Nordsturm im Sauerland

Samstag vor zwei Wochen, 4.30 Uhr, der Wecker klingelt. Die immer wiederkehrende Frage „Warum um alles in der Welt…?“. Die Antwort „Weil´s Spaß macht!“ erscheint um die Uhrzeit irgendwie … lächerlich.

Nach 4 Stunden Fahrt erreichten wir den Klaukenhof, ließen uns 8 Stunden lang von Susi durch´s Gelände jagen und fielen am Abend erschöpft ins Bett. Halt. Nein. Zuerst fiel ich noch dem Nordsturm zum Opfer. Den Sonntag verbrachten wir knapp 7 Stunden im Gelände, bevor wir die 4 stündige Heimfahrt antraten. Damit wäre das Wichtigste erzählt. Bericht Ende.

Nicht gut?
Ok, ok…

Begonnen hat es ganz harmlos. Wir sollten gemeinsam mit den Hunden je 3 Dummies am Waldrand auslegen. Gewünscht war der direkte Weg durch einen Graben, der nicht ganz so harmlos war.

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Stau am Graben

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Anschließend – klar – jeden Hund 1x dorthin voranschicken. Keksi hat fein den Graben gemeistert und war schnell zurück. Neue Runde, diesmal im 2er-Team und mit einer Markierung, die links von den ausgelegten Dummies im Wald fiel. Reihenfolge: Mark fällt, ein Hund wird auf die ausgelegten Dummies (weiß) vorangeschickt, anderer Hund holt anschließend die Markierung (rot).

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Die Markierung war wirklich nicht ohne: große Distanz, gegen die Sonne schlecht zu erkennen und der Graben an dieser Stelle rrrrrrrrrichtig gemein. Ich trat mit Uli und Louis im Team an und Keksi war im ersten Durchgang für die Markierung zuständig.

*Öh? Wo soll die fallen?*

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Uli schickt Louis

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danach ich den Keks, der prompt am Graben hängen blieb

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Biscuit schaffte es zwar durch den Graben, verlor allerdings auf der anderen Seite völlig die Orientierung. Keksi zurückgeholt und dann kam das gefüchtete… „Anke, du wirst ihr den Weg wohl zeigen müssen.“

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Okeeeeeeeeee…

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Wär ich mal lieber im Bett geblieben

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…aber nützt ja nix *kraxel*

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*Wo bleibste denn?*

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*Mordgedanken heg*

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Ich kann mit Stolz verkünden, dass ich es unfallfrei wieder nach unten geschafft habe!

*Apport*

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*zu Befeeeeeeeeehl*

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*gleich da*

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Helferlein wartet schon

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TSCHAKKA!

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Platztausch. Das voran auf die alte Stelle war kein Thema.

Es ging im 2er-Team weiter. Diesmal fiel zuerst eine Markierung IN den Graben auf dem Weg zur alten Voranstelle. Erster Hund arbeitet das Mark, zweiter Hund wird über die alte Fallstelle vorangeschickt. War für Biscuit beides kein Problem.

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Letzte Variation dieser Aufgabe: Es fiel wieder ein Mark in den Graben. Der Hund sollte stattdessen jedoch auf die alte Mark-Fallstelle im Wald vorangeschickt werden. Erst danach durfte er das Mark aus dem Graben holen. Was soll ich sagen? Biscuit war super! Ich war skeptisch, ob sie das Voran auf die alte Fallstelle packt – völlig grundlos. Sie ist durchgerauscht wie ein Profi. Hach!

Wir packten die Hunde ins Auto und es wurde ein Walk-Up vorbereitet. An 7 Stellen wurden je 3 bis 4 Dummies ausgelegt und ich dachte mir noch „Nicht schlecht, da haben Scella und Louis jede Menge Blinds zum abarbeiten…“. Hunde geholt, „Walk on!“.

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Wir walkten los (auf der Zeichnung von links nach rechts), es fiel eine Markierung vor uns. Eine Stimme drang an mein Ohr. „Anke, von dir hätte ich jetzt gerne ein Blind.“ Äh, was? Blind? Wir? *dumm guck* Es sollte nicht bei einem Blind bleiben.

D1: Biscuit zwitscherte nicht wie befürchtet zu D2 (bekannte alte Fallstelle) ab. Sie ging einfach geradeaus und holte zielstrebig ein Dummy. Wow!

D4: Hier war Hilfe bitter nötig, da eine Verleitmarkierung ca. 5 Meter daneben gefallen war. Ich konnte Biscuit zwar vor der Markierung stoppen, aber nicht weiterschicken. Erst nach einem Geräusch vom Helfer ging sie.

D3: Auch hier lag nicht weit entfernt eine Markierung. Der Graben tat sein übriges für eine Keks´sche Verwirrung. Nachdem einmal in Richtung des Blinds geschossen wurde, klappte es. Biscuit holte hier später noch ein Dummy, also insgesamt zwei von dieser Stelle.

D5: Wieder so ne blöööööhööööööde Markierung in der Nähe. Deshalb nicht perfekt, aber auch nicht schlecht gewesen.

D2: Biscuit war inzwischen schon reichlich bedient und die Entfernung zu D2 sehr groß. Sie ging eine Weile sehr schön voran, driftete aber kurz vor dem Ziel nach rechts. Dort lagen bei der Hütte einige Dummies auf dem Tresen. Zwar unerreichbar, aber sehr verlockend. Biscuit wollte partout nicht nach links gehen *aber die liegen doch da ooooooben*. Ich ging näher ran und Susi machte am Graben ein Geräusch. Biscuit verschwand im Graben und ich rannte zurück in die Line, immer fröhlich den Suchenpfiff trötend. Ich trötete… und trötete… und trötete… und trötete… (keuch, tüüüütüüütüüütüüü, keuch, tüüüütüüüüütüüüütüüüü, keuch). Irgendwann kam Biscuit endlich aus dem Graben zurückgerannt. Je näher sie kam, desto seltsamer sah das Dummy aus. War nämlich keins… Biscuit kam mit einer kleinen PET-Flasche zurück. Hö??? Susi löste das Rätsel. Biscuit hatte im Graben im Wasser geplanscht und nur im unteren Bereich gesucht. Das Dummy lag aber im Hang. Damit sie trotzdem zum Erfolg kam, hatte ihr Susi die Flasche zugeworfen. Aaaahaaa!

D7: Es gab keine Verleitmarkierung und Frank hatte vorher schon Scella dorthingeschickt. Ich tauschte mit Frank den Platz, damit Biscuit noch zusätzliche Hilfe durch Scellas Spur bekam. Das hat das Keksi sooooooooooo toll gemacht! Ich war sooooooooo stolz!!!! Einfach geil!

Wir wechselten die Örtlichkeit und fanden uns in diesem tollen Gelände wieder (der weiße Fleck ist eine einsame Kuh):

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Hier gab es zunächst ein lustiges Spielchen, was die Merkfähigkeit des Hundeführers schulen sollte. Anschließend legten wir nochmal Dummies aus und liefen ein ordentliches Stück wegwärts. Am neuen Standort fiel im 90°-Winkel zu den ausgelegten Dummies eine Markierung. Zuerst voranschicken, dann Markierung holen. Hat Biscuit beides super gemacht!

Den Abend verbrachten wir an der Grillhütte, wo uns unerbittlich der Nordsturm überfiel. Ein 42%iges Kräuterlikörchen. Aus sicherer Quelle wusste ich, dass man davon nicht mehr als 4 trinken sollte. Kleiner Revoluzzer der ich nunmal bin, hab ich natürlich 5 gezwitschert. Sonntag morgen stand fest: keine schnellen Bewegungen und nach Möglichkeit nicht bücken! Einziger Trost: ich war nicht alleine mit meinem Elend

Irgendwie schafften wir es trotz Kater, dort oben einige Dummies auszulegen. Die Hunde wurden davor auf dem Weg abgesetzt und 1x back nach oben geschickt. Anschließend aus weiterer Entfernung 1x voran.

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Nächste Steigerung: Zuerst fiel eine Markierung mit Schuss links vom Vertrauenspunkt in den Wald. Hund erst voranschicken, danach die Markierung holen lassen. Hier hat die Markierung ganz schön gezogen und ich musste Biscuit handeln, bekam die Dummies schlussendlich aber doch in der richtigen Reihenfolge.

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Wir bauten einen weiteren Vertrauenspunkt auf. Schwierigkeit: der schräge Geländeübergang und die vor dem Vertrauenspunkt liegende Weggabelung.

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Dann ging es richtig ans eingemachte: voranschicken, stoppen, links fiel nach dem stoppen eine Markierung, der Hund sollte aber nach rechts in den Hang auf ausgelegte Blinds geschickt werden. Danach nochmal auf den alten Vertrauenspunkt durchschicken. Biscuit hat hier einiges an Hilfe gebraucht, kam aber zum Erfolg.

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Ortswechsel. Im Wald legten wir an zwei Punkten gemeinsam mit den Hunden je zwei Dummies aus.

Hier…

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…und hier. Der Winkel zwischen den beiden Punkten betrug etwas mehr als 90°.

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Zunächst wurden die Hunde einzeln je 1x zu den Vertrauenspunkten geschickt, danach nochmals abwechselnd im 2er-Team.

Anschließend kamen die Hunde ins Auto und wir legten für jeden Hund ein Dummy an beiden Punkten nach. Die Hunde wurden einzeln aus dem Auto geholt und durften zunächst ein Treiben bestaunen. Das Treiben verlief von links nach rechts über die gesamte Breite der vorherigen Voranstrecken. 5 Leute, zwei Waffen, viele Dummies (wurden wieder aufgehoben), viel Brrrt-Brrrt, Jep-Jep, Krach ohne Ende. Nach dem Treiben sollten die Hunde wieder auf die Vertrauenspunkte vorangeschickt werden.

Als ich dort mit Biscuit stand und das Treiben an uns vorbeizog musste ich wirklich schmunzeln. Ich möchte nicht wissen, was Außenstehende manchmal von uns denken. Biscuit betrachtete aufmerksam aber ruhig die durch den Wald walzende Menschengruppe. Ausrichten, Hand raus, Luft holen, …. Biscuit zischt ab und steuert zuverlässig den Vertrauenspunkt an. Das „Voran“ schluckte ich wieder runter. Keks wieder da, ausrichten, Hand raus, v…(Keks startet durch)…oran. Biscuit war sich so sicher, dass sie nichtmal mein Kommando abwartete. Als ob nie ein Treiben stattgefunden hätte. Holla die Waldfee!

Dafür hatte Susi zum Abschluss noch eine Hammeraufgabe in petto. An dem großen Kringel wurde ein Blind beschossen. Danach fiel auf halber Strecke rechts vom Weg eine bequakte Markierung in eine Fichtenschonung. Zuerst sollte das Blind geholt werden, danach die Markierung. Der Winkel trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn.

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Ich richtete Biscuit auf die Markierung aus und belegte diese deutlich mit einem „Nein!“. Ich drehte uns wieder zum Blind und „voran“. Biscuit blockierte. Nicht nur das, sie sah sogar demonstrativ nach links und zeigte leichtes Meideverhalten. Okeeee, das mit dem „Nein“ war demnach keine gute Idee. Das Blind musste nochmals beschossen und letztendlich gezeigt werden, damit sie wieder rausging. Die Markierung hatte sie nicht gut gesehen und brauchte auch hier wieder Hilfe. Keksi und ich zogen uns zurück, um die Aufgabe später nochmals zu arbeiten. Im zweiten Durchgang lief es zwar besser, aber ich muss ganz klar sagen: das war einfach ne Nummer zu groß für uns.

Alter Schwede, was für ein Wochenende! Biscuit war platt wie eine Flunder und von mir brauchen wir gar nicht erst reden… Nordsturm lässt grüßen!

Mein Fazit: Biscuit findet endlich zu ihrer alten Form zurück und wir hängen nun wieder an unserem alten Knackpunkt → Verleitungen! Sie geht sehr schön auf Blinds, solange zwischen Blind und Verleitung ein Winkel > 90° liegt. Alles darunter ist *mööööööp*. Geländeübergänge, rechts/links/back schicken bleibt auch weiterhin verbesserungswürdig. Was mir außerdem aufgefallen ist: ich hab mir meinen Stopp- und Suchenpfiff während der WT-Saison ziemlich runtergeranzt. Hier ist dringend eine Politur nötig.

Baustellen ohne Ende, aber stolz wie Sau! Was Biscuit an diesem Wochenende geleistet hat, war richtig klasse!

Vielen Dank an Susi für das anstrengende Wochenende, den Kater und das Aufzeigen unserer Grenzen   Außerdem Danke an alle Seminarteilnehmer für die tolle Stimmung und an Nadine für die Bilder vom Samstag! Bis bald!

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Kategorien: Seminare | Hinterlasse einen Kommentar

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