der Keks und das Schilf, Vol. 2

Auch dieses Jahr sollte das Dummyseminar in Nördlingen eine heiße Sache werden. Das lag nicht nur an Petra Soons, sondern auch so ein klüützekleines bisschen am Wetter. Nach 2 Stunden Fahrt kam ich am Samstag morgen am Treffpunkt an und wünschte mich nach dem Aussteigen sofort wieder zurück ins klimatisierte Auto. Nun gut, muss man durch als Lurch.

Nach der Vorstellungsrunde war klar, dass wir nicht nur eine nette, sondern auch eine bunte Truppe sein würden: 2 Labs, 2 Golden, 2 Toller und 1 Chessie. Wir fuhren gemeinsam ins Gelände und schon beim aussteigen war erkennbar, dass Biscuit deutlich motivierter war als ich. Vielleicht ein bisschen zuuuu motiviert.

Nachdem wir uns in der schattigen Wartezone eingereichtet hatten, ging es auch schon los. Der erste Vertrauenspunkt D1 wurde aufgebaut. Gearbeitet wurde in 3er-Gruppen. Startpunkt auf einem Schotterweg. Dort setzten wir die Hunde ab und gingen bergab an einem Getreidefeld entlang, um Dummies auszulegen:

D1a

Unterwegs gab es von Petra eine kleine Lektion in Sachen „Wind“, bei der ich mich natürlich gleich blamiert habe *pfiffel*. Zurück am Start warf ich einen Blick auf Biscuit und stellte fest „Nicht da, wo ich dich zurückgelassen hatte.“. Nach Biscuits unschuldigem Blick zu urteilen war jedoch nicht SIE nach vorne gerutscht, sondern GANZ sicher die anderen beiden einen Meter nach hinten.

7

Ich hätte wissen müssen, was als nächstes kam… Petra schickte Finnegan voran und Frau Keks stürzte hinterher. Argh. Ich zischte „Biscuiiiiiiiiiiiit“ und rannte los. Biscuit bremste, ich blieb stehen. Biscuit sah mich bremsen und rannte weiter. Ich wieder „Bisssssscuiiiiiiiit“, Beine in die Hand… sie bremste, ich blieb stehen, sie startete wieder durch. „BISCUIT!“. Etwa auf der Hälfte hatte ich die kleine Kröte endlich eingesammelt.

Nach einer Runde Strafbank (es durften erst noch Marco und Fly arbeiten) waren wir an der Reihe und die eigentliche Aufgabe war erwartungsgemäß kein Problem. Mecker gab´s trotzdem weil ich den Suchenpfiff gegeben hatte, obwohl Biscuit schon Wind hatte. Unnötig. Soll ich mir abgewöhnen. Okaaay.

*dankeschön*

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Petra warf nun eine Markierung D2 links von der Linie. Die Hunde sollten zuerst auf D1 vorangeschickt werden und anschließend D2 als Memory arbeiten.

D2a

Ich: „Äh, das können wir nicht.“
Petra: „Natürlich könnt ihr das. Du willst doch weiterkommen, oder?“
Klatsch, das saß…

Wir einigten uns darauf, dass ich Biscuit zurückholen solle, wenn sie doch auf D2 gehen sollte (nicht stoppen und weiterhandeln). Der Plan war gut, die Ausführung mangelhaft. Natürlich driftete Biscuit nach wenigen Metern zu D2 (ich bin ein Seher!), doch bevor ich sie zurückholen konnte, hatte sie es schon eingesammelt. Again what über Keksi learned: Sie lässt sich zwar vor/an einem Dummy stoppen, aber nicht davon abpfeifen.

Neuer Versuch. Diesmal belegte ich D2 mit einem deutlichen „Nein“ und Biscuit ließ sich anschließend schön auf D1 schicken. Nun sah ich mich mit einem altbekannten Problem konfrontiert: ich hatte keine Ahnung, wo D2 hingefallen war. Gut, dass ich das Keksi habe – sie wusste es auf den Grashalm genau. Wir sind schon ein Dreamteam. Das „Dream“ steht in unserem Fall für „Träumerle“.

Weiter ging es mit dem nächsten Vertrauenspunkt D3. Startpunkt blieb gleich. Diesmal ging es schräg bergauf, auf dem Weg nach oben lagen zwei kleine Kuhlen. Alles in allem nicht gerade easy going (im wahrsten Sinne… stolper).

D3a

Mir war sonnenklar, dass Biscuit um die erste Kuhle einen Bogen machen würde. Laut Petra jedoch nicht schlimm, weil sie danach sofort von selbst die ursprüngliche Linie wieder aufnahm.

Im nächsten Durchgang (alle Hunde waren bereits 1x bei D3 gewesen) hatten Marco und ich uns schon am Start aufgestellt, als uns befohlen wurde „Dreht euch mal weg!“. Wir taten wie befohlen und ich orakelte „Wetten, dass sie jetzt Dummies in die Kuhle legt?“. Pah, ich sag´s ja: ich bin ein Seher! Die Hunde sollten nun vorangeschickt und bei D4 gestoppt werden. Später wurde nochmal zu D3 durchgeschickt.

D4a

Biscuit hatte den Braten offenbar auch gerochen. D4 war schnell drin. Wobei „schnell“ relativ ist. Bergauf bei den Temperaturen … Abzüge in der B-Note, aber verständlich. Zu D3 musste ich noch 1x stoppen und back schicken.

Nun wurden das Spielzeug ausgepackt. Wir sollten uns alle in der Line aufstellen und Petra schoss für jeden Hund eine Markierung D5 mit dem Launcher. Biscuit hat ihr Mark perfekt gearbeitet *Daumen hoch*.

D5a

Nein, ich guck gar nicht angestrengt *hust*.

Sam3

Im Anschluss wurden die drei erarbeiteten Punkte zu einer Abschlussaufgabe in 3er-Teams zusammengefasst:

D5

Marco und ich bildeten wieder ein Team mit Petra.

Das Mark flog und ich vernahm ein „Anke, ihr holt eins von oben (D3).“ Örghs, war klar. Biscuit ging die Hälfte der Strecke geradeaus und beschloss *jetzt bieg ich ab*. Stopp. Back. Biscuit war noch nicht überzeugt von meinem Plan. Ich musste sie nochmal stoppen und back schicken. Die Launchermarkierung hätte sie definitiv lieber gehabt. Marco und Fly sammelten D1 ein, Petra und Finnegan D5. Platztausch.

Das Mark flog. Finnegan sammelte D3 ein. Biscuit sollte nun zu D1. Hätte eigentlich kein Problem sein sollen. Doch erstens kommt es anders… Biscuit bremste nach wenigen Metern und guckte recht verwirrt aus der Wäsche. Am Samstag konnte ich das nicht wirklich zuordnen, erst beim Basteln der Grafiken fiel der Groschen… sie hatte auf der Höhe gestoppt, wo vormittags das Mark D2 gefallen war. Memo an mich: wir müssen bei solchen Sachen dringend mehr Sicherheit reinbringen. Nach einem „back“ war sie wieder auf Kurs. Fly holte D5. Platztausch.

Das Mark flog und war diesmal für uns. Biscuit wartete artig, bis D1 und D3 drin waren. „Apport!“ Punktlandung.

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Keks im Gemüse

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Sehr fein!!!

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Damit hatten die Hunde Feierabend und wir waren gefordert: in 3er-Gruppen sollten wir uns gegenseitig auf Vollblinds einweisen. Neben einer Menge Spaß brachte diese Übung auch einige interessante Erkenntnisse. Die Wahrnehmung von Sender und Empfänger unterscheidet sich doch sehr oft.

Geschafft, aber sehr zufrieden verzogen wir uns ins Hotel und trafen uns später zum Abendessen wieder. Biscuit nahm ich mit, denn ich konnte sie weder im Hotelzimmer (zu warm) noch im Auto (zu weit weg) lassen. Chillen in fremder Umgebung – eine ihrer leichtesten Übungen…

2

Die Nacht war warm. Sehr warm. Zu warm. Biscuit suchte im Hotelzimmer vergeblich nach einem kühlen Platz (überall Teppichboden). Nächste Anschaffung: eine Kühlmatte/decke. Trotzdem war sie morgens erstaunlich gut gelaunt. Sogar so gut, dass sie mit meinen Socken stiften ging *grunz wedel*. Frühstücken, packen, Auto einräumen, schwitzen.

Sonntag sollte es ans Wasser gehen. Je näher wir dem Gelände kamen, desto dunkler wurde der Himmel. Das Tröpfeln ging in Regen über und gipfelte bei unserer Ankunft in einen Wolkenbruch. Begeistert war ich nicht (das Wetter kann´s einem aber auch nie Recht machen), aber Biscuit störte es nicht und ich konnte endlich meinen neuen Regenponcho ausprobieren.

Petra hatte gleich zu Beginn eine besondere Herausforderung. Sie wollte ihren Jungs am Auto einen Schirm als Regen-/Sonnenschutz aufstellen. Dem Schirm lagen Heringe und Schnüre bei, aber ein Bodenspieß für den Ständer? Fehlanzeige! Nur zwei Schnüre? Auch seltsam. Wir knoteten und schnürten, behalfen uns mit Moxonleinen und ich drückte vorsichtig den ersten Hering mit der Hand in den Boden. *Klonk* verbogen. Nein, ich bin als Kind nicht in den Zaubertrank gefallen… die Dinger taugten nix. Boden – 1; Anke – 0. Bis die Konstruktion endlich hielt, hatte es schon wieder aufgehört zu regnen.

Son1

Solange Petra und ich tüftelten, hatte die restliche Truppe bereits die ersten Dummies ausgelegt. Voranschicken auf D1. Keine große Entfernung, dafür ekliges Gelände (Brennesseln).

WD1a

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Obwohl Biscuit beim auslegen nicht zugesehen hatte und kein Brennesselfan ist, hat sie das super gemacht!

Weiter ging es in 2er-Teams. Es wurde eine Wassermarkierung D2 geworfen. Zuerst wurde auf D1 vorangeschickt, danach D2 als Memory gearbeitet, anschließend Plätze getauscht.

WD2a

WD2b

Beides kein Problem für meine kleine Himmelmaus ♥

Son5

Son2

Petra legte eine Schippe drauf. Wir veränderten unseren Standpunkt. D2 wurde nun mit dem Launcher geschossen.

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WD3b

Wir stellten uns alle in der Line auf. Gearbeitet wurde in 2er-Teams.

Biscuit sollte D2 als Memory arbeiten, bekam es aber nicht gebacken. Sie war anfangs gut unterwegs, driftete dann aber zu D1. Durch einen Handlingfehler von mir landete sie letzlich tatsächlich bei D1, wo ich sie gerade noch so vor den Dummies stoppen konnte *braves Mädchen* und wieder reinholte.

Son7

Son8

Planänderung. D2 wurde nun sofort gearbeitet. Biscuit ging bis zum Weg und wurde dort unsicher. Ich stoppte sie. „Back!“ Sie ging zunächst zögerlich, stieß auf den Einstieg von vorher und erinnerte sich. Platsch. Der Rest war Formsache. D1 hatte sie problemlos.

Da alle ihre Probleme mit D2 hatten, legte Petra eine Sonderrunde ein. Für jeden Hund wurde die Launchermarkierung so oft geschossen, bis es klappte.

Biscuit benötigte drei Versuche. Der erste Schuss ging daneben und das Dummy schaffte es nicht bis ins Wasser, sondern landete am Ufer. Petra wies mich an, nach vorne zu gehen und zu helfen, weil das für Biscuit schwer werden würde. Ich hatte erst die Hälfte des Wegs zurückgelegt, als Biscuit schon mit Dummy zurückkam. Schwer. Pffft. Grins.

Im zweiten Anlauf flog das Dummy weit ins Wasser. Leider war gerade etwas Unruhe in der Line, weshalb das platschen nicht zu hören war. Diese Tatsache zusammen mit der Erfahrung von gerade eben führte dazu, dass Biscuit das Ufer auf links drehte. Maren war als Streckenposten am Ufer positioniert und informierte mich entsprechend. Ich ging nach vorne und sah das Dummy schon fast am gegenüberliegenden Schilfufer schwimmen. Biscuit konnte es (trotz weiß) wegen der Spiegelung auf dem Wasser nicht sehen, ließ sich von mir aber schön lenken. Gleich zwei Gründe, um stolz zu sein: 1. weil Biscuit das Ufer ausdauernd abgesucht hatte und 2. weil sie sich sofort bereitwillig helfen ließ.

Der dritte Versuch war perfekt und Biscuits Erfahrungsschatz um einiges reicher.

Wir gingen wieder zurück an unseren vorherigen Startpunkt und bauten eine weitere Stelle D3 auf, die einige Schwierigkeiten zu bieten hatte: die Hunde mussten die Biegung des Wegs ignorieren, am Auto vorbei, durch einen beidseitig stark bewachsenen Wassergraben, über einen geschotterten Weg auf die dahinterliegende Wiese.

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Der Graben aus der Nähe. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts…

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Ich hatte Biscuit beim auslegen nicht zusehen lassen. Sie konnte lediglich 1x bei Finnegan spicken, was aber nichts heißen musste, da sie sich im Training (und auch zuhause) selten was bei anderen Hunden abschaut. An der Biegung vor dem Graben brauchte es ein Stopp/Back. Weg war der Keks. Ich bin zwar inzwischen etwas entspannter, wenn Biscuit außer Sicht ist, aber irgendwann kam mein Kontrollzwang doch durch. Ist sie wirklich drüben oder hat sie sich im Graben festgefressen? Gerade als ich nachsehen wollte, kam Biscuit mit Dummy zurück. Gedankliche Kopfnuss für mich. Trust your dog.

Nun wurden die drei Stellen wieder in einer Kombi-Aufgabe zusammengefasst. Gearbeitet in 3er-Teams. D2 flog mittels Launcher und wurde zuletzt als Memory gearbeitet. Platztausch, bis die Hunde an allen Stellen gewesen sind.

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Biscuit und ich starteten mit D3. Ich hatte uns zunächst auf D2 ausgerichtet, um uns dann wegzudrehen. Wegdrehen von einer Wassermarkierung kann man nicht oft genug üben *find*. Ich schickte Biscuit auf D3 voran. Die ersten paar Meter gingen gut, doch dann haute der Keks die Bremse rein. Sie stoppte und schielte zu D2. Man sah deutlich ihren Konflikt. Stopp-Pfiff. „Back!“. Keks wieder auf Kurs und kurz drauf mit Dummy wieder da. D1 war für sie kein Problem, D2 sowieso nicht.

Wir verzogen uns in die Wartezone und Biscuit zog es die Rolläden zu.

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*ankuschel*

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Kaputt gespielt…

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Zum Abschluss sollte es für jeden Hund noch eine Launcher-Markierung ins Schilf geben.

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Leider stellte sich heraus, dass der Schilfgürtel verdammt breit und verdammt dicht war. Nachdem selbst Collin mehrmals erfolglos wieder rauskam, gingen wir zusammen um den See und schickten ein paar der Hunde in die Suche. Das Dummy blieb verschwunden, aber Biscuit hatte sichtlich Spaß. Sie kam mit einem breiten Grinsen aus dem Schilf *nochmal?*

Ja, nochmal. Aber diesmal anders. Neuer Launcheraufsatz, neues Glück. Biscuits Mark flog dorthin:

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Biscuit suchte sich ihren eigenen Weg und ging nicht gerade ins Schilf, sondern von links rein. Petra unkte „So kommt sie nie ans Stück.“ Abwarten. Ich vertraute auf Biscuits eingebautes Navigationsgerät. Es raschelte und knackte. Knackte und raschelte. Hmmm. Däumchen dreh. Raschel. Knack. Trust your dog. Nach gefühlten Ewigkeiten tauchte Biscuit wieder auf. Sie hatte neben dem Dummy noch zwei Schilfstangen dabei. Jubel brach aus. Pflichtbewusst lieferte sie ihren Schatz bei mir ab und wurde ordentlich gefeiert. Ein perfekter Abschluss!!!

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Ich bin sehrsehrsehr stolz auf meine Maus und mich. Offenbar haben wir endlich die richtige Mischung aus Selbständigkeit und Hilfe gefunden. Das gegenseitige Vertrauen wurde an diesem Wochenende mehrmals belohnt und bestätigt. Ich freu mich, freu mich, freu mich! Wie Sau! Jawoll!

Damit ging ein geniales Wochenende zuende. Petra hat wieder gute Arbeit geleistet: schöne Aufgaben, sinnvoll aufgebaut, für jeden individuell an den Leistungsstand angepasst. Danke!

Den Titel „most stylish Seminarleiterin“ hat sie sowieso sicher, hrhrhr.

Son4

Vielen Dank an Maren für die tolle Orga und das leckere Picknick. Danke an Maren und Barbara für die Fotos. Und natürlich danke an alle Teilnehmer für die lockere und lustige Stimmung.

Bis ganz bald, hoffe ich!

(Hier geht´s zum Bericht vom letzten Jahr: *klick*)

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Kategorien: Seminare | Hinterlasse einen Kommentar

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