Stormy Weather 2016 (O)

Fast 2 Monate waren seit dem letzten Workingtest vergangen. In der Zwischenzeit ist einiges passiert, allerdings zieht es mich momentan kaum an den PC. Keine Sorge – uns geht es gut. Unverschämt gut! Offenbar sogar ein bisschen zu gut, denn als unser Start bei Stormy Weather am 09.07.2016 anstand, war ich ausnahmsweise mal nicht aufgeregt. Im Gegenteil. Ich hatte eigentlich gar keine Lust und hätte den Tag lieber am See verbracht.

In der Wartezone zu unserer ersten Aufgabe entwickelte ich ernsthafte Fluchtgedanken. Ich saß zwischen vielen erfahrenen O-Startern und fragte mich, was zur Hölle ich hier eigentlich zu suchen hatte (jaaaa, an meinem Selbstbewusstsein muss ich wirklich dringend arbeiten). Die Pfiffe und Kommandos, die aus der Aufgabe schallten, steigerten meine Motivation auch nicht wirklich.

Aufgabe 3 – Heli Siitari

Die Aufgabe startete mit einem 2er-Walk-Up einen Wiesenstreifen entlang. Rechts von uns ein dicht bewachsener Graben, dahinter wieder Wiese. Es fiel jeweils eine Einzelmarkierung: der Schütze/Werfer stand links von uns am Waldrand und warf in hohem Bogen über den Graben auf die andere Wiese bis fast an den Waldrand. Die Fallstelle war außer Sicht, der Hund ebenfalls, wenn er hinter dem Graben verschwand. Heli positionierte sich so, dass sie Sicht auf den Hund hatte und gab Hinweise, wo sich der Hund gerade befand.

A3Mark

Sicht auf das Mark/den Hund gleich Null…

A3M

Ich hatte in der Wartezone mitbekommen, dass die Markierung nicht einfach war, mehr aber auch nicht. Viele Hundeführer mussten handeln, also ging ich davon aus, dass man Sicht auf den Hund hatte. Als ich schließlich in der Aufgabe stand und auf das dichte Grünzeug vor meiner Nase starrte, tummelten sich 100 Fragezeichen in meinem Kopf. Wir walkten los, Schuss, Markierung. Biscuit und ich waren zuerst dran. Ich zeigte mit der rechten Hand die Richtung der Fallstelle an. „Apport“. Biscuit ging an der vorgesehenen Stelle über den Graben und Heli veränderte ihre Position so, dass sie Biscuit sehen konnte. Das Gemurkse begann…

Normalerweise hätte ich Biscuit einfach machen lassen – anders kenne ich es nicht, wenn sie außer Sicht ist. Doch durch die permanente Standortangabe der Richterin („In the bush/in the field/in the area“ usw.) hatte ich das Gefühl, eingreifen zu müssen. Bei „in the bush“ rief ich auf Verdacht „rüber“, „in the field“ ließ mich hoffen und ein/zweimal war Biscuit „in the area“ und ich gab den Suchenpfiff. Je länger es dauerte, desto überzeugter war Biscuit, dass das Dummy irgendwo am Graben sein musste. Ohne Sichtkontakt war es mir nicht möglich, sie von dieser Idee abzubringen und musste sie letztendlich leer zurückholen. Schade, aber in dem Moment für uns einfach nicht machbar, daher völlig ok.

(Zuschauer erzählten mir später, dass Biscuit mein „rüber“ zwar immer wieder angenommen hatte, aber leider zu kurz blieb.)

Nachdem jeder Hund sein Einzelmark geholt hatte (oder eben auch nicht) ging man zum Ende der Wiese. Ein Starter ging außer Sicht in Warteposition (Hund war unangeleint). Zu arbeiten war nun ein beschossenes Blind am hinteren Ende der Wiese (Entfernung lt Google Earth ca. 120m). Die Hunde mussten dabei an dem bewachsenen Graben vorbei und im hinteren Bereich an einem kleinen Weiher.

A3Blind

A3B

Ich richtete uns ordentlich aus, der Schuss fiel und ich durfte schicken. Platte Wiese = nicht Biscuits Lieblingsdisziplin, deshalb konzentrierte ich sie laaaaange nach vorne. „Voran!“ Zunächst sah es sehr gut aus, doch gegen Ende zog Biscuit etwas nach rechts Richtung Weiher. Obwohl hinter mir schon irgendjemand „Stopp“ flüsterte, wartete ich ab und stoppte den Keks erst kurz vor dem Weiher. Linker Arm + rüber. Biscuit ging bis zur Ecke des Weihers, wo sie sich durch den Hocker des Helfers etwas aus dem Konzept bringen ließ. Stopp, linker Arm, back. Biscuit lief direkt in den Zielbereich (Suchenpfiff) und pflückte nach kurzer Suche ein Dummy aus dem hohen Gras.

→ 0 Punkte, aber immerhin noch ein „Well done“ für das Blind.

Aufgabe 2 – Stef Bollen

Startpunkt mit Blick auf den See und den Waldhang auf der anderen Seite. Der Schütze/Werfer stand links von uns, war aber durch den hohen Uferbewuchs nicht zu sehen. Zuerst fiel ein Schuss für das Blind, danach noch ein Schuss und eine Wassermarkierung. Die Markierung war ebenfalls nicht zu sehen, man hörte es aber deutlich platschen.

Zuerst sollte das Blind diagonal von der gegenüberliegenden Seite geholt werden (Schwimmstrecke ca. 40m), bezeichnet wurde der Uferbereich + 15m nach oben. Nach dem Blind war das Mark zu holen.

A2Wasser

Sicht auf den Uferbereich des Blinds. Das Mark fiel irgendwo links hinter dem Gemüse.

A2

Obwohl wir beim Mark keine Sicht auf den Helfer/das Dummy hatten, drehte ich uns zu Beginn der Aufgabe nach links ein. Schuss für das Blind, Schuss für das Mark, PLATSCH. Amüsiert beobachtete ich Biscuit, die sich mit Giraffenhals vergeblich um mein Bein wickelte. Auf Freigabe drehte ich uns Richtung Blind, baute Spannung auf und schickte Biscuit voran. Ohne zögern schwamm sie auf das andere Ufer zu, hielt die schräge Linie aber nicht bis zum Ende, sondern ließ sich vom nahenden Ufer ziehen. Ich versuchte eine Korrektur nach links, holte dabei aber nur 1-2m raus, weil Biscuit schon zu nahe am Ufer war. Gut, dann eben den Rest an Land… sofort nach dem Ausstieg stoppte ich sie und schickte sie nach links. Nochmal Stopp + back, Suchenpfiff. Eigentlich wollte ich sie noch höher in den Hang schicken, aber irgendwas zog sie wieder nach unten. Ich haderte kurz mit mir und beschloss, dass ich lieber auf Keksis Nase vertrauen sollte, als auf meine Einschätzung/Vorstellung von diesen ominösen 15 Metern. Es war die richtige Entscheidung, denn kurz darauf hatte Biscuit gefunden. Da sie den See gut kennt, wählte sie für den Rückweg leider (mal wieder) den Landweg.

Ich nahm das Dummy entgegen und richtete uns wieder nach links auf das Mark aus. Ich deutete mit der rechten Hand dicht am Grünzeug vorbei aufs Wasser, „Apport“. Biscuit platschte zielstrebig los. Der Richter hatte sich gerade in Bewegung gesetzt, um Biscuit beobachten zu können, als sie auch schon wieder mit Dummy auf dem Rückweg war.

Wir wechselten in die Warteposition und ich grinste zufrieden in mich rein. Wahnsinn, welche Fortschritte wir am Wasser gemacht haben. Nur der blöde Rückweg über Land… hmpf! Trotz der guten Arbeit hatte ich daher nicht mehr mit vielen Punkten gerechnet, aber Stefs Prioritäten lagen offenbar woanders, denn er gab uns noch…

→ 16 Punkte

Aufgabe 4 – Petra Loidl / Aufgabe 5 – Ton Bujis

Es gingen zunächst 4 Starter gemeinsam in die Aufgabe. Vor dem Startpunkt lag eine steile Schlucht, dahinter ein kleines Wäldchen (ist auf dem Bild leider nicht zu erkennen). Die Hunde wurden abgeleint und im Wäldchen fand ein Treiben statt; kurz bevor das Treiben startete, flog eine Markierung (mit Schuss) nach rechts hinten. Nachdem das Treiben vorbei war, sollte jeder Hund ein Dummy aus dem Treiben im Wäldchen holen. Anschließend verließen wir die Aufgabe wieder und kamen einzeln zurück, um die Markierung rechts hinten zu arbeiten.

Nachdem man bei Aufgabe 4 das Mark geholt hatte, übergab Petra an Ton und man wechselte ein paar Meter die Position. Es sollte nun (links von dem Treiben) ein Blind geholt werden (der Schuss dafür fiel bereits während des Treibens); der Hund war im Zielbereich kurz außer Sicht.

Zur Verdeutlichung der Ablauf mit Startnummern (SN) 1, 2, 3 und 4:
SN 1-4 gehen in die Aufgabe, jeder Hund holt ein Dummy aus dem Treiben.
SN 1 bleibt, SN 2-4 gehen wieder.
SN 1 arbeitet das Mark, danach das Blind.
SN 1 geht, SN 2 kommt, arbeitet Mark + Blind usw.

Der Startpunkt lag weiter hinten als auf den folgenden Fotos, aber so erkennt man mehr vom Gelände.

A4Treiben

Sicht auf die Fallstelle des Marks.

A4Mark

Sicht auf das Blind, Entfernung ca. 100m.

A5

Zunächst hatten wir vor der Aufgabe eine laaaaaaange Wartezeit. Schatten war Mangelware und ich war froh, dass ich Biscuits Kühlmantel dabei hatte. Sie rollte sich ein und fuhr auf Schlummermodus runter, bis wir endlich an der Reihe waren.

Mit 3 weiteren Teams gingen wir in die Aufgabe. Da wir die höchste Startnummer hatten, standen wir links außen. Alle leinten ab und Petra gab das Zeichen für das Treiben, doch nichts passierte. Biscuit nahm eine Bewegung am linken Rand des Wäldchens wahr und starrte wie gebannt dorthin. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten ging es los. Von der Markierung konnte ich nichtmal ansatzweise was sehen. Biscuit sowieso nicht, denn die starrte immer noch nach links. Das Treiben startete. Ich beobachtete den Laufweg der Helfer, Biscuit fixierte weiterhin ihre eigene Idee und ignorierte das Treiben geflissentlich. Suuuuuuper. Mir kam kurz der Gedanke, dass ich sie später nicht geradeaus, sondern lieber etwas weiter nach rechts schicken sollte.

Die drei anderen Hunde holten problemlos je ein Dummy aus dem Treiben. Nun waren wir an der Reihe und ich versagte auf ganzer Linie. Natürlich schickte ich sie nicht nach rechts, sondern geradeaus (Fehler Nr. 1) und natürlich zog es Biscuit auf der anderen Seite der Schlucht nach links. Ich stoppe sie und schickte sie nach rechts ins Wäldchen. Sie verschwand und ich wartete und wartete und wartete (Fehler Nr. 2), bis ich irgendwann den Suchenpfiff gab (Fehler Nr. 3, denn es war keine kleine, sondern eine große Suche). Das spielte ich insgesamt 3x (Fehler Nr. 4 und 5, denn wenns beim ersten mal nicht klappt, warum sollte es beim zweiten/dritten mal klappen?), bevor ich Biscuit zurückholen sollte. Die hatte ihrerseits dort drüben ebenfalls keine gute Figur gemacht und etwas verloren gewirkt.

Wir gingen zurück in die Wartezone, da das Mark und das Blind jetzt einzeln gearbeitet wurden. Biscuit und ich hatten wieder längere Wartezeit und ich hätte mir am liebsten ein Loch gebuddelt. Wie peeeeeeeinlich. Ausgerechnet den einfachsten Teil der Aufgabe völlig verkackt… wow! Nicht wirklich förderlich für mein Selbstbewusstsein. Mir graute vor dem Rest der Aufgabe, bei dem sich etliche Teams vorher vor allem beim Blind wirklich schwer getan hatten. Mit wackeligen Knien ging ich wieder in die Aufgabe.

Petra wies mir meinen Startpunkt zu und fragte „Erinnerst du dich noch an das Mark?“. Ich antwortete: „Ööööööhm, also, ich, ähhhh… nö“, was mir ein kleines Lachen einbrachte. „Kein Problem, ich zeig´s dir“. Nachdem mir der Fallbereich einigermaßen klar war, atmete ich tief durch und schickte Biscuit voran. Sie verschwand hangabwärts und ich vergaß prompt das pushen. Petra informierte mich „Sie steht unten in der Schlucht“. Ich wollte mich nach vorne mogeln, wurde jedoch sofort ausgebremst. „Nene, du bleibst da stehen“. Okeeee, einen Versuch war es wert. Dann eben blind und in der Hoffnung, dass Biscuit die richtige Richtung einschlagen würde… „Voran!“. Keksi empfing meine telepathische Richtungsanweisung und kam auf der Ideallinie wieder in Sicht. Jawollja, läuuuuft! Ich nahm unterwehs noch eine Kurskorrektur vor und schon war Biscuit im Fallbereich, bekam Wind und fand. „Sehr schön! Schade, dass ihr euch beim Treiben so schwer getan habt.“ merkte Petra an. Jou, fand ich auch.

→ 0 Punkte

Ich gab das Dummy bei Petra ab und wurde direkt an Ton weiterverwiesen, der mir die Lage des Blinds erläuterte. Konzentration, „Voran!“. Biscuit sauste bergab und traf auf die querliegenden Baumstämme. Sie überlegte kurz, ob drüber weg oder drunter durch und entschied sich für´s durchkrabbeln. Nachdem sie das Hindernis überwunden hatte, kam sie ins zweifeln und drehte sich zu mir um. „Back!“. Ich staunte, wie genial sie die Linie hielt, ohne sich von dem schlängelnden Graben verleiten zu lassen. Kurz vor dem Ziel zog es sie plötzlich nach rechts weg. Ich wusste, dass es vielen vor uns ebenfalls so ging und die Hunde nur mit Mühe oder gar nicht dort wegzubekommen waren. Örghs. TÜÜÜT! Kurz durchschnaufen, linker Arm raus, Spannung aufbauen, RÜBER! Biscuit befolgte brav meine Anweisung, hielt direkt Kurs auf das Ziel, verschwand aus meinem Blick (Suchenpfiff) und tauchte kurz darauf mit Dummy wieder auf. Ich freute mich wie ein Schnitzel! Auf dem Rückweg wählte Keksi interessanterweise den Weg über die Baumstämme.

→ 16 Punkte

Aufgabe 1 – Michael Hahn

Startpunkt mit Blick auf eine Senke und den Waldhang gegenüber. In der Senke fand ein Mini-Treiben statt (2 Leute, alles wurde wieder aufgehoben). Nach dem Treiben war ein Blind auf dem anderen Hang zu holen. Michael betonte ausdrücklich, dass er keinen großen Geländeverbrauch sehen möchte.

A1

Hier gibt es nicht viel allzuviel zu berichten. Biscuit kam auf der Spur des Treibens etwas ins schleudern und wollte nach rechts weg, daher stoppte ich und schickte sie mit dem linken Arm back. Leider sah es für mich so aus, als würde sie jetzt nach links weggehen, weshalb ich sie erneut stoppte… genau in dem Moment, als sie den Hang hochwollte. Määäääääh. Nochmal „back“. Auf dem Weg nach oben pushte ich zur Sicherheit nochmal, Suchenpfiff, gefunden.

→ 17 Punkte

Geschafft! Am Ende war ich hochzufrieden mit uns. Wir können zwar noch keinen bestandenen O-WT vorweisen, aber ich bin mir inzwischen sicher, dass es der richtige Schritt war. Mein Keks und ich – das passt wie Arsch auf Eimer. Wir haben als Team schon so viel Mist gebaut, uns wieder zusammengerauft und weitergemacht; sind an manchen Aufgaben gewachsen, an anderen gescheitert und entwickeln uns ständig weiter. Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben und freue mich auf das, was noch kommt!

Vielen Dank an die Sonderleitung, die Richter und vor allem die zahlreichen Helfer für diesen schönen Tag in meinem allerliebsten Lieblingsgelände! CU 2017!

KEks

 

 

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | Hinterlasse einen Kommentar

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