Seminare

Alle meine Kekse schwimmen auf dem See…

…schwimmen auf dem See,
Anke hüpft ins Wasser,
tut auch gar nicht weh!

Seminare bei Susi sind immer irgendwie mit Wasser verbunden. Doch im Gegensatz zum letzten Wochenende kam das Wasser diesmal nicht von oben. Tschakka! Trotzdem wäre das Wasserseminar fast ins Wasser gefallen, denn das eigentliche Gelände war wegen Hochwasser nicht erreichbar. Dank Anglerverein und Kreisjägerschaft wurde ein tolles Ausweichgelände gefunden, welches wir allerdings erst ab Mittag nutzen konnten. Zum warmwerden ging es daher vormittags in trockene Gefilde.

Auf dem Stundenplan standen:

  • Suchenpfiff ohne Verleitung → Kein Thema.
  • Fußgehen den Waldhang hinauf → Eine Herausforderung mit Gummistiefeln, weil matschig, rutschig, steil.
  • Aus dem Wald heraus sah man eine Markierung in die Wiese fallen; der Hund sollte geschickt werden und auf halbem Weg zur Markierung ein Suchendummy aus dem Gestrüpp holen → Ich schickte Biscuit mit „voran“, was ja eeeeeigentlich bedeutet, dass die Markierung damit nicht gemeint sein kann. Trotz „voran“ und Suchenpfiff rauschte Keksi über´s Gestrüpp zur Markierung. Ein lautes NEIN, Hierpfiff, Suchenpfiff, geht doch! Anschließend die Markierung. Hier war Biscuit etwas zu großräumig, aber immerhin erinnerte sie sich noch halbwegs.
  • Fußarbeit den Waldhang wieder hinunter; Susi warf eine Verleitmarkierung direkt auf den Weg vor uns → Wir waren schon fast unten angekommen, als Biscuit doch noch einsprang. Wieder donnerte ihr ein NEIN hinterher, sodass sie zumindest die Schnauze vom Dummy ließ. Wer Susi kennt weiß jedoch, dass mir das nicht viel half. Keksi und ich wurden den Weg wieder hinaufgeschickt und mussten nochmal von vorne anfangen. Gehe zurück auf Los und ziehe keine 4.000 Euro ein.
  • Walk-Up → Hierbei ging es ausschließlich um die Überprüfung der Steadiness. Es flogen Dummies vor die Line, hinter die Line, direkt vor die Pfoten der Hunde usw. Biscuit war sehr tapfer, was ich sicher auch ihrem Hormonella-Status zu verdanken hatte. Sie bezieht momentan einfach alles auf sich und wurde durch jedes „Fuß“ oder „Nein“ meiner Trainingskollegen fester an mein Bein getackert.
  • 2er-Walk-Up; Markierung für linkes Team; kleine Suche für rechtes Team; anschließend Platztausch → Das Suchengebiet war ein ca. 1m breiter Grünstreifen am Bach und ca. 5m lang. Es lagen 5 Suchendummies aus, die alle geholt werden sollten. Da dacht ich schon „Öha…“, doch unser „Frageproblem“ scheint überwunden zu sein. Biscuit fand alle 5 Dummies relativ zügig, auch wenn ich ehrlich sagen muss, dass freudiges Suchen anders aussieht. Egal, für ihren momentanen Zustand war das ganz großes Kino.

*bin das Baby, musst mich liebhaben*

diese Kulleraugen machen mich fertig…

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Mittagspause, Ortswechsel

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Nachdem mit den Verantwortlichen geklärt war, wo wir was machen können/dürfen, starteten wir:

Auf der gegenüberliegenden Seeseite wurde eine Markierung ins Schilf geworfen, die der Hund aber nicht sofort holen durfte. Wir drehten uns um 180° und der Hund sollte ein Suchendummy aus dem Gebüsch holen. Danach die Markierung. Während der Hund auf dem Rückweg war, wurde im Schilf ein Dummy nachgelegt, auf das der Hund anschließend vorangeschickt wurde.

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Biscuit ließ sich problemlos von der Markierung wegdrehen und ging ohne zögern auf mein „such-such“ ins Gebüsch. Aber der Hund ist ja nicht doof. Sie suchte alibimäßig etwas herum, kraxelte hinten aus dem Gebüsch wieder raus und geierte Richtung Wasser. „Nein!!! Such-such…“. Nachdem sie das Suchendummy hatte, spuckte sie es mir vor die Füße und wollte es partout nicht mehr aufnehmen. Stattdessen schielte sie an mir vorbei auf´s Wasser.
Susi: „Was ist denn mit dem Dummy?“
Ich: „Nix. Sie will ins Wasser…“
Biscuit sah abwechselnd zu mir und zum Wasser. Ich sah abwechselnd zu Biscuit und zum Suchendummy. Jeopardy-Musik. Dingdingdingding-dingdingding-dingdingdingdingdiiiiiing-didideldidel. Kann der Hund stur sein. Hmpf. Nachdem ich das Dummy endlich bekommen hatte („wenn´s mal wieder länger dauert…“), durfte Biscuit die Markierung holen. Mark & Voran kein Problem, dank Tennisball auch ohne schütteln. Dafür schubberte Biscuit anschließend nach Herzenslust mit dem Rücken über den Boden…

Analyse von Susi: Woher soll Biscuit wissen, dass sie sich mit Ball schütteln und wälzen darf, aber mit Dummy nicht? Gute Frage. Wir stellten meinen bisherigen Ablauf (Dummy abnehmen, sofort Ball werfen) etwas um: Dummy abnehmen, schütteln lassen (Kommando „schütteln“ geben), dann erst der Ball. Das Wälzen vollständig unterbinden, damit ihr das nicht irgendwann mal bei einem WT einfällt. An sich keine wahnsinnig großen Veränderungen im Ablauf. Aber wer mich kennt… Ich hatte Wochen gebraucht, um den bisherigen Ablauf einzustudieren – ebensolange wird es wohl dauern, bis ich den neuen Ablauf intus habe. In solchen Dingen bin ich wirklich talentfrei

Im Anschluss absolvierten wir die Aufgabe nochmal in 2er-Teams. Fußarbeit zur Aufgabe, ein Hund wurde in die kleine Suche geschickt, der andere holte danach die Markierung. Positionswechsel, alles nochmal. Auch diesmal dauerte es länger, was hauptsächlich an der Fußarbeit lag. Jedesmal wenn einer der Hunde nicht ordentlich Fuß lief, ging es zurück auf Los → nochmal von vorne. Solange, bis es zufriedenstellend war. Biscuit hing zweimal hinterher „Anke, du hast deinen Hund vergessen. Ihr müsst leider wieder zurück.“, schlug sich ansonsten aber bei der Aufgabe viel besser, als im Einzeldurchgang. Das beste: sie war steady, obwohl wir mit dem anderen Team Schulter an Schulter standen.

Weiter zur nächsten Aufgabe, die wir vormittags auch schon auf dem Trockenen absolviert hatten: Es wurde eine Wassermarkierung geworfen, doch der Hund sollte vorher ein Suchendummy auf dem Weg zur Markierung holen.

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Es lief genauso wie am Vormittag. Biscuit ignorierte meinen Suchenpfiff. Ich konnte sie nur mit vielen lauten NEINs von der Markierung abbringen und ins Suchengebiet bekommen. Uff, schwitz. Nachem das Suchendummy zuhause war, sollte sie die Markierung holen… und ging nicht mehr raus. Klar, immerhin hatte ich das Wasserdummy vorher mit vielenvielen NEINs belegt. Wasserdummy böse! Wie sagte Susi so treffend? „In solchen Situationen wäre es hilfreich, wenn der Hund auf den Hier-Pfiff reagiert.“

Damit hat sie vollkommen recht und wir wären bei meiner neuesten Theorie angekommen, die ich neulich beim Ansehen der DVD „Retriever Training Guru Style“ aufgestellt hatte: Keith Mathews meint, dass manche Hunde den Hier-Pfiff während der Arbeit gar nicht ignorieren, sondern falsch verknüpft haben. Oft wird nur noch gepfiffen, wenn der Hund das Dummy aufgenommen hat, um ein schnelles zurückkommen zu sichern. Dadurch verknüpft der Hund jedoch unter Umständen, dass er zwingend mit Beute wiederkommen muss.
Hmmm

Wenn ich mir Biscuits Entwicklung betrachte, könnte das tatsächlich zutreffen. In den Anfangszeiten konnte ich Biscuit 5cm vor dem Dummy noch abpfeifen (passierte natürlich ungewollt). Auf unseren Schnupper-WTs bekam ich von jedem Richter den Tipp „jedesmal Hier-Pfiff, wenn der Hund am Dummy ist“ – auch zwecks Anti-Tausch-Training. Das habe ich getan und ich erwische mich heute immer noch dabei, obwohl es sicher schon lange nicht mehr nötig ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass Biscuit den Hier-Pfiff inzwischen tatsächlich mit „ich muss was mitbringen“ verknüpft hat. Ob es wirklich daran liegt, wird die Zukunft zeigen. Ich bin momentan dabei, den Hier-Pfiff ohne Dummy wieder aufzubauen und nur in Notfällen einzusetzen.

Aber zurück zur Wassermarkierung. Irgendwie konnte ich Keksi noch überzeugen, dass sie das Dummy nun tatsächlich holen darf. FriedefreudeEierkuchen. Doch Susi wär nicht Susi, wenn nicht auf dem Rückweg noch eine Verleitmarkierung vor die Schokonase geplatscht wäre. Zu meiner Freude (und Erstaunen) ignorierte Biscuit die Verleitung (und das im Wasser – glaub ich eigentlich immer noch nicht) und durfte diese anschließend noch holen.

Es folgte für jedes Team eine Zweischeneinheit „Susi im Sandkasten“. Die Dummies wurden eingeweicht und anschließend ordentlich im Sand paniert. Ich hätte schwören können, dass ein Sandkuchendummy für Biscuit kein Problem sein würde. Älläbätsch, falsch → Biscuit fand es superwiderlich und war erstaunlich einfallsreich. Von „wieder ins Wasser schubsen und sauber machen“ über „ich treib es mit der Schnauze Richtung Frauchen“ und „man kann´s ja auch an der Wurfschnur tragen“ war alles dabei. Gut, das üben wir nochmal.

Weiter ging es mit einer Doppelmarkierung, die im 2er-Team über Kreuz gearbeitet wurde.

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Zuerst einige Meter Fußarbeit, platsch, linke Markierung, platsch, rechte Markierung. Rechtes Team holt linkes Mark, linkes Team holt rechtes Mark. Platztausch, nochmal. Ich machte mich bereit und entledigte mich meiner Gummistiefel, Socken, Jacke und Dummyweste. Steadiness am Wasser ist bei Biscuit eine heikle Sache und ich hatte den festen Vorsatz: wenn sie einspringt, geh ich hinterher und angel sie notfalls persönlich aus dem See.

Fußarbeit klappte diesmal auf Anhieb und wir mussten nicht zurück auf Los. Keksi und ich starteten auf der rechten Position. Ich zeigte ihr unsere linke Markierung mit der Hand und belegte im Gegenzug die rechte Markierung mit einem „Nein“. Auf Susis Freigabe drehte ich Biscuit zusätzlich am Bein noch in die richtige Richtung und „Apport“. Biscuit paddelte, verlor aber wenige Meter vor dem Dummy den Überblick und ruderte zurück. Stopp-Pfiff, Arm hoch, Back! Leiderleiderleider hatte ich den rechten Arm benutzt, d.h. Biscuit drehte über die linke Schulter … und eräugte dabei das Wasserdummy von der rechten Markierung. Könnt mir jetzt noch in den Hintern beißen! Trotz Geräusch aus der richtigen Richtung ließ sie sich nicht mehr back schicken und ich holte sie leer zurück.

Nachdem Frank und Scella das rechte Mark herausgefischt hatten, versuchte ich es mit voranschicken auf unser linkes Mark. Biscuit zuckte kurz, traute sich nicht und blockierte. Es wurde ein weiteres Dummy geworfen, woraufhin sie mit einem gewimmerten Startlaut rausging. Inzwischen glaube ich, dass das momentan (!) pure Verzweiflung ist und sich mit zunehmender Sicherheit wieder geben wird.

Positionswechsel, diesmal Team-Keks auf der linken Position. Als Scella auf die linke Markierung rausging, blieb Keksi brav sitzen. Nicht so, als Scella mit dem Dummy zurückkam und an uns vorbeirannte. Donnerwetter! Aber sowas von…! Tztztz. Die rechte Markierung war diesmal kein Problem für sie.

Tjaja, bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch trocken. Das befürchtete Einspringen blieb aus und ich freute mich. Bei 12° Außentemperatur wollte ich gar nicht wissen, wie kalt das Wasser wäre. Es lag nur noch eine Aufgabe vor uns: vom Steg springen!

Für Biscuit wurde die Steg-Aktion allerdings erstmal zur Steadiness-Probe. Sie saß im Fuß neben mir und „durfte“ den anderen Hunden aus nächster Nähe zusehen. Für jedes „Apport“ auf das sie nicht zuckte, gab es Lob und Leckerchen. Susi provozierte sie zwischendurch mit dem Tennisball, den sie ihr vor die Füße warf und an ihr vorbeirollte. Anke säuselnd „Feeeeeeine Biscuit, schön sitzenbleiben, die Frau ist bööööööööse, die will dich nuuuuuuur ärgern, lass dich nicht reinlegen!“. Hat geholfen!

Keksi war während der gesamten Wartezeit mucksmäuschenstill und sehr tapfer. Der Mut verließ sie erst, als wir an der Reihe waren. Der Steg war nicht fest verankert, sondern freischwimmend und konnte nur über ein Brett betreten werden. Da mir ein Kamikazeköter mit kaputten Pfoten völlig reicht, habe ich bei Biscuit bewusst auf Klettereien und ähnliches verzichtet. Leider wird mir das nun immer wieder mal zum Verhängnis, denn Biscuit hat überhaupt kein Körpergefühl. Der Weg über das Brett war ihr nicht geheuer, aber sie tat es für mich. Der schwankende Steg weckte auch nicht wirklich ihre Begeisterung.

*platsch* Dummy fiel
„Apport!“ Biscuit ging ans Stegende und haute die Bremse rein
„Na los, geh. Hopp. Is nicht schlimm“ Keksi ruderte mit der Pfote, hatte aber keine ernsthaften Absichten, sich in den vermeintlichen Tod zu stürzen.
*platsch* ein zweites Dummy fiel
„Apport!“ Biscuit traute sich immer noch nicht
*platsch* der Tennisball fiel und löste in Biscuit die pure Verzweiflung aus

Hilfesuchend drückte sie sich an mein Bein „Muddi, hilf miiiiiiiiiiiir!“. Das war der Punkt an dem ich dachte „Ok, wenn du soviel Vertrauen zu mir hast… dann muss es wohl sein.“ Ich wußte, dass Biscuit alleine nicht springen würde – wollte aber unbedingt, dass sie hier ein Erfolgserlebnis hätte. Ich überreichte Pfeife und Brille an Susi, setzte mich auf den Rand und ließ mich ins Wasser gleiten. Wäre ich ein Mann, hätte ich die Temperatur mit 0,5 cm angegeben.
Fxxx, war das KALT!

Ich schwamm ein Stück raus und animierte Biscuit, mir zu folgen. Biscuit hing mit dem Oberkörper schon im Wasser und war so auf mich fixiert, dass sie überhaupt nicht bemerkte, wie der Schwerkraft von hinten leicht nachgeholfen wurde. Platsch – und Jubeeeeeeel!!! Biscuit schnappte sich den Ball und wurde von Esther ans Ufer gelockt. Währenddessen schwamm ich zurück zum Steg, zog mich mit Hilfe halbwegs wieder hoch – und nahm dort von Biscuit den Ball entgegen, die damit ganz alleine über das Brett auf den Steg gekommen war. Ich schwamm wieder etwas raus, animierte Biscuit zum springen – und diesmal sprang sie alleine! Gemeinsam bargen wir eines der Wasserdummies und trennten unsere Wege – ich direkt zurück zum Steg, Biscuit über Land. Ein letztes mal noch!!! Es wurde noch ein Dummy geworfen, platsch, Biscuit unterwegs. Mit vereinten Kräften wurde ich aus dem Wasser gezogen und legte eine Pause ein, während ich auf Biscuits Rückkehr wartete…

…Abgabe à la „gestrandetes Walross“

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Mein tapferer kleiner Keks kam an Land, überquerte wie selbstverständlich das wackelige Brett zum Steg und überreichte mir das Dummy – ohne sich zwischendurch zu schütteln! Yeeehaaaaaaw!

War es das wert? Ja, auf jeden Fall! Ich wollte unbedingt, dass Biscuit sich überwinden und neues Selbstvertrauen gewinnen würde. Hätte ich sie einfach so ins Wasser geschubst, hätte sie mir nicht mehr vertraut – selbst wenn ihr dabei nichts passiert wäre. Es gab für mich in dem Moment keine andere Option, als selbst reinzugehen.
Ob ich es nochmal machen würde? Ja, aber nur bei wärmeren Temperaturen. Brrrr

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Seminar mit Susanne Müller-Baukrowitz

Aufgabe: Beschreiben Sie eine typische Situation, die Anke zu Beginn eines Seminars erlebt.
Lösung: Alle sind startbereit, haben Hund und Ausrüstung parat, es könnte losgehen. Doch dann ertönt der allgemein bekannte Satz „Scheiße, wo ist der Autoschlüssel???“.

So auch dieses Wochenende beim Seminar mit Susi. Nach 10 Minuten hektischer Suche (im Auto, in der Jackentasche, unterm Auto, in der Jackentasche, ums Auto herum, in der Jackentasche) fand sich der Schlüssel in einer Tasche unter der Jacke. Klar, wo sonst? Wir marschierten ins Gelände und nach der allgemeinen Vorstellungsrunde fragte uns Susi der Reihe nach „Kann dein Hund den Suchenpfiff?“ Ich antwortete voller Überzeugung „Ja“. Lektion 1: Sei vorsichtig mit deinen Antworten…

Susi versteckte ein kleines Suchendummy am Wegesrand. Hund absetzen und Suchenpfiff? Denkste! Sobald der Hund abgesetzt war, warf Susi mit Geräusch ein Verleitungsdummy auf die andere Seite des Wegs. Bitte alle mal dumm gucken – danke reicht schon – weitermachen. Ich tütete vor mich hin und Biscuit überlegte angestrengt. Nach ein paar Sekunden tütüüüü-tütüüüü und einem heimlichen Handzeichen nahm sie endlich die Nase runter, suchte ein bisschen und driftete zur Verleitung. Ich blockte sie mit einem „Nein“ und nach ein paar weiteren tütüüüüs fand sie das Suchendummy, war zwischendurch allerdings zweitweise zu großräumig unterwegs. Fazit: nicht schlecht – weiterüben!

Weiter ging es mit einer im ersten Augenblick total popeligen Markierung an einer Weggabelung. Die Markierung fiel auf den gegenüberliegenden Weg in etwa 10 Metern Entfernung. Worum es aber eigentlich ging – und von fast allen Hunde „falsch“ gemacht wurde – war der Rückweg:

Rückweg

Biscuit ist bei der Aufgabe sicher um 10 Jahre gealtert. Als sie beim Dummy ankam und es gerade picken wollte, schmiss jemand 20m weiter eine Kettensäge an. Vvrrooooooommmm!!! Meine Herren, da hat´s den Keks gerissen! Sie sprang in einem rieeeeeeeeesen Satz weg vom Dummy, die Augen quollen aus dem Kopf und der Blick sprach Bände… Sie sah so albern aus, dass wir nach dem ersten kurzen Schreck alle in schallendes Gelächter ausgebrochen sind. Dadurch fing sich Keksi sofort wieder und lieferte das Dummy doch noch ab – natürlich über den bequemen Rückweg. Erst im zweiten Durchgang kam sie auf dem direkten Weg.

*knapp daneben ist auch vorbei…*

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*ich kommääää*

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Zwischenfazit: Zwei vermeintliche Popelaufgaben, zwei Baustellen. Guter Schnitt, aber da geht noch mehr…

Alle Teilnehmer warfen gemeinsam (mit Hunden) je ein Dummy in ein Waldstück. Danach entfernten wir uns in einer Linie auf die angrenzenden Wiese. Auf Susis Kommando walkten wir, drehten uns und schickten die Hunde abwechselnd voran. Das war erwartungsgemäß für Biscuit kein Problem, trotzdem hatte ich einen Fehler gemacht. Ich hatte den Suchenpfiff gegeben, anstatt Biscuit am Wald ein „such“ zuzurufen. Wen wundert es also, dass Biscuit auf den Suchenpfiff so großräumig sucht, wenn ich es ihr falsch beibringe? Baustelle Nummer 3… wobei ich und mein Handling sicher eine Dauerbaustelle bleiben werden. Räusper. Während des Walk-Ups warf Susi Verleitungen vor die Line. Wie schon neulich nutzte Biscuit einen unaufmerksamen Moment von mir und sprang ein. Älläbäääääääätsch. Es blieb allerdings der einzige Keks-Einspringer an diesem Tag.

*auslegen*

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Voran!

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*yeehaw!*

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Danke!

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Nachdem alle Hunde vorangeschickt waren, wurden Dummies nachgelegt. „Kann dein Hund `back`?“ Etwas vorsichtiger antwortete ich „Naja, nicht 100%ig“. Ich setzte Biscuit mit dem Rücken zum Wald ab und machte mich bereit, als plötzlich ein Dummy zwischen Biscuit und mich flog. Och menno…
„Back!“ Biscuit zuckte nach hinten, überlegte es sich anders und setzte sich wieder…
„Back!“ Biscuit starrte verständnislos auf das Dummy zwischen uns…
„Back!“ Biscuit zuckte wieder, blieb aber sitzen…

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Vielleicht hätte ich sie doch noch überzeugen können, aber zu ihrem offensichtlichen Gedankengulsch kam noch lautes Bellen aus der Wartezone dazu und ich sah förmlich in ihrem Gesicht, wie der Vorhang fiel. Rumms. Dicht gemacht. Nix mehr zu wollen. Ich ging mit Biscuit nochmal zum Wald und lockerte sie auf dem Weg dorthin mit Bällchen auf. Im nächsten Versuch klappte es schließlich. Lektion 2: Im Training bei Susi niemals zu früh freuen! Als Biscuit auf dem Rückweg war, warf Susi eine Verleitung quer über Biscuits Rückweg und die fiel natürlich prompt drauf rein. Sie spuckte ihr Dummy aus und geierte zur Verleitung, was ich sofort mit „Nein, Apport!“ abbrechen konnte. Die Verleitung holte ich anschließend selbst. Baustelle Nummer 4… da geht noch was!

*auflockern*

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*alles wieder gut*

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Nach der Mittagspause wechselten wir das Gebiet und bauten mehrere Punkte auf, die zum Ende des Tages zu einer Teamaufgabe führen sollten. Zunächst legte meine Gruppe gemeinsam mit den Hunden vier Dummies aus. Der Weg führte durch etwas Gestrüpp und einen Wald. Gleicher Weg wieder zurück und nacheinander voranschicken:

waldstreifen

Auch hier sollten wir wieder darauf achten, dass die Hunde den direkten Rückweg nehmen – denn das kleine Gestrüpp verleitete dazu, den einfachen Weg außenrum zu nehmen. Biscuits Linie beim Voran war nicht 100%ig ideal, aber sie kam auf Anhieb zum Erfolg und der Rückweg war direkt.

Während wir unsere Dummies ausgelegt hatten, waren von der anderen Gruppe ebenfalls mehrere Dummies in einer Baumgruppe ausgelegt worden. Auf diese Baumgruppe schickten zunächst die anderen ihre Hunde voran, danach meine Gruppe:

baumgruppe

Hier gab es nichts zu beanstanden, hat das Kekschen super gemacht!

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Weiter ging es mit einer Premiere: Zauntraining! Es wurde ein weißer Schafzaun quer über die Wiese gespannt und wir machten die Hunde nacheinander damit bekannt. Erstmal hingehen und zeigen, dann den Zaun etwas herunterdrücken und den Hund springen lassen, anschließend über die volle Höhe. Dabei stellte ich fest: es gibt Naturtalente und es gibt Biscuit. Sie ist einige male volle Lotte in den Zaun gerammelt oder hängen geblieben, hat sich beim abspringen verschätzt usw. Trotzdem ist sie brav immer wieder gesprungen. Da der Zaun lang genug war, wurde ich mit Biscuit an die Seite geschickt, um dort weiter zu üben. Dummy rübergeworfen – apport. Hinweg war kein Thema, der Rückweg jedesmal ein Kampf. Im nachhinein könnt ich mir in den Hintern treten, weil ich auf die einfachste Lösung nicht gekommen bin: ein Tennisball hätte den Rückweg sicher attraktiver gemacht. Ich Hornochse. Baustelle Nummer drölfzich.

Wie man es nicht machen sollte
(es darf gelacht werden, is nix passiert!)

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Frauchen geht mit schlechtem Beispiel voran…

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aber irgendwie kommen sie alle drüber…

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man beachte die elegante Pfotenhaltung!

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Es folgte eine Halteübung. Ablauf bekannt: Hund absetzen, Dummy in die „Goschn“, weggehen. Hund soll halten, bis man ihm was anderes sagt. Ein Geduldsspiel, doch am Ende saß Biscuit tapfer mit Dummy im Maul und ich freute mich… wiedermal zu früh. Susi kam vorbei und hielt Biscuit ein Leckerchen unter die Nase. Plopp. Biscuits Pflichtbewusstsein löste sich in Luft auf und mein zufriedenes Grinsen ebenfalls. Baustelle Nummer habaufgehörtmitzuzählenweilhatjaehkeinenSinn.

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Nach dieser kleinen Zwischenübung legte meine Gruppe (mit Hunden) vier Dummies an einem Punkt hinter dem Zaun aus:

zaun

Dieser Punkt wurde jedoch nicht erst einzeln abgearbeitet, sondern sofort Teil der folgenden Teamaufgabe. Diese bestand aus einer Markierung (D1) und den drei Voranpunkten (D2, D3, D4):

Teamaufgabe

Im ersten Durchgang durften wir selbst bestimmten, in welcher Reihenfolge wir die Aufgaben abarbeiten wollen und wer wohin schickt. Wir sortierten zunächst mal nach Schwierigkeitsgrad: Die Markierung D1 war am einfachsten – die also zuerst. Das schwierigste Voran war D2, weil daneben die Markierung gefallen war. Danach kam D4, weil die Hunde dort noch nicht gewesen waren. D3 war das „einfachste“ Voran, allerdings nicht zu unterschätzen, weil es schon lange her war. Wir diskutierten die Stärken und Schwächen unserer Hunde.

1. Durchgang: Da Biscuit und der Zaun keine guten Freunde waren, fiel uns zunächst D3 zu. Sie ging bis in den Wald, kam dort aber ins stocken. Stopp-Pfiff – Back! Leider drehte sie nicht komplett und driftete falsch ab. Ich holte sie zurück, ging nochmal in den Wald, klatschte und brrrte dort ein wenig. Diesmal fiel es ihr unterwegs wieder ein und sie ging in einer schönen geraden Linie durch.

2. Durchgang: Ab diesem Durchgang gab Susi vor, wer wann welche Aufgabe arbeitete. Biscuit sollte diesmal die Markierung D1 arbeiten – allerdings nicht sofort. Es wurden erst D2, D3 und D4 geholt. Ich geb zu, ich hatte meine Zweifel, aber Biscuit hatte sich die Fallstelle super gemerkt. Sehr schön, denn das kennen wir ja auch anders.

3. Durchgang: Biscuit sollte D4 holen. Damit sie nicht noch mehr negative Erfahrungen machen würde, drückte Susi den Zaun auf die Hälte herunter. Biscuit ging raus, überquerte den Zaun und driftete nach links Richtung Gebüsch. Stopp-Pfiff. Konzentration. Back! Biscuit wirbelte herum, kam nach einigen Metern jedoch wieder ins stocken. Stopp-Pfiff (war 2x inkl. verbalem Sitz nötig). Back! Biscuit blieb sitzen. Susi deutete an, dass ich auf meine Handfläche achten solle. Konzentration. Back! Keksi dreht wie befohlen um, hoppelt ein paar Meter noch etwas verhalten und dann sah man wie es ihr wieder einfiel und sie einen Zahn zulegte. Für mich war das ganz großes Kino, sie auf die Entfernung back zu schicken! Diesmal unterstützte ich den Rückweg mit viel Jubel und Tennisball. Dummy daheim. Anke happy!

4. Durchgang: Nochmal D4 für Biscuit, denn sie sollte die Strecke einmal ordentlich durchlaufen, was sie auch tat. Rückweg über den Zaun wieder mit viel Party. Anke megahappy!

Gesamtfazit: geil war´s! Biscuit und ich sind gerade an der Schwelle zum F-Niveau. Ich soll das bisher gelernte weiter festigen und Biscuit in den einzelnen Bausteinen die nötige Sicherheit geben, bevor ich das Puzzle zusammensetze. Weiterhin an den Basics arbeiten (z.B. halten, direkter Rückweg) und … einen Zaun kaufen. Kicher.

Ich bin sehr stolz auf mein Keksi ♥

Susi hatte viele Tipps und aufbauende Worte parat und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Sie hat es problemlos geschafft, die Teams richtig einzuschätzen und die Aufgaben an die unterschiedlichen Leistungsstände der einzelnen Teams anzupassen. Die Gruppe war eine supernette Truppe und wir hatten irre viel Spaß und viel gelacht. Alles total entspannt – so wie es sein soll! Danke für den schönen Tag!

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Dummyseminar mit Birgitta Staflund-Wiberg

Die BZG Franken hatte für das vergangene Wochenende ein Seminar mit Birgitta Staflund-Wiberg organisiert. Ich war gespannt wie ein Regenschirm, denn es war für mich das erste Seminar, bei dem meine Englischkenntnisse gefragt waren. Birgitta erzählte zunächst etwas über sich, ihren Bezug zur Dummyarbeit und zur Jagd. Mit einigen herrlichen Anekdoten zum Thema „Jagd vs. Workingtest“ nahm sie uns die Aufregung und erzeugte eine entspannte Atmosphäre.

Während der Vorstellungsrunde kam mir spontan der folgende Spruch in den Sinn: „I speak english very well; bröcklesweis und net so schnell!“ Ich verstand jedes Wort, aber reden? *rumstotter, krampfhaft nach dem richtigen Wort such* Nachdem ich die gröbsten Informationen in fränkisch-denglisch von mir gegeben hatte, fragte Birgitta nach evtl.  Problemen. Hm. Grübel. Denk. Welche von unseren gefühlten 100 rollierenden Baustellen sollte ich nennen? Ich antwortete „mal dies, mal das“ und wir einigten uns darauf, uns überraschen zu lassen. Surprise, surprise.

Basics, Basics, Basics… im Grunde weiß jeder, dass Dummyarbeit ohne gut sitzende Basics nicht funktionieren kann. Das wird einem jeder Trainer immer wieder sagen (auch ich weiß es und habe es schon oft zu hören bekommen). Es von Birgitta zu hören, war für mich allerdings nochmal ein ganz eigenes Erlebnis. Wir waren zum Einstieg alle gemeinsam eine Runde im Kreis gelaufen, damit sich Birgitta ein Bild von der Fußarbeit aller Teams machen konnte. Allgemeines Ergebnis: „This heelwork sucks!“

Gute Fußarbeit bedeutet, dass der Hund konzentriert aber vollkommen entspannt neben einem geht. Er sollte absolut nichts erwarten und nicht schnüffeln. Ein Hund der beim Fußgehen am Boden schnüffelt, tut im Grunde nichts anderes als zu jagen. Er nimmt dabei ständig neue Informationen auf und kann sich folglich nicht richtig konzentrieren. Die meisten Hundeführer trainieren zu wenig und/oder nur in Verbindung mit dem Dummy, was jedoch grundfalsch ist. Der Platz am Bein sollte für den Hund ein entspannter und sicherer Ort sein, an dem alles möglich ist – aber nichts muss. „Heelwork means: don´t expect anything! And there is only one secret about good heelwork: you have to train it!“ Klatsch, das saß.

Wenn man sich die Dummyarbeit als Pyramide vorstellen würde, sollte diese so aussehen:

Pyramide

Während der nächsten Übung wurden die Teams einzeln getestet. Birgitta warf eine simple Einzelmarkierung, auf die wir die Hunde erst nach ihrer Freigabe schicken sollten. Nachdem das Dummy gefallen war, provozierte sie die Hunde zum einspringen. Sie stand schräg vor uns, sah die Hunde direkt an und machte auffordernde Gesten und Geräusche. Beim ersten fröhlichen „Ja!“ fühlte ich ein leichtes Zucken an meinem Bein. Urghs. Stur geradeausschauen, Anke, stur geradeausschauen. Beim zweiten und dritten „Ja! Ok!“ wurde das Zucken heftiger. Birgitta grinste sich eins und gab die Freigabe. Als ich nach unten sah, hatte Biscuit die Liegestütze-ich-würd-so-gern-bin-mir-aber-nicht-sicher-ob-ich-darf-Position eingenommen. Hui, das war knapp! Der Apport war tadellos. Fazit: Biscuit ist noch nicht 100% steady. Sie hat noch nicht verstanden, dass das Kommando ausschließlich von mir kommen darf. Aber wir sind auf einem guten Weg! Rückblickend muss ich feststellen: DAS hätte Birgitta mal lieber nicht sagen sollen. Hust.

Bei der nächsten Aufgabe sollte man gemeinsam mit dem Hund auf der Wiese ein Dummy auslegen. Zurück am Startpunkt fand wenige Meter rechts neben uns im Wald ein Treiben statt. Danach sollte der Hund auf das ausgelegte Dummy geschickt werden. Im ersten Versuch bog Biscuit direkt Richtung Wald ab. „Nein“ + zurückgeholt. Birgitta tadelte mich zurecht, dass ich das hätte sehen müssen. Beim zweiten Versuch bog Biscuit auf der Hälfte der Strecke in den Wald ab. „Nein“ + zurückgeholt. Ich sollte gemeinsam mit Biscuit nochmal zum Dummy gehen, es ihr zeigen und anschließend nochmal schicken. Diesmal ging sie richtig.

Birgitta wollte uns mit dieser Aufgabe verschiedene Dinge klar machen. Man muss für den Hund klar sein und ihm genau erklären, was man von ihm möchte. Biscuit („the brown little Princess“) hatte schlichtweg nicht verstanden, was von ihr erwartet wurde. Nachdem sie es verstanden hatte, tat sie es ohne zu zögern. Birgitta führte einen treffenden Vergleich an: Es ist ein Unterschied, ob man zu jemandem sagt „geh bitte zu meinem Auto und hol mir was zu trinken“ oder ob man sagt „geh bitte zu meinem Auto – es ist der weiße XYZ – und hol mir eine Cola“. Im Grunde ist es so, dass die Hunde es uns gerne recht machen wollen und jeder Fehler auf den Hundeführer zurückfällt. Hunde lügen nie und tun nur das, was ihnen beigebracht wurde (oft unbewusst) und sie zeigen sehr deutlich, was in ihnen vorgeht. „They are talking to you all the time, but you don´t listen to them!“

Weiter ging es mit einem 4er-Walk Up. Es wurden 10 Dummies in den Wald geworfen, danach drehten wir uns um und gingen über die Wiese in die entgegengesetzte Richtung. Auf Birgittas Zeichen fiel vor uns ein Schuss und eine Markierung. Nachdem die Markierung gefallen war, sollte zuerst ein Dummy aus dem Wald geholt werden, danach arbeitete ein anderer Hund die Markierung. Biscuit war steady und zunächst für eine der Markierungen zuständig. Die hat sie auch perfekt reingeholt. Doch danach hatte Kleinkeks scheinbar Blut geleckt. Nächster Schuss, Dummy fällt, Keks weg. Aaaaaaaaaaaaaah!!! Damit hatte ich ja nunmal überhaupt nicht gerechnet. Nun gut, Keks eingesammelt, weiter im Text. Mein Voran in den Wald hat sie super angenommen, war ein Weilchen verschwunden und tauchte schließlich fragend am Waldrand wieder auf. Ich rief ihr ein „such“ zu und sie verschwand wieder. Kurz darauf kam sie wieder aus dem Wald, ich pfiff sie ins Sitz und schickte sie back. Diesmal kam sie mit Dummy zurück. Warum denn nicht gleich so? Die Antwort darauf ist denkbar einfach: gibt man dem Hund jedesmal eine Antwort auf seine Frage, dann wird es zur Gewohnheit.

Nachdem jeder Hund dran gewesen war, sollten wir in der Line über die Wiese zurückgehen. Alle dachten „Ok, Aufgabe damit beendet“, doch plötzlich flog ein Dummy quer vor die Line. Birgitta traktierte uns auf dem Rückweg mit einigen fiesen Würfen durch, vor und neben die Line. Biscuit hielt sich tapfer zurück und ich entspannte mich ein wenig. Sie sparte sich das einspringen für den letzten Wurf auf, als ich schon nicht mehr damit rechnete. Älläbätsch!

Was hat ein paar PS zuviel und dafür einige aktive Gehirnzellen zu wenig? Ein Keks! Das bestätigte auch die letzte Aufgabe des Tages. Alle Teams standen vor dem Waldrand und hörten, wie mit einigen Geräuschen und Schüssen für jeden Hund zwei Dummies zur Suche ausgelegt wurden. Schwupps – weg war mein Hündchen. Ääääähhh?!?!? Da ich inzwischen auf alles gefasst war, kam sie jedoch nicht weit. Surprise, surprise! Als alle Dummies lagen, wechselten wir die Position und gingen über den Waldweg um die Ecke. Von diesem neuen Standpunkt aus wurden die Hunde abwechselnd in die Suche geschickt. Ich mach es kurz: Biscuit hat kein einziges Dummy reingeholt. Beim ersten mal suchte sie zu oberflächlich (die Dummies waren nicht einfach ausgelegt, sondern gut versteckt worden) und kam fragend wieder; beim zweiten mal ging sie erst gar nicht richtig raus, sondern drehte bereits nach 2m um und fragte.

Bisher dachte ich, das sei ein Biscuit-spezifisches Problem, aber damit lag ich gründlich daneben. Ich war erstaunt, wieviele andere Hunde an diesem Wochenende dasselbe „Frage-Problem“ hatten. Natürlich ein Resultat falschen Trainings. Zum einen machen wir es den Hunden zu einfach, indem die Dummies meist zu offensichtlich ausgelegt sind und zum anderen antworten wir den fragenden Hunden viel zu oft und zu schnell. Birgitta gab zu bedenken, dass Drogenspürhunde auch nicht mit einem Kilo Kokain ausgebildet werden oder den Hundeführer fragen können „hast DU zufällig eine Ahnung, wo die Drogen sein könnten?“. Zudem sind wir regelrechte Kontrollfreaks, die jeden Apport akribisch überwachen sobald wir den Hund geschickt haben. Stattdessen wäre es jedoch viel wichtiger, das Verhalten bei Fuß zu kontrollieren und den Hund nach dem schicken seinen Job machen zu lassen. „Trust your dog!“

Der nächste Tag knüpfte nahtlos an die Grundlagen des Vortags an. Wieder begannen wir mit einer Runde Fußarbeit, die bereits vieeel besser war als noch am Vortag. Anschließend setzten wir die Hunde in einer Reihe ab und stellten uns ihnen gegenüber auf. Birgitta ging mit einem Dummy an der Leine vor den Hunden auf und ab und zuckelte, warf, schleuderte damit vor ihnen herum. Es war ein großartiges Bild! Alle Hunde waren aufmerksam aber entspannt, kein Vergleich zum Vortag. Anschließend sollten wir den Hunden den Rücken zudrehen und uns im nächsten Schritt in einem kleinen Graben verstecken. Dort wo ich stand, war der Einstieg relativ steil, aber dank Gummistiefeln rutschte ich problemlos nach unten und kauerte mich zusammen. Erst als wir wieder herauskommen sollten, wurde mir mein Problem bewusst. Es gab nichts, woran ich mich wieder hätte nach oben ziehen können. Mein Gehampel im Graben war für Biscuit dann doch zu viel und sie kam auf eine Stippvisite vorbei *wedel, kann ich helfen oder mitmachen, wedel?*. Nachdem mich eine andere Teilnehmerin aus dem Graben geborgen hatte, brachte ich Biscuit wieder an ihren Platz und wir starteten die letzte Übung. Wir sollten locker auf die Hunde zugehen als ob die Übung beendet sei, dann aber 1m vor ihnen stoppen. Birgitta wollte sehen, ob die Hunde auch verstanden haben, dass eine Übung erst vorbei ist, wenn man es ihnen tatsächlich sagt. Sie hatten verstanden!

Nun wurden an drei verschiedenen Stellen Dummies ausgeworfen. Auf diese Memories schickten wir die Hunde im Laufe des vormittags aus der Line heraus voran. Zwei dieser drei Stellen meisterte Biscuit im Gegensatz zu mir sehr gut. Sobald sie außer Sicht verschwunden war, bekam ich das hibbeln und versuchte verzweifelt einen Blick darauf zu erhaschen, was sie gerade tat. Wie war das mit dem Kontrollfreak? Urghs. Ich atmete tief durch und siehe da – Keksi kam mit Dummy zurück. Die dritte Stelle war der Wald, an dem sie am Vortag schon gefragt hatte. Diesmal gab ich keine Antwort, sondern senkte den Kopf und stierte auf den Boden. Daraufhin ging Biscuit zunächst wieder in den Wald, kam jedoch kurz darauf wieder. Birgitta befahl mir stehenzubleiben und ging wortlos in den Wald. Keksi folgte ihr. Es dauerte keine Minute bis Biscuit mit Dummy wiederkam. Sie hatte laut Birgitta hervorragend gesucht, sobald sie mit ihr zusammen reingegangen war. Bei anderen Teams wiederholte sich das Spiel. Auch wenn das jetzt vielleicht blöd klingen mag: ich bin heilfroh, dass ich mit diesem Problem nicht alleine dastand.

Der ein oder andere wird sich vielleicht wundern, warum ich diesmal keine Grafiken gebastelt habe. Der Grund ist einfach: es ging an diesem Wochenende nicht so sehr um die zu lösenden Aufgaben oder das Gelände. Es ging fast ausschließlich um das, was so oft vergessen wird: die Basics! Fußarbeit, richtiges loben etc. „Keep them calm!“, „Don´t be like Barbie!“ und „Don´t complicate, keep it stupid simple!“

Im Laufe des nachmittags besprachen wir verschiedene Dinge, wie z.B. den Aufbau des Voranschickens, den Aufbau des Stopp- und Suchenpfiffs oder den Wiederaufbau der Eigeninitiative der Hunde. Wir diskutierten über Sinn und Unsinn mancher Workingtest-Aufgaben und über die richtige Balance zwischen Handling und Selbständigkeit.

Birgitta ließ uns selbst entscheiden, wer welche Übungen noch machen wollte. Als sie mich fragte, ob ich mit Biscuit noch den Übungsaufbau zum voranschicken durchgehen möchte oder ob sie genug hätte, drehte sich Biscuit demonstrativ auf den Rücken und bewegte sich nicht mehr. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Damit hatten wir die Lacher auf unserer Seite und ich meine Antwort. Ich brachte Biscuit ins Auto, wo sie sich sofort zusammenrollte und einschlief.

Warten macht müüüüüüüüüüüüüde…

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Wir setzten uns am Ende des Tages alle nochmal zusammen und tauschten uns über das vergangene Wochenende aus. Es war eine wirklich tolle und buntgemischte Truppe, in der man sich nur wohlfühlen konnte. Birgitta hat uns mit witzigen aber einleuchtenden Beispielen unsere Fehler aufgezeigt und uns einige AHA-Momente beschert. Vielen Dank dafür! Es war klasse und hat sich mehr als gelohnt!

Zuhause habe ich über meinen kuriosen Notizen gebrütet, die ich teils auf deutsch und teils auf englisch bzw. fränglisch niedergekritzelt hatte. Ich könnte noch so vieles über dieses Seminar, die anderen Teilnehmer, deren Probleme und die dazu erhaltenen Tipps schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Natürlich hab ich mir inzwischen viel Gedanken darüber gemacht, wie es zu Biscuits derzeitiger Unselbständigkeit gekommen ist. Das Thema zieht sich bereits seit letztem Jahr wie ein roter Faden durch meine Berichte. Wenn ich an unseren allerersten Schnupper-WT in 2011 zurückdenke fällt mir auf, dass Biscuit dort zuletzt eine tolle Nasenarbeit hingelegt hat. Zu diesem Zeitpunkt war sie weder krank noch durch mein falsches Training verdorben. Nachdem die Herzkrankheit festgestellt und sie auf Medikamente eingestellt wurde, ging es schnell wieder bergauf. Obwohl ich da schon merkte, dass das schnelle Aufgeben aus gesundheitlichen Gründen bereits zu einer blöden Angewohnheit geworden war. Ich trainierte vermehrt an der Selbständigkeit und irgendwann war das Thema vergessen. Das es nun wieder aufkommt, liegt am ausschließlichen Einweisetraining der vergangenen Monate. Möööööp!

Birgitta drückte es sehr treffend aus: „Wenn ihr euren Hunden das selbständige suchen abtrainiert, nehmt ihr ihnen die Seele.“ Dem ist nichts hinzuzufügen…

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umwerfende Momente eines Dummyseminars mit Dieter Schorn

Die BZG konnte Dieter Schorn erneut für ein Halbtages-Seminar nach Franken locken. Er hatte uns bereits im April einige neue Denkanstöße gegeben, allesamt hier nachzulesen: Hula-Hoop mit Dieter Schorn.

Obwohl uns Dieter beim letzten mal ausführlich die Vorteile des Einparkens bei der Abgabe erklärt hatte, muss ich gestehen dass ich es bisher nicht weiter verfolgt habe. Zuviele andere Baustellen *seufz*. Das rückwärts-laufen zum korrigieren der Grundstellung habe ich eine zeitlang gemacht, bin aber doch sehr schnell wieder ins „Schenkelklopfen“ verfallen. Alte Gewohnheiten sind nur schwer auszubügeln.

Wir starteten mit einer einfachen Markierung, damit sich Dieter ein Bild von den Teams machen und schonmal ein paar allgemeine Dinge erklären konnte. Werferin und Heldin des Tages war Doris, die nach den 3 Stunden praller Sonne gut durchgebacken war:

Unser erster Versuch ging in die Hose, weil Biscuit zwar lange an der Fallstelle gesucht aber irgendwann doch aufgegeben hat. Die Markierung wurde nochmals geworfen und diesmal fand Biscuit auch. Alles wie immer, d.h. Abgabe im Stehen. Dieter ermunterte mich, beim nächsten mal die Einpark-Variante zu probieren und erläuterte nochmals warum (siehe meinen ersten Bericht aus April). Wir analysierten an welchem Punkt Biscuit bei der ersten Markierung aufgegeben hatte und was in solchen Fällen zu tun ist: das Verhalten auf jeden Fall unterbrechen, indem man den Hund z.B. zurückholt.

Andere Teams, andere Probleme, andere Tipps, z.B.:

-> was uns allen sooooooo schwer fällt: Nicht so viel mit dem Hund reden

-> den Hund nicht ständig anschauen: Sieht zwar nett aus, ist aber natürlich in der Dummyarbeit kontraproduktiv

-> Einspringen: Wenn der Hund zuckt oder die Körperstellung „tiefergelegter Ferrari“ einnimmt, geht man ein paar Schritte rückwärts. Sortiert sich der Hund wieder neben einem ein, geht man wieder schrittweise an die ursprüngliche Stelle. Solange, bis der Hund nicht mehr ans einspringen denkt. Einfach, aber sehr hilfreich! Dieter gab jedoch zu bedenken, dass man Anti-Einspring-Training je nach Hund nicht unbedingt nur in Verbindung mit Dummies machen sollte, weil der Hund u. U. sonst irgendwann nicht mehr freudig rausgeht.

-> Neigt der Hund nach der Abgabe zum kaspern oder stiften gehen, kann man ihn auch erstmal anleinen bevor man das Dummy abnimmt.

Die nächste Aufgabe war eine Doppelmarkierung, wobei die Dummies auf einer Linie lagen. Es sollte immer zuerst das näherliegende Dummy (1) geholt werden:

Durchgang 1: Dummy (1) wurde zuletzt geworfen, was es für die Hunde einfacher machte das richtige Dummy zuerst zu holen.

Biscuit holte nacheinander beide Dummies in der richtigen Reihenfolge, erwähnenswert ist nur die Abgabe. Ich versuchte mich in der Einpark-Variante, wie Dieter sagt „die Bewegung des Hundes mitnehmen“. Ich rannte ein wenig rückwärts und klatschte freudig in die Hände, als Biscuit auf meiner Höhe war ging ich wieder vorwärts und hatte sie damit automatisch links neben mir.

Durchgang 2: Dummy (2) wurde zuletzt geworfen, obwohl Dummy (1) zuerst gebracht werden sollte. Das war schon schwieriger, da der Fokus der Hunde natürlich beim zuletzt geworfenen Dummy lag.

Biscuit war auch prompt im Begriff das erste Dummy zu überlaufen, als mein nochmaliges „Apport“ über die Wiese schmetterte. Eigentlich kam ich einen Meter zu spät, aber Biscuit wirbelte trotzdem herum und pickte das richtige Dummy. Jubelnd und klatschend legte ich den Rückwärtsgang ein.

Es folgte der umwerfendste Moment des Tages…

Leise, still und heimlich hatte sich ein Grashügel hinterrücks angeschlichen und schmiss sich direkt vor bzw. hinter meine Füße. Mein Hintern nahm umgehend Bodenkontakt auf, der Oberkörper folgte der schwungvollen Bewegung und ich blickte verwundert in den strahlend blauen Himmel. Lautes Gelächter mischte sich mit meinem Gekicher und wenn Dieter mir nicht aufgeholfen hätte, würd ich wohl heute noch dort liegen.

Das war der Miesling-Fiesling, sieht eigentlich ganz harmlos aus…

Durch die Wirrungen meiner Slapstickeinlage hatte Biscuit das zweite Dummy überhaupt nicht mehr auf dem Schirm und die Markierung wurde nochmals geworfen.

Durchgang 3: Dummy (2) wurde zuletzt geworfen und zusätzlich auch beschossen, was den Reiz noch erhöhte. Trotzdem sollte Dummy (1) weiterhin zuerst reingeholt werden. Dieter instruierte uns, was wir tun sollen, wenn es schiefgeht.

Wie erwartet überrannte Biscuit das erste Dummy und reagierte diesmal nicht auf mein nochmaliges „Apport“ (was sowieso zu spät kam). Doris sicherte schnell das hintere Dummy und ich pfiff Biscuit zurück und gab auf Höhe des ersten Dummys erneut den „Apport“-Befehl. Klappte! Auch das zweite Dummy holte sie sicher, nur die Abgabe ließ zu wünschen übrig.

Wie schon beim letzten Seminar fing Biscuit durch die viele Action das herumblödeln an. Dieter und ich kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass bei Biscuit weniger doch mehr ist. Beim nächstem mal wollte ich es ruhiger angehen.

Falls sich jemand über die Aufgabenstellung wundert (ist es nicht egal, welches Dummy zuerst reinkommt?), muss ich sagen: Ich hab eine solche Aufgabe schon beim Munich Cup vor ein paar Jahren gesehen, allerdings wollte der Richter damals das hintere Dummy zuerst. Nichts ist unmöglich in der großen Manege des Dummyzirkus, gelle? Mal abgesehen davon, dass ich bei der Aufgabe wieder etwas zum Handling mitnehmen konnte. Außerdem sollten die Aufgaben für den Hund immer unberechenbar sein.

Bei der letzten Aufgabe handelt es sich um eine Kombi-Aufgabe:

Man ging zuerst mit dem Hund ein paar Meter Fuß, setzte den Hund ab und legte ein Dummy aus. Wieder beim Hund angekommen wurde eine Markierung geworfen. Der Hund sollte zuerst auf das ausgelegte Dummy vorangeschickt werden und danach die Markierung holen.

Bei dieser Aufgabe war ich zu undeutlich und zu lässig. Biscuit reagiert auf mein erstes (genuscheltes) Fuß-Kommando nicht, also mußte ich nochmal auffordern. Beim Auslegen des Dummys schnüffelte sie am Boden und beachtete mich gar nicht weiter. Sie ließ sich dann zwar voranschicken, schnüffelte aber auf dem Rückweg wieder am Boden. Die Markierung war ebenfalls nicht gut, denn sie lief nicht direkt dorthin, sondern leicht versetzt Richtung Helfer. Bei der Abgabe verzichtete ich diesmal auf das Klatschen und ging nur ruhig lobend langsam einige Schritte zurück und wieder nach vorne. Das lief besser!

Analyse: Die Fußarbeit muss noch mehr automatisiert werden um überflüssige und zusätzliche Kommandos zu vermeiden. Beim Auslegen war ich nicht spannend genug – hätte ich das Dummy bereits beim weggehen aus der Tasche geholt und gezeigt, wäre Biscuit aufmerksamer gewesen. Bei der Markierung stand ich schief, dementsprechend konnte Biscuit gar nicht die korrekte Richtung annehmen.

Dieter betonte nochmals, wie wichtig die Fußarbeit und das korrekte Ausrichten ist. Denn: wenn man selbst gerade steht und der Hund gerade sitzt, wird er automatisch erstmal geradeauslaufen. Man kann deshalb schon durch die richtige Grundstellung beeinflussen, ob und wie schnell der Hund zum Erfolg kommt.

Damit war der halbe Tag leider auch schon wieder vorbei. Ich konnte zum Teil wieder etwas neues mitnehmen und wurde erneut daran erinnert, was im Dummysport am wichtigsten ist: Basics, Basics, Basics!

Vielen Dank an Dieter für den Input, Doris für die Organisation und meine Mitstreiter für die angenehm lockere Stimmung.

Biscuit fand´s auch total chillig *smile*. Bis zum nächsten mal!

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Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld (2012)

Selten hatte ich mich so auf ein Wochenende gefreut und gleichzeitig soviel Bammel davor. Das Dummyseminar mit Petra Ritzerfeld stand an und nach dem tollen Seminar im letzten Jahr (hier nachzulesen) freute ich mich wie ein kleines Kind auf die Fortsetzung. Allerdings bereitete mir das Wetter am Samstag einige Sorgen: 32°C im Schatten, keine Wolke am Himmel – für einen gesunden Hund schon nicht einfach. Doch ich war bestens ausgerüstet: ein Kanister Wasser, ein kühles Handtuch und die Einstellung „Notfalls betreiben wir Extrem-Wartezonen-Relaxing und lernen aus der Ferne.“

Petra konnte sich tatsächlich noch an uns erinnern *staun* und empfing mich mit einer herzlichen Umarmung „Schöööööön, ich hatte schon gefragt, ob du auch kommst – ich bin doch so gespannt, was du aus deiner Maus gemacht hast!“ Schluck – da wurde ich doch glatt für einen kurzen Moment nervös…

Wie schon letztes Jahr befragte Petra erst jeden Teilnehmer nach den Hauptproblemen und machte sich Notizen dazu. Ich berichtete ihr zunächst von der Herzdiagnose und das ich Biscuit ggf. gar nicht oder nur sehr wenig arbeiten lassen würde. Im Hinblick auf das Dummytraining ist unsere größte Baustelle, dass Biscuit teilweise zu schnell aufgibt (wobei ich mich inzwischen frage, ob die Herzmuskelschwäche und der dadurch fehlende Sauerstoff nicht auch seinen Teil dazu beigetragen hat).

Bevor es ins Gelände ging, hatte Petra bereits ein paar einleitende Tipps gegen Fiepen und/oder Knautschen parat. Zusätzlich erteilte sie uns eine wichtige Lektion: Gib bei einem fremden Trainer NIEMALS deinen Hund aus der Hand! Bitte stattdessen den Trainer darum, dir die Übung zu erklären und führe sie selbst mit deinem Hund durch. Dafür hätt ich sie glatt knutschen können!

Wir marschierten ins Gelände und suchten uns einen Schattenplatz. KleinKeks ging es wunderbar, das nasse Handtuch schien seine Wirkung nicht zu verfehlen…

Petra wollte zunächst wissen, wer von uns beim Einweisen mit weißen Markierstäben arbeitet *meld*. Sie erläuterte die Vorteile der Markierstäbe und wie man diese Hilfe schnell und effektiv wieder abbauen kann. Mein Fazit: ich brauch mehr von diesen weißen Dingern und muss mein Einweise-Training in einigen Punkten überdenken.

Bei der ersten Aufgabe wollte sich Petra ein Bild von den Teams machen und zuerst die Hunde sehen, die bereits mit Markierstäben gearbeitet hatten. Hierzu wurde auf einem mit hohem Gras bewachsenen Weg ein Markierstab aufgestellt, an dem einige Dummies ausgelegt wurden. Dabei lernte ich gleich zweierlei: 1. man kann auch zwei Stäbe aufeinanderstecken und damit im kniehohen Gras trainieren und 2. man muss/sollte keine Führerfährte legen, wenn man mit Markierstab arbeitet, sondern einen anderen Weg gehen.

Bergauf wurde eine Markierung mit Schuss geworfen, die jedoch nicht sofort gearbeitet wurde…

…stattdessen sollten wir uns um 90° nach rechts drehen und die Hund auf die ausgelegten Dummies voranschicken:

Keksi war hochkonzentriert und hat ihre Sache super gemacht: bei der Markierung steady, das Drehen am Bein problemlos und exakt ausgeführt und *trommelwirbel* ohne den geringsten Zweifel vorangegangen und anschließend die Markierung gearbeitet (wobei sie an der Fallstelle etwas Hilfe benötigte). Petra lobte mich für unsere Fußarbeit und meinte, dass ihr das letztes Jahr schon sehr positiv aufgefallen war *freu*. Das allerbeste: die beiden Apporte hatten Biscuit überhaupt nix ausgemacht – sie hechelte nichtmal!

Nachdem alle durch waren, gab es einige Tipps zur Verbesserung der Fußarbeit und der Grundstellung. Eine Übung dazu ist bspw. die „Uhr“. Man dreht sich dazu jeweils um 90° auf der Stelle und wirft ein Dummy. Nur wenn der Hund auf Anhieb gerade sitzt, darf er zur Belohnung das Dummy apportieren. Nebenbei trainiert man dabei auch Steadiness und kann kleine Einweiseübungen einbauen.

Da einige Hunde (auch Biscuit) Schwächen beim Marking gezeigt hatten, ging es damit weiter im Programm. Petra erklärte uns ausführlich, wie man Markierungen am besten trainiert und führte die Übungen mit den entsprechenden Teams durch. Sie gab sie mir die Anweisung meinen Keks nochmal ordentlich abzukühlen, da Biscuit bei der Aufgabe einige Male rausgehen müsse. Die Markierungen fielen bergab und Petra sagte bereits nach der ersten Markierung zu mir „Auf Biscuit mußt du wirklich gut aufpassen, die arbeitet sich sonst tot“. Nach der dritten Markierung brach ich die Aufgabe ab und wir verzogen uns wieder in den Schatten. Biscuit machte zwar einen fitten Eindruck, aber solange wir nicht beim Kontroll-Ultraschall waren, gehe ich kein unnötiges Risiko ein.

Es folgte ein Walk-Up mit jeweils vier Teams, die am unteren Rand der Wiese starteten. Zuerst legte jeder Hundeführer an einem Markierstab ein Dummy aus und los ging´s um die Kurve den Berg hinauf. Links oben am Waldrand war ein Helfer für Markierungen stationiert, zusätzlich lief ein weiterer Helfer mit uns mit, der ebenfalls Markierungen warf.

Es war inzwischen knalleheiß auf der Wiese und Petra wies uns darauf hin, dass man beim Walk-Up immer Wasser für den Hund mitführen sollte. Da Biscuit auch aus Flaschen trinken kann, stopfte ich mir eine 1L-Flasche Wasser in die Dummyweste und ab die Post!

Ich führte Biscuit unangeleint und war mit der Fußarbeit und ihrer Steadiness wirklich sehr zufrieden. Zuerst warf Petra eine Markierung vor die Line und da Biscuit als einzige aufgepasst hatte, durfte sie auch direkt gehen. Sie hatte zwar die Fallstelle auf dem Schirm, tat sich aber beim suchen richtig schwer im hohen Gras. Petra sorgte dafür, dass Keksi etwas fand *g* und nachdem Biscuit wieder bei mir war, stöberten Petra und der Helfer auch das ursprünglich geworfene Dummy wieder auf.

Wir walkten weiter und es fiel schräg links hinter uns am Waldrand eine Markierung mit Schuss:

Auf Anweisung von Petra sollte ich Biscuit jedoch stattdessen auf die hinter uns ausgelegten Dummies voranschicken:

Biscuit ging zuerst schnurgerade raus, driftete dann aber auf dem letzten Drittel in die Richtung der Markierung ab. Auf mein „Nein!“ stoppte sie sofort und kam auf meinen Doppelpfiff freudig zu mir zurück, was ein dickes Lob zur Folge hatte: ich lobte Biscuit für´s zurückkommen und Petra lobte mich für´s loben *lol*. Ich richtete Biscuit erneut aus und erlebte eine Premiere – KleinKeks ist beim Voranschicken eingesprungen *das hat sie ja noch nie gemacht…*. War mir in dem Moment aber egal, denn sie wußte nun was zu tun ist und behielt die gerade Linie bei. Vom Helfer erfuhr ich später, dass sie keines der offen am Markierstab liegenden Dummies genommen hatte, sondern eines der Ersatzdummies aus dem Gestrüpp hinter dem Stab. Sie hatte auch keine Anstalten zum Tauschen gemacht *tschakka*. Danach durfte sie noch die Markierung holen und eine Weile „mitwalken“. Sie hatte überhaupt kein Problem mit der Line und den anderen Hunden, die direkt vor ihrer Nase geschickt wurden und mit der Beute an ihr vorbeikamen. Ich war megastolz auf meine Maus!

Während des Walk-Up gab ich ihr immer wieder Wasser und wachte mit Argusaugen über ihren körperlichen Zustand. Ich brach schließlich zur Sicherheit wieder vorzeitig ab und erlebte eine freudige Überraschung. Wir waren kaum an unserem Platz angekommen, war bei Biscuit schon wieder alles im Normalbereich. Ein bisschen müde, aber ansonsten: fit wie ein Turnschuh!

Nach dem Walk-Up ließ uns Petra die Wahl: entweder noch eine umfangreiche Aufgabe arbeiten, oder mehrere kleine Übungen im Schatten mit etwas Theorie. Wir wählten einstimmig die kleineren Übungen, denn die Hunde waren allesamt mehr als bedient. Während der nächsten Stunde lernten wir viel über das back/seitlich schicken, den Stopp-Pfiff und wie man prüfen kann, ob der Hund die Kommandos verstanden hat. Biscuit sah noch eine Weile zu und kam dann auf meinen Schoß gekrabbelt, wo sie sich zusammenrollte und einschlief.

Da Petra eng mit Anke Bogaerts zusammenarbeitet, fragte ich sie nach dem Seminar, welchem Charaktertyp sie Biscuit zuordnen würde. Ergebnis: Biscuit ist in erster Linie ein Aktionshund, gepaart mit einem kleinen Anteil Gefühlshund. Dem stimme ich uneingeschränkt zu 🙂

Den Sonntag verbrachte ich als Helfer für die Fortgeschrittenen und durfte dabei nochmal eine Menge lernen (z.B. zum Lining, Handling, wie testet man ob der Hund den Hier-/Suchen-/Stop-Pfiff unterscheiden kann usw.). Die F-Aufgaben waren wirklich knackig und es war eine Freude, den Hunden beim arbeiten zuzusehen. Der Wettergott schien gewusst zu haben, dass es anstrengend werden würde, denn es schüttete den ganzen Sonntag wie aus Kübeln. Ein nettes Kontrastprogramm zum Vortag *tropf*.

Petra hatte für jedes Team die passenden Lösungen parat und erklärte zwischendurch ausführlich, warum manche Übungen für bestimmte Hunde nicht geeignet sind. Schade, dass das Wochenende so schnell vorbeiging. Ich hab jede Minute genossen und dabei auch noch wahnsinnig viel gelernt.

Am meisten freut es mich, dass es Biscuit so gut geht und sie die Hitze am Samstag lockerflockig weggesteckt hat. Die Tabletten schlagen bereits nach zwei Wochen wunderbar an und ich bin zuversichtlich, dass wir noch vielevieleviele Jahre gemeinsam beim Dummytraining schwitzen, frieren und Spaß haben können.

Kategorien: Seminare | 5 Kommentare

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