Spessart Cup 2014 (A)

Die Nullen-Schrullen haben wieder zugeschlagen – und das so richtig! Aber von vorne…

Nachdem ich den Samstag als Helfer verbracht und den ganzen Tag als Treiber durch den Wald ge-jeeeeppjeeeepppjeeeppp-t war, zerbröselte es mich abends umgehend. Keine Zeit für Kopfkino darüber, was mich am nächsten Tag erwarten könnte. So überrumpelte mich die Aufregung eben erst am Sonntag morgen. Einatmen, ausatmen. Oooooooooommmm.

Anmeldung, Abfahrt ins Gelände, Gruppenaufteilung, Wartezone. Übermüdung, Aufregung, Kälte *schlotter-bibber*.

Station 1 – Aufgabe 1 – Detlef Henrich

Ein Einzel-Walk-Up mit zwei Einzelmarkierungen, die in bzw. hinter ein Gestrüpp fielen.

Laufweg:

A1-1

Erste Markierung:

A1-2

Ich war inzwischen endlich ruhiger. Walk-Up… wenn wir sonst nichts können – das können wir! Biscuit ging nicht direkt zur Fallstelle, sondern lief zunächst um das Gestrüpp und arbeitete sich von hinten an die Fallstelle (Seitenwind). Zurück nahm sie den direkten Weg und kämpfte tapfer gegen eine Dornenschlinge. Sehr schön. Erstes Dummy drin, Erleichterung.

Walk-On… Schuss. Zweite Markierung, Fallstelle hinter dem Gestrüpp und nicht sichtig.

A1-3

Biscuit steuerte zielstrebig das hintere Ende des Gestrüpps an, suchte sich allerdings nach vorne und hängte sich kurz an der alten Fallstelle auf. Da sie nicht von selbst wieder nach hinten ging, stoppte ich sie und schickte sie back. Biscuit tat wie befohlen, Suchenpfiff. Biscuit suchte, fand nichts, arbeitete sich hinter dem Gestrüpp nach vorne in meine Richtung. Stopp. Rüber. Suchenpfiff. Immer noch nichts. Ich war ratlos – Biscuit ebenfalls. Sie kam wieder aus dem Gestrüpp. Stopp. Ankündigung meinerseits „Ich versuch es jetzt noch einmal, dann hol ich sie zurück“. Back. Suchenpfiff. Nichts. Biscuit suchte sich wieder nach vorne zur alten Fallstelle, also brach ich ab und holte sie wieder rein.

→ 0 Punkte

Vom Richter erfuhr ich, wo der Fehler lag. Das Dummy lag nicht wie von mir vermutet direkt am Ende des Gestrüpps, sondern noch gute 5-6 Meter weiter hinten (rotes Kreuzchen – meine Idee; blaues Kreuzchen – tatsächliche Fallstelle).

A1-4

Ich hätte Biscuit viel weiter nach hinten schicken müssen. Wir haben beide die Tiefe völlig falsch eingeschätzt und sie hatte so keine Chance, sich Wind zu holen. Leider kam ich nicht auf die Idee, dass es weiter hinten liegen könnte – was eigentlich Nahe liegt, wenn Biscuit 3x nichts findet. Gut. Again what learned. Das passiert und deswegen störte mich diese Null auch nicht, shit happens.

Station 2 – Aufgabe 1 – Stefan Bürse-Hanning

Startpunkt vor einem Bach, dahinter Wiese, dann ein steiler kleiner Anstieg, wieder Wiese. Es fiel eine Markierung direkt in Laufrichtung an den Rand der oberen Wiese.

A2-1

Wenn der Hund mit dem Dummy auf dem Rückweg war (etwa beim roten Kreuzchen), fiel noch ein Schuss und eine weitere Markierung (das weiße Kreuzchen ist die Fallstelle unserer Markierung) im Rücken des Hundes auf die untere Wiese.

A2-2

Als der Richter unserer Gruppe die Aufgabe erklärte, betonte er, dass dies eigentlich eine Aufgabe sei, bei der man nicht einweisen muss. Man bräuchte lediglich einen Hier-Pfiff (falls der Hund sich vom zweiten Mark verleiten lässt) und einen Suchenpfiff oder ein Suchenkommando, wenn sich der Hund nach dem zweiten Schicken auf der unteren Wiese befindet.

In dieser Aufgabe hagelte es 14 Nullen bei 39 Startern aus ganz unterschiedlichen Gründen. Wasser nicht annehmen, 1. Mark nicht finden, tauschen, 2. Mark nicht finden etc.

Als ich an den Startpunkt kam, meinte der Richter „Der Hund muss sich da übrigens nicht in den Matsch setzen, stehen reicht völlig.“ und ich musste grinsen. Doch Biscuit pflanzte wider Erwarten ihren braunen Speckpopo auf mein „Fuß“ sofort brav in die Pampe. Freigabe. „Apport.“ Biscuit semmelte durch den Bach, über die Wiese, über die alten Fallstellen, Hang hoch, Zack, Punktlandung, Rückweg. Schuss, Markierung, Anke merkte sich brav die Fallstelle. Biscuit setzte ihren Rückweg ohne weitere Hilfen fort, gab ab, schüttelte sich. „Fuß.“

Dann… tja, dann kam ich. Ich war überzeugt, dass Biscuit das zweite Mark nicht mitgeschnitten hatte. Deshalb nicht „Apport“, sondern „Voran“. Doch anstatt Biscuit auf der Lauflinie des ersten Marks voranzuschicken, richtete ich uns etwas weiter nach rechts aus. Immer schön den direkten Weg. Es wäre allerdings hilfreich, wenn man sich vorher anschauen würde, wohin man den Hund schickt. Ergebnis:

A2-3

Ich richtete Biscuit aus (weiße Linie), „voran“, und die nahm die Richtung brav an, stutze kurz vor dem Baum, stieg rechts davon ins Wasser, überquerte den Bach und landete im Gestrüpp. Schon als sie auf dem Weg durch den Bach war, dachte ich mir „Ach du scheiße, Anke… was ne Meisterleistung“. Keksi drehte sich am Gestrüpp fragend zu mir um und man sah ihr deutlich an, dass sie grad überhaupt keine Ahnung hatte, was ich von ihr wollte. Ich bekam sie mit hängen und würgen zur Stelle des zweiten roten Kreuzchens, aber als auf mein „Back“ keine Reaktion kam, holte ich sie zurück.

→ 0 Punkte

Das Gespräch mit dem Richter war sehr aufschlussreich. „Was hast du da gemacht? Warum hast du sie vorangeschickt? Die erste Markierung war so genial!“ Von wegen sie hätte das zweite Mark nicht auf dem Schirm gehabt. Fakt ist: sie wurde beim Schuss langsamer und drehte leicht den Kopf (was ich in dem Moment nicht registriert hatte, weil ich so auf die Fallstelle konzentriert war). Nachdem sie ins Fuß gekommen war, wäre sie sogar fast sofort wieder durchgestartet (leichtes Zucken nach vorn), ließ sich aber dann doch von mir ausrichten und ins Verderben schicken. Da wir in den letzten Wochen viel Voranschicken mit Verleitungen trainiert haben, war ich mir sicher: Biscuit dachte, sie darf das Mark nicht holen sondern ich schicke sie irgendwo anders hin.

Nach dieser Aufgabe schwante mir: Ich bin im Kopf bei F, Biscuit hat jedoch kein sicheres F-Niveau… das zusammengenommen mit meiner Fehleinschätzung der Situation ist wenig kompatibel. Ich beschloss: Wir haben eh schon zwei Nullen und ich betrachte es ab sofort tatsächlich als Training, d.h. keinerlei Hilfe/Einweiserei mehr von mir. Entweder es geht, oder es freckt. Übersetzt: Entweder erarbeitet sich Biscuit die kommenden Markierungen selbstständig, oder ich hole sie zurück.

Station 1 – Aufgabe 2 – Detlef Henrich

Doppelmarkierung Land/Wasser. Zuerst fiel die Wassermarkierung, dann die Landmarkierung am Uferrand. Der Winkel sehr klein, aber Reihenfolge egal; man musste vorher nicht ansagen, welche Markierung zuerst geholt wird.

A3-1

Prima, das sollten wir doch hinkriegen? Ich ließ Biscuit selbst entscheiden. „Apport“. Sie rannte zunächst zur Landmarkierung, sah von dort das Wassermark und schwenkte um. Plätscher… schnorchel… schnorchel. Da ich die letzten Meter im Wasser und den Ein-/Ausstieg nicht sehen konnte, lauschte ich aufmerksam. Schnorchel… schnorchel… plätscher – Hierpfiff. Biscuit kam wieder ins Blickfeld, schüttelte kurz den Hintern, brachte das Dummy aber schnurstraks ohne es abzulegen. „Fuß.“ „Apport.“ Biscuit rannte sofort wieder in den Fallbereich der Landmarkierung, suchte… suchte… suchte… und suchte sich schließlich aus dem Fallbereich heraus Richtung Helfer. Meine Ankündigung an den Richter: „Wenn sie nicht von selbst wieder in den Fallbereich kommt, hole ich sie zurück.“ So war es dann auch.

→ 0 Punkte

Der Haken an der Landmarkierung war, dass diese nicht in dem oberen Bereich lag den man auf dem Foto sieht; das Gelände fiel dort vorn in eine kleine Senke ab, wo ein Trampelpfad um den See führte. Biscuit suchte aber nur im oberen Bereich und hat ihre Idee nicht ausdauernd genug verfolgt.

Station 2 – Aufgabe 2 – Stefan Bürse-Hanning

Eine Einzelmarkierung am Ende der Wiese vor dem Waldrand. Zum Zeitpunkt unseres Starts lag die Wiese bis zum Heuballen in der Sonne, Helfer und Markierung lagen im Schatten.

A4-1

Zum einen waren die Lichtverhältnisse nicht unbedingt einfach, zum anderen hat der Wald ganz schön gezogen. In Biscuits Fall beides. Sie war nicht aufmerksam genug und bildete sich ein, die Helfer hätten nicht nach rechts vorne, sondern links hinten geworfen und verschwand dort im Wald. Ich wollte sie sofort komplett zurückholen, ließ mich dann aber vom Richter überzeugen es wenigstens 1x zu versuchen. Also pfiff ich sie aus dem Wald, stoppte sie auf Höhe der Helfer, schickte sie nach rechts, Suchenpfiff. Leider neigt Biscuit dazu, eher in meine Richtung zu suchen, als nach hinten und war deshalb recht schnell wieder aus dem Fallbereich heraus. Hier hätte ich schon wieder stoppen und back schicken müssen, was ich jedoch nicht wollte. Ich holte sie zurück…

→ 0 Punkte

…und knuddelte sie erstmal ordentlich durch. Ich quatschte noch ein bisschen mit dem Richter (war grad kein anderer Starter mehr da) und er meinte „Deine Einstellung zum Hund stimmt auf jeden Fall! Und dass du sie abgöttisch liebst, ist kaum zu übersehen.“ Neeeeein, wie kommt er denn auf die Idee? ♥

4 Aufgaben, 4 Nullen. Wir haben´s durchgezogen! Und nein – ich habe mich weder geärgert, noch war ich geknickt. Die erste Aufgabe war Pech, die zweite meine Schuld (man rolle eine Zeitung zusammen und schlage sie mir täglich 3x auf den Kopf) und Nummer drei/vier bewusst in Kauf genommen.

Wir werden das Training umstellen und ich muss weiter an mir arbeiten. Es fällt mir immer noch unheimlich schwer, das Gelände und die Aufgaben bei einem WT richtig einzuschätzen. Manchmal mache ich mir zuviele Gedanken, manchmal zu wenig, manchmal die falschen. Aber: nur die Erfahrung bringt uns weiter und deshalb – auf geht´s! Nach dem WT ist vor dem WT.

Es war ein tolles Frühlingswochenende! Ich hab viele nette Menschen kennengelernt und wiedergesehen, konnte tolle Teams in einem genialen Gelände beobachten und hatte viel Spaß.

Vielen Dank an die Richter, Helfer, Sonderleitung, Teilnehmer etc. für die gelungene Veranstaltung!
Wir kommen wieder *droh*!

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Spessart Cup 2014 (A)

  1. Huhu ach das ist ja schade … aber wenn wir mitmachen würden… ähh gibt es Minuspunkte? Ich finde euch toll und bin immer wieder beeindruckt wie genau und so ihr das macht. Ich bin eher so der einfach mal drauf los, egal was meine Vi da von „voran“ faselt… 😉
    Schlabbergrüße Bonjo

    • Keine Minuspunkte, davon hätten wir sicher auch schon den ein oder anderen gesammelt 😀
      Danke dir!!!

  2. Stefan Golonka

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht,
    Hut ab, das Du keinen falschen Ehrgeiz hast und
    nicht „böse“ mit Deinem Hund bist.
    Für mich hatten es die Aufgaben in sich (ist schließlich F),
    ohne auf die Windrichtung zu achten und evtl. Die Tiefe falsch einschätzen,
    Keine Chance.
    Man liest aber, das Ihr ein gutes Team seit,
    Und darauf kommt es doch an!
    Für mich wäre es wichtig die Fehler aufzuschreiben und Sie mir vor dem nächsten WT zu
    Vergegenwärtigen ( aufgeschrieben und verdeutlicht ist es super).
    Wir wünschen Euch viel Erfolg für die nächsten male und viel Erfolg!!!
    Liebe Grüße,
    Stefan, (Lilly Labrador/griechischer Straßenhund und Gladline Gordon)

    • Danke für den lieben Kommentar und das Feedback! 🙂
      Das Vergegenwärtigen ist eine gute Idee. Ich werde mir eine kleine Karteikarte mit Stichpunkten schreiben, die ich mir vor jeder Aufgabe nochmal zu Gemüte führe.

  3. Babsi

    Anke! Du schreibst einfach so GEIL!!! Das ist der Hammer, hahahahaha! Und man versteht es einfach so schön!
    Und ich finde Deine Einstellung großartig! Chapeau!
    Grüße an Deine Gebäcksis
    von mir und Emmalund

  4. Was für ein toller und sehr plakativ geschriebener Bericht – danke! Und was ich besonders schön finde: auch die Führerfehler werden analysiert und mit Humor entlarvt – bei anderen ist häufig nur der Hund schuld …

    • Danke, freut mich, dass der Bericht gefällt 🙂 Ich bin Biscuit dankbar für alles, was ich mit ihr gemeinsam lernen darf…

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