Gründeln im Forst 2014 (F)

Ursprünglich hatte ich mich für diesen Wasser-Workingtest noch in der Anfängerklasse angemeldet. Da wir jedoch zwischenzeitlich die Qualifikation für die Fortgeschrittenenklasse erreicht hatten, meldete ich von A auf F um. Wohlwissend, dass wir am Wasser noch kein sicheres F-Niveau haben. Fakt ist: Markierungen im/über Wasser – kein Problem. Biscuit ist kein wasserscheuer Lab, ganz im Gegenteil. Leider ist aber das Voranschicken über Wasser eine meeega Baustelle.

Warum ich trotzdem umgemeldet habe? Weil ich wusste, dass Jörg Mente richtet. Ich weiß von diversen Helfereinsätzen und A-Starts, dass Jörg Mente auch bei einer versemmelten Aufgabe darauf achtet, dass die Hunde doch noch zum Erfolg kommen. Und weil man einfach auch mal die „Komfortzone“ verlassen muss, um sich weiterzuentwickeln.

Samstag war ich als Helfer für die A vor Ort und genoss neben der entspannten Atmosphäre auch das herrliche Wetter. Eben jenes herrliche Wetter erlitt am Sonntag einen Rohrbruch und so wurden neben den Hunden auch die Hundeführer ordentlich nass. Trop, tropf, tropf… warum genau tut man sich das an? Ach ja, weil´s „Spaß“ macht. Muahahaha!

Es gab drei Stationen. An Station 1 + 2 wurde jeweils eine Doppelaufgabe gearbeitet, an Station 3 eine Einzelaufgabe. Außerdem hatte Jörg Mente noch eine Überraschung parat: an allen Stationen traten je ein F- und ein O-Gespann zusammen an. Es durfte an allen Stationen zugesehen werden (selbstverständlich ohne Hund), was gerne genutzt wurde. 2er-Aufgaben mit Publikum. Das trug unheimlich zu meiner Entspannung bei *gnarf*.

Station 1 – Aufgabe 1 und 2:

Startpunkt direkt am Uferrand mit Blick auf die Insel.
Es fiel Markierung M1 (Schütze S1 und Werfer W1 standen am linken Ufer),
danach Markierung M2 (Schütze S2 stand rechts am Rand, Werfer W2 war hinter der Insel versteckt).
Zuerst arbeitete der O-Hund M1.
Danach arbeitete der F-Hund das Blind B1 und anschließend M2.
Zum Schluss war vom O-Hund B2 zu holen.
Beide Blinds waren unbeschossen.

Entfernungen: Start – Uferrand der Insel 30m; Start – M2 40m; Start B2 – 50m (gemessen mit Google-Earth)

Station1

Yeah! Gleich in der ersten Aufgabe unser Angstfach: Voranschicken über´s Wasser. Von der Markierung in dem (für unseren Trainingsstand) zu kleinen Winkel mal ganz abgesehen. Die Chancen, gleich in der ersten Aufgabe abzusaufen, standen hervorragend. Aber: wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Ich war erstmal gespannt, ob Biscuit die Markierungen mitschneiden würde. Meistens stehen auf den WTs die Schützen und Werfer nebeneinander, weshalb sich die Hunde in der Regel sehr auf den Schützen konzentrieren. Jörg Mente gestaltet es gerne jagdnah: zuerst kommt vom Werfer ein „brrt“ (soll das Geräusch der auffliegenden Enten simulieren), dann wird geworfen. Erst wenn das Dummy (die Ente) schon in der Luft ist, wird geschossen. Die Schützen sind mit Stöcken ausgestattet, welche an die Pistole gehalten werden und eine Flinte darstellen sollen, die Richtung Ente zielt.

Ich gebe zu – wir haben das trainiert, weil es genau so auch beim Biber-Cup gestaltet war und Biscuit eben viel zu sehr auf die Schützen konzentriert war. Gestern hatte sie alles im Blick. Sie hatte beide Marks genau mitgeschnitten und musste mit Erschrecken zusehen, dass M1 vom O-Hund geholt wurde. Als der O-Hund auf dem Rückweg war, signalisierte sie mir *Ich weiß genau, wo das andere ist (zur Fallstelle geier). Das ist doch für mich (zu mir hochschiel)? Darf ich (geier)? Jetzt (hochschiel)? Jetzt (geier)? Jeeeeeeetzt (hochschiel)?*.

Ihre Erwartungen wurden leider enttäuscht, denn ich richtete sie auf die Insel aus und schickte sie auf B1 voran. Ich hegte die schwache Hoffnung, dass sie gehen würde weil der O-Hund eben auch schon dort war. Sie ging zunächst auch den steilen Einstieg runter und ins Wasser, um dort nach einem Meter in Zweifel zu verfallen. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie wieder rausgekrabbelt war und an meinem Bein saß. Mööööp. Da war die Null.

Bei vielen anderen Richtern wär´s das gewesen und die Aufgabe wäre sofort mit dem nächsten Dummy weitergegangen. Doch Jörg Mente meinte, ich solle sie nochmal vom Startpunkt des O-Teams schicken. Gesagt, getan. Diesmal schwamm Biscuit ohne zu zögern bis zur Insel. Nach zwei/drei weiteren Pfiffen/Kommandos war sie am Blind und auf dem Rückweg. An dieser Stelle vielen, vielen Dank an Jörg Mente für die zweite Chance. Punkte gab´s dafür natürlich keine mehr, aber ein Erfolgserlebnis für Biscuit war an der Stelle vieeeeeel wichtiger! Steter Tropfen höhlt den Keks.

Nun sollte Biscuit M2 holen. Ich war sehr zuversichtlich, weil sie vorher so danach gegeiert hatte. Möööp. Bedauerlicherweise hatte das Blind die Markierung von der keks´schen Festplatte gelöscht. Biscuit verschwand im Wasser und platschte unsicher am Uferrand entlang. 5m rechts neben mir kam sie wieder aus dem Wasser. Stopp! Rüber! Ich erntete einen verzweifelten Blick, aber sie ging wieder ins Wasser und schwamm auf die Insel zu. Auf der Insel stoppte ich sie und schickte sie nach rechts. Auf Höhe der Fallstelle (die ich mir dank eines fetten Binsenbüschels sehr gut merken konnte) gab ich den Suchenpfiff. Biscuit schoss an der Fallstelle vorbei und bog Richtung O-Blind B2 ab. Schockschwerenot, hysterisch in die Pfeife pust… STOPP! Keksi guckt, linker Arm raus + Suchenpfiff. Keks suchte sich wie befohlen nach links und fand! Uffz! Dafür gab es noch 10 Punkte.

Station 2 – Aufgabe 3 und 4:

Startpunkt auf einem Waldweg mit Blick auf eine „Schneise“ zwischen einem See (links hinter den Bäumen) und dem Wald (rechts). Die Schneise war ein bunter Mix aus Wasser, Sumpf, Binsen, Schilf, Totholz. Es fielen vier popelige Markierungen… (Scheeeeerz! Danke an Anita Hils für die Vorlage, hihi).

Die Hunde wurden mit dem Rücken zum Geschehen direkt vor dem Übergang Waldweg/Schneise abgesetzt (andersrum hätten sie allerdings auch nichts gesehen). Die Hundeführer blieben auf dem Waldweg stehen und beobachteten das Geschehen:
Zuerst warf Werfer W1 die Markierungen M1 und M2 (Schütze S1 stand gegenüber am Waldrand),
danach warf W2 noch M3 und M4 (der Schütze S2 stand gegenüber am Waldrand).
Die Hunde wurden abgerufen. Idealerweise sollten nun M1 bis M4 in der gefallenen Reihenfolge abwechselnd geholt werden.
Der F-Hund M1, der O-Hund M2, der F-Hund M3 und der O-Hund M4.
(hat der F-Hund M2 statt M1 zuerst gebracht, gab es nur Punktabzug, aber keine Null)

Schwierigkeit: Die Hunde waren im Gemüse ratzfatz außer Sicht…
Entfernungen: M1 – 20m; M2 – 40m, M3 – 50m; M4 – 70/80m (gemessen mit Google-Earth).

Station2

Das Gelände hatte es wirklich in sich. Mein lieber Herr Gesangsverein! Wir setzten die Hunde ab und das Geballer begann. Ich prägte mir brav die vier Fallstellen ein, was anhand der vielen markanten Geländepunkte nicht allzu schwer war („hinter einem Bäumchen/hinter dem ersten Totholzhaufen/beim zweiten Schützen im Farn/gaaaaaanz hinten im Wald hinter einem Hubbel“).

Wir riefen die Hunde ab, ich richtete Biscuit aus und schickte sie voran. Ich stoppte sie auf Höhe von M1, nur war sie genau da leider außer Sicht verschwunden. Ich stand ratlos in der Gegend rum und hörte Jörg Mente sagen „Mach ruhig weiter. Die Hunde sehen euch ganz genau – auch wenn ihr sie nicht sehen könnt.“ Hm, ok. Es folgte eine kuriose Handelei, mit vielen Ratespielchen, wo genau sich mein Hund aktuell befinden würde. Ich war absolut und heillos mit der Situation und dem Gelände überfordert. Irgendwann begann sogar der Steward, Biscuits aktuellen Standort durchzugeben. Einmal tauchte sie links oben an der Kante zum Weiher auf. Wann und wie genau sie sich dorthin geschlichen hatte, ist mir nach wie vor unbegreiflich. Da war ich am allerüberfordertsten. Hol ich sie erstmal näher ran oder schick ich sie nach rechts? Ääääääääääätzend! Keine Ahnung mehr, was ich gemacht habe, aber irgendwie bekam ich sie ans Dummy. Hallelulja!

Nachdem der O-Hund M2 geholt hatte, waren wir mit M3 wieder an der Reihe. Ich schickte Biscuit voran. Die alte M1-Fallstelle war kein Problem, bei der alten M2-Fallstelle geriet sie ein wenig ins stocken. Stopp, Back. Sie verschwand (mal wieder) außer Sicht und tauchte vieeeeeel zu weit hinten kurz vor M4 wieder auf. Ich holte sie näher ran, stoppte, schickte nach rechts, Suchenpfiff, Keks macht nen Ausflug in den Wald. Sackzement. Stopp. Rüber. Am Farn wieder Stopp und dann erst Suchenpfiff. Dummy gefunden. Tschakka!

Für diese Vorstellung gab es 8 und 12 Punkte. Natürlich stark verbesserungswürdig. Aber so rückblickend für unseren Leistungsstand und meinen dürftigen Erfahrungsschatz: ganz großes Kino *find ich*. Ist es eigentlich erlaubt, dem Hund ein Blaulicht oder Fähnchen auf den Kopf zu binden???

Die Fallstellen aus der Nähe:

M1

M2

M34

Station 3 – Aufgabe 5:

Rund um den See waren Helfer (H1 – H4) postiert, die sich der Reihe nach austobten. Jeder Helfer gab 2 Schüsse ab und warf 2 Dummies bei sich an Land. Auf der Insel lagen zwei unbeschossene Blinds.

Zuerst sollte der F-Hund ein Blind von der Insel holen, danach der O-Hund. Die gefallenen Markierungen wurden von den Helfern anschließend wieder eingesammelt.

Entfernung Uferrand – Inselufer ca. 25m (gemessen mit Google Earth). Das F-Gespann stand ca. 5m vom Ufer entfernt, das O-Gespann ca. 7m (geschätzt von Anke-die-keine-Ahnung-von-Entfernungen-hat-und-sich-gern-korrigieren-lässt).

Station3

Hier klafften meine Hoffnung und die Realität wieder stark auseinander. Gehofft hatte ich, dass die vielen Schüsse Biscuit ins Wasser ziehen würden („wenn sie mal im Wasser ist, krieg ich sie schon auf die Insel“). Die Realität zeigte einen Keks, der losging und nach zwei Metern Wasserkontakt Angst vor der eigenen Courage bekam. Sie bremste, schaute wirr von einem zum anderen Helfer, drehte ab und kam wieder ans Ufer. Der Kampf begann. Stopp, back – 3x, 4x, 5x. Jedesmal haute Biscuit am Wasser wieder die Bremse rein. Schließlich rannte sie das rechte Ufer entlang und ich ließ sie erstmal machen. Kurz bevor sie den Helfer H1 erreichte, stoppte ich sie wieder. Rüber! Und siehe da – sie ging ins Wasser und schwamm zur Insel. Ich rief „such“ und der Rest war Formsache. Menschmeier! Hierfür bekamen wir noch – Zitat: „3 Punkte für Tapferkeit“. Sehen wir es positiv – besser als nix.

Ich hätte mir natürlich ein besseres Ergebnis gewünscht, aber da mir unsere Schwächen und Baustellen vorher klar waren, bin ich weder überrascht noch enttäuscht. Biscuit braucht mehr Sicherheit und Vertrauen beim einweisen über Wasser und ich mehr Erfahrung im Handling. Wir sind mit diesem WT wieder ein Stück mehr in die F reingewachsen, die für uns beide immer noch sehr neu und ungewohnt ist.

Es war ein toller kleiner WT! Vielen Dank an Sonderleitung, Reviergeber, Richter, Helfer und Starter. Wir sind nächstes Jahr gerne wieder dabei und werden fleißig weitertrainieren. Grobmotoriker-Ehrenwort!

selfie

 PS: Eine Aufgabenbeschreibung der Anfängerklasse findet ihr hier http://yellowpaws.jimdo.com/2014/09/01/neuer-blog-artikel/

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Gründeln im Forst 2014 (F)

  1. Fähnchen auf dem Kopf fänden wir gut. Deine Texte finden wir sowieso immer gut *gg*. Einmal mehr Danke für Dummytraining für Dummies, verständlich erklärt… 😉

    LG und weiterhin viel Erfolg

    Andrea und Linda

  2. Wieder ein sensationeller Bericht. … Für Insider … Ich glaub die Gruppe „Workshop Photoscape / Gimp“ kann ich löschen *kicher*

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