Karottensuppe nach Grobmotoriker-Art

Wir haben die Kotzerei. Naja, nicht wir. Biscuit hat die Kotzerei. Begonnen hat es am Samstag beim Spaziergang. Biscuit lief neben mir und guckte irgendwie komisch aus dem Fell. „Alles ok?“ fragte ich. *Buuääääh* göbelte Biscuit ihre Antwort auf den Waldweg. Okäääy, keine weiteren Fragen.

Nun kotzt der gemeine Labrador auch gerne mal, wenn er etwas magenunkompatibles gefressen hat. 1x rauskotzen und gut is. Ich inspizierte routiniert den dargebotenen Mageninhalt, konnte aber nichts ungewöhnliches entdecken. Hm. Da Biscuit sofort wieder einen munteren Eindruck machte, dachte ich mir nichts weiter dabei. Tarnen und täuschen…

Wäre ich clever gewesen, hätte ich zuhause den morgens erst gewaschenen Teppichvorleger trotzdem weggeräumt. Hab ich aber nicht. Wie gut, dass die Waschmaschine nicht wählerisch ist und ohne zu Murren auch 2x am Tag dieselben Dinge wäscht.

Mehrmals Kotzen deutete nun doch darauf hin, dass im Keksmagen irgendetwas nicht rund lief. Deshalb gab es Samstag nur noch eine kleine Portion Schonkost, die leider ebenfalls nicht drin blieb. Somit war Fasten angesagt. Amnesty Interkeksional verurteilte das auf´s Schärfste! Sonntag neuer Versuch: die Schonkost blieb drin. Juhu! Dienstag wagten wir uns wieder an normales Futter, was zunächst auch gut ging.

Mittwoch Morgen entschloss sich Biscuit zu einer neuen Runde. Kaum hatte sie ihr Futter einverleibt und die Küche verlassen, kam es auch schon wieder hoch. Während ich die Lache entfernte, machte ich nebenbei eine interessante Entdeckung: nicht eines der Trockenfutterstückchen war auch nur annähernd gekaut worden. Ich hegte schon lange den Verdacht, dass Biscuit ihr Futter nur schnupft und nicht kaut. Nun hatte ich den Beweis vor mir liegen.

Der abendliche TA-Besuch ergab die Diagnose „leichte Gastritis“. Wahrscheinlich hatte ich zu schnell wieder auf normales Futter umgestellt, was sich nun rächte. Dem Keks wurden einige Tage Schonkost und Ruhe verordnet. Schonkost. Hm. Meistens bedeutete das: Kartoffelpü mit Hühnchen. Oder Matschreis mit Hühnchen. Ich überlegte, was sonst noch in Frage käme und stolperte im Internet über die „Moro´sche Karottensuppe“.

Rezept: 500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde kochen, dann durch ein Sieb drücken oder im Mixer pürieren, mit gekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen und drei Gramm Kochsalz zugeben.

Bei dieser Karottensuppe handelt es sich eigentlich um eine Geheimwaffe gegen Durchfall. Doch was für den Darm gut ist, kann für den Magen nicht schlecht sein. Karottensuppe gepframpft mit Kartoffelpü? Sicher eine leckere Sache.

Ich kaufte Karotten, studierte nochmal das so einfach klingende Rezept, rechnete es auf die doppelte Menge hoch und legte los. Ich warf die geschälten Karotten ins kochende Wasser und wartete ab. Nach ca 30 Minuten warf ich einen Blick in den Topf und wunderte mich: die Karotten hatten ihren  Aggregatzustand noch nicht nennenswert verändert. Komisch.

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich 1. nicht gerne koche und es 2. auch gar nicht kann, weil ich es nie gelernt habe. Schon zu meiner Schulzeit entschied ich mich lieber für Werken als Hauswirtschaft. Man könnte sagen, mir fehlen beim Kochen die grundlegendsten Grundlagen. Ich höre noch heute das Gelächter meiner großen Schwester, als ich zu Teeniezeiten das erste mal Kartoffeln schälte. Aus rund mach eckig.

Aus diesem Grund funktionieren bei mir nur absolut idiotensichere Rezepte auf Anhieb. Dafür fehlte in o.g. Rezept genau ein Wort: „geschnittene“!

Natürlich hatte ich vorher kurz darüber nachgedacht, ob ich die Karotten wohl schnippeln sollte. Nein, dachte ich. Das würde doch sicher dabei stehen? Außerdem ist 1h Kochzeit doch wirklich lange?! Ich googelte nochmal und fand ein anderes Rezept, welches tatsächlich das Wort „geschnittene“ beinhaltete.

Mennooooo. Ich pulte die Karotten aus dem Topf und warf sie geschnippelt wieder zurück. Alles für den Dackel, alles für den Club! Ich füllte noch etwas Wasser auf und widmete mich anderen Dingern. Kochen konnten die Dinger schließlich alleine.

Einige Zeit später waberte ein unguter Geruch durch die Wohnung. Wonach riecht das nur? Öh? Röstkarotten? Neeeeeein. Verdammt. Vergessen den Deckel wieder auf den Topf zu legen. Wasser weg, Karotten farblich ungesund verändert, Topf angebrannt. Super Leistung!

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Immerhin waren die restlichen Karotten nun endlich weich. Ich füllte die einigermaßen brauchbaren Karotten in eine Schüssel und gab wieder etwas gekochtes Wasser dazu (herzlichen Dank an den Erfinder des Wasserkochers!). Ich warf den Stabmixer an und pürierte Matschkohlkarotten mit Wasser.

Nein, ich hab die Küche nicht mit Spritzmustern verziert. Die Erfahrung „Wie verschönere ich mich und meine Umgebung am effektivsten mit Nahrung“ habe ich schon vor einigen Jahren abgehakt. Der Stabmixer und ich sind inzwischen richtig gute Freunde.

Zufrieden betrachtete ich mein Werk. Sah gar nicht so schlecht aus… wenn man die schwarzen Pünktchen ignorierte. Jetzt noch Salz dazu und fertig. Meiner Hochrechnung nach sollten es 6g werden. Oder – wie ich in einem anderen Rezept überflogen hatte – ein gestrichener Teelöffel. Doppelte Menge ist dementsprechend ein gehäufter Teelöffel.

Gedacht, geschüttet und sofort den Fehler erkannt. TEElöffel, Anke! TEElöffel! Nicht ESSlöffel!

Ich schöpfte hektisch das meiste der Salzladung ab. Als mir zu guter Letzt auch noch der Löffel in der Pampe versank, war klar: Anke, das üben wir nochmal!

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Wenn aus mir auch sicher keine Meisterköchin mehr wird, kann ich wenigstens eines von mir sagen: ich bin lernfähig! Beweis ist das Ergebnis meines zweiten Versuchs – diesmal ohne Rezept, dafür mit viel Gefühl „gekocht“.3

Den Mädels schmeckt es hervorragend und dem Kekserl scheint es gut zu tun, denn wir hatten keine Kotzattacken mehr. Hoffen wir, dass das so bleibt wenn ich jetzt am Wochenende damit beginne wieder langsam auf normales Trofu umzustellen.

PS: Falls sich jemand fragt, wie ich mich eigentlich ernähre → ich hab einen Mann geheiratet, der gerne und gut kocht

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Kategorien: das Leben und der andere Kram... | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Karottensuppe nach Grobmotoriker-Art

  1. *brüll* Damit haste dir gerade den zweiten Wolkenbär verdient :-))). Vielleicht kocht der Gatte auch demnächst die Suppe für’s Keksi ;-).

  2. Na der, der dich zum Kreischen gebracht hat *g* http://eigenwillig.wordpress.com/2014/01/26/5-my-first-secret/. Auf dem ersten stand ja seitdem schon dein Name, aber inzwischen hat er Verstärkung gekriegt und nu sind beide reif zur Abgabe. Also schieb mal deine Adresse rüber :-).

    • *kreisch* STIMMT!!!! Den hatte ich völlig verdrängt *hibbel* Adresse kommt sofort bei Fazzebuck!

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