ein F-Keks und sein Verleitkarpfen

Nein, liebe Leser – der Blog ist nicht kaputt.
Nur ein bisschen eingestaubt…

Im Hause Grobmotoriker sind alle wohlauf und bestens gelaunt. Allerdings war ich in den letzten Monaten von einer akuten Schreibfäule befallen. Die Blogger unter euch wissen, wieviel Zeit ein Blog in Anspruch nehmen kann und dass man diese Zeit manchmal besser mit seinen Lieben nutzt… und genau das hab ich getan. Wir waren viel unterwegs – Training und Seminare mit Biscuit, Treffen mit Mädels und den Mudpaws, Helfer beim Workingtestfinale und einem Rettungshundeeignungstest und Zuschauer bei einer JP/R.

Die JP/R wurde von der BZG Unterfranken ausgerichtet und fand nur knapp 30 km entfernt statt. Im Laufe des Tages schnappte ich etwas von einer Dummyprüfung auf, die am 15.11. in diesem Revier stattfinden sollte. Als Richterin war Petra Beringer eingeladen, die ich schon von Schnuppern im Forst und dem Biber-Cup kannte. Eigentlich hatte ich nie ernsthaft geplant, mit Biscuit die Dummy F zu laufen, aber das konnte ich mir unmöglich entgehen lassen: Revier → ums Eck, November → bestes Kekswetter, Richterin → kenn ich, mag ich, passt. Machen wir!

Ich ging Freitag abend relativ bald zu Bett, man will schließlich am Prüfungstag ausgeschlafen sein – so der Plan. Die Nachteule in mir sah das anders. Punkt 2.23 Uhr wachte ich wieder auf und – BÄM – hellwach! Es folgte das übliche. Wälz nach links, wälz nach rechts, Kissen passt nicht, Decke verdreht, ein Hund schnarcht, ein Hund träumt, Männe braucht zu viel Platz, gnnnnnnnmpf, … endlich klingelte der Wecker – der Wahnsinn konnte beginnen.

Wir trudelten pünktlich am Treffpunkt ein, ich gab die Papiere ab und Biscuit bestand die Chipkontrolle. Das reicht doch eigentlich, oder? Wo ist unsere Urkunde? Nein, es reichte nicht, also machten sich 5 A-Starter und 4 F-Starter auf ins Prüfungsgelände. Zuerst wurde die Suche der A geprüft, danach die F. Biscuit und ich hatten Startnummer F3 und taten zunächst das, was wir am besten können: warten.

Je näher unser Einsatz rückte, desto mulmiger wurde mir. Die Suche dauerte bei allen Teams ziemlich lange, was nichts gutes verprach. Endlich waren wir an der Reihe.

Verlorensuche
(1) In einem Gelände mit mittlerer Deckung werden für Führer und Hund nicht sichtbar 8 Dummies ausgeworfen.
(2) Nach Aufforderung durch den Richter wird der Hund zur Verlorensuche in das bezeichnete Suchengebiet geschickt.

(3) Die Aufgabe wird durch den Richter beendet.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Petra Beringer erklärte die Grenzen des Suchengebiets und ich staunte beim Anblick des Geländes nicht schlecht. Totholzhaufen, Wurzelwerk, Reisighaufen, noch mehr Totholzhaufen und allerlei sonstiger Bewuchs (hab leider das Fotografieren vergessen). Petra wies auf die alten Fallstellen der A-Suche hin und dass es natürlich absolut ok ist, wenn diese von Biscuit kontrolliert werden.

Konzentration. „Such!“. Wie immer brezelte Biscuit zuerst in die Tiefe und war holterdipolter am hinteren Ende des Suchengebiets aus meinem Blickfeld verschwunden. Äääääh…? Wo isse hin? Panik. Pfeif ich, pfeif ich nicht? Hinter mir hörte ich Petra sagen „Irgendwas muss da hinten sein, das haben bisher alle Hunde gemacht.“ und ich entspannte mich wieder. Ich wollte Biscuit nicht gleich zu Beginn mit einem Pfiff aus dem Konzept bringen, sie würde schon wieder auftauchen. Das tat sie auch. Allerdings erst gefühlte Ewigkeiten später und mit der Zunge fast am Boden. Wow, sie musste da hinten ordentlich die Sau rausgelassen haben *Stirn patsch*. Biscuit schnaufte und pumpte wie eine Dampflok und sah mich fragend an.

„Such!“. Diesmal war der Radius wesentlich kleiner, trotzdem bekam Biscuit ewig nichts in die Nase. Gerade als ich dachte „wenn sie jetzt nicht bald was findet…“ tauchte sie vollständig in einem Reisighaufen ab *raschel-wackel* und mit Dummy wieder auf. Uff. Das zweite Dummy hatten wir etwas schneller drin, das dritte war wieder eher Marke „Anke kurz vor´m Herzinfarkt“. Biscuit hatte sich am alten Suchengebiet der Anfänger festgesaugt. Ich wusste, dass sie irgendwann fragen würde und senkte den Kopf. Da ich ganz offensichtlich mit meinen Gummistiefeln beschäftigt war, machte Biscuit alleine weiter und siehe da – sie fand. Heureka! Das vierte Dummy ließ nochmal lange auf sich warten. Keksi war nach ihrem anfänglichen Ausflug kaum noch in die Tiefe zu kriegen, kontrollierte erneut die alten Fallstellen und fand Nummer 4 schließlich in einem Gestrüpp, an dem sie schon ca. 10 mal vorbeigerannt war. Heiliger Wurzelzwerg, bitte nicht noch eins… „Danke, das reicht.“ hörte ich die Richterin sagen. ÄCHZ.

→ 12 Punkte :huchgott:

Wir zogen um in die nächste Wartezone und die Anfängerklasse brachte den Appell hinter sich. Ich hatte die gruselige Suche noch gar nicht richtig verdaut, als es für uns schon wieder weiterging.

Einweisen
(1) Für den Hund und Hundeführer wird nicht sichtbar ein Dummy ausgelegt, dessen Lage dem Führer vor Beginn zu bezeichnen ist. Die Geländebeschaffenheit ist so zu wählen, dass der Hund seine Lenkbarkeit zeigen kann.

(2) Nach Aufforderung durch den Richter schickt der Führer seinen Hund.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Das Blind lag in dichtem Bewuchs unterhalb eines einzeln stehenden Baumes in ca. 80m Entfernung (lt. Google-Earth). Der Weg zum Baum platte Wiese, links ein Weiher und rechts der Wald mit dem alten Suchengebiet (dessen Eingang nur 5m rechts neben dem Blind lag).

Einweisen

Petra wies uns auf die möglichen Verleitungen (Wasser/Wald) hin und dass der Wind von links kam. Tja, da stehste nun mit deinem Talent, machst dir Gedanken wie du den Hund am schnellsten ans Stück bringst (schick ich sie nach rechts Richtung Wald in den Wind oder lieber ein bisschen nach links vom Wald weg) und dann kommt es doch ganz anders. Ich hatte mich für die goldene Mitte entschieden und Biscuit direkt auf den Baum ausgerichtet. „Voran!“…

Biscuit nahm die Linie schön an, wurde aber schon nach 30m langsamer und begann zu suchen.
Pushen schien mir keine gute Idee, also stoppte ich sie.
Tüüüt! Biscuit zog den Kopf ein und sah mich an.
Back! Rechter Arm – scheiß Idee – Keks driftete Richtung Wald.
Tüüüt! Gerade noch so am Waldrand gestoppt. Schwitz.
Rüber (links)! Erstmal vom Wald weg, was Keksi auch brav befolgte.
Tüüüt! Biscuit stoppte in der Mitte der Wiese, war aber offensichtlich verunsichert.

PLATSCH!
….
What the f***? :mundzu2:

Einen ungünstigeren Moment hätte sich der dappige Karpfen für seinen Luftsprung in Ufernähe wirklich nicht aussuchen können. Biscuit starrte gebannt auf das Wasser neben sich. Ursprünglich hatte ich sie mit dem linken Arm nach hinten weiterschicken wollen. Das hatte sich nun erledigt. Der Wald war in sekundenschnelle zum kleineren Übel geworden. Also doch der rechte Arm. Back! Biscuit tat wie befohlen und war schließlich so fix am Baum, dass ich mit dem Stoppen pennte. Der Keks bog scharf rechts ab und verschwand im Suchengebiet. Shit.

Tüt-tüt! Warten… nix.
Tüt-tüt! Warten… wieder nix.
TÜT-TÜT! Biscuit kam aus dem Wald.
Tüüüt! Keksi saß jetzt nur noch 20m vom Ziel entfernt und ich wurde hektisch.
Back! Biscuit hechelte und bewegte sich keinen Millimeter.
Back! Nope. Sie hatte dicht gemacht.

Ich stand einen Moment lang rat- und mutlos auf der Wiese bis mir wieder einfiel, was unser „Trainerle“ Rainer Kern immer predigt: Ein Hundeführer gibt niemals auf!

Yes! Bauch rein, Brust raus, nachdenken.
Was würde ich im Training tun, wenn sie blockiert? Distanz verkürzen, d.h. näher rangehen.
Kann ich in der Prüfung nicht, was bleibt also? Den Hund wieder näher ranholen.
Tüt-tüt! Biscuit kam näher…
Tüüüt! Biscuit stoppte…
Back! Biscuit hechelte…
Ok, das war noch nicht nahe genug. Ich holte sie noch ein Stück zurück.
Durchatmen. Konzentrieren. Spannung aufbauen. Back!
Zack – Biscuit drehte um, ich schmiss noch ein „voran“ hinterher und ließ sie laufen.
Was soll ich sagen? Kaum macht man etwas richtig – klappt es auch!
Biscuit landete am Baum – Suchenpfiff – GEFUNDEN!

Kaum hielt ich das Dummy in Händen, bekam ich von der Richterin den Befehl „Und jetzt hab mal so RICHTIG Spaß mit ihr!“. Petra war nicht entgangen, dass Biscuit ein Sensibelchen ist und den Stopp-Pfiff leider oft als Strafe empfindet. Im anschließenden Gespräch sagte sie „Als sie dicht gemacht hat, dachte ich das war´s jetzt. Das hast du richtig gut gelöst!“.

→ 8 Punkte :puuuuuh:

Erst diese gruselige Suche und dann dieser Einweise-Krimi. Mir war in der anschließenden Mittagspause noch so schlecht davon, dass ich nichtmal was essen konnte. Meine Nerven! Ich tröstete mich damit, dass wir das Schlimmste nun hinter uns hatten. Nur noch die Doppelmarkierung und der Walk Up – wenn wir an diesem Tag auch sonst nix können… DAS können wir doch?!?!!

Nach der Pause absolvierten die Anfänger die Land- und Wassermarkierung und für uns ging es daraufhin ebenfalls nahtlos weiter mit Doppelmark und Walk Up.

Doppelmarkierung
(1) Die Merkfähigkeit wird mittels einer Doppelmarkierung jeweils unter Schussabgabe geprüft, wobei mindestens ein Dummy in ein Gewässer oder jenseits eines stehenden (langsam fließenden), Gewässers fällt.
(2) Sollte kein geeignetes Gewässer zur Verfügung stehen, … (hier irrelevant).
(3) Die Reihenfolge der gebrachten Dummies ist beliebig. Sie wird dem Richter vom Hundeführer mitgeteilt.
(4) Der Hundeführer darf den Hund erst auf Anweisung des

Richters zum Dummy schicken.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

Doppelm

Zuerst fiel die Wassermarkierung (M1), danach die Landmarkierung (M2). Petra erklärte, dass wir zwischen den Markierungen genug Zeit hätten, die Hunde zu drehen. Sie würde uns freigeben, wir müssten ihr aber nicht ansagen, welches Dummy zuerst geholt wird – sie würde das daran festmachen, wie wir uns ausrichten.

Schuss, M1 platschte ins Wasser. „Fuß!“ Biscuit drehte brav mit mir nach links, schielte aber weiter aufs Wasser. Schuss, Biscuit immer noch völlig fasziniert von der Wassermarkierung. Ich zeigte schnell nach vorne und sie sah gerade noch den letzten Teil der M2-Flugbahn (die Fallstelle lag in einer Senke und war für die Hunde nicht sichtig). Wir erhielten die Freigabe und ich drehte uns zurück zu M1. „Apport!“. Das ließ sich der Keks nicht zweimal sagen. An der Uferkante entschied sie sich nach einem kurzen *?* für einen Einstieg mittels Bauchplatscher. Schnorchel hin, schnapp, schnorchel zurück. Schütteln mit Dummy *hmpf*, Abgabe. Wir drehten uns zu M2, „Apport!“. Punktlandung, tschakka! Petra war begeistert. Ich natürlich auch!

→ 18 Punkte :naegelmachen:

Jetzt nur noch der Walk Up – unsere Kernkompetenz!

Standruhe in Verbindung mit Markieren (Walk Up)
(1) Die Führer einer Gruppe (mindestens 3, maximal 6 und nicht mehr als 4 Gespanne pro Richter) gehen mit ihren unangeleinten Hunden in einer geraden Linie durch ein Gelände geringer Deckung.
(2) Nach erfolgtem Schuss bleiben Führer und Hunde stehen, und ein Dummy wird vor die Führerlinie geworfen. Auf Anweisung des Richters wird ein Hund zum Bringen geschickt, während die nicht arbeitenden Hunde ruhig bei ihren Führern warten.

(3) Der Vorgang wiederholt sich unter ständigem Vorrücken der Gespanne und Werfer bis alle Hunde zum Einsatz gekommen sind.
(4) Das Arbeiten der Hunde erfolgt von der rechten äußeren Position.
(5) Der Hundeführer darf den Hund erst auf Anweisung des Richters zum Dummy schicken.
(Auszug aus der Ordnung für Arbeitsprüfungen mit Dummies (APD/R) des DRC)

walkup

Biscuit und ich starteten bei S3, rückten dann auf S2 vor und landeten zuletzt bei S1. Man merkte deutlich, dass wir in unserem Element angekommen waren. Es gibt wirklich nichts, was mir persönlich so viel Spaß macht, wie ein Walk Up. Biscuit zeigte astreine Fußarbeit und wartete brav, bis wir an der Reihe waren. Freigabe. „Apport!“. Biscuit war gerade am losspurten, als…

PLATSCH!

…direkt neben uns der Herr Verleitkarpfen nochmal nach dem braunen Labrador sehen wollte. Biscuit bremste und sah verdattert erst ins Wasser und dann zu mir. Ich zeigte nach vorne „Apport!“ und der Rest war Formsache.

→ 18 Punkte :knicks:

Für den Walk Up gab es nochmal ein Extra-Lob von Petra „Wirklich klasse! Sehr schade, dass Suche und Einweisen für euch so schwierig war.“ Ja, das können wir besser, aber: BESTANDEN! *Jubel*.

Da wir eine F-Starterin hatten, die zwei Hunde führte, durften wir den Walk Up außer Konkurrenz nochmal mitlaufen (ggf. auch angeleint – worauf ich allerdings verzichtet habe). Schade, dass die Punkte schon feststanden, denn in der 2. Runde ließ sich der Karpfen nicht blicken. Elender Sausack! *pardon*.

Dafür wurde bei der Siegerehrung nochmal herzlich über das schuppige Tier gelacht. Petra ließ es sich nicht nehmen, den Karpfen und dessen Vorliebe für braune Labbis nochmal explizit zu erwähnen, als ich unsere Urkunde in Empfang nahm.

urkunde

Damit ist Biscuit jetzt ganz offiziell ein F-Keks!

F-ein gemacht! F-reu! F-abelhaft! F-antastisch!

Vielen Dank an alle Mitstreiter, Petra Beringer und die Sonderleitung für diesen schönen und erfolgreichen Tag!

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 10 Kommentare

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10 Gedanken zu „ein F-Keks und sein Verleitkarpfen

  1. Herzlichen Glückwunsch und wir haben uns mehr wie gefreut, wieder von Euch zu lesen. Dem Verleitkarpfen sei Dank haben wir auch sehr gelacht…

    LG Andrea und Linda

  2. Barbara Voshage

    Fulminos, fieser Fisch und Freudentanz fällt mir ein :-). Herzlichen Glückwunsch 🙂

  3. Hier fehlt: Foto fom fantastisch freudestrahlenden F-Keksi (’n bissken künstlerische Freiheit muß sein *g*). Und der Karpfen… ich tät mich ja heimlich mit ’ner Angel bewaffnen und dem zeigen, wo der Frosch… äh… der Keks die Locken hat *kicher*.

    • Ischab das fotofieren foll fergessen, ey… aber es wurde anderweitig geknipselt, vielleicht kann ich da später noch was nachliefern 😉

  4. Das war ja ein beachtliches Programm 🙂 Herzlichen Glückwunsch 🙂

  5. Herrlich geschrieben … habe mich eben kaputtgelacht 🙂 🙂 🙂 Glückwunsch nochmal !
    Lg Gitti & Golden Girls

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