Gründeln im Forst 2016 (O)

„Wer bin ich – und warum so früh?“ Eine Frage, die ich mir auch letztes Wochenende wieder gestellt habe.
Die Antwort lautete diesmal: „Eine Ente – als Helfer für die F“.

Ente

Ich verbrachte den Vormittag damit zu quaken, mein Leben zu lassen und meinen Kadaver ins Wasser zu werfen. Pünktlich zur Mittagspause und dem Klassenwechsel von F/O zog ein Gewitter auf und verzögerte unseren Start. Durch das Warten wurde ich immer matschiger in der Birne. Vormittags helfen und nachmittags starten ist definitiv nichts für mich. Für Biscuit auch nicht, das zeigte gleich die erste Aufgabe…

Aufgabe 3 – Thano Keller

Startpunkt mit Blick auf einen See mit Insel. Thano erklärte, wir wären auf dem Entenstrich und würden sehen, was passiert. Ableinen, abwarten. Schütze und Helfer standen nicht sichtbar. Es fielen zwei Schüsse; die Markierung (M1) fiel ins Wasser und wurde an einer Schnur an Land gezogen (leider war die Ente nur angebleit). M1 war sofort zu arbeiten; das Dummy lag irgendwo rechts im Uferbereich. Wenn der Hund auf dem Rückweg war, fiel M2 ins Wasser und noch ein weiterer Schuss. Nun sollte M2 aus dem Wasser geholt werden; zum Schluss ein Blind links an Land. Entfernungen ca 40m.

ThanoWasser

Blick vom Startpunkt auf´s Wasser:

wasser

Blick vom Startpunkt auf´s Blind, welches irgendwo geradeaus im Gemüse lag:

bl

So weit, so gut. M1 platschte ins Wasser und Biscuit starrte erwartungsvoll zu mir hoch, während das Dummy an Land gezogen wurde. Wir bekamen unsere Freigabe und weil Keksi gut markiert hatte und ich die Aufgabe (mal wieder) unterschätzt hatte, schickte ich sie mit einem laschen „Apport“ los. Ich rechnete damit, dass sie sich anfangs sowieso am rechten Uferrand halten würde und ich sie – bevor sie ins Wasser gehen würde – stoppen und in die Suche schicken könnte. Leider stolperte sie unterwegs über eine gut riechende Stelle und vergaß kurzfristig ihren Auftrag. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Stopp-Pfiff + back. Kekschen erinnerte sich wieder *ach da war ja was* und platschte (unplanmäßig) ins Wasser auf die ursprüngliche Fallstelle zu. Dort ragte passenderweise ein Stein aus dem Wasser, den Biscuit natürlich für das Dummy hielt. Wäre alles kein Problem gewesen, wenn die anschließende Zusammenarbeit zwischen Keksi und mir geklappt hätte. Statt wie befohlen ans rechte Ufer zu schwimmen, entschied sich Biscuit für die Insel *is näher!*. Mit Hängen und Würgen bekam ich sie von der Insel wieder runter und zwei Kommandos später war sie wieder auf der Insel. Bumerang-Effekt. Ich brodelte schon, bevor Thano mich anwies, sie wieder reinzuholen.

→ 0 Punkte

Das Blind durften wir aus Zeitmangel nicht mehr arbeiten, was mir ganz Recht kam. Es gibt auf einem WT genau zwei Dinge, die mich in 1 Sekunde von Null auf die Palme bringen: Ungehorsam… und meine eigene Blödheit, mit der es meistens anfängt. Jemand erinnerte mich neulich daran, dass Biscuit mich zu 100% spiegelt. Sobald ich unsicher bin, ist Biscuit es auch. Früher hat sie in diesen Situationen dicht gemacht, heute verfolgt sie ihre eigenen Pläne. Man könnte sagen, sie hat sich weiterentwickelt… im Gegensatz zu mir. Ich hatte viel zu spät reagiert und das anschließende Chaos nicht unter Kontrolle bekommen.

Ich ging zurück in die Wartezone und versuchte mich abzuregen. Die Wut war schnell verraucht, die Motivation leider ebenfalls. Als ich von der nächsten Aufgabe hörte, waren meine ersten Gedanken „Vergiss es, so wie wir heute drauf sind, wird das nie was. Das tu ich uns nicht an.“ Dank der Aufmunterung meiner Mitstarter wagte ich es doch…

Aufgabe 4 – Thano Keller

Thano begrüßte die Starter zur Niederwildjagd; ableinen und abwarten. Im Wald gegenüber des Startpunkts fand ein Treiben statt. Das Treiben startete rechts, dabei fielen zwei Markierungen (x), die liegen blieben (zwei Fasane, welche von den Treibern später selbst eingesammelt wurden). Die Treiber liefen weiter aus dem Wald in den angerenzenden Bewuchs hinein und schossen nach hinten („der Hase den ihr wollt, liegt da hinten“). Nachdem das Treiben vorbei war, erklärte Thano den Bereich des zu arbeitenden Blinds. Hier ein Video des Treibens: *klick*.

Entfernung zum Blind ca. 80m; auf dem Weg dorthin befanden sich die alte Fallstelle einer F-Markierung.

ThanoWald

Blick ins Gelände; der Startpunkt war ca. 2m weiter links unten, aber so sieht man mehr;
im eingekringelten Bereich lagen die beiden Verleitmarkierungen, unterhalb des Pfeils das Blind

waldb

Für Biscuit kam eine weitere Verleitung dazu: ich hatte hier vormittags für die F eine Markierung geworfen. Der vordere Waldbereich (etwas hinter dem Treiben) war querbeet mit meinen Spuren durchzogen. Yeah, Glückwunsch! Ich ging zu Thano und kündigte an: „Kann gut sein, dass ich die Geduld vor dir verliere.“ „Naaaa, sei nicht so emotional. Konzentrier dich, bleib ruhig, dann macht ihr das schon!“

Ich leinte ab, das Treiben begann und wir bekamen unsere Freigabe. Ich baute ordentlich Spannung auf und ließ keinen Zweifel aufkommen: „Voran!“ Biscuit sauste los. Auf Höhe des Treibens pushte ich und Biscuit legte noch einen Zahn zu. Auf Höhe der alten Fallstellen und meiner Spuren rief ich nochmal „Voran!“ und ließ sie dann laufen. Kurz vor dem Ziel zog es sie nach rechts. Diesmal reagierte ich sofort. „TÜÜÜT!“ Biscuit wirbelte herum *sie wünschen?*. „Rüber!“ *zu Befehl!* Sie verschwand im Bewuchs, ich gab den Suchenpfiff und konnte nur noch abwarten und darauf vertrauen, dass sie den Rest von selbst lösen würde. Als sie mit Dummy wieder auftauchte, fiel mir ein ganzes Gebirge vom Herzen. Erleichtert nahm ich die Pfeife aus dem Mund, um sie eine Millisekunde später wieder reinzustopfen, denn: Biscuit musste auf dem Rückweg nochmal an den Verleitungen vorbei. Vorsicht ist die Mutter der Keksdose! Wehe, wenn ich nur debil grinsend auf ihre Rückkehr gewartet hätte.

→ 17 Punkte…

…und einen fetten Knutsch für´s Kekserl. Kopfschüttelnd ging ich zurück in die Wartezone. Kaum macht man´s richtig, klappt der Mist.

Aufgabe 1 – Jürgen Laux

Es kamen zunächst 3 Teams zusammen in die Aufgabe; die Hunde wurden abgeleint und es fand ein Treiben am Uferrand statt. Nachdem das Treiben vorbei war, blieb die niedrigste Startnummer da, die beiden anderen Teams gingen außer Sicht, d.h. die Aufgabe wurde ab da einzeln gearbeitet.

Wenn man alleine war, fiel eine Doppelmarkierung. Zuerst links M1 an Land, danach rechts M2 ins Wasser in einen Schilfbereich nahe am Ufer. Zuerst sollte über Wasser das Vollblind B gearbeitet werden (lag hinter einer kleinen Landzunge), danach M2 aus dem Schilf, am Schluss M1 an Land.

Entfernung zum Blind und dem Schilfmark müsste jeweils um die 40m gewesen sein, zum Landmark geschätzt 25m.

LauxWasser

Blick vom Startpunkt auf das Treiben und das Blind; das Ufer fiel flach ab und ist breiter als es hier erscheint; die Hunde konnten die ersten Meter flach ins Wasser reinlaufen.

Blind

Blick vom Startpunkt auf M1

M1

Blick vom Startpunkt auf M2

M2

Die Wartezone lag ein gutes Stück im Wald und so kam es auf dem Weg zur Aufgabe zu einer kleinen Slapstickeinlage. Mit dem rechten Fuß stieg ich auf einen Ast, der dadurch auf der linken Seite aus dem Moos nach oben gedrückt wurde. Mein linker Fuß nahm die Einladung begeistert an und hakte sich unter. Da ich auf den Boden gestarrt hatte (um nicht zu stolpern, haha) erkannte ich das Problem sofort. Doch anstatt den rechten Fuß vom Ast runterzunehmen, wollte ich den linken rausziehen und hebelte mich damit selbst aus. Zack, nach rechts weggekippt. Wo Grobmotoriker draufsteht, ist auch Grobmotoriker drin. Man könnte auch sagen, die Ente hat sich selbst angebleit und einen Abflug gemacht. WMH!

Das wäre ein so schöner Lachkrampf geworden, wenn ich nicht in die Aufgabe gemusst hätte…

Biscuit und ich hatten die niedrigste Startnummer und waren direkt als erstes dran. „Voran!“ und nach dem Treiben an der Wasserkante wieder „Voran!“. Biscuit ließ klar erkennen, dass sie wusste, was ich von ihr erwartete. Sie lief zielstrebig durch den Bereich des Treibens, rannte einige Meter ins Wasser und verlor dann leider den Mut. Sie blieb stehen, starrte auf das andere Ufer und *mööp* fing an zu denken *vielleicht linksrum über Land?*. Leider gelang es mir nicht, sie über´s Wasser zu bekommen.

→ 0 Punkte

Die Landmarkierung wurde vom Helfer aufgesammelt und die aus dem Schilf durfte Biscuit holen. Jürgen war sehr nett und wies mich an: „Jetzt geht ihr ganz ruhig und entspannt in die Wartezone zurück und wir sehen uns später wieder.“ Gesagt, getan. Mit dieser Null aus der Kategorie „Trainingsbedarf“ kann ich sehr gut leben. Unser Problem war der Abstand zum Wasser und der ungewohnte Einstieg. Direkt vom Rand mit einem Hüpf – das können wir inzwischen, weil ihr da keine Zeit zum Denken bleibt. Am Rest müssen wir eben noch arbeiten.

Aufgabe 2 – Jürgen Laux

Zunächst gab es einen kleinen Walk-Up mit zwei Teams (nur wenige Meter), dann fielen zwei Schüsse (nichts passierte). Ein Team blieb stehen und wartete, das andere ging mit Jürgen zum eigentlichen Startpunkt weiter. Nun fiel ein Doppelmark im Wald (Bild mit Blick vom Startpunkt; die beiden Helfer standen hier noch). Zuerst fiel M1 nach rechts hinten, danach M2 nach links vorne. In dieser Reihenfolge sollten die Marks auch geholt werden. Wenn beide Marks drin waren, tauschten die beiden Teams die Plätze und das Doppelmark fiel nun für das zuvor wartende Team. Entfernung kann ich leider nicht einschätzen.

Blick vom Startpunkt auf die Marks; die Helfer standen hier noch (eingekreist), am besten zum vergrößern auf das Bild klicken.

LauxWald

Wir brachten den kleinen Walk-Up unfallfrei hinter uns und standen zunächst in Warteposition, bevor wir mit dem anderen Team tauschten und selbst an der Reihe waren. Schuss, M1 fiel. Schuss, M2 fiel… und Biscuit starrte immer noch nach rechts. Ich deutete schnell nach links, doch Biscuit sah nur kurz hin und konzentrierte sich sofort wieder auf M1. Multitasking war beim Keks gerade nicht angesagt. Nun gut. Wir bekamen unsere Freigabe und ich schickte Biscuit zu M1.

Während sie unterwegs war, dämmerte mir, dass ich die Fallstelle von M2 nicht mehr wusste. Zeitgleich hatte sich Biscuit in der Tiefe verschätzt und nun war ich mit Multitasking gefragt: 1. den Keks zu M1 handeln und 2. die Fallstelle von M2 berechnen. Beides lief besser als erwartet. Ich musste Biscuit zwei mal stoppen und nach hinten schicken, bis sie bei M1 angekommen war. Ihren Rückweg nutzte ich, um meine Berechnungen für M2 nochmal zu überprüfen *Werfer ~ Mann + Richtung ~ schräg nach vorne + Weite ~ nur halb so weit wie der andere Werfer = Fallstelle x*.

Ich richtete uns nach links aus und atmete nochmal tief durch. Entweder es geht oder es freckt. „Voran!“ Biscuit hielt die Linie sehr schön und reagierte sofort auf meinen Suchenpfiff. Nase runter, gefunden. Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. In Perfektion! Ohne Ohren hätte ich wohl im Kreis gegrinst.

→ 11 Punkte

Damit endete unsere erste O-Saison. Wir haben manchmal gelitten, viel gelernt und eine Menge Spaß gehabt. Dafür, dass die O nie das Ziel war, bin ich mehr als zufrieden. Nein, wir sind sicher keine Überflieger, aber für uns war schon immer der Weg das eigentliche Ziel. Wenn ich in alten WT- oder Trainings-Berichten lese, wird mir bewusst, was der Keks und ich alles geschafft haben. Eigentlich vollkommen irre…

…und: mein Kekserl mag mich immer noch ♥

2

Vielen Dank an alle für den schönen Tag beim Gründeln! Die Stimmung war wie immer super und ich freu mich schon auf das nächste Jahr!

 

Advertisements
Kategorien: Prüfungen/Workingtests | Ein Kommentar

Beitragsnavigation

Ein Gedanke zu „Gründeln im Forst 2016 (O)

  1. Wieder einmal genial geschrieben – man merkt förmlich, was für ein tolles Team ihr seid! 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: