der Keks und das Schilf

Es gibt viele Dinge, die man bei 35°C tun kann. See oder Schwimmbad. Zuhause einigeln, Rollos runter und nicht bewegen. Sich in den Kühlschrank setzen. Oder stattdessen ein 2-tägiges Dummyseminar besuchen und sich von Petra Soons knechten lassen. Wasser war genug vor Ort, statt Rollos gab´s einen Anglerschirm und Biscuits neue Kühlweste ersetzte den Kühlschrank.

et voilá – so lässt sich´s aushalten

Weste

Da sich alle schon irgendwoher kannten (die Welt ist ein Dorf und die Retrieverszene ein Kaff), fiel die Begrüßungsrunde aus und wir legten direkt los.

Samstag

Für jeden gab es eine Einzelmarkierung per Dummylauncher hinter den Bewuchs bei dem einzelnen Bäumchen:

MarkBumper

Biscuit hängte sich zunächst am Bewuchs auf, suchte sich dann nach hinten und verzettelte sich. Erst im zweiten Anlauf klappte es.

Weiter ging es in 2er-Teams. Wir wechselten die Position und Petra phantasierte von einem See. Ich sah keinen See. Petra auch nicht. Sie verschwand hinter einer Schilfwand und ward ebenfalls nicht mehr gesehen. (raschel-raschel) „Hier war doch irgendwo ein See?! Wo ist der See hin? *…….* Maaaaaaaareeeeeeen, ich hab mich verlaufen!“ (raschel-raschel). Flintenweib lost im Schilf. Allein DAS war den Seminarbesuch schon wert!

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann raschelt es noch heute? Nein, zum Glück konnte die kleine Petra befreit werden…

IMG_4930

… und auch der See wurde gefunden. See? Wo? Ich sah nur grün…

See1

Hinter der Schilfwand versteckte sich tatsächlich ein See, wie Google Earth beweist. In diesen See warf Petra im 1. Durchgang eine Markierung.

SeeM1

Hier der See von der gegenüberliegenden Seite des Startpunkts betrachtet (Startpunkt lag neben dem Bäumchen links im Bild):

Seerück

Biscuit durfte zuerst. Das *platsch* war deutlich hörbar, trotzdem hatte ich meine Zweifel. Biscuit kannte bis dahin kein Schilf. Doch entgegen meiner Befürchtungen ließ sie sich von der grünen Wand nicht aufhalten. Sie verschwand im Schilf, es platschte und kurz drauf war sie mit Dummy wieder da. Merke: rändern im Schilf impossible.

2. Durchgang: Ein Werfer stand nicht sichtig auf der Landzunge hinter dem See und warf dort eine Markierung.

SeeM2

Man hörte *brrrt-brrrt* und sah kurz das Dummy in der Luft. Dass es nicht platschte, störte Biscuit jedoch keineswegs. Sie war der Meinung, es müsse im Wasser sein. Die Lockversuche des Werfers ignorierte sie und kam schließlich mit drei ??? im Gesicht wieder aus dem Wasser. Ich holte sie zurück und es durfte zunächst unser Teampartner arbeiten. Währenddessen besprach ich mit Keksi die Aufgabe „Schnecki, das Dummy fällt nicht INS Wasser, sondern dahinter an Land. Du musst durch das Schilf, durch das Wasser, drüben rausklettern und dort suchen. Alles klar?“ Ja, alles klar. Biscuit hatte verstanden und löste die Aufgabe im zweiten Anlauf problemlos.

3. Durchgang: Wir wechselten die Position und stellten uns auf die Landzunge. Von dort wurde eine Markierung hinter einen Bach geworfen. Jeder Hund arbeitete zuerst eine Markierung und wurde anschließend nochmal vorangeschickt.

SeeM3

Das Gelände: hoher Bewuchs → Schilf → Bach → Schilf → Wiese (Fallstelle). Sehen konnte man nur das:

seelanddahinter

Biscuit verschwand außer Sicht und ich lauschte aufmerksam. Raschel. Platsch. Raschel-knacks. Stille. Raschel-knacks. Platsch. Raschel. Ok, sie war drüben gewesen und nun auf dem Rückweg. Hatte sie gefunden? Ja, GANZ sicher. Biscuit ließ ein unverkennbares „Beutegrunzen“ vernehmen. Es klang, als würde gleich eine Wildsau aus dem Dickicht brechen. Kleiner Keks, große Wirkung. Ich musste sooooooooo lachen… Das Voranschicken lief ein wenig gesitteter ab. Es wurden Dummies nachgeworfen und wir wechselten wieder auf unseren alten Startpunkt.

Nun hieß es durchschicken. Voran → Schilf → Hund außer Sicht → See → Land (alte Fallstellen) → Schilf → Bach → Schilf → Wiese:

Seevoran

Biscuit verschwand außer Sicht und nun hieß es warten. Je länger es dauerte, desto größer die Chance, dass es geklappt hatte. Gerade als ich sagte „Wetten, dass sie außenrum zurückkommt?“, bog Biscuit mit Dummy ums Eck. Ich kenn doch meinen Hund *grad eben sind wir auch drumrum gelaufen…*.

Damit ließen wir den See für diesen Tag See sein und wechselten wieder zu der Stelle, an der morgens die Einzelmarks gefallen waren. Es wurde nun der Bumper-Boy aufgestellt, welcher ein Mark über den Bach schoss:

Bumber1

MarkBumper

Die „Kinder“ beim spielen…

IMG_4921

Biscuit rannte erstmal zum Bumper und bog von dort links ab. Leider blieb sie im Fallbereich nicht lange genug dran und ich musste sie nochmal nach links rüber schicken. Erst im zweiten Anlauf klappte es auf Anhieb.

Nachdem alle dran gewesen waren, ging es an die Abschlussaufgabe des Tages. Wir stellten uns in einer 3er-Line auf, setzten die Hunde ab und legten an unserem vorherigen Startpunkt-Bäumchen Dummies aus.

baum

Zurück in der Line flog die Markierung des Bumpers, anschließend schoss Petra mit dem Launcher eine Markierung auf die freie Wiese rechts neben uns:

line1

Gearbeitet wurde wie folgt:
1. Team „Mitte“ voranschicken auf den Baum
2. Team „Rechtsaußen“ das Bumper-Mark
3. Team „Linksaußen“ das Launcher-Mark
Anschließend wurden die Positionen gewechselt.

Das Voranschicken war kein Problem. Markieren/merken stand an diesem Tag jedoch nicht hoch im Keks, äh, Kurs. Beide Marks bedurften einiger Handelei. Das Launcher-Mark hat Biscuit sogar im wahrsten Sinne verkackt. Nein, das hat sie tatsächlich noch nie gemacht. Hätte sie auch an diesem Tag nicht, wenn ich mit ihr zwischendurch mal ums Eck wäre statt angenagelt in der Wartezone zu sitzen *knirsch*.

Sonntag

Gleich zu Beginn gab es ein kleines „Gedächtnistraining“. Wir stellten uns in einer 3er-Line vor dem See auf und sollten 1x durchschicken.

Seevoran

Fräulein Alzheimer verschwand im Schilf… es dauerte… und sie kam ohne Dummy wieder. Hmmm. Petra wies mich an, sie im Schilf vor dem See abzusetzen, auf die Landzunge zu gehen, sie über den See abzurufen und von dort erstmal über den Bach zu schicken. Keks abgesetzt, losmarschiert und kurz vor´m Ziel schallt es mir hinterher „Dein Hund ist aufgestanden!“ Och ja, ich liebe es. Auf dem Absatz kehrt und zurück. Auf halben Weg höre ich Petra „Abrufen!“. Hä? Wie jetzt? Etwas Kuddelmuddel später saß Biscuit wieder auf ihrem Hintern, ich hatte den Zielort erreicht und konnte sie abrufen. Sie ließ sich durch den Bach schicken, hängte sich aber am gegenüberliegenden Schilf auf und kam zurück. Einsatzbesprechung: „Keksi, du musst hinter das Schilf!“ Nochmal. Aaaaha. Das ganze nochmal vom ursprünglichen Startpunkt und siehe da – geht doch!

Wieder sollten wir die Hunde durchschicken, zusätzlich wurde diesmal mit dem Launcher eine Verleitung hinter uns auf die Wiese geschossen, wenn der Hund auf dem Rückweg war. Die Verleitung wurde jeweils von einem anderen Hund geholt. Biscuit hat die Verleitung zunächst brav ignoriert und ihre Markierung später sehr schön gearbeitet. Schien ihr Spaß gemacht zu haben, denn die nächste wollte sie ebenfalls holen. Eingesprungen. Tüdeldü.

Bevor wir mit der nächsten Aufgabe starteten, mussten auf der Wiese hinter dem Bach nochmal Dummies nachgelegt werden. Da Biscuit hier am unsichersten war, gingen wir mit und sahen von der Landzunge aus beim auswerfen zu. Währenddessen wurden am Baum vor dem See ebenfalls Dummies ausgelegt. Wieder zurück am Start sollten die Hunde zunächst 1x an den Baum vorangeschickt werden. Bei Biscuit bestand die Gefahr, dass sie auf der Hälfte der Strecke links zur Landzunge abbiegen würde, weil wir von dort gerade gekommen waren. Sie ließ sich aber problemlos pushen und sauste durch.

2

Damit war der Grundstein für den nächsten Schritt gelegt: die Hunde zum Baum voranschicken und dort stoppen.

links1

Wenn der Hund saß, wurde mit dem Launcher eine Markierung in die Wiese geschossen. Für die O-Hunde betrug der Abstand HF/Hund knapp 100m (lt. Google Earth), für die F-Hunde durften wir die Strecke nach dem stoppen um einiges verkürzen.

links2

Zuerst sollten die Hunde nach links auf die Dummies hinter dem See/Land/Bach geschickt werden, im Anschluss wurde das Mark geholt.

links3

Voranschicken – kein Thema. Stopp-Pfiff – auf 100m Entfernung ausbaufähig. Die alten Fallstellen am Baum drückten auf den Gehörgang. EY!!! TÜÜÜT! Sitzt. Na also! Ich verkürzte die Entfernung und Petra wollte gerade die Markierung abfeuern, als der Keks sich dachte *dauert mir alles zu lang hier* und wieder aufstand. Uuuuh. Beine in die Hand genommen und Keks wieder abgesetzt. Der Rest lief wie am Schnürchen.

Rüber – kein Problem. *hab´s*

4

Die Markierung – super! Ich hatte keinen blassen Schimmer mehr, wo das Ei gelandet war, aber Biscuits Gedächtnis war inzwischen warmgelaufen.

7

Das bewies sie auch beim Walk-Up über die Wiese rechts vom See…

walkup

…denn dort stand plötzlich ein Fotograf neben dem See. Petra schoss für uns eine Markierung in den See und Biscuit erinnerte sich *Aaaah, ein Helfer. Helfer helfen! Ich halte mich mal den netten Mann mit dem großen Fernrohr, der zeichnet mir sicher einen Lageplan.* Nein, tat er nicht. Und obwohl keiner damit rechnete, fand sie das Dummy-Ei trotz des großzügigen Umwegs.

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*glotz net so blöd, Ente war grad aus…*

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*schnorchel*

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Ich muss mir das endlich hinter die Ohren schreiben – niemalsnienicht darf Biscuit geholfen werden.

Der Rest des Walk-Ups war ok. Keksi bekam noch eine Markierung in den See und damit die Chance, es diesmal richtig zu machen. Sie nahm den direkten Weg, kam allerdings nach kurzer Zeit wieder aus dem Schilf und ich musste sie nochmal reinschicken. Gefunden!

Zum Abschluss gab es für alle noch eine Suche im Schilf/hohem Bewuchs hinter dem Bach.

SucheSchilf1

Die Hunde hatten beim auswerfen zugesehen, was aber bei Biscuit nichts heißen muss – wenn ich bedenke, mit welchem „Erfolg“ ich ihr in der Vergangenheit ihre Selbständigkeit abtrainiert hatte… Wichtigstes Wort in diesem Satz: Vergangenheit! Sie hat das Suchengebiet sofort angenommen und ihre beiden Dummies zügig gefunden. Tschakka! Letztes Jahr wäre das undenkbar gewesen.

*müde*

IMG_4999

Damit wäre ich auch beim Fazit des Wochenendes angekommen: Das Seminar war genau das richtige für uns! Viel selbständiges Arbeiten außer Sicht und viele neue Erfahrungen für Biscuit. Um es mit Petras Worten zu sagen: „Biscuit hat gelernt durch Wände zu gehen.“ Jepp! Das Wochenende hat gezeigt, dass Biscuit wieder ein gesundes Selbstbewusstsein hat und deutlich sicherer geworden ist…

…was leider nichts an meinen „Oh wei, oh weh, ich seh sie nimmer“-Gesicht ändert *üüüääääh?*

IMG_5034

Vielen-vielen-vieeeeeeelen Dank: an Maren für die Organisation und die Bilder, an Petra für den Input & die sehr gut aufgebauten Aufgaben und die ganze Truppe für das schöne Wochenende!

Außerdem ein extradickes Dankeschön an Petra, weil sie (z.B. beim Walk-Up) immer darauf geachtet hat, dass Biscuit einen Wasserapport zur Abkühlung bekam. DANKE!

 

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Kategorien: Seminare | Hinterlasse einen Kommentar

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