Waldschneestolper-Dummytrainingstag

Der gestrige Tag begann schon fast traditionell mit einem Klopps meinerseits. Ich wollte mich morgens mit Esther an einem Pendlerparkplatz treffen. Mit 5 Minuten Verspätung fuhr ich los und dachte mir noch „jetzt aber zackig“. Kurz vor dem Ziel sah ich zufrieden auf die Uhr: 8.57 Uhr, dann komm ich ja noch pünktlich bis 9 Uhr am Treffpunkt an. Hm? Mein Hirn ratterte kurz. 9 Uhr??? F…, es war 8.30 Uhr ausgemacht! Ein Blick auf mein Handy offenbarte zwei entgangene Anrufe und eine SMS „alles ok bei dir?“. Bis auf mein Hirn – alles bestens…

Eine Entschuldigungsorgie, ein schnelles gemeinsames Frühstück und 40 km später kamen wir am vereinbarten Gruppen-Treffpunkt an. Es hatte frostige -5°C die sich wesentlich kälter anfühlten, doch zum frieren kamen wir gar nicht. André scheuchte uns in den Wald und offenbarte, dass wir die kommenden 2 Stunden im WalkUp unterwegs sein würden. Da ist nicht nur mir die Kinnlade runtergeklappt. Die 8 Teams stellten sich in der Line auf und André befahl: „Leinen ab – Augen nach vorn – nicht auf den Hund schauen! Walk on!“

Der Waldboden war mit allerlei Gestrüpp bewachsen und durch die Schneedecke hatte man keine Ahnung, wo man als nächstes hintreten und wie tief man einsinken würde. Jeder Schritt ein Abenteuer. By the way… welcher Depp hat eigentlich die vielen Bäume in den Wald gestellt?

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Selbst wenn ich gewollt hätte – ich konnte mich unmöglich auf meinen Weg UND Biscuit konzentrieren. War aber auch gar nicht nötig, denn sie blieb brav an meiner Seite. Die folgenden zwei Stunden gliederte sich der WalkUp in verschiedene Aufgabenstellungen auf:

1. Suche:

André lief vor der Line und legte unbemerkt jeweils ein Dummy aus. Auf sein Kommando stoppten wir und er gab an, welcher Hund zum suchen geschickt werden sollte. Hatte der Hund das Dummy, liefen wir weiter bis der nächste Hund geschickt werden sollte. Das Spielchen wiederholte sich, bis alle 8 Hunde 1x in der Suche gewesen sind. Biscuit hatte bei ihrem Dummy etwas Mühe, da sie zunächst viel zu weit in die Tiefe ging. Lag wohl auch ein bisschen daran, dass ich sie zu energisch geschickt hatte.

2. Viel Lärm um Nichts:

Manchmal frag ich mich, was ein Unbeteiligter wohl von uns denken würde? Da steht ein erwachsener Mann im Wald und macht dauernd *brrrrrrt-brrrrrrt-brrrrrrrrrt* und 8 Leute latschen mit ihren Hunden hinterher. Wir sollten bei dieser Übung ausdrücklich nicht stehen bleiben, sondern einfach weiterlaufen… egal wie oft und laut es brrrrt-ete.

3. Freilauf:

Wir walkten weiterhin nebeneinander her und es wurde abwechselnd jeweils ein Hund in den Freilauf geschickt. Biscuit war zunächst erfreut darüber, die Gegend endlich selbstständig abschnuffeln zu können, verlor aber auch recht schnell wieder das Interesse *Frauchen, da tut sich nüscht…*.

4. Einzelmarkierungen:

Erste Verschnaufpause des Tages. Wir blieben stehen und jeder Hund arbeitete aus der Line heraus eine Einzelmarkierung. Anschließend setzten wir unseren Weg fort und die Markierungen fielen während des WalkUps. Vorher gab es allerdings noch eine deutliche Warnung von André „Wehe ich höre von irgendjemanden `ich hab´s nicht gesehen`!“ Pffffffft… schien allerdings zu helfen, alle haben fein aufgepasst.

Biscuit hatte bei ihrer zweiten Markierung einen kleinen Aussetzer. Sie rannte über die Fallstelle weg und schnüffelte sich an einem besonders interessanten Grasbüschel fest. „Appooohort!“ *was, wie, achja, da war was… aber wo?* Ich holte sie zurück und setzte neu an. Sie hatte das Dummy schnell und war auf dem Rückweg, als André eine Verleitmarkierung warf. Biscuit stoppte und sah dem Dummy beim fallen zu. Soweit ok, das soll sie ja auch. Ich pfiff nicht, weil ich ihre Reaktion abwarten wollte. Die fiel leider nicht wie gewünscht aus, denn sie entschied sich für einen Hoppser in Richtung Verleitung. „Nein! Hieeeer!“ und sie schlug den richtigen Weg ein. Wieder was gelernt :floet:

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Schwuppdiwupp waren zwei Stunden vorbei und der WalkUp beendet. Ich bin suuuuuuuuuperstolz auf mein Kekschen, sie saß die ganze Zeit aufmerksam neben mir und ist kein einziges mal eingesprungen! Nur einmal hat sie zwei Hüpfer nach vorn gemacht, als ich das Gleichgewicht verlor und wild um mich ruderte. Konzentration weg – Hund weg, so ist das eben.

Weitergehen sollte es in einem anderen Waldstück, wozu wir erstmal aus diesem Wald herauskommen mussten. Man entschied sich einstimmig für eine Abkürzung durchs Dickicht. Kollektiver Anfall von Größenwahn! Leiderleider hab ich kein Foto gemacht. Ging nicht – musste ums überleben kämpfen. Es war wirklich saueng und ein paarmal war ich kurz davor mich langzulegen. Ab und zu hörte man vor oder hinter sich einen Aufschrei oder jodelte selbst laut auf.

Ich könnte schwören: dieses Waldstück hatte ein Eigenleben und einen seltsamen Sinn für Humor! Zuerst versperrte mir ein Ast auf Augenhöhe den Weg. Ich schob ihn zur Seite und machte einen Schritt nach vorn. Derweil schmiegte sich liebevoll eine Brombeerranke um meinen Knöchel. Stolper. Ich fing mich wieder und wunderte mich, warum es plötzlich so luftig um die Ohren war. Ein Blick zurück zeigte einen Ast freundlich mit meiner Mütze winken. (Ja, Uschi, ich hör dich JETZT noch lachen! :acute:)

Wir schafften es trotzdem alle an einem Stück in das neue Gebiet zu gelangen und starteten nach einer kurzen Teepause mit einer Markierung die im 2er-Team gearbeitet wurde.

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Der Helfer stand irgendwo da hinten rechts von der Schneise und warf zwei Dummies in den Wald links davon. Die Enternung war ordentlich und die Flugbahn nur kurz zu sehen. Biscuit kriegt für die Aufgabe eine 1 mit Sternchen. Steady, punktgenau markiert und schneller zurück als ich pfeifen konnte.

Die nachfolgende Aufgabe war zu schwer für uns. Wir standen wieder in der Line und André warf vier Markierungen. Ich tat mein bestes, um mir alle Fallstellen zu merken. Immer wieder ging ich sie gedanklich durch und suchte nach Orientierungspunkten. An zwei Stellen klappte es ganz gut (ein querliegender Ast, ein seltsam geformter Baum), aber die anderen beiden Stellen konnte ich nur vage in Erinnerung behalten (warum sehen Baumstämme alle gleich aus?). Natürlich sollte ich Biscuit ausgerechnet auf eine meiner Schwachstellen schicken :nose:

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D2 und D4 waren vorher schon geholt worden, was einige Zeit in Anspruch genommen hatte. Ich ging daher davon aus, dass Biscuit die Fallstelle nicht mehr genau auf dem Schirm hatte und schickte sie nicht mit „apport“, sondern mit „voran“. Die richtige Richtung konnte ich noch bestimmen, die Entfernung allerdings nicht. Ich konnte nur hoffen, dass Biscuit weit genug gehen und zwangsläufig über das Dummy stolpern würde. Beim ersten ansetzen driftete sie nach rechts zur alten Fallstelle von D2. Stopp-Pfiff. Keks saß, ich lobte sie dafür und holte sie wieder zurück. Im zweiten Versuch brach sie kurz vor dem Ziel nach links aus und ich holte sie erneut zurück. Danach ließ ich es gut sein, weil es einfach keinen Sinn hatte.

Mittagspause!

Wir fuhren gemeinsam zum Bäcker und wärmten uns ein wenig auf. Biscuit bekam von mir vor der Mittagspause einen Energieriegel für Hunde (Kronch Pemmikan). Ich hatte davon in Ivonnes Blog gelesen und wollte es nun selbst testen, da Biscuit in den Pausen oft tief und fest schläft und danach recht matschig in der Birne ist. Gespannt holte ich mein Kekschen nach der Pause aus dem Auto und man sah ihr sofort an, dass sie viel fitter war als sonst.

In einem neuen Gelände legten wir alle gemeinsam an zwei Stellen Dummies aus und richteten eine Wartezone ein. Dort kam das ganze Ausmaß von Biscuits neugwonnener Energie ans Licht. Sie war selten soooooooo albern! Sie krabbelte auf meinen Schoß, verteilte Küsschen, forderte abwechselnd Esther und mich zum spielen auf, inspizierte den Inhalt meines Rucksacks und wollte mir ein Dummy aus der Weste mopsen. Da das alles nicht fruchtete, nahm sie ihre Leine in die Schnute und kullerte im Schnee herum. Wenn sie doch mal still saß, blitzte der pure Schalk aus ihren Augen. Wir haben uns göttlich amüsiert :LOL:

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Ich hatte etwas Sorge, dass sie beim arbeiten ebenfalls rumspinnen würde, aber weit gefehlt! Sie war vollkonzentriert bei der Sache und legte ein Wahnsinnstempo vor. Wir arbeiteten in 2er-Teams und schickten die Hunde abwechselnd jeweils zwei mal auf die Stellen voran, an denen wir vorher die Dummies ausgelegt hatten:

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Die letzte Aufgabe des Tages war eine Stopp-Pfiff-Übung, die wieder in 2er-Teams stattfand. Die Teams standen links am Waldrand. Rechts am Waldrand fiel eine Markierung, die vom ersten Hund geholt werden durfte:

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Der zweite Hund wurde anschließend ebenfalls auf die Fallstelle geschickt, sollte allerdings kurz vorher ins Stopp gepfiffen werden (etwa auf Höhe des Strommastes). André stand beim Strommast und warf bei erfolgreichem Stopp das Belohnungsdummy für die Hunde.

Als zusätzlichen Anreiz wurde an der Fallstelle ein Dummy abgeseilt, damit die Hunde nicht auf eine leere Stelle geschickt wurden, sondern Aussicht auf „Erfolg“ hatten. Das Dummy war mit einer Schleppleine über einen Ast geworfen und wurde bei Bedarf von einem versteckten Helfer hochgezogen oder heruntergelassen. Manche Hunde waren seeeeeeeeeeehr empört, als das Dummy vor ihren Augen den geordneten Rückzug antrat. Seit wann können Dummies klettern?

Biscuit durfte zunächst die Markierung holen und wartete anschließend, bis unsere Teampartner mit der Stopp-Übung fertig waren. Danach waren wir an der Reihe. Wie schon neulich in unserem Privat-Training hatte Biscuit im ersten Durchlauf einen Taubheitsanfall. Ich holte sie zurück, schickte nochmal, Pfiff – uuuuuuuuuuuuund – sitzt! Geht doch! Sie blieb sogar sitzen, als das Belohnungsdummy flog und wartete auf mein „ok“. Braves Mädel!

Damit endete ein richtig nettes Training! Es war wirklich super, wir hatten eine Menge Spaß und haben wieder viele neue und wichtige Erfahrungen gesammelt. Danke an André für die schönen Aufgaben und Tipps und an Esther, Karola, Uschi, Alex, Julia, Steffi und Heiko für die lockere Stimmung.

Ich bin sehr zufrieden und irre stolz darauf, was Biscuit geleistet hat. Allein der WalkUp – a Traum! Nur an der Dosierung des Energieriegels muss ich noch feilen. Nächstes mal werde ich die Portion auf 2x aufteilen, vielleicht ist der Sockenschuss dann nicht ganz so groß.
Richtiges Doping will eben gelernt sein

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Kategorien: Training | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Waldschneestolper-Dummytrainingstag

  1. Bloß gut, dass du keine Bisuit Armstrong hast!! Zweng dem Doping und so 🙂
    Ansonsten: wie immer super geschrieben, und Massage für die Grinsemuskeln inbegriffen!!
    LG, gaby

  2. „Man entschied sich einstimmig für eine Abkürzung durchs Dickicht. Kollektiver Anfall von Größenwahn! Leiderleider hab ich kein Foto gemacht. Ging nicht – musste ums überleben kämpfen.“

    Herrlich! Ich danke dir fürs Kopfkino!

  3. Aaaaaach, wie schön! Ich freu mich schon auf unser wiedersehen… mit dir Lachen ist besonders schön und ansteckend… Danke für den heutigen Lacher ♥

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