Work & Show „smuck un plietsch“

Vor einigen Wochen machte ich mich auf die Suche nach einer Work & Show Veranstaltung. Die Recherche ergab: Luhmühlen. 500 km nördlich. Quasi am anderen Ende der Welt. Kurz bevor man von der Scheibe fällt.

Ausschlaggebener Grund für meine Meldung war die Richterin Joy Venturi Rose (Leospring Labradors), die sowohl Show als auch WT richtete. Wohl wissend, dass selbstverfreilicht ICH den „smucksten un plietschesten“ Keks der Welt habe, war ich doch auf das (Gesamt-)Urteil dieser Richterin gespannt.

~ die Show ~

Zum Glück ist die Retrieverwelt recht klein und man trifft auch weit außerhalb der eigenen Wohlfühlzone noch einige Freunde und Bekannte. Ich hätte mich sonst vermutlich zu Tode gelangweilt. Oder wäre eingeschlafen und im Nieselregen ertrunken.

Bei 10 Hündinnen in der offenen Klasse machte ich mir nicht viele Hoffnungen auf eine Platzierung. Die ersten 3 Plätze (jeweils mit einem V) standen recht schnell fest. Blieb noch der 4. Platz. Die Richterin schwankte zwischen Biscuit und einer gelben Hündin. Sie lief immer wieder zwischen den beiden hin und her, tastete nochmal ab und betrachtete die Gesichter.

Biscuit flirtete, was die braunen Kulleraugen hergaben und ergatterte am Ende tatsächlich den 4. Platz (mit einem SG) und ein Fläschchen. Yeah!

Die Richterin meinte, dass es für „mehr“ wegen des derzeit schlechten Fells leider nicht gereicht hatte. Schade, aber völlig ok. Das Fell ist momentan wirklich gruuuuselig.

Bewertung: „sweet head and expression, good length of muzzle, not in good coat today but can see traces of good coat, good angulation, good bone, moved a little close, good feet“

~ der Workingtest ~

Schon als ich am Sonntag in meinem Hotelbett aufwachte, lagen meine Nerven blank. Die Anmeldung für die O war erst um 12 Uhr. Viel zu viel Zeit, um sich (fernab von zuhause und ohne jegliche Ablenkung) richtig reinzusteigern. So schlecht war mir noch nichtmal vor unserem allerersten O-WT. Bei der Anmeldung wurde die Aufregung dank netter Gespräche (und einem Likörchen) erst etwas erträglicher, um dann beim Weg zur ersten Aufgabe wieder in ungeahnte Höhen zu schießen.

Aufgabe 4 – Jennifer Hay

Doppelmark: M1 fiel – umdrehen – M2 fiel; zuerst sollte M1 geholt werden, danach M2.

Entfernung: zu M1 ca. 90m, zu M2 ca. 60m (gemessen mit Google Earth – ohne Gewähr).

Originalansicht M1:

Originalansicht M2:

Die Teams vor uns hatten die Dummies schnell drin und ich weiß noch, dass ich dachte *hoffentlich blamieren wir uns jetzt nicht*. Die vielen Zuschauer taten ihr Übriges. Als ich bei der Richterin ankam, musste ich mich beherrschen, ihr nicht vor Aufregung vor die Füße zu kotzen. Beste Voraussetzungen also.

Biscuit hatte auf dem Weg zu M1 die perfekte Linie (hinter mir ertönte ein leises „very good!“) und hätte eine Punktlandung hingelegt – wenn sie nicht einen Meter vor der Fallstelle plötzlich scharf rechts abgebogen wäre. Hilflos sah ich zu, wie sie zum Helfer rannte. Der Gedanke *das hat sie ja noch NIE gemacht* kam und ging und endlich reagierte ich. Es folgten viele hektische Kommandos (Stopp, Rüber, Stopp, Back, Stopp, Rüber, Hier, Stopp, Suchenpfiff etc.), die Biscuit nur leidlich annahm. Als sie endlich über das Dummy stolperte entfuhr mir ein „oooooh mein Gott“, was immerhin die Richterin zum Lachen brachte.

Immer noch aufgewühlt von dem Chaos des ersten Dummies schickte ich auf M2 nur mit „Apport“ und musste anschließend ebenfalls handeln, weil Biscuit zu weit links war. Diesmal kam sie schneller ans Dummy, doch aus meiner Erleichterung wurde prompt Entsetzen. Keksi hatte das Dummy nur am Wurfbändel erwischt und es schlenkerte fröhlich hin und her. Kaum hatte ich *lass es bloooß nicht fallen* zuende gedacht, legte Biscuit das Dummy für eine Griffkorrektur ab, die ich mit einem energischen Hier-Pfiff untermalte. Ergebnis: das Dummy landete am Ende 1m vor meinen Füßen.

Die Richterin war wirklich supernett, aber natürlich blieb ihr nichts anderes übrig…

→ 0 Punkte

Naja, immerhin hatte ICH wirklich sehr gut markiert. Das ist doch auch schon was!

Aufgabe 1 – Joy Venturi Rose

Startpunkt auf einem Hügel mit Blick auf einen Reitplatz. Rechts hinten wurde eine Markierung geworfen (sehr schlecht zu sehen), danach verschwand der Helfer hinter einem Baum. Zuerst sollte links ein Vollblind gearbeitet werden, danach das Mark.

Man durfte sehr lange handeln und rückblickend war dies mit Abstand die „musikalischste“ Aufgabe des Tages.

Entfernung zum Blind ca. 100m, zum Mark ca. 200m (gemessen mit Google Earth und ohne Gewähr).

Originalansicht:

Getreu dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s frei und ungeniert“ ging es mir nach der Null schnell besser. Selbst die vieeeelen Pfiffe aus der nun folgenden Aufgabe konnten meiner wiedergewonnen inneren Ruhe nichts anhaben. Jetzt war´s ja eh scho wurscht.

Die Richterin begrüßte uns „Nice to see you again“ und während sie die Aufgabe erklärte, dachte ich angesichts der vielen Hindernisse nur *Ja nee, is klar*. Ich registrierte das Mark, merkte mir die Fallstelle und widmete mich anschließend der Frage, wie ich Biscuit auf das Blind schicken sollte. Mir war klar, dass sie bei dem schrägen Winkel nicht durch´s Wasser gehen würde. Also gleich links dran vorbeischicken? Könnte schief gehen. Da Biscuit in der Regel die Linie wieder aufnimmt, wenn sie ein Hindernis umlaufen hat, entschied ich mich für den direkten Weg. Voran!

Biscuit lief los, stutzte am Wasser, umlief das Wasser und stoppte genau an dem Punkt, wo sie bei direktem Weg rausgekommen wäre. Fragender Blick in meine Richtung. Voran! Sie driftete leicht nach rechts, aber es war vertretbar und ich lies sie laufen, bis sie die richtige Tiefe hatte. Stopp – Rüber – Suchenpfiff – gefunden.

Wieder ging das grübeln los. Wie krieg ich sie zum Mark? Ich fragte die Richterin, ob ich mich etwas nach links/rechts bewegen dürfte? Ja, ein wenig. Das machte es nicht besser, die blöde Pfütze war so oder so im Weg. Also wieder direkt. Voran!

Gleiches Spiel wie vorher – Biscuit lief am Wasser vorbei und nahm dann die Linie wieder auf. Offenbar hatte sie das Mark auch fallen sehen, denn sie wähnte es hinter dem ersten Hindernis, das ihren Weg kreuzte. Ich musste sie insgesamt 4 oder 5x stoppen und stückchenweise tiefer schicken, was sie jedesmal sehr schön annahm. Im Fallbereich hatte sie sofort Wind und war schnell auf dem Rückweg. Ich grinste in mich rein. Das war ja einfach.

Kaum hatte Biscuit die Leine um, begann die Richterin mit einer Lobeshymne, die mich wirklich sprachlos machte. „I´m soooo delighted with your dog! She´s always listening to you. You trained her very well!“ Das ging runter wie Öl. Sie betonte nochmals, dass sie Biscuit bei der Show gerne besser platziert hätte – vor allem nachdem sie sie jetzt beim arbeiten gesehen hatte. „She´s lovely!“ Damit hatte ich mein Ziel für dieses Wochenende nicht nur erreicht, sondern weeeeeit übererfüllt und schwebte von dannen…

→ 14 Punkte

Aufgabe 2 – Günther Kohler

Zuerst warf der Helfer eine Markierung nach rechts in eine Kuhle; das Mark durfte sofort gearbeitet werden. Anschließend war noch ein Vollblind zu holen; auf dem Weg dorthin mussten die Hunde links an der Fallstelle des Marks vorbei.

Entfernungen: leider keine Ahnung

Die Probleme waren hier sehr unterschiedlich. Manche Hunde hatten Probleme mit der Markierung, andere haben sich auf dem Weg zum Blind von den alten Fallstellen der Markierung verleiten lassen.

Startpunkt war auf einem schmalen Waldweg. Man durfte sich dort in einem seitlich abgegrenzten Bereich von ca 2m positionieren bzw. bewegen. Prompt fiel mir etwas ein, was Rainer Kern mal im Training gesagt hatte: „Bevor ihr den Hund schickt, schaut euch kurz das Gelände direkt vor euch an“. Tatsächlich hatte der Hund im linken Startbereich höheres Gras vor der Nase, im rechten Startbereich hingegen war nur niedriges Gras. Für das Mark stellte ich mich daher ganz nach rechts.

Schuss, Mark fiel, Freigabe, „Apport“. Biscuits Begeisterung *yeaaaah, ein Einzelmark, Geronimoooo* wurde durch das Heidekraut ausgebremst *wassn DAS für komisches Zeuch?*. Sie stolperte unterwegs und besah mich über die Schulter mit einem vorwurfsvollen Prinzesschenblick. „Apport“! Sie zuckelte weiter, verschwand in der Kuhle (Suchenpfiff, denn Vorsicht ist die Mutter der Keksdose) und war kurz darauf schon mit Dummy auf dem Rückweg.

Wieder begutachtete ich das Gras vor mir und überlegte, wie ich es am geschicktesten anstellen sollte. Ich wählte diesmal die Position ganz links. Biscuit hatte zwar dann das hohe Gras vor der Nase (um welches sie sicher einen kleinen Bogen machen würde), aber so hatte ich die beste Linie zum Blind UND Biscuit wäre dadurch klar, dass es jetzt nicht nochmal auf die alte Markfallstelle gehen soll.

Keksi hüpfte den erwarteten Minibogen um das Gras und rödelte in der vorgesehenen Linie weiter. Ich pushte sie auf Höhe des Helfers und nochmal als sie hinter dem Hügel kurz außer Sicht war. Sie tauchte wieder auf, lief direkt auf die richtige Stelle – Suchenpfiff – gefunden. Yeah! Kaum macht man mal was richtig…

→ 17 Punkte

Aufgabe 3 – Gordon Hay

Kürzeste Aufgabenbeschreibung ever: ein Vollblind

Sah einfach aus, war aber doch tricky, da kurz vor dem Blind ein Trampelpfad nach rechts verlief. Wenn die Hunde nur ein wenig nach rechts abdrifteten, waren sie sofort hinter einer „Insel“ außer Sicht.

Entfernung: ca. 50 m

der Trampfelpfad

die „Insel“ des Verderbens 😉

Biscuit wischte mir immer wieder kurz vor dem Blind nach rechts weg und ich pennte j-e-d-e-s-m-a-l. Wir bewiesen in dieser Aufgabe vor allem eins: Ausdauer! Ich im Handling und Biscuit beim Gehorsam.

Nur einmal wurde ich stutzig. Biscuit war wiedermal hinter der Insel entschwunden. Tüt-tüt. Nix. TÜT-TÜT. Immer noch nix. TÜT-TÜT!!!!! Kein Keks? Ich ließ meinen Blick schweifen und sah durch Zufall, wie Biscuit mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf reglos inmitten der Insel stand. *Jaaaa doch. Tüt-Tüt – hier bin ich doch längst. Wie weiter?* Entweder bind ich ihr irgendwann ein Blaulicht auf den Kopf oder ich färb sie pink ein. Alternativ könnte ich ihr auch beibringen, dass sie solange näherkommen soll, bis ICH sie sehe… nicht andersrum.

Immerhin schafften wir es irgendwann doch noch ans Dummy.

→ 5 Punkte

Vermutlich haben wir uns beide nur so blöd angestellt, damit ich mich nicht am Ende des Tages nochmal über die Null ärgern musste. Eigentlich war ich insgesamt sogar recht zufrieden mit dem Tag. Vor allem die Worte „You trained her very well“ hallten noch lange nach. Mir war bisher nie wirklich bewusst gewesen, dass ich auf unserem gemeinsamen Weg auch ab und zu mal etwas richtig gemacht hatte.

Der WT hat außerdem bestätigt, was sich schon lange abzeichnet: wenn ich nicht so elend nervös und hektisch bin und meine 7 Sinne (inkl. Pfeife) beieinander habe, schaffen wir fast alles!

Es war ein echt GEILES Wochenende. Die Gesellschaft war top, die Location war genial und die Orga wirklich spitze! Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben – Sonderleitung, Richter und natürlich vor allem die vielen Helfer – ohne euch geht nichts.

Besonders gut gefallen haben mir übrigens die Wege zwischen den Aufgaben → weit und breit keine Berge! 😀 Ich glaube, wir kommen wieder… wenn Kekselotti sich erholt hat 😉

 

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests, Show | Hinterlasse einen Kommentar

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