Bavarian Lions Cup 2016 (O)

Der Bavarian Lions Cup ist definitiv einer meiner Lieblings-WTs. Zum einen, weil es einfach ein tolles und abwechslungsreiches Gelände ist. Zum anderen, weil wird dort vor fast genau 3 Jahren unseren ersten A-WT bestritten haben. Deshalb ist der BLC natürlich per se was Besonderes für mich.

Vorteil, wenn man in der O startet: man muss nicht so elend früh aufstehen. Nachteil: Autobahn voll. Wir kamen trotzdem pünktlich an. Da die F noch nicht fertig war und vor der Begrüßung der O noch die Siegerehrung der F stattfand, hieß es erstmal warten. Es wurde immer wärmer und Biscuits anfängliche Begeisterung schlug in müdes Gehechel um. Daher war ich gar nicht böse, dass meine Gruppe mit einer Wasseraufgabe – und somit einem „Angstfach“ – begann.

Aufgabe 5 – Stefano Martinoli

Der Helfer H stand auf einer Landzunge des gegenüberligenden Ufers und warf die Markierung M auf eine kleine Insel vor sich; danach ging er 2-3m und schoss nach hinten in Richtung Blind B. Das Blind lag ein paar Meter hinter dem Uferrand.

Auf Freigabe war das Mark zu arbeiten, danach selbständig das Blind.

Entfernungen: Mark ca. 40m, Blind ca. 60m (gemessen mit Google Earth und wie immer ohne Gewähr)

Aufgabe4

Aufgabe4a

Die Flugbahn des Dummies war für mich gut zu sehen, die Fallstelle eher nicht. Allerdings war der Aufschlag gut zu hören und ich denke, dass Biscuit dort unten eine bessere Sicht hatte. Freigabe, „Apport!“. Biscuit stürzte zielstrebig los, hüpfte durch die Binsen am Uferrand, schwamm los, kämpfte unterwegs noch kurz mit anderem Wassergemüse und erreichte die Insel. Die war auf unserer Seite am Ufer mit Gestrüpp und anderem Kram bewachsen, trotzdem hielt Biscuit die Linie und legte eine Punktlandung hin.

Ich sah Biscuit aufnehmen und dachte „Geil!“ dicht gefolgt von „Shit!“. Biscuit kam einen Meter in meine Richtung, drehte ab und lief nach rechts weg. Ich vermutete, dass sie sich nach einem anderen Einstieg umsehen wollte und pfiff. Klar war, dass diese Aktion eine Null bedeutete. Der Richter hatte sich neben mir in sekundenschnelle in Rumpelstilzchen verwandelt „Nooooooooo. Oh nonono!“. Er erklärte mir, dass ihm das wirklich leid täte, aber es müsse das als „hunting with game“ (weiterjagen) auslegen (wir blieben damit nicht die einzigen an diesem Tag). Biscuit hatte sich inzwischen auf meinen Pfiff ein Herz gefasst und war direkt zurückgekommen.

→ 0 Punkte

Egal. Ich konzentrierte mich und wollte die Aufgabe wie gewohnt zuende arbeiten, doch Stefano bremste mich aus „No Blind. Next dog!“. Ich war etwas verdattert, wollte das Blind aber unbedingt noch arbeiten und warf schnell ein „But there´s no one left“. Stefano warf einen prüfenden Blick in die leere Wartezone „Ok, you can do it for training“. Schwein gehabt. Ich richtete uns aus und schon als ich den Fuß nach vorne stellte, nahm Biscuits Körperspannung zu. Sehr schön. Hand raus… „Voran!“. Biscuit platschte durch die Binsen und schwamm zunächst zielstrebig auf das andere Ufer zu. Auf halbem Weg zog es sie langsam in Richtung der Landzunge, auf der sich der Helfer befand. Ohne die vorherige Null hätte ich hier zumindest 1x versucht, sie davon weg auf direktem Weg zum Blind zu handlen. So wollte ich jedoch nicht unnötig rumrödeln und ließ sie anlanden. Stopp-Pfiff. Rechter Arm raus „Rüber!“. Da ich ein wenig gepennt hatte, sauste sie über´s Ziel raus und ich musste nochmal stoppen und mittels linken Arm und Suchenpfiff korrigieren. Zack, gefunden UND direkter Rückweg. Tschakka!

Von Stefano gab es den Tipp, im Training darauf zu achten, dass der Hund direkt durchschwimmt. Das war es letztlich auch, was er in dieser Aufgabe eigentlich sehen wollte. Ich war einfach nur happy, dass Biscuit überhaupt so problemlos über´s Wasser vorangegangen ist. Pfeif auf die Null, diese positive Erfahrung war für uns viel wichtiger als alle Punkte der Welt.

Aufgabe 1 – Stefania Gandolfi

Helfer H1 veranstaltete ein Mini-Treiben auf der Stelle (schoss, warf ein Dummy, hob es wieder auf, schoss, warf, hob auf); danach schoss Helfer H2 und warf die Markierung M nach links in die Wiese, Fallstelle etwas außer Sicht (die Wiese steigt erst an und fällt dann wieder leicht nach hinten ab).

Nach Freigabe sollte zuerst das Blind B geholt werden, welches sich 20-30 Meter tief im Wald befand, danach ohne weitere Freigabe das Mark.

Auf dem Bild nicht zusehen: der Geländeübergang = ein ausgefahrener Feldweg.

Entfernungen: Blind ca. 80m, Mark 100m (gemessen mit Google Earth und wie immer ohne Gewähr)

Aufgabe1

Aufgabe1a

Mir war klar, dass die Schwierigkeit hauptsächlich in diesem Mini-Treiben so nah an der Ideallinie zum Blind lag. Zumal die Waldkante schräg verlief und zusätzlich verleitete. Ich hatte uns vor dem Ableinen in Richtung der zu erwartenden Fallstelle des Marks ausgerichtet. Nach Freigabe drehte ich uns in Richtung Wald. Konzentration, „Voran!“. Zuerst sah es so aus, als würde Biscuit die Linie halten, doch kurz vor dem Waldrand bog sie doch nach links auf die Fallstellen des Treibens ab. Stopp-Pfiff + ein hektisches „Rüber!“. Anke + Hektik + Keks = nix gut. Biscuit setzte ihren eigenen Plan fort. Nochmal Stopp-Pfiff, Biscuit saß. Ich zählte innerlich bis 3. Arm raus + „Rüber!“. Kaum macht man was richtig, klappt´s auch mit dem Keks. Sie verschwand im Wald und ich gab ihr ein „Suuuuuch“ mit auf den Weg. Kurz darauf war sie mit dem Dummy schon wieder auf dem Rückweg.

Ich konzentrierte lange auf die Fallstelle des Marks + „Apport!“. Kurz nachdem sie über dem Hügel außer Sicht gelaufen war, gab ich den Suchenpfiff. Es folgte eine gefühlt eeeeeewige Wartezeit, während der ich immer wieder überlegte, ob ich eingreifen sollte. Aber was sollte ich schon tun? Die Fallstelle lag außer Sicht, ich konnte sowieso nicht helfen. Biscuit hatte die korrekte Linie auf dem Hinweg und den Rest musste sie einfach selbst machen. Ich konzentrierte mich darauf, wo die beiden Helferinnen hinsahen. Da diese den Blick kaum von der Höhe der Fallstelle abwandten, wartete ich einfach ab. Das Gras war hoch, es ging kaum Wind… trust your dog. Und dann – endlich – kam Keksi mit dem Dummy wieder. Uffza!

→ 9 Punkte

Aufgabe 2 und 3 – Rainer Scesny

Der Hund wurde beim Steward abgesetzt und man ging zunächst alleine zum Richter, Aufgabe wurde erklärt, der Hund abgerufen und man durfte sich in einem bestimmten Radius selbst positionieren (im Idealfall so, dass auch der Hund gute Sicht hatte… tüdeldü).

Zuerst fand ein hörbares, aber nicht sichtbares Treiben hinter den eingekreisten Bäumen statt. Danach schoss der Helfer H und warf Markierung M1, ein weiterer Schuß und M2 fiel. Auf einmalige Freigabe sollten die beiden Marks gearbeitet werden. Reihenfolge durfte selbst gewählt werden; Ansage war nicht nötig („Ich seh ja, wo ihr hinschickt“), man musste allerdings bei seiner Wahl bleiben.

Wenn beide Marks drin waren, gab es eine weitere Freigabe und das Blind wurde gearbeitet. Schwierigkeit natürlich der schmale Korridor, in dem der Hund in Sicht war. Wenn Hund weg, dann weg. Zusätzlich schien auf halbem Weg eine Senke zu sein, in welcher die Hunde außer Sicht waren.

Die beiden Marks wurden als eine Aufgabe gewertet, das Blind als zweite Aufgabe.

Entfernungen: keinen Schimmer. Leider sieht man auf dem Foto nicht viel (wer stellt auch immer diese vielen Bäume in den Wald?), aber es ging nicht besser + Google Earth gibt nix her außer Wald.

Aufgabe23

Eine Aufgabe, die gleich 3 sichere K.O.-Kriterien für das Grobmotoriker-Team beinhaltete:
1. Hund absetzen
2. Mitdenken
3. Schnell reagieren
Das konnte heiter werden…

Ich setzte Biscuit ab und versuchte (im Gegensatz zum Spessart-Cup) möglichst viel Sicherheit auszustrahlen. Der Richter erläuterte die Aufgabe und ich nickte brav „Ok, kann losgehen“. Rainer erwiderte „Erst den Hund holen“. Jo, keine schlechte Idee. Ich wollte schon losmarschieren, als Rainer meinte „Kannst sie auch abrufen“. Huch, ok. „Biscuit, hier!“. Ich suchte nach einer möglichst guten Position. Der Gedanke „Biscuit muss auch was sehen können“ ging so schnell wie er gekommen war. Die Marks fielen und wir wurden freigegeben. Ich entschied, dass wir die rechte Markierung zuerst holen würden, weil diese zuletzt gefallen war und auch die Fallstelle schwieriger einzuprägen war.

Keine Sekunde kam ich auf die Idee, mal auf meinen Hund zu gucken. Sonst hätte ich vermutlich bemerkt, dass sie keinen Furz markiert hatte (war auch schwierig, so direkt hinter einem Baum). Stattdessen verließ ich mich darauf, dass sie gewohnt gut markiert hatte und schickte sie salopp mit einer ungefähren Handbewegung in Richtung der rechten Markierung. „Apport!“ Biscuit verschwand daraufhin in einer Gruppe junger Fichten und knockte mich damit völlig aus. Ich starrte rat- und tatenlos auf den Bewuchs, bis Rainer mich wachrüttelte „Entweder du holst sie jetzt da raus, oder ich nehm euch raus“. Erschrocken klaubte ich meine 3 verbliebenen Gehirnzellen und die Pfeife zusammen *TÜT-TÜT*. Biscuit kam links aus dem Bewuchs und lunste in meine Richtung. Immerhin war das eine gute Ausgangsposition. Linker Arm + „Back“ + Suchenpfiff im Fallbereich. Gefunden. Hallelulja. Auf das linke Mark konzentrierte ich sie ordentlich mit genauer Richtungsanzeige. „Apport!“ Im Fallbereich musste ich noch etwas nachkorrigieren, gefunden.

Mein lieber Herr Gesangsverein, was für ein Klopps!

→ 8 Punkte

Wir bekamen unsere Freigabe für das Blind. „Voran!“ und kurz vor dem Bereich des Treibens nochmal „Voran!“. Biscuit verschwand und tauchte kurz danach wieder auf – immer noch auf der Ideallinie, um schließlich kurz vor dem Ziel überrschend eine scharfe Linkskurve hinzulegen. Natürlich war ich darauf überhaupt nicht mehr vorbereitet und schwupps – weg war der Keks. Isjetztnichwahroder? Ich bekam sie mit einem Hier-Pfiff wieder in Sicht, schickte sie „Back“ und verlor unterwegs komplett den Faden. Gerade als ich wieder einen Hier-Pfiff absetzte, schmunzelte Rainer hinter mir „Sie wollte eh grad zurückkommen“. Mir hat´s daraufhin erstmal die Fragezeichen aus dem Gesicht gehauen, bis ich raffte: Biscuit hatte gefunden und war mit Dummy auf dem Rückweg.

→ 10 Punkte

Netterweise gab´s von Rainer ein kurzes Fazit: „Die Marks waren dein Fehler. Hättest du ihr gleich gesagt, was sie machen soll… Hast ja gesehen – als du endlich eingegriffen hast, hat es auch geklappt. Das Blind sah super aus, leider warst du zu langsam. Am Ende war es Glück.“

Aufgabe 4 – Betty Schwieren

Zuerst warf Helfer H1 die Markierung M1; Fallstelle etwas von der Insel verdeckt, aber deutliches Platsch zu sehen/hören. Danach warf Helfer H2 die Markierung M2.

Reihenfolge durfte selbst gewählt werden; nachdem man seine Entscheidung mitgeteilt hatte, durfte man schicken.

Entfernungen: M1 ca. 60m, M2 ca. 75m (gemessen mit Google Earth, ohne Gewähr)

Aufgabe5

Aufgabe5a

Bei dieser Aufgabe staute es sich, was mir nach dem Krimi in Rainers Aufgabe ganz gelegen kam. Erstmal runterfahren. Dachte ich. Pustekuchen! In der Wartezone wurde heiß diskutiert, welche Reihenfolge wohl die richtige wäre. Holla die Waldfee! Es hatte bei beiden Varianten schon Nullen gehagelt, weil die Hunde letztlich doch mit dem falschen Dummy wiederkamen. Da keine Einigung in Sicht war, klinkte ich mich gedanklich aus und beschloss: wenn wir dran sind, würde ich anhand von Biscuits Reaktion entscheiden.

Die beiden Marks fielen und Biscuit war eindeutig auf das rechte Mark eingeloggt. „Rechts zuerst“ teilte ich Betty mit. „Ok, dann los“. Ich zeigte Biscuit deutlich das rechte Mark an „Apport!“. Der Keks stürzte sich in die Fluten und schwamm auf das Mark zu. Unterwegs kam ihr das rechts ins Wasser ragende Ufer gelegen (es gab nur eine handvoll Hunde, die den kompletten Weg durchgeschwommen sind). Sie landete dort an, sauste am Ufer nach hinten, bekam Wind und fischte das Dummy aus dem Wasser. Den Rückweg nahm sie komplett über Land, immer eng an der Wasserkante entlang. Sie überlegte zwar an der Ausstiegsstelle des Hinwegs, ob sie hier auch wieder einsteigen sollte, aber letztlich fehlte der Mumm oder die Kraft. Oder beides.

Nun kam der heikle Teil. Würde sie auf das Memory sofort ins Wasser gehen oder rändern? Ich baute ordentlich Spannung auf und ließ auch in meiner Stimme keine Zweifel aufkommen. „Apport!“ Sie ging und ich jubelte innerlich. Sie steuerte die Insel an, krabbelte raus und spähte unsicher über die Schulter in meine Richtung. Lange Schwimmstrecke = Festplatte gelöscht. Ich nahm schnell den rechten Arm hoch „Voran!“. Das genügte letztlich, um Biscuit bis nach Timbuktu zu schicken. Sie sauste über die Insel, durchs Wasser und am anderen Ufer wieder raus iiiiiiiiimmer weiter nach hinten. Ich hab ehrlich keine Ahnung, wo zum Geier sie hinwollte.

TÜT-TÜT
Biscuit blieb stehen und sah sich fragend um.
TÜT-TÜT
*aber ich hab doch noch gar nicht gefunden?*
TÜT-TÜT!!!
Biscuit stand verständnislos in der Gegend herum.
TÜÜÜÜÜÜÜT-TÜÜÜÜÜÜÜT!!!!!!!
???????????????????????

Keine Chance. Betty wies mich an: „Sorry. Hol sie zurück, jetzt ist sie ungehorsam.“ SEUFZ. Mit einem gequält-geflöteten „B-I-S-C-U-I-T… HIIIIIIIIAAAAAAAA!!!!“ holte ich den Fernaufklärer-Keks wieder in mein Universum zurück. Während sie auf dem Rückweg war, fischte der Helfer das Dummy aus dem Wasser und ich stellte zwei Dinge fest:
a) ich hatte nicht ordentlich markiert und hätte Biscuit niemals korrekt ans Stück bringen können (möööp)
b) Biscuit muss auf ihrem Weg nach Neverland ganz knapp am Dummy vorbeigeplatscht sein (doppelmöööp)

→ 0 Punkte

Somit hatten wir an beiden Wasseraufgaben genullt, was ich zugegebenermaßen vorher einkalkuliert hatte. Allerdings aus anderen Gründen. Ich hatte Angst, dass Biscuit die langen Schwimmstrecken bei einem Blind/Memory nicht annehmen würde. Manch einer wird sich fragen, warum ich dann überhaupt gemeldet habe. Ganz einfach: Ich habe an dieser Schwachstelle fleißig gearbeitet und wollte nun den Ernstfall proben. Trotz der Nullen mit Erfolg! Der WT hat gezeigt, dass ich im Training am Wasser wieder einen Schritt weitergehen kann und wir nun an den Feinheiten feilen müssen.

Insgesamt bin ich hochzufrieden. Biscuit hat fein gearbeitet und über meine Qualitäten als Hundeführer sprechen wir einfach nicht. Die Aufgaben haben richtig viel Spaß gemacht. Überall gab es kleine Tücken, die ich mal erkannt habe und mal nicht. Genau diese Erfahrungen sind es, die mir kein Training der Welt geben kann.

Wir bleiben dran!

Keks

Vielen Dank an die LG Süd für diesen schönen WT, an die Richter für die abwechslungsreichen Aufgaben und natürlich vor allem an Sonderleitung und die vielen Helferlein für die Mühe! CU 2017!

 

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Bavarian Lions Cup 2016 (O)

  1. Welch erfrischender Bericht! Vielen Dank dafür.

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