gedüngtes Mufflon

Es war einmal… irgendwann im Jahr 2008, strahlender Sonnenschein.

Ich hatte mich – wie fast jeden Tag – mit meiner Freundin Susi und deren Rüden Boni zum Spaziergang verabredet. Boni war tatsächlich ein Hund, der sich nie freiwillig dreckig machte oder in ekligen Sachen wälzte. Sozusagen das genaue Gegenteil von Muffin.

Susi sammelte mich und das Mufflon ein und wir fuhren gemeinsam in die tiefste fränkische Pampa, um uns einen netten Spazierweg auszusuchen. Über eine Stunde schritten wir unbehelligt unseres Weges durch Wiesen und Felder, bis einige Meter vor uns ein rieeeesiger Misthaufen erschien

„Oh-oh!“, dachte ich bei mir. Muffin hob sofort den Rüssel und steuerte schnurstracks auf den Misthaufen zu. Ähem. Susi – die das Mufflon schon von Welpenbeinen an kennt – stieß sofort eine Drohung aus: „Wenn sie sich DA rein legt, lauft ihr heim!“ Ich begann sofort, sämtliche Register zu ziehen. Mein Gehampel und Geflöte kam jedoch gegen diesen betörenden Duft in keinster Weise an. Hilfe! Schnell die Beine in die Hand genommen und dem Mufflon hinterher. Kurz bevor sie sich mit Schmackes in den Haufen werfen konnte, erwischte ich sie am Halsband. Ich leinte das Monster schnell an und zog sie mit all meiner Kraft von dort weg. Da half auch alles Gezappel und Gemaule nichts. Gedüngter Hund stand an diesem Tag nicht auf meiner Wunschliste…

Gerade noch gerettet! Wie liefen ein gutes Stück weiter, bevor ich meinen Schlabrador-Dreck-River wieder von der Leine ließ. Susi und ich waren bereits wieder in hochwichtige Gespräche vertieft, als Muffin plötzlich verschwunden war. Hö? Vor einer Minute ist sie doch noch hier rumgewuselt? Ein unguter Geruch drang in meine Nase und sofort beäugte ich kritisch die Felder der Umgebung. Da!!! Auf dem Feld direkt vor uns! Vier schwarze Pfoten, die genüsslich Richtung Himmel gestreckt wurden.

Volltreffer! Muffin lag mitten in einem frisch geodelten Feld und wälzte sich, was das Zeug hielt. Susi hatte es zwischenzeitlich auch entdeckt und traute ihren Augen kaum. Gaaaanz langsam drehte sie den Kopf in meine Richtung und das blanke Entsetzen quoll aus ihren Augen!!!

Doch Muffin hatte sich gerade erst warmgelaufen. Im Jauche-Himmel angekommen schlug sie mehrere Purzelbäume, hoppste beschwingt wieder auf um kurz darauf über die Schulter nochmal in die Scheiße zu rollen. Hilflos stand ich da und dachte mir „jetzt ist´s ja eh schon egal“. Nachdem der schwarze Mistkäfer bereits den zweiten Kuhfladen gefressen hatte, wurde allerdings auch mir ein bisschen schlecht

Immer wenn ich dachte „jetzt hat sie endlich genug“ schmiss sich Muffin nochmal rein…. und nochmal… und noch eine Rolle… und noch ein lecker Kuhfladen. Wir waren sprachlos. Boni stand entspannt am Wegesrand und sah dem jungen Gemüse in angemessener Entfernung bei ihren Aktivitäten zu. Ich überlegte krampfhaft, wie ich die Situation noch retten könnte… aussichtslos. Susi fand ihre Stimme wieder und presste ein „Muffin….grrrr“ raus.

Da standen wir nun. Da mein Höllenhund keinerlei Anstalten machte mit der Wälzerei aufzuhören, schlug ich vor weiterzugehen. Ein vernichtender Seitenblick traf mich, gefolgt von einem „hmmm“. Wir ließen das Bild des Schreckens hinter uns und latschten schweigend vor uns hin. Kurz darauf kam mein frisch gedüngter Hund angeflitzt und schloss mit einem breiten Grinsen in der Fresse zu uns auf.

Ich schwöre – ich habe Muffin selten SO glücklich gesehen. Sie machte einen regelrecht beseelten Eindruck. Als sie sich zu guter Letzt auch noch glücklich an Bonis Seite schmiss und damit Susi einen Schrei des Entsetzens entlockte, war es um uns geschehen → Lachflash!

Auf dem Rückweg zum Auto waren wir peinlich darauf bedacht, dem Mufflon nicht zu nahe zu kommen. Ihr „Eau-de-Kuhstall“ sollte sie schön für sich behalten. Nur Boni war begeistert von Muffins tollem Parfüm und schnuffelte sie von oben bis unten ab.

Als wir das Auto erreicht hatten, machte ich mich auf eine längere Wanderung gefasst. Doch Susi hatte Mitleid. Kurzerhand wurde Muffin in einen Hundemantel gekleidet und bekam ein Handtuch um den Kopf gewickelt. Osama-bin-Mufflon. Hübsch verpackt wurde sie in den Kofferraum verladen und wir fuhren mit offenen Fenstern Richtung Heimat.

Daheim angekommen stand ich etwas verzweifelt in unserem Hof. Am liebsten hätte ich das Stinktier dort angebunden und vergessen, was mein Problem aber nicht gelöst hätte. Schweren Herzens nahm ich sie an die Leine und schlängelte mich mit ihr durchs Treppenhaus in die Wohnung *nuuuuuuur nicht die Wand berühren*. In der Wohnung angekommen führte ich sie auf direktem Weg ins Bad, stellte sie in die Dusche und schloss die Tür – vorerst von außen

Tief durchatmen – Luft anhalten – und los! Ich entfernte zuerst Handtuch und Mantel und schloss schnell die Tür, um erstmal die Klamotten einzuweichen. Muffin wartete solange in der Dusche. Der glückliche Gesichtsausdruck wich blankem Entsetzen. Wasser aus der Leitung? BÄH!!!. Aber Strafe muss sein. Sie wurde mehrere Male einshampooniert und durfte die Dusche nach geschlagenen 45 Minuten wieder verlassen.

Heute wissen wir: stinkender Hund – glücklicher Hund!!!
Und: echte Freundschaften überstehen alles…

Susi & Muffin im Juni 2012

Susi & Muffin im Juni 2012

 

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Kategorien: Geschichten aus der Gruft ...äh... Vergangenheit! | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „gedüngtes Mufflon

  1. Osama-bin-Mufflon!!!!!! *gröhl* Mein irres Gekicher hat direkt Holger aus dem Wohnzimmer gelockt, der angesichts meiner laufenden Tränen erstmal kontrollhalber an meiner Cola geschnüffelt hat *g*. Dieser leicht debile Gesichtausdruck des Muffelönchens ist zuuuuu schön! *Lachtränen abwisch*

  2. Eau de Kuhstall, Chanel Nr. stink … da kann ich auch ein Liedchen von singen! Dem Retrievergott sei Dank, dass Fiene nicht zu solchen Abenteuern aufbricht 😉

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