogel aufs Gepäck geschissen hat. Wie bezeichnend!

Trotzdem hat sich das Wochenende gelohnt. Ich habe viele alte Bekannte getroffen und nette neue Bekanntschaften gemacht! Danke vor allem an Esther, die den Wahnsinn mit mir durchgestanden hat; an Gabi, die mich den ganzen Tag begleitet und die Fotos gemacht hat und an Ruth, die mir einen seeeeeeehr leckeren Likör mitgebracht hat, den ich mir gerade schmecken lasse.

Ich konnte am Samstag sehr viel über meinen Keks und mich lernen und gehe mit einem positiven Gefühl aus dem WT. Biscuit hat nicht einmal blockiert und wir haben uns gemeinsam durchgebissen, so gut wir konnten. Darüber freue ich mich wirklich sehr, denn das ist ein Riesenfortschritt für uns! Der Rest wird sich wieder einspielen – und diesmal kommen uns die doofen Hormone dabei nicht mehr in die Quere. HA! 

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | Hinterlasse einen Kommentar

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