LCD-WT am Rosshof (O)

Getreu dem Motto „Ich denke, also spinn ich!“ habe ich es tatsächlich getan und bin mit Biscuit vergangenen Samstag bei einem WT des LCD in der Offenen Klasse gestartet. Trotz all der bunten Knete im Kopf bin ich aber auch Teilzeit-Realist und weiß genau, was wir können und was wir nicht können. Mein Ziel war daher ganz klar definiert: Erfahrungen sammeln.

Am Tag vor dem WT ereilten mich immer wieder kleine Panikattacken. Herzklopfen, flauer Magen, weiche Knie, zittrige Hände, alles dabei. Andere Leute quälen sich für sowas in die Achterbahn – mir reicht die Aussicht auf kleine grüne Stoffsäckchen. Herzlichen Glückwunsch. Mein eigener Kopf kam nicht dagegen an, also wählte ich die Nummer meiner persönlichen Telefonseelsorge. Liebe Ivonne, vielen Dank für´s runterholen! Bist die Beste!

So konnte ich am Samstag mit einem erträglichen Maß an Nervenkitzel in den Tag starten. Es gab drei Stationen mit je zwei Aufgaben. Nachfolgend wie immer in der Reihenfolge beschrieben, in der wir sie gearbeitet haben.

Station 3/Aufgabe 5 – Ralf Ohletz

In einer Waldschlucht beschoss Schütze S das Blind B1 (an der gestrichelten Linie ging es fast senkrecht bergab, d.h. der Hund war auf dem Weg zum Blind eine Weile außer Sicht):

3

Danach drehte man sich um fast 180°. Dort lag das Vollblind B2:

3a

Zuerst war B2 zu holen, danach B1. Entfernung: leider keine Ahnung.

B1 beschrieb der Richter in etwa mit „Irgendwo hinter dem querliegenden Baumstamm“. Ich versuchte etwas mehr Info herauszukitzeln und bekam immerhin noch die Angabe „Es liegt nicht allzuweit vom Schützen weg – ist ein schlechter Schütze (zwinker)“. B2 konnte ich liegen sehen. Ich wiederholte gewohnheitsmäßig die Aufgabenstellung nochmal mit eigenen Worten und erntete zustimmendes Nicken. Ich stellte uns mit Blickrichtung Schlucht auf, leinte ab und gab zu verstehen, dass es losgehen kann.

Nach dem Schuss auf B1 drehte ich uns Richtung B2 und beging meinen ersten Fehler: ich unterschätzte die Aufgabe. Total peinlich, aber soviel Ehrlichkeit muss sein. Ich konzentrierte Biscuit nicht klar und lange genug auf B2 und erhielt sofort die Quittung. Sie driftete schon auf den ersten Metern nach links in Richtung Schlucht. Äääähhh? Stopp-Pfiff. Zweiter Fehler: ich schickte Biscuit mit dem rechten Arm back, anstatt sie gleich deutlich nach rechts von der Schlucht wegzuschicken. Dadurch behielt Biscuit natürlich ihre ursprüngliche Linie bei und bewegte sich weiter am Rand der Schlucht entlang (auf dem Foto sozusagen am linken Bildrand in Richtung des blauen hängenden Dings). Ich erkannte meinen Fehler, stoppte sie wieder und schickte sie nach rechts. Biscuit lief nach hinten. Wieder Stopp + rechts. Biscuit lief weiter nach hinten. Halloooo? McFly? Jemand zuhause??? Im dritten Anlauf nahm sie meine Richtung endlich an, allerdings war sie da schon deutlich hinter dem Dummy. Glück im Ungehorsam: sie lief direkt in den Wind und hatte das Dummy schnell in der Nase. Uff.

Ich drehte uns zurück zur Schlucht und stutzte. Mein Blind-Anhaltspunkt (der Schütze) hatte sich zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht. Keiner mehr da. Älläbätsch! Diesmal konzentrierte ich Biscuit ordentlich. „Voran!“. Weg war sie. Banges Warten bis sie wieder im Blickfeld auftauchte. Sie hielt die Linie sehr schön, kam aber an einem kleinen Graben ins trudeln und ich musste nochmal stoppen und back schicken. Biscuit hüpfte über den Baumstamm und mit Schwung den Hang hoch. Ich pfiff sie zurück, Suchen-Pfiff, Dummy gefunden.

→ 12 Punkte

Ich leinte Biscuit kurz an und wir bewegten uns ein paar Meter an der Schlucht entlang, wo es direkt weiterging.

Station 3/Aufgabe 6 – Ralf Ohletz

Eine Einzelmarkierung. Blick in eine Waldschlucht. Helfer W warf Markierung M hinter sich in den gegenüberliegenden Waldhang. Diese durfte auf Freigabe geholt werden. Entfernung: leider keine Ahnung.
Leider wird das Bild dem Gelände nichtmal ansatzweise gerecht; an den gestrichelten Linien war jeweils ein Absatz, an dem es steil bergab ging.

3b

Als ich den Helfer sah, musste ich kurz in mich reingrinsen. Guck an, dahin hatte sich also der Schütze von B1 verkrümelt. Ich leinte ab, Schuss fiel, Dummy fiel. Der Richter ließ sich mit der Freigabe schöööön lang Zeit… „Apport!“. Biscuit sauste los, nahm den Schwung mit in den gegenüberliegenden Hang und semmelte einen Meter links am Dummy vorbei. Falsche Windseite. Hätte ich wissen müssen, aber bei einer Markierung kann man das Denken schonmal einstellen *facepalm*. Biscuit lief weiter nach oben und ich sah teilnahmslos dabei zu, bis eine Stimme hinter mir mahnte „Achtung, der Hang zieht!“. Ähmja. Bis ich eingriff, war es a) viel zu spät und b) wurde ich hektisch. Stopp, Hier, Rüber, Stopp, back, Rüber, Hier, Suchenpfiff, gefunden. Örghs.

→ 11 Punkte

Auf dem Weg zur nächsten Station kam ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus. Was war DAS denn für ein Murks, Frau Suckert?

Station 1/Aufgabe 1+2 – Michael Renner

Zuerst warf Helfer W1 die Dublette M1/M2 auf der links etwas höher gelegenen Wiese, danach Helfer W2 rechts die Markierung M3 hinter einen Baum. Direkt geradeaus am Ende der Wiese befand sich das Vollblind B. Die Dummies sollten in folgender Reihenfolge gearbeitet werden:
1. ein Dummy der Dublette
2. die Markierung M3
3. das Vollblind
4. das zweite Dummy der Dublette
Die Dublette galt als eine Aufgabe, M3+B als eine Aufgabe.
Entfernungen: M1, M2 und M3 ca. 120m

1c

Grafik aus der Vogelperspektive:

1b

Die Entfernung zum Blind betrug laut Entfernungsmesser des Richters ca. 150m. Über Google Earth hätte ich eher 170-180m gemessen. Andere Starter meinten, es waren 200m. Gefühlt lag es für mich am anderen Ende der Welt.

Egal, kneifen war nicht. Ich atmete tief durch und leinte ab. Schuss, die Dublette fiel. Schuss, M3 fiel – und zwar dem armen Helfer fast auf den Kopf. Das hätte glatt ich sein können. Der Richter rief „Gleich nochmal!“. Erneuter Schuss und M3 landete an der vorgesehenen Stelle. Auf in den Kampf… denn genau das wurde es. Ein Kampf.

Obwohl ich vorher noch gezweifelt hatte, ob Biscuit die Dublette wirklich sehen konnte, schickte ich nur mit Richtungsanzeige und „Apport“. Damit war Biscuits Freigeist geweckt und sie verschwand auf halben Weg (an dem schmalen Übergang auf die linke Wiese) im Gestrüpp. Rausgepfiffen, gestoppt, back. Keks verschwand wieder im Gemüse. Ich piff und ruderte und Biscuit tat was ihr grad einfiel. Ein Wunder, dass sie überhaupt bei den Dummies ankam. Als sie auf dem Rückweg war, fragte mich der Richter „Und, was meinste? Wieviele Kommandos hat dein Hund gerade ignoriert?“ – „Ähm, so gut wie alle?!“.

Zu M3 schickte ich wieder mit Richtungsanzeige und „Apport“, woraufhin Biscuit direkt den Helfer anpeilte und von dort erstmal nicht mehr wegzubekommen war. Es war mehr Glück als Verstand, dass ich sie überhaupt ans Dummy bekam.

Nach dem Pfeifkonzert bei den ersten beiden Dummies war das Blind vom Ende der Welt gefallen und direkt in einer anderen Galaxie gelandet. Biscuit schaffte es bis auf Höhe der M3-Fallstelle geradeaus, bog dann nach rechts ab, ignorierte konsequent die durch mich verursachten Hintergrundgeräusche (*mir is als hätt ich Tinnitus*) und saugte sich rechts an der Hecke fest. Dort lagen wohl vorher die Blinds der Fortgeschrittenen-Klasse, was zwar eine Erklärung für ihren Ungehorsam war, aber noch lange kein Grund dafür. Da ging mir meine Geduld schon fast vor der des Richters aus. Aber eben nur fast. „Hol sie zurück.“ Ouuuuuuuuh man. Ich wäre am liebsten im Boden versunken.

Da die Dublette eine eigene Aufgabe war, durften wir das letzte Dummy trotzdem noch arbeiten – wenn ich wollte. Ja, ich wollte. Wer aufgibt, hat schon verloren. Ich richtete uns aus und wurde vom Richter unterbrochen: „Guck mal wie dein Hund sitzt. Ich würde mich mehr nach links ausrichten.“ Bei genauer Betrachtung hatte er Recht. Ich korrigierte nach und schickte Biscuit voran. Sie lief bis zum Übergang, an dem wir beim ersten Dummy so vehement diskutiert hatten, blieb stehen und fragte. Ich schickte sie back und so bekamen wir wenigstens das zweite Dummy aus der Dublette einigermaßen gesittet nach Hause.

→ 6 Punkte für die Dublette
→ 0 Punkte für M3/Blind

Himmel hilf, das war mit Abstand die grottigste Vorstellung, die wir je auf einem WT abgeliefert haben. Die Null war mir dabei völlig wurscht (wir hätten das Blind vermutlich auch an einem hervorragenden Tag nur unter einer sehr günstigen Sternenkonstellation reinbekommen), aber über den keks´schen Ungehorsam staune ich immer noch Bauklötze.

In der Wartezone zur letzten Station gab es eine Runde versöhnungsknuddeln, denn wie mein Dad immer zu sagen pflegt: „Ärgern bringt nichts, du kannst es eh nicht mehr ändern.“ Kluger Mann!

Station 2/Aufgabe 3 – Michael Brühl

Startpunkt mit Blick auf einen Graben. Helfer W warf die Markierung M. Auf der gegenüberliegenden Seite des Grabens befand sich am am Waldrand zwischen das Vollblind B. Zuerst sollte das Blind gearbeitet werden (Hund war auf dem Weg dorthin kurz außer Sicht), danach die Markierung. Entfernung: leider keine Ahnung.

2

Schuss, Markierung, Freigabe. Ich ließ mir noch kurz Zeit, um mir die Fallstelle ordentlich einzuprägen und drehte uns anschließend Richtung Blind. Der Wind kam von links, deshalb richtete ich uns auf die rechte Ecke des beschriebenen Waldrandstückes aus. Lange Konzentration, „Voran!“. Als Biscuit am Graben ankam nochmal „Voooooooooran!“. Sie tauchte ab und auf der anderen Seite etwas zu weit rechts wieder auf. Ich griff ein und zu meiner Erleichterung hatte Biscuit ihren Gehorsam wiedergefunden. Nach zwei oder drei Korrekturen kam sie am Waldrand an und verschwand aus meinem Blickfeld. Der Richter hatte vorher noch gesagt „Solange der Hund zu sehen ist, ist er richtig.“ also pfiff ich Biscuit zurück. Sie kam wieder und ich hatte schon zum Stopp-Pfiff angesetzt als ich raffte, dass sie bereits gefunden hatte. Upsi.

Konzentration Richtung Markierung. „Apport“. Leider lief sie etwas zu weit links und war dadurch prompt außer Sicht. Das ist auch sowas, was ich nur schwer lerne: den Hund nicht außer Sicht laufen lassen. Nach zwei Hier-Pfiffen hatte ich sie wieder auf dem Schirm. Sie arbeitete sich von hinten an die Fallstelle. Suchenpfiff, gefunden. Rückweg staaaaaaaark verlangsamt.

→ 9 Punkte

Wir verkrümelten uns wieder in die Wartezone und hatten zum ersten mal seit der ersten Aufgabe eine etwas längere Wartezeit, da die Aufgaben hier nicht direkt hintereinander gearbeitet wurden. Biscuit nutzte die Zeit für ein Nickerchen.

Station 2/Aufgabe 4 – Michael Brühl

Es wurde im 2er-Team gearbeitet. Zuerst warf der Helfer W die Markierung M (Flugbahn kurz und flach), danach wurde vom Helfer S das Blind B beschossen. Gearbeitet wurde über Kreuz. Das rechts stehende Team zuerst das Blind (Hund war kurz außer Sicht – leider ist der Graben im Bild nicht erkennbar), danach das links stehende Team die Markierung. Entfernung: leider keine Ahnung.

2a

Biscuit und ich standen zunächst auf der rechten Position und waren für das Blind zuständig. Ich hatte uns auf die Fallstelle der Markierung ausgerichtet. Nachdem diese gefallen und der Schuss für das Blind erfolgt war (den Biscuit offenbar nicht mitbekommen hatte, weil sie nur auf die Markierung glotzte), drehte ich uns Richtung Blind. Konzentration, „Voran!“. Am Graben nochmal „Voooooooran!“. Keks weg, Keks wieder da. Die Linie hatte sie schön gehalten, aber sie kam auf der anderen Seite ordentlich ins zweifeln. Stopp + back. In stark gedrosseltem Tempo befolgte sie meine Anweisung. Mein Suchenpfiff kam viel zu früh und gerade als mir ein leises „ach quatsch“ entfuhr, bekam sie Wind vom Dummy. Das andere Team sammelte die Markierung ein und wir tauschten Plätze.

Von der linken Position war die Markierung nicht mehr ganz so gut zu sehen und ich überlegte, ob ich Biscuit später nicht lieber voranschicken sollte. Obwohl das Blind schnell drin war, verpuffte meine Überlegung wieder. Manchmal habe ich die Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege. Richtungsanzeige. „Apport“. Biscuit lief nur noch auf Reservetank und bewegte sich in Slowmotion Richtung Markierung, drehte auf der Hälfte um und fragte. Ich schickte sie back und wir verzettelten uns im letzten Drittel nochmal in den Bäumen links von der Fallstelle, bevor ich sie endlich am Dummy hatte.

→ 12 Punkte

Geschafft! Wir hatten fertig. Im wahrsten Sinne.  Hund und Halter. Sowohl körperlich, als auch geistig.

Während ich das Gelände nochmal abmarschierte und meine Fotos knipste, horchte ich in mich rein. War ich nun zufrieden oder unzufrieden? Das kann ich heute noch nicht wirklich beantworten. Was ich mit Sicherheit sagen kann: Es war anstrengend und hat trotzdem – oder gerade deshalb – richtig viel Spaß gemacht. So viele neue Erfahrungen und Aha-Effekte gibt uns kein Training der Welt. Wir werden es ganz sicher wieder tun und ich freue mich darauf!

In diesem Sinne – bis bOld

keks

Vielen Dank an Sonderleitung, Richter und vor allem Helfer für den schönen WT in diesem traumhaften Gelände!

 

 

 

 

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Kategorien: Prüfungen/Workingtests | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „LCD-WT am Rosshof (O)

  1. Auf JEDEN macht ihr das wieder!!! Und DU darfst mich jederzeit anrufen… das ist doch wohl klar 🙂

  2. Birgit

    Super genialer Bericht, Anke!!! Und tolle Leistung!

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