Mock Trial „im Elsbachtal“ (Novice)

Müsste ich meine Lieblings“disziplin“ im Dummysport nennen, wäre das ganz sicher der Walk-Up. Es war immer ein Traum von mir, irgendwann mal bei einem Mock Trial (MT) zu starten. Manch einer wird sich jetzt vielleicht fragen „Was für´n Ding?“. Hier ist eine sehr schöne Seite dazu: Retrieverarbeit.eu

Die Unterschiede zwischen Workingtest (WT) und Mock Trial (MT) grob erklärt:

Bei einem WT gibt es für alle Teilnehmer die gleiche Anzahl an Aufgaben. Die Aufgaben sind für alle möglichst gleich (Dummy fällt immer an dieselbe Stelle usw). Die Arbeit wird mit Punkten bewertet, die am Ende des Tages zusammengezählt werden. Nullt man in einer Aufgabe, kann man zwar nicht mehr bestehen, darf aber trotzdem weitermachen. Zwischen den Aufgaben sitzt man irgendwo abseits in der Wartezone.

Bei einem MT sind die Aufgaben immer unterschiedlich. Es gibt keine Punkte, sondern die einzelnen Retrieves werden mit einem A (sehr gut/vorzüglich), B oder C bewertet. Nur mit einem A-Retrieve darf man weiterarbeiten. Bei einem „schweren Fehler“ ist man sowieso raus. Es handelt sich somit mehr oder weniger um ein K.O.-System. Während der Wartezeit läuft man mit dem angeleinten Hund in der Line mit.

Leider werden MTs eher selten organisiert und sind in der Regel ziemlich weit entfernt. Hunderte Kilometer fahren, Geld für Übernachtung löhnen und dann im Worst Case nach dem ersten Retrieve rausfliegen? Nope. Ganz so bekloppt bin ich dann doch nicht. Mit dieser Begründung lehnte ich eine Teilnahme an einem Mock Trial bei Grevenbroich zunächst ab. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne Pia (langjährige Internetbekanntschaft) gemacht, die mir sofort ein Gästezimmer anbot. Somit hatte ich nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit, sondern konnte nach vielen Jahren endlich ein paar sehr liebe Menschen persönlich kennenlernen. Gebongt!

Freitag vormittag ging´s los. Nach 4h Fahrt erreichten der Keks und ich unser Ziel und verbrachten einen sehr netten Tag mit leckerem Essen und noch leckererererm Limoncello. Am Limoncello lag es jedoch nicht, dass mir am nächsten Morgen gar fürchterlich schlecht war. Alter Schwede, war ich nervös…

Nachdem am Treffpunkt das Organisatorische erledigt war (Papiere abgeben, Startnummern ziehen), erfuhren wir bei der Begrüßung, dass der Mock Trial als Walk-Up in einem Rübenfeld stattfinden würde. Da viele MT-unerfahrene Teams am Start waren, hatten sich Richter und Sonderleiter außerdem folgendes überlegt: Sollten sehr viele Starter schnell ausscheiden und die Zeit es zulassen, würde es anschließend noch einen zweiten Mock Trial als Drive (Standtreiben) in einem anderen Gelände geben. Doch zunächst hieß es → ab in die Rüben.

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Links im Feld lief Richterin Heike Reichelt mit je zwei Gespannen:

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Rechts im Feld lief Richter Henk Slijkhuis mit je zwei Gespannen:

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In der Mitte lief Herman Jeske, der als „Steward of the Beat“ für die Koordination von Werfern und Schützen verantwortlich war:

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Die restlichen Teilnehmer liefen mit angeleinten Hunden hinter den Richtern, und wurden nacheinander zum aufrücken nach vorne gerufen.

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Runde 1

Es waren Einzelmarkierungen zu arbeiten. Entfernung ca. 50m. Klingt einfacher, als es war. Im eintönigen Grün der Rüben gab es keinerlei Anhaltspunkte. Der Horizont war ebenfalls keine Hilfe, denn dort sah man nur zwei Windräder, 5 identische Bäumchen und einen Hochsitz. Biscuit konnte gerade so aus den kniehohen Rüben gucken – keine Ahnung, wieviel sie von da unten sehen konnte. Wir hatten bis dahin sowieso noch nie in einem Rübenfeld gearbeitet, was nicht wirklich zu meiner Entspannung beitrug.

Biscuit und ich begannen bei Heike Reichelt. Wir walkten eine Weile und ich markierte jedes Dummy so gut ich konnte – schließlich wusste man nie, wann man dran war. Ich stierte gerade verzweifelt auf eine Fallstelle, als ich unsere Startnummer hörte = Aufforderung zum schicken. „Apport!“ und ab der Keks. Biscuit legte eine Punktlandung hin und ich atmete auf.

Ein Suchbild im doppelten Sinne, hihi.

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Keksi im Kampf gegen die Rüben.

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Abgabe…

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Dummy einsacken…

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…und Position wechseln.

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Unseren zweiten Retrieve hatten wir ebenfalls bei Heike Reichelt. Wieder eine Einzelmarkierung. Diesmal stach ein langer grüner Halm heraus, den sich wohl auch Biscuit als Anhaltspunkt auserkoren hatte. Am Halm ging kurz die Nase runter, allerdings lag das Dummy noch gute 10-15m tiefer. Biscuit bemerkte den Irrtum sofort, behielt die Linie bei und pickte. Keine Punktlandung, aber immer noch super!

Ich war so begeistert, dass ich seelenruhig dabei zusah, wie Biscuit mit dem Dummy fast an mir vorbeigelaufen wäre. Kurskorrektur im letzten Moment, alles gut. Sie war nicht die einzige, die angesichts der vielen Menschen auf dem Rückweg kurz die Orientierung verlor.

Nachdem alle Teams geprüft waren, berieten sich die Richter.

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Ich nehme an, dass sie kurz abgeglichen haben, welche Gespanne noch dabei waren. Leider waren einige bereits in der ersten Runde ausgeschieden (eingesprungen, schlechte Fußarbeit, nicht markiert).

Runde 2

Wir wechselten auf die rechte Seite und wurden nun von Henk Slijkhuis geprüft. Wieder eine Einzelmarkierung. Biscuit lief nicht direkt auf die Fallstelle, sondern schwenkte in einen kleinen Rechtsbogen. Ich nahm an, dass sie sich Wind holen wollte – der kam nämlich von links vorne (jaaahaaa, ich hab die ganze Zeit auf den Wind geachtet *stolz guck*) – und ließ sie erstmal machen. Gerade als ich dachte „gleich isse zu weit“ und zum Stopp-Pfiff ansetzte, riss es sie nach links und ich schluckte den halben Pfiff wieder runter *TÜ…achscheißehättichsmalgelassen*. Sie pickte, sauste zurück und plötzlich fiel ihr ein *da war noch was*…

Natürlich hatte ich ihr zwischen den Apporten Wasser gegeben, was sie dankbar und reichlich annahm. Leider konnte ich sie während der Wartezeiten aber nicht zum pinkeln überreden. Sie saß die ganze Zeit bei Fuß und sah mich verständnislos an *Wie denn? Wo denn?*.

…ja, da war noch was. Sie musste. Jetzt. Und ja, sie musste wirklich. Sie beeilte sich und setze ihren Rückweg umgehend fort.

Nachdem alle übrigen Teams geprüft waren, gab es eine kurze Pause. Wir kämpften uns aus dem Feld und wurden von der Sonderleitung mit Getränken versorgt. Ich war inzwischen entspannter und neugierig, wie es weiterging. Waren wir noch dabei? Was würde jetzt kommen?

Herman Jeske verkündete die Startnummern, die noch im Rennen waren (Wir hatten es geschafft! Yes!) und instruierte anschließend seine Helfer.

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Runde 3

Es wurde eine ordentliche Schippe draufgepackt. Die Entfernungen der Retrieves lagen zwischen 80 und 100m (je nachdem, wen man fragte). Meine persönliche – völlig unqualifizierte – Schätzung: „Scheißweit!“. Zusätzlich zu den Helfern links und rechts vor uns, liefen nun auch noch Helfer zwischen uns mit.

Biscuit und ich begannen bei Henk Slijkhuis. Er erklärte, dass nun auch Kaninchen geschossen würden. Ob wir Jagderfahrung hätten? Öhm, nein. Wir sollten darauf achten, in welche Richtung die Schützen gezielt hatten. Zusätzlich gab er noch den Hinweis (für Dummydödel wie mich), dass die maximale Flintenschussdistanz bei etwa 25-30m liegen würde.

Ich nickte (sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit) und dachte insgeheim nur *wtf???*.

Wir walkten los und das erste Team arbeitete eine Markierung. Wir walkten weiter, bis von links vorne ein Schuss ertönte. Ein imaginäres Kaninchen hatte soeben sein Leben gelassen. „Nummer 4“. Shit, nichtmal vorher bei anderen spicken war mir gegönnt. Ich versuchte von der Position des Schützen 25-30m nach rechts (Schussrichtung) abzuschätzen und richtete Biscuit entsprechend aus. „Voran!“.

Keksis Start war vielversprechend. Sie ging sicher und zügig, doch leider nur 20m. Sie bremste und sah sich nach mir um *sicher?*. „Voran!“. Sie ging weitere 20m, bevor sie erneut fragte *sicher?*. Diesmal etwas nachdrücklicher „Voooran!“. Der Knoten platzte. Biscuit wurde mit jedem Meter sicherer und war schnell im von mir angedachten Bereich. Auf meinen Suchenpfiff begann sie damit, die Rüben auseinanderzunehmen. Nach einer Weile erfolgloser Suche reckte sie den Kopf aus den Rüben in meine Richtung *hier is nix!*. Mir dämmerte langsam, dass ich mich offenbar verschätzt hatte und das Dummy eher näher am Schützen zu finden wäre. Linker Arm + Suchenpfiff. Biscuit suchte sich brav nach links und siehe da – gefunden! Holla die Waldfee! Das Einschätzen von Entfernungen üben wir nochmal.

Wir wechselten in den Wartebereich. Es wurden nun auch Blinds hinter der Line beschossen, d.h. man musste schnell reagieren. Sichere und saubere Fußarbeit war spätestens jetzt unerlässlich.

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Bei Heike Reichelt hoffte ich auf eine Markierung. Mööööp. Schon wieder so ein doofes Karnickel. Ausrichten. „Voran!“. Da ich noch die Fragerei vom ersten Blind im Kopf hatte, wollte ich Biscuit nach den ersten 20m pushen. Saublöde Idee, denn auf mein erneutes „Voran“ drehte sie sich erstrecht verwirrt zu mir um. Ach Anke, soifz. Konzentration. „Back!“. Keks auf Kurs, Anke still, schon klappt´s. Am Ende lief sie sogar ein wenig zu weit. Hier-Pfiff. Stopp. Rechter Arm + Suchenpfiff. Gefunden. Mir entfuhr ein leises „Yes!“ und von der Richterin vernahm ich ein „Sehr schön.“

Wir durften die Rüben wieder verlassen und warteten darauf, ob es noch eine weitere Runde bzw. einen Run-Off geben würde. Egal wie es weitergehen oder ausgehen würde, ich war megazufrieden mit unserer Leistung.

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Wie sich herausstellte, standen die Ergebnisse bereits fest und wurden an Ort und Stelle verlesen.

„Platz 7 mit einem gut – Nummer …“ Ok, wir nicht.
„Platz 6 mit einem sehr gut – Nummer …“ Wir nicht.
„Platz 5 mit einem sehr gut – Nummer …“ Schade. Meine Hoffnung schwand.
„Platz 4 mit einem sehr gut – Nummer 4.“ KREISCH!

Damit hatte ich im Leben nicht gerechnet. Ich musste mich schwer beherrschen, nicht an Ort und Stelle völlig auszuflippen.

Inzwischen war es kurz nach Mittag. Wir wechselten in ein anderes Gelände, wo bereits Essen und Getränke auf uns warteten. Nach der Pause wurde tatsächlich noch ein zweiter Trial angeboten, auf den ich eigentlich gar keine Lust mehr hatte. Ich war müde und wollte einfach nur unser Ergebnis genießen. Biscuit war auch nicht mehr taufrisch.

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Trotzdem wollte ich uns die Erfahrung nicht entgehen lassen. Das Ergebnis des ersten Trials würde uns niemand mehr nehmen und wie oft hat man schon die Möglichkeit, sowas zu erleben/zu trainieren?

Der zweite Trial wurde wie angekündigt als Standtreiben durchgeführt. Alle teilnehmenden Gespanne stellten sich nebeneinander auf. Wir blickten auf eine leicht abfallende Wiese, am unteren Ende verlief ein kleiner Graben, hinter dem Graben kam ein schmaler Wiesenstreifen und dahinter Wald. „Hunde ableinen!“. Die Treiber bewegten sich auf dem unteren Wiesenstreifen von rechts nach links und veranstalteten ein Mordsspektakel. Zwischen mehreren Flintenschüssen schlugen sie auch verbal ordentlich Krach und man konnte bis nach oben hören, was für einen Megaspaß die Jungs dabei hatten.

Was für viele Starter eine zweite Chance werden sollte, begann mit Chaos. Etwa auf der Hälfte verschwanden die Treiber für eine Weile hinter einer dichten Baumgruppe. Als sie wieder auftauchten, nahm das Unglück seinen Lauf. Mehrere Hunde sprangen gleichzeitig ein und rannten auf die Treiber zu. Nach einigen Schrecksekunden sah ich schnell nach links unten. Biscuit saß bombenfest. Uff. Es wurde gepfiffen und gerufen, zwei Rüden grollten sich unterwegs kurz an, Biscuit wurde neben mir immer kleiner. Nachdem alle Ausreißer zurück und angeleint waren, wurde das Treiben beendet und eine Zwischenbilanz gezogen. Von 14 Teams waren nur noch 6 dabei, die nun abwechselnd als 3er-Gruppe starten sollten.

Biscuits erster Retrieve war ein Blind aus dem Graben vor der Baumgruppe. Hier musste ich sie unterwegs noch 1x weiterhandeln, der Rest war Formsache. Beim zweiten Retrieve hat´s uns dann zerbröselt. Biscuit ging nur zögerlich raus und gerade als ich sie stoppte und konzentrieren wollte, tauchten Spaziergänger mit einem freilaufenden Hund auf. Ich sollte Biscuit nochmal zurückholen. Herman ging los, um die Spaziergänger zu informieren. Es dauerte eine Weile, bis alles geregelt war und ich Biscuit erneut schicken konnte. Die war inzwischen völlig von der Rolle und ließ sich nur mit Müh und Not in die Nähe des Dummies bringen. Ich handelte erfolglos hin und her und sollte sie schlussendlich zurückholen.

Henk meinte „Ich glaube, sie ist müde.“ Ja, das stimmte wohl. Kaum hatten wir uns in den Wartebereich zurückgezogen, war sie auch schon weggepennt. Mein Müdchen ♥

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Meine Stimmung blieb ungetrübt. Ich war immer noch happy-happy-happy. Und happy! Hab ich schon erwähnt, wie happy ich war? DAS nimmt uns keiner mehr:

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Vielen Dank an Sonderleitung, Richter und Helfer für diese tolle Veranstaltung!

Ein ganz besonderes und persönliches Dankeschön für dieses rundum geniale Wochenende geht an Pia, Sabine, Anja und Petra. Danke Mädels!

960 km später und einige Euros ärmer bleibt auf die Frage nach dem „Warum?“ nur eine Antwort…

…DARUM! ♥

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Kategorien: Bilder, Prüfungen/Workingtests | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Mock Trial „im Elsbachtal“ (Novice)

  1. so schön! da kriegt man nasse Augen

  2. Ihr seid die Besten!!!

    LG Andrea und Linda

  3. Richtig genial ihr zwei!
    Rockie und ich werden gerade ein wenig neidisch 😉

  4. Celia

    Absolut genial! Und ein toller Bericht!

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